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Achtung freie Porsche-Werkstatt? – Teil 6: Fazit

Written by hansbahnhof

In den vergangenen Teilen von „Achtung freie Porsche Werkstatt?“ habe ich mich mit den Herausforderungen auseinandergesetzt, wenn es darum geht, eine freie Porsche Werkstatt zu finden, der man vertrauen kann. Das ist nach meinen Erfahrungen nämlich gar nicht so einfach.

Klar ist andererseits, dass man ohne Werkstatt nicht auskommt. Gerade wenn es um schwierige Reparaturen am Porsche Oldtimer geht. Dabei sollte man nach meiner Ansicht auf folgende Dinge achten.

Selbst ist der Porschefahrer. Radwechsel am Porsche 911 Oldtimer ist ungefähr so kompliziert, wie bei einem Golf.

Selbst ist der Porschefahrer. Der Radwechsel am Porsche 911 Oldtimer ist ungefähr so kompliziert, wie bei einem Golf. Für viele andere Reparaturen braucht man aber die Werkstatt.

Tipps

  • Lesen bildet: Schon vor Beauftragung einer Werkstatt sollte man sich in Details  „seines“ Auto einarbeiten und sich Fachkenntnisse zum eigenen Wagen aneignen. Da jedes Modelljahr des Porsche 911 anders ausgestattet war und spezielle Funktionen und Ausstattungsdetails haben kann, weiß man so vorgebildet im besten Fall mehr, als die eigene Werkstatt
  • Fotografieren hilft: Den Wagen umfangreich mit einer hochauflösenden Kamera fotografieren. Auch, um später etwas in der Hand zu haben, falls im schlimmsten Fall wirklich Teile getauscht werden
  • Wartezeiten? Eine Porsche-Werkstatt, die ehrlich sagt, dass man nicht sofort mit den Arbeiten starten kann, ist organisiert und verfügt über sowas wie Projektmanagement. Das ist keinesfalls ein Qualitätsmangel!
  • Termine setzen: Bei der Terminierung von Arbeiten ist Sensibilität gefragt: „Das muss morgen fertig sein“ ist genauso falsch wie „lassen Sie sich Zeit“. Bei der ersten Ansage explodiert (verständlicherweise) der Preis oder der Mann im grauen Kittel. Mit Aussage Nr. 2 kommen nach meiner Erfahrung viele Werkstätten nicht zurecht. Der Auftrag wird dann von Tag zu Tag verschoben bis es irgendwann „knallt“, weil nichts passiert.
  • Kein Kostenvoranschlag? Dann auszuführende Arbeiten und Umfang zumindest per E-Mail bestätigen lassen
  • Für blutige Laien: Lass Dir von der Werkstatt so viel wie möglich schriftlich geben. Wenn es keine schriftlichen Angaben zum Umfang der beauftragten Arbeiten gibt, schreibe zur Not selbst alles in einer E-Mail zusammen und lass Dir den Erhalt der Mail bestätigen
  • Werkstatt finden: Keinesfalls auf vollmundige Versprechungen im Internet verlassen – ein möglicher Weg ist die Zweitmeinung aus dem Porsche-Forum (z.B. www.elferteam.de, www.elferliste.de oder andere)
  • Zweifel am neuen Dienstleister? Vor Abgabe des Autos den Wagen genau dokumentieren oder sogar markieren
  • die Chemie muss stimmen. Wenn schon der erste Termin ein Bauchgrummeln hinterlässt: Ab zur nächsten Werkstatt. Es gibt davon mehr als man denkt.
  • Tipps für Werkstätten findet man in Foren: Die meisten Porsche 911 Foren haben einen Bereich „Werkstatt“. Beim ersten Post (dem ersten Beitrag) im Forum darauf achten, dass es in allen Foren Verhaltensregeln gibt! So sollte man sich und seinen Porsche  vor der ersten neugierigen Frage zum Beispiel vorstellen!

Alternativen zur freien Porsche Werkstatt?`Selberschrauben?

Ein klassischer Porsche besteht aus einem großen Haufen ziemlich veralteter Technik. Aus heutiger Sicht hat das einen klaren Vorteil. Auch ohne Diagnosegeräte und aufwändiges Computer-Equipment kann man theoretisch an einem Porsche Oldtimer viel selber machen. Man muss ja nicht mit einer Motorrevision anfangen. Aber Rost beseitigen, Teile austauschen und viele andere Arbeiten lassen sich mit etwas Geschick und Zeit auch selbst erledigen.

Mut zum Selberschrauben: Die Heizklappen gehören zu den häufiger defekten Ersatzteilen am klassischen Porsche. Wer einen Wagenheber hat, kann sie mit etwas Geduld und Spucke auch selbst austauschen.

Mut zum Selberschrauben: Die Heizklappen gehören zu den häufiger defekten Ersatzteilen am klassischen Porsche. Wer einen Wagenheber hat, kann sie mit etwas Geduld und Spucke auch selbst austauschen.

Dabei helfen Bücher und Reparaturanleitungen bis zu einem gewissen Grad. Noch mehr hilft aber, die Sache einfach mal auszuprobieren. Mit ein wenig Grundausstattung und einer normalen Garage ist es anfangs durchaus getan. Dabei gilt: Gerade am Anfang möglichst viel dokumentieren, also Fotos vom „Vorher“-Zustand machen, um später alles wieder zusammenzukriegen.

Noch ein Vorteil für Selberschrauber: Die Werkstatt – ob frei oder im Porschezentrum – hat für die Reparatur Deines Elfers einen begrenzten Zeithorizont eingeplant. Denn der nächste Porsche 911 steht in der Regel bereits auf dem Hof. Das heißt, es muss häufig schnellschnell gehen.

Selbst wenn die Arbeitsqualität nicht drunter leidet, schaut man als Eigentümer ganz anders auf die kleinen Baustellen rund um das eigentliche Problem. So kann man Schrauben ersetzen, kleine Roststellen beseitigen, Gummis und Dichtungen austauschen.

Ups. Beim Austauschen der Rücklichtgläser fällt auf, dass (natürlich) auch die Dichtungen neu müssen. Kann man selbst machen!

Ups. Beim Austauschen der Rücklichtgläser fällt auf, dass (natürlich) auch die alten Dichtungen (unten)  ersetzt werden müssen. Die neue Dichtung (oben) kann man problemlos selbst einbauen!

Solche und ähnliche Arbeiten gibt es an einem 40 oder 50 Jahre alten Auto immer. Und gerade für Schreibtischtäter wie mich, sind es die kleinen und sichtbaren Erfolge, die einen wesentlichen Teil des Porsche-Hobbys ausmachen.

Alternativen zur freien Porsche Werkstatt?`Porsche Classic Partner?

„Warum schreibst Du nicht über die Porsche Zentren? Die sind nämlich auch nicht besser!“, kommentierte jemand meine Frage nach Erfahrungen mit freien Porsche Werkstätten. Doch mangels eigener Erfahrung mit Werkstattaufenthalten bei offiziellen Porsche-Werkstätten kann ich – anders als bei den freien – nicht aus erster Hand berichten.

Fakt ist: Porsche sah lange seinen Schwerpunkt im Verkauf neuer Autos. Porsche Oldtimer waren kein Markt. Das galt für Fahrzeuge, Ersatzteile und Werkstattleistungen. So verschwand mit der Zeit auch das notwendige Knowhow aus den offiziellen Werkstätten. Diese Lücke im Angebot führte dazu, dass nicht nur zahlreiche Teilehändler entstanden, die mit der Produktion von Ersatzteilen alte Zuffenhausener am Laufen hielten. Auch viele Händler für klassische Sportwagen aus Stuttgart fanden ihre Nischen und konnten gut davon leben.

Zusammen mit dem ständigen Wachstum des Gesamtbestandes an Porsche 356 und Porsche 911 in Deutschland blühten auch die freien Werkstätten auf.

Erst vor einigen Jahren begann Porsche dann selbst damit, sich wirklich für die Klassiker zu interessieren und den Markt zu erkennen. So wurde die Ersatzteilproduktion mit  „Porsche Classic“ wiederbelebt und seit Neuestem gibt es auch Porsche-Zentren, die als „Porsche Classic Partner“ über spezielles Knowhow für Porsche Oldtimer verfügen.

Soweit die Theorie – vielleicht hat ja schon jemand Erfahrungen mit  einem der wenigen offiziellen Porsche Classic Partner sammeln können? Hier ist die offizielle Liste: http://www.porsche.com/germany/accessoriesandservices/classic/classic-partner.

Tipps für die freie Porsche-Werkstatt

Ich will mich nicht auf das hohe Ross setzen und den Experten sagen, was sie zu tun und zu lassen haben. Ein paar Tipps möchte ich aber trotzdem aufschreiben, weil sie mich in so vielen Werkstätten und auch bei anderen Dienstleistern rund um das Thema Porsche Oldtimer genervt haben.

  • Schriftliche Kostenvoranschläge sind 2014 keine Hexerei mehr. Es gibt (günstige) Software mit Textbausteinen dafür. Damit lassen sich auch direkt Rechnungen schreiben! Praktisch oder?
  • Dein Gegenüber hat keine Ahnung. Erläutere ihm genau, was Du vorhast und auch, was Du NICHT machen wirst, selbst wenn das aus Deiner Sicht selbstverständlich ist. Die Zeit, die man sich zu Beginn nimmt, ist Zeit, die man später doppelt einspart. Oder schreibe einen schriftlichen KV mit allen Details – wie oben erwähnt, gibt es dafür Programme, die tolle Textbausteine haben, die man einmal schreibt und dann immer wieder verwenden kann.
  • Vorsicht Internet. Wir leben in Zeiten von sozialen Netzwerken, Foren und Blogs. Viele ignorieren diese Tatsache völlig. Doch der nächste Blödmann (Kunde) schreibt Negativkritiken über Dich, ohne dass Du es merkst! Auch wenn genervte Kunden nicht so mutig sind, ihre negativen Erfahrungen schriftlich festzuhalten, findet über die digitalen Netze ein reger Austausch statt. Im Hintergrund werden E-Mails und persönliche Mitteilungen in Foren geschrieben, in denen Klartext geredet wird. Davon bekommt man dann überhaupt nichts mehr mit. Nur die Kunden sind plötzlich verschwunden.
  • Räum Deine Werkstatt auf! Viel Arbeit muss nicht zwangsläufig viel Chaos bedeuten. Viele Deiner Auftragnehmer sind selbst Unternehmer und würden sowas in ihrem Unternehmen nie dulden. Und weil der Einwand bestimmt kommt: Zwischen „Operationssaal“ und „Messie“ liegt  irgendwo eine Werkstatt, in der sich Kunden (und Mitarbeiter) wohl fühlen können.

 

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

1 Comment

  • Hallo Herr Fulland,

    die Serie hat mir gut gefallen und auch wenn es Banalitäten sind, finde ich es wichtig, dass man es mal zusammen schreibt.

    Herzliche Grüße aus Holsterhausen/Rüttenscheid!

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