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6. Classic Days Schloss Dyck 2011 – Porsches und andere Schönheiten (Video)

Written by hansbahnhof

Das „deutsche Goodwood“ befindet sich in Jüchen. Schloss Dyck – ein beeindruckendes Bauwerk mit riesigen Parkanlagen und einem hochklassigen Oldtimer-Event. Die Classic Days (http://www.schloss-dyck-classic-days.de) fanden 2011 zum sechsten Mal statt.

Bei einer Großveranstaltung mit mehreren tausend erwarteten Gästen kann man nur nach der Wurm-Devise gehen. Es hieß also „früh aufstehen“ am 6.8.. Ein erster Blick aus dem Fenster zeigte, dass das deutsche Goodwood 2011 mit echtem englischen Landregen aufwarten würde. Aber wen kümmert das. Der S und wir waren ja bereits in Schottland. Seitdem schockt uns nichts mehr.

Pünktlich um 8.15 Uhr hieß es also „Please start your engine“ und das Brüllen des S lockte wie immer -zig oldtimerbegeisterte Pyjamaträger auf die Balkone. Der enthusiastischen Resonanz auf den Frühstart entnehme ich, dass sich die Gebote für einen Garagenwechsel auf den vierstelligen Bereich hinbewegen. Wie schrieb schon „Auto Motor Sport“ im Jahr 1971 sinngemäß über den S: Man solle die 190 PS Maschine besser nicht frühmorgens in einem reinen Wohngebiet starten. Zu spät!

Mit knapp 100 km/h geht es auf die Autobahn Richtung Düsseldorf. Langsam warmfahren – so will es die 190 PS Maschine im Heck. Nach knapp 45 Minuten dann Ankunft in Jüchen. Ab hier sind die Classic Days ausgeschildert. Ich suche das „Miscanthus-Feld“. Dort gehören Autos hin, die noch nicht Bugatti sind, aber auch nicht Golf V, also Nachkriegsoldtimer und Youngtimer. Ein paar tausend werden davon heute zwischen zwei Meter hohem Schilfgras parken.

Porsches auf Schloss Dyck
Berlin – Rom. Gern hätte ich ihn gesehen, den Berlin-Rom Wagen und damit einen der ersten Rennporsche. Aber die Schlange vor dem Fahrerlager schreckte mich ab und mit Stativ und Kamera waren die Wege ohnehin bei schwüler Luft doppelt so lang. Dafür gab es mehr Porsche Renntransporter als jemals in den 60er und 70er Jahren liefen, toll restaurierte Autos und den leicht bitteren Nachgeschmack, dass viele der 356er und 911er Pretiosen ein lichtarmes Dasein in klimatisierten Garagen verbringen, anstatt das zu tun, für was sie gebaut wurden. Porsches gelten übrigens auf Schloss Dyck ohne Altersbegrenzung als Klassiker. Auf dem Miscanthusfeld fanden sich jedenfalls Zuffenhauser Pretiosen bis weit in 2000er Baujahre hinein.

Andere Schönheiten auf Schloss Dyck
Bugatti, Mercedes Flügeltürer, Ferrari – automobile Schönheit hat klangvolle Namen. Und die sind in Jüchen alle vertreten. Hierfür muss man sonst ins Museum gehen. Dort ist es zwar billiger und trockener, aber auch deutlich langweiliger und man hört keine Motoren. Die Classic Days sind daher etwas für Menschen, die klassische Automobile in ihrem natürlich Lebensraum erleben wollen. Beim Nachbenzinriechen, beim Röhren, beim Gummigeben und beim Knacken und Knistern beim Après Drive. Wer auch nur eine Tropfen Benzin im Blut hat, wird sich hier wohlfühlen, wie der Mops im Schlafrock. Besonders toll ist es natürlich an der Rennstrecke, wo jede vierrädrige Pretiose vorgestellt wird, bevor sie sich auf die Rundstrecke begibt und ordentlich Gummi auf dem Asphalt lässt.

Aber auch Youngtimer zwischen Opel und Ford fühlen sich zwischen Schloss und Miscanthusfeld wohl und jeder hat sich hier seine biologische Nische eingerichtet. Wer ohne Club da ist, sucht so lange nach markengleichen Parknachbarn bis er welche gefunden hat. So ergeben sich auch außerhalb der Clubzonen halbwegs sortierte Grüppchen von Enthusiasten und nette Gespräche.

Das Spektrum der Klassiker ist übrigens wirklich begeisternd. Vom dampfgetriebenen „Steamer“ aus der Frühzeit des Automobilismus über das Fuldamobil, den Vesparoller bis hin hin zum Wiesmann Roadster ist jeder irgendwie Klassiker und stößt auf begeistertes Publikum. Warum auch nicht. Die Geschmäcker sind zu Recht und zu meiner Beruhigung verschieden.

Fazit: Dyck ist ein Riesending, gut organisiert und wird mit Recht als das deutsche Goodwood bezeichnet. Ich drücke dem Veranstalter beide Daumen, dass er das in den Dimensionen auch in den nächsten Jahren veranstalten darf. Die Logistik dahinter muss enorm sein. Schloss Dyck: Da will ich wieder hin. Im nächsten Jahr ohne Kamera, damit ich mehr Zeit an der Rennstrecke verbringen kann und mal ins Fahrerlager komme!

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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