TdM Blog News

10 Gründe, warum man sich kein 911 Targa F-Modell kaufen sollte

Written by hansbahnhof

Im meinem letzten Post habe ich Euch erläutert, warum der Porsche 911 Targa als F-Modell die großartigste Art ist, mit Stil offen Porsche Oldtimer zu fahren. Das kann man natürlich auch anders sehen.

Daher habe ich euch im Folgenden zusammengeschrieben, weshalb ich nie wieder einen Targa-Porsche kaufen würde.

1. Der Targa ist hässlich

Der Porsche 911 Targa ist und war eine Notlösung, weil die Porsche Ingenieure kein Vollcabrio hinbekommen haben. Die fantastisch gezeichnete Coupé-Linie des Porsche 911 Daches ist beim Targa primitiv abgeflacht und wird dann auch noch von diesem schrecklichen Nirosta-Targabügel unterbrochen. Zeigt mir den Gestalter, der das schön findet. (Ich ducke mich jetzt mal)

2. Der Targa ist kein echter Sportwagen

Ein echter Sportwagen hat schnell und steif zu sein. Punkt. Was die Geschwindigkeit angeht, können 911 Targa Oldtimer (je nach Modell 110 bis 190 PS Porsche 911 Targa oder 90 PS im 912 Targa) auch im heutigen Straßenverkehr noch gut mithalten.

Doch – der Targa verwindet sich bei schneller Fahrt und das ist deutlich zu spüren. Das disqualifiziert ihn als echten Sportwagen. Ein Targa mit Sportlenkrad, Startnummern und Tieferlegung sieht daher auch ziemlich bescheuert aus. Also ungefähr wie ein Fiat Panda mit Breitreifen oder eine Ente mit Heckspoiler.

3. Das Targadach: Teuerstes Autoersatzteil der Welt

Ich habe die Motorhaube des Jaguar E-Type immer für eines der teuersten Autoersatzteile auf dem Markt gehalten. Doch die knapp 12.000 EUR, die für den stylischen Jaguar-Blechdeckel heute aufgerufen werden, sind ein Taschengeld gegen den Preis eines neue Porsche-Targadaches.

Für aktuell schlappe 25.000,– EUR lässt sich das Porsche Classic Center herab, eine neue Targa-Mütze zu liefern. Wenn gerade eine vorrätig ist jedenfalls.

Jetzt werdet Ihr sagen „Ich habe ein Dach!“ Damit habt Ihr so lange Recht, wie Euer F-Modell nicht von Targadachdieben heimgesucht wurde (hierzu mal das TDM Interview zum Thema Oldtimerdiebstahl mit Carsten Möller vom OCC anschauen…). Denn – oh Wunder – gebrauchte Targadächer sind schwer zu kriegen und teuer. Und wenn man eines findet, muss man sich fragen, wo es eigentlich herkommt. Hat sich da womöglich jemand entschieden, in Zukunft daueroffen zu fahren? Oder steht womöglich irgendwann der redliche Eigentümer auf irgendeinem Porschetreffen vor Euch und sagt: „MEINS!!“?

Was für den Preis des Daches gilt, gilt übrigens auch für die Dichtungen rund ums Dach. Die auf dem Markt erhältlichen Repros der vorderen und hinteren Dichtungen passen meist miserabel und sie kosten beim freundlichen Online-Shop zwischen 200 und 250 EUR das Stück. Ja – wir sprechen von Gummidichtungen!

4. Das Targadach – ein ganz schöner Klotz

In zeitgenössischen Werbeanzeigen sieht man zum Targa ein Model (wahrscheinlich Twiggys Schwester) lächelnd das Dach abnehmen. „Damenleicht“ hieß es damals angeblich, auch wenn ich das Zitat bislang in keiner  offiziellen Porschepublikation gesehen haben.

Doch die Targa-Realität ist eine andere. Das metallverstärkte Dach mit den fetten Gummidichtungen bringt ordentlich Gewicht auf die Waage. Da man zum Abnehmen und Draufsetzen in der Regel außerhalb des Wagens steht, erfordert die Prozedur eine orthopädisch sicher ungesunde Körperspannung und  durchaus Kraft. Nix für Damen, außer  sie sind zu Zweit. Und auch für midlife-kriselnde Männer jenseits der 40 gibt es schönere Beschäftigungen. Besser man macht das immer zu Zweit.

5. Das Targadach – kannst Du Dir klemmen!

Das Zusammenfalten des Porsche Targadaches ist leicht und es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie sich die massiven Dachelemente klaglos ineinanderfalten. Doch Vorsicht! Wer allzu fasziniert vom Mechanismus ist, risikiert seine Finger. Die geraten schnell mal zwischen die massiven Dachelemente. Vorsicht also beim allzu hastigen Zusammenfalten!

6. Der Targa ist laut

Habt Ihr Euch mal die vordere Kante des Targadaches angeschaut? Selbst bei top-restaurierten Exemplaren werdet Ihr feststellen, dass sie mehr oder weniger über den Scheibenrahmen hinaussteht. Mal ein, zwei Millimeter. Mal deutlich mehr. Je nach Targaefahrung des Restaurators.

Was optisch kaum zu sehen ist, führt im Porsche Fahrbetrieb schon bei geringen Geschwindigkeiten zu einem Höllenlärm. Schon minimale Passungenauigkeiten im vorderen Bereich führen dazu, dass der Fahrtwind Orgel auf der vorderen Dachkante spielt. Das macht es im Innenraum höllisch laut. Targafahrer wissen: Offen  gefahren ist der Porsche Targa am leisesten!

7. Nasswerden im Targa (1) – Der Targa ist feucht

Es ist gemein, dass ich das schreibe, denn das Targadach dürfte eines der dichtesten Cabriodächer der sechziger und siebziger Jahre sein. Doch, wer beim  Zusammenbau des F-Modells schlampt, kriegt nasse Füße. Meist rinnt das feuchte Nass dabei übrigens durch die Seitenschreiben in den Innenraum.

8. Nasswerden im Targa (2) – Schauergefahr

Meine allererste Fahrt im Targa begann an einem sonnigen Tag, der von einem plötzlichen Schauer jäh unterbrochen wurde. Ich war gerade in Duisburg und fuhr über eine Straße ohne Parkmöglichkeiten oder Brücken zum Unterstellen. BIN ICH NASSGEWORDEN!

Denn selbst wenn der drohende Schauer sich ankündigt, sind die folgenden sieben Schritte notwendig, bei denen Ihr garantiert nass werdet.

  1. Porsche parken
  2. Aussteigen und Kofferraumöffnen
  3. Targadach rausnehmen und aueinanderfalten
  4. Targadach aufsetzen
  5. Einsteigen und Targadach von innen verriegeln
  6. Aussteigen und Kofferraum schließen
  7. Wieder einsteigen

9. Rost am Targa

Porsche 911 F-Modelle sind Rostlauben, wenn sie nicht 1a restauriert wurden.

Beim Targa gibt es im Vergleich zum Porsche 911 Coupé zusätzliche Rostherde. Das ist die Stelle, wo der Targabügel in die Karosserie übergeht, das Verstärkungsblech im Radhaus sowie der gesamte Bereich um die große Targa-Heckscheibe. Viel Spaß beim Blecheeinschweißen. Wer ein 911 Coupé sein Eigen nennt, hat hier etwas weniger Stress.

Blick ins Radhaus hinten links in Fahrtrichtung. Hier sitzen die Verstärkungen für die Targabügelaufnahme. Oder saßen, je nach Zustand.

Blick ins Radhaus hinten links in Fahrtrichtung. Hier sitzen die Verstärkungen für die Targabügelaufnahme. Oder saßen, je nach Zustand.

Rund um die Panorama-Heckscheibe des Porsche-Targa nistest sich der Rost unter der Dichtung ein. Hier ein gutes Exemplar!

Rund um die Panorama-Heckscheibe des Porsche-Targa nistest sich der Rost unter der Dichtung ein. Hier ein gutes Exemplar!

10. UV-Strahlung

Auch wenn es den Klimawandel Dank Mr Trump nicht mehr gibt, sollte man im Targa immer eine Sonnencreme mit 50er Schutzfaktor mitnehmen. Der Fahrtwind lässt den Targafahrer nämlich in der Regel die Intersität der UV-Strahlung unterschätzen. Alternativ setzt Ihre eine dieser hässlichen Basecaps auf – aber sowas macht Ihr doch nicht oder?

Ich bin gemein – ich weiß

Zur Ehrenrettung des Porsche Targa muss ich zwei Punkte anführen.

  1. Ich fahre selber einen und hatte schon brutalen Spaß mit ihm in den Bergen und in Schottland.
  2. Es sprechen eine Menge Gründe für den Porsche Targa als F-Modell, die ich im ersten Teil dieses Zweiteilers zusammengetragen habe. Alles, was für den  Targa spricht, findet Ihr hier: 10 Gründe warum man sich ein Porsche Targa F-Modell kaufen sollte.

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

Leave a Comment