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Achtung freie Porsche-Werkstatt? – Teil 5: Kriminelle Machenschaften

Written by hansbahnhof

Ihr müsst die kleine Pause zwischen Teil 4 und Teil 5 über freie Porsche Werkstätten entschuldigen, aber es gab noch ein paar andere Themen abzubarbeiten.

Zu Beginn dieses fünften Teils möchte ich noch einmal betonen, dass es bei „Achtung freie Porsche Werkstatt?“ nicht darum geht, eine ganze Branche abzuwatschen. Es gibt sie: Die szenebekannt guten und kompetenten freie Porsche-Werkstätten mit Schwerpunkt Porsche Oldtimer. Sie kennen sich häufig seit Jahren mit alten Porsches aus und haben dementsprechende Wartelisten. Das allerdings lässt im Markt ausreichend Raum für die weniger Kompetenten, die sich selbst Überschätzenden sowie …. die Kriminellen.

Meine neue Porsche-Werkstatt!! Oder besser nicht?

Meine neue Porsche-Werkstatt!! Oder besser nicht?

Nach etwas mehr als sechs Jahren in der Porsche-Szene bin ich glücklicherweise bis heute vor den dunkelschwarzen Schafen verschont gebieben. Dabei hatte ich allerdings ehrlich gesagt richtig Glück. Denn auch ich habe schon einmal auf dem Hof einer Werkstatt gestanden, die – wie sich später herausstellte –  Kundenautos als „Steinbruch“ verwendete und Teile weiterverkaufte …

Freifahrten

Der klassische Elfer ist ein begehrtes Auto und steht auf der „Will fahren“-Liste häufig ganz oben. Gerade dann, wenn es sich um ein PS-starkes Exemplar handelt. Es empfiehlt sich, zur Sicherheit vor Abgabe des Wagens in der Werkstatt die aktuelle Laufleistung zu notieren. Wenn dann nach einer Woche Werkstattaufenthalt 200 km plus auf dem Tacho stehen, ist mal jemand Eis holen gefahren. Oder kurz nach Holland Tulpen holen.

 

Freifahrt im Porsche 2.4 S inklusive ein paar Doughnuts gefällig?

Freifahrt im Porsche 2.4 S inklusive ein paar Doughnuts gefällig?

Pfusch

Zeitliche Engpässe und meist unbedarfte Auftraggeber ohne Ahnung führen in manchen freien Werkstätten zu Pfusch am Porsche Oldtimer. Das habe ich mehr als einmal erlebt, wobei mir die ganz teuren Pfuschereien glücklicherweise erspart geblieben sind.

Ein Klassiker, der mir bei den Recherchen zu dieser Serie gleich mehrfach untergekommen ist, ist die Sache mit dem vergessenen Öl: Der Wagen wird nach Überholung mit keinem oder zu wenig Motoröl ausgeliefert. Das führte in einigen Fällen dazu, dass der Motor bereits wenige Kilometer nach Verlassen der Werkstatt krepierte.

Hier heißt es „Vorsicht“, denn diie Frage, ob das Ableben der Maschine am fehlenden Schmiermittel oder an engagierter Fahrweise liegt, steht dann häufig im Raum. Wer in einem solchen Fall den Wagen sofort zurück in die Werkstatt bringt und dort lässt, kann später gar nichts mehr beweisen und bleibt auf der teuren Motorüberholung (8000 – 10.000 EUR aufwärts…) sitzen.

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Neben dem Vergessen von Öl, ist die „Optische Motorüberholung“ offensichtlich kein Einzelfall: Der Motor wird dabei entgegen dem eigentlichen Auftrag nicht komplett überholt, sondern nur gesäubert und mit ein paar schick gelb-chromatierten Teilen aufgehübscht.

Aber das merkt man doch sofort oder? Eben nicht. Da die Eigentümer klassischer Porsche heute oft nur noch wenig Ahnung vom eigenen Auto haben (ich zähle mich dazu!), fällt eine „Optische Motorüberholung“ kaum auf. Gerade der Motor ist ja als geschlossenes System eben nur von außen überprüfbar. Da Otto-Garagengoldkäufer heute mit dem begehrten vierrädrigen Aktienersatz nur noch minimale Kilometerleistungen absolviert, fällt die Pfuscherei womöglich erst nach Jahren auf. Zu beweisen ist dann häufig nichts mehr.

Diebstahl und Unterschlagung

Wer ein Porsche F-Modell, einen teuren Porsche 911 S oder gar einen Porsche 911 RS 2.7 in die Werkstatt gibt, muss viel Vertrauen in seinen Dienstleister haben. Denn so manche Ersatz- und Zubehörteile werden heute im wahrsten Sinne des Wortes mit Gold aufgewogen.

Dass dieses Vertrauen nicht immer gerechtfertigt ist, zeigen die Geschichten,  in denen (teure) Teile plötzlich und unerwartet verschwinden…

Nach dem Austausch von Lichtmaschine und Lüfterrad ist Andreas* schon fast aus der Werkstatt raus, als ihm einfällt, dass ja noch einiges an alten Teilen übriggeblieben sein muss. Er fragt nach und erntet ein betretenes Lächeln. Die ausgebauten Teile – darunter eine originale Lichtmaschine – waren schon fein säuberlich im Regal zur Wiederverwendung einsortiert. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Mal eben ins Regal gelegt: Lüfterrad, Lichtmaschine und ein paar Kleinteile: Selbst in mittelmäßigem Zustand, liegt der Wert noch bei mehreren hundert Euro!

Mal eben ins Regal gelegt: Lüfterrad, Lichtmaschine und ein paar Kleinteile: Selbst in mittelmäßigem Zustand liegt der Wert der Teile noch bei mehreren hundert Euro!

Ist der obige Fall noch in die Kategroie „kann passieren“ einzuordnen, so wird es spätestens dann kriminell, wenn die Werkstatt den ihr anvertrauten Wagen als „Steinbruch“ verwendet: So im Falle eines Bekannten aus der Szene, der seinen Wagen zum Restaurieren weggegeben hatte:

„Ich musste den Wagen mit dem Rechtsanwalt in Teilen aus der Werkstatt holen (…)  – wichtige Teile hatte der Chef einfach an Kunden weiterverkauft oder bei eBay verhökert. Der war klamm bis auf die Hose. Wenn ich länger gewartet hätte, wäre vom Wagen nicht mehr viel übrig geblieben.“

 

Ganz schwierig wird es bei Teilen, deren Vorhandensein nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, wie bei der Differentialsperre von Peter*

„Nach der teuren Getriebeüberholung lief der Wagen zwei Jahre bis mir ein Experte grinsend erklärte, dass mein Wagen überhaupt keine Differentialsperre (mehr) hat. Dass das teure Teil vor der Getrieberevision eingebaut war, konnte ich natürlich nicht beweisen. Die Sperre fährt jetzt wohl in einem anderen Elfer auf dem Nürburgring ihre Kreise…“

 

Gut, wenn wenigstens das Originalgetriebe übrig bleibt. Doch manchmal ist jedoch gar nichts mehr zu retten, wie bei Markus*:

„Ein seltener und kompletter Motor, den ich zur Überholung zum Spezialisten gebracht hatte, war plötzlich einfach aus der Werkstatt verschwunden.“

 

Der Verbleib des seltenen Stücks blieb im Dunkeln. Die Versicherung zahlte – doch sind manche Teile – z.B. ein seltener Motor mit Geld nicht aufzuwiegen. Besonders, wenn es sich um die unwiederbringlichen Teile eines „Matching Numbers“ Autos handelt.

Teile austauschen

„Original mit Patina“ ist in der Szene mittlerweile hochbegehrt. Und so wie originale Porsche 911 im Originallack auf Auktionen soviel einbringen, wie zwei top-restaurierte Exemplare, sind auch originale Teile rar und teuer geworden.

Patinierte Originalteile gegen billige Replikas oder schlechtere Originaltele zu tauschen wird da zum einträglichen Geschäft. Nicht nur für den klammen Auszubildenden, der sich ein Zubrot mit Porsche-Teile Online-Auktionen verdient.

Der Eigner bekommt davon häufig nichts mit. Denn natürlich sind Replikas nicht immer sofort als solche erkennbar. Und auch ein defektes Teil lässt sich optisch so aufhübschen, dass der Defekt zunächst mal nicht auffällt. Die Palette der „Austauschteile“ reicht vom seltenen Schalter über den original schwarz eloxierten Schriftzug bis hin zu raren Originalschrauben, die in der von Porsche verbauten Form nicht mehr erhältlich sind.

Originaler "targa"-Schriftzug an einem 911 Targa der Siebziger: Was hier etwas abgegrabbelt und grau aussieht ist ein nicht zu ersetzender, eloxierter Originalschriftszug. Repros aus dem Ersatzteilhandel sind lackiert und sind nur einen Bruchteil der Originale wert.

Originaler „targa“-Schriftzug an einem 911 Targa der Siebziger: Was hier etwas abgegrabbelt und grau aussieht ist ein nicht zu ersetzender, eloxierter Originalschriftszug. Repros aus dem Ersatzteilhandel sind schön schwarz lackiert und  nur einen Bruchteil der Originale wert.

Autos tauschen

Man darf ja nicht jede Wild-West Geschichte glauben, aber angeblich sind Autos auch schon komplett getauscht worden. Das ist dann ein lukratives Geschäft, wenn die zum Lackieren eingelieferte RS-Karosse mit echter Fahrgestellnummer durch eine baugleiche 911 T Karosse ersetzt wird.

Im schlimmsten Fall stellt sich dann womöglich nach Jahren heraus, das ein anderer RS mit gleicher Nummer in Südafrika herumfährt und man selber ein Fake hat, obwohl man einen Echten gekauft hat. Gibt´s nicht? Doch doch…. – die einschlägigen Geschichten sind bekannt, schlüssig und hochwahrscheinlich. Warum? Weil die Margen eindeutig sechsstellig sind und die Chance erwischt zu werden, überschaubar. Denn wer soll denn nachweisen, dass der Kunde die echte und originale RS-Karosse eingeliefert hat und die nicht schon bei Beauftragung gefälscht war?

„Ich finde es ist ein riesen Phänomen, dass es einige Werkstattbetriebe gibt, die über Jahre, trotz ausschließlich negativer Kritiken im Internet, im Bekanntenkreis und in Porschefahrerkreisen allgemein, immer noch existieren könnnen und demzufolge ja auch zufriedene Stammkunden haben müssen. Wie das geht ist mir bis heute ein Rätsel.“
Zitat von M…, elferteam.de

 

Tendenzen

Je teurer klassische Porsche 911 werden, desto eher lohnen sich schon kleine Tricksereien, wie der Austausch von Originalteilen gegen Replikas. Und so lange eine originale Porsche-Klapptasche aus Presspappe zu Preisen um die 500,– EUR versteigert wird, wird es Leute geben, die kleine Trickerseien zur Aufbesserung der Haushaltskasse durchführen.

Klassische Porsche teilen schon längst das Schicksal von Bugatti, Mercedes Vorkriegsklassikern und anderen seltenen Autos. Fälschungen, Pfusch und viel kriminelle Energie machen das öligste Hobby der Welt mittlerweile zu einem Vabanque-Spiel für Anfänger UND Experten. Die Internationalisierung der Branche fördert diese Entwicklung und viele Autos sind in den vergangenen Jahren auf den verschlungenen Wegen gleich mehrfach quer über die Ozeane von Eigentümer zu Eigentümer gewandert. Da behält niemand mehr den Überblick.

In Teil 6 von „Achtung Freie Porsche-Werkstatt?“ ziehe ich ein persönliches Fazit und gebe einige Tipps, die man beherzigen sollte, wenn man sich eine Werkstatt sucht.

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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