Marktsituation

Alt-68er – AMAG Porsche 911 S Coupé Sportomatic

Written by hansbahnhof

Ein Porsche 911 S der frühen Baujahre ist rar und teuer. Da sind wir uns einig. Doch wann habt Ihr das letzte Mal einen 911 S Sportomatic gesehen? Genau. Noch nie.

1968, also lange vor Paddelschaltungen und Doppelkupplungsgetrieben war die Begeisterung über das neue Porsche Automatik-Getriebe gebremst. Eine Automatik schaltete zu dieser Zeit eben eher behäbig und brauchte dann auch auch noch mehr Sprit.

Ein wahrscheinlich gut situierter Schweizer Käufer jedoch bestellte Ende der Sechziger einen Sportomatic-Elfer in der Top-Version „S“ beim schweizer Importeur AMAG. Als Farbe wählte er die für ein schweizer Auto gar nicht so überraschende Farbe polorot (Porsche Farbcode 6802). Das ist quasi der Farbton, den die Schweizer auch in der Flagge mit dem Kreuz führen.

Die Porsche Halbautomatik wurde beim Porsche 911 im Modelljahr 1968 eingeführt. Sportomatic-Porsches hatten kein Kupplungspedal. Die Kupplung wurde durch Berühren des Schalthebels aktiviert. Das Einlegen des Ganges erfolgte nach wie vor per Hand.
Quelle: Austen Walter Porsche 911 - Die Technische Dokumentation

Nach einem wohl eher beschaulichen Leben in der Schweiz gelangte der Automatik-Porsche Jahrzehnte später nach Holland. Dort ist der Wagen in den letzten Jahren behutsam restauriert worden. Kurz vor Abschluss der Restauration habe ich mir den kleinen Schweizer in Holland angeschaut und seinem Eigentümer Frans ein paar neugierige Fragen gestellt.

TDM: Ein 911 Sportomatic S – wie bist Du an einen so seltenen Wagen gekommen?

Frans: Ich habe den Wagen 2002 gegen 1969er S-Motor eingetauscht und noch ein paar Euros draufgelegt. Zurückblickend war das wohl kein schlechter Tausch.

Hat den 68er 911S sportomatic gegen einen Motor getauscht und ihn dann restauriert: Frans aus Holland

TDM: Das klingt nach einem Schnäppchen. Wie war der Zustand?

Frans: Der Wagen war im Originalzustand, als ich ihn bekam. Er stand auf den originalen 68er Fuchsfelgen, hatte den originalen Motor und das originale Sportomatic Getriebe. Sogar die Zündung war und ist original. Die gab es so nur 1968. Ich habe den Wagen entlackt und 2007 neu lackieren lassen. Da ich mich noch um andere Autos kümmern musste, habe ich den S dann erst einmal abgedeckt und weggestellt. Als ich die Restauration 2017 wieder aufgenommen habe, habe ich festgestellt, dass der Wagen vor dem Lackieren an mehreren Stellen zu viel Epoxi-Grundierung abbekommen hatte. Das führte zu unsauberen Passungen im Bereich der Türen und an anderen Stellen. Also habe ich die brandneue 2007er Lackierung wieder heruntergeschliffen und alles noch einmal alles neu lackieren lassen.

TDM: Ganz schön viel Arbeit …

Frans: Der Sportomatic war nicht meine erste Restauration und ich wollte, dass der Wagen möglichst original wird. Da muss man auch mal in den sauren Apfel beißen. Die neue Lackierung in Polorot ist jedenfalls klasse geworden.

Der 911 S sportomatic von Frans: Lackiert 2007, noch mal neu lackiert 2017. Das sollte die nächsten dreißig Jahre halten!

 

„Porsche 313“ (oder Porsche 3.3?). Der ungewöhnliche Aufkleber auf der Original-Heckscheibe des 911 S ist ein Rätsel. Kann es einer lösen?

TDM: Was ist außer der Sportomatic noch besonders an Deinem Auto?

Frans:  Interessanterweise wird die Sportomatic im Kardex als „Sprort-o-matic“ geführt. Wie üblich bei Porsche F-Modellen dieser Baujahre gibt es neben der Halbautomatik keine wirklich spektakulären Ausstattungsmerkmale. Der Wagen ist laut Kardex mit Lautsprecher, Antenne und Entstörmaterial geliefert worden, aber OHNE Radio. Das zeitgenössische Blaupunktradio hat der schweizer Ersteigentümer dann wohl nachträglich installiert. Außerdem orderte der Schweizer eine getönte Windschutzscheibe und Echtledersitze. Die Ledersofas – leider keine Recaro-S Sitze – sind noch vorhanden und kommen natürlich auch wieder rein. Das gilt auch für die restliche Innenausstattung, die sich in einem ausgezeichneten Zustand befand. Der Elfer hat nicht nur eine rissfreie Armaturenbrettabdeckung sondern auch noch die originalen Türverkleidungen.

 

AMAG Auslieferungsplakette auf dem Heckblech des S. Die Schweizer nahmen (und nehmen) es genau.

Lautsprecherlöcher gab es nur in der Heckablage. Die habe ich originalgetreu überarbeitet. Zur Standard-Ausstattung gehört die Webasto Standheizung. Die werde ich aus Sicherheitsgründen nicht anschließen. Damals sind ja zahlreiche 911er aufgrund von Heizungsdefekten der benzingetriebenen Heizung abgebrannt. Der Auspuff der Heizung wird erneuert. Das macht schon deswegen Sinn, weil er das einzige außen sichtbare Teil der Heizungsanlage ist. Zwei kleine Besonderheiten gibt es noch: Der Wagen hat die originale AMAG-Plakette von 1968 im Motorraum und auf der Heckscheibe prangt ein Aufkleber „Porsche 313“. Den habe ich auch nach intensiver Recherche nicht noch einmal gefunden.

Die AMAG (Automobil und Motoren AG) ist der größte KFZ-Importeur der Schweiz. Das 1945 von Walter Haefner gegründete Unternehmen, das bereits Ende der Vierziger die ersten VW Käfer in die Schweiz importierte, beschäftigt heute 5.700 Mitarbeiter und vertreibt Audi, Seat, Skoda und VW. Der Import von Porsche-Fahrzeugen wurde 2008 eingestellt. (Quelle: amag.ch / de.wikipedia.org/wiki/AMAG-Gruppe)

TDM: Wie viele Exemplare sind vom S Sportomatic gebaut worden?

Frans: Der S wurde 1968 nicht in die USA geliefert. Daher wurden auch sehr wenige S Sportos produziert. Von den gebauten 227 911 S Targa und Coupés mit Sportomatic des Modelljahres dürften deutlich weniger als 100 mit der originalen Kraftübertragung überlebt haben. Die Sportomatic-Version war unbeliebt, weil als unsportlich verschrien. Viele Ex-Sportos fahren heute mit manueller Schaltung herum.

Schicker Schriftzug, aber seinerzeit als unsportlich verschrien: Porsche 911 S sportomatic

 

Ich schau´ Dir in die Augen, Kleines: Originale H1-Scheinwerfer!

TDM: Wo können wir Dich mit dem Wagen in Zukunft treffen?

Frans: Wenn der Wagen fertig ist, ist er eher ein Sammel- als ein Fahrauto. Ich möchte den S dann in gute Hände geben und habe schon das nächste Projekt in Arbeit.

TDM: Was muss ein Interessent mit gut geheizter Garage anlegen?

 

Ein farblich abgestimmtes Garagentor ist natürlich ein Muss für potentielle Käufer.

Frans: Es ist schwer, einen Preis für den Wagen festzulegen, weil es quasi keine Angebote für Sportomatic S am Markt gibt. Nach Fertigstellung wird der Wagen so um die 200.000 Euro wert sein. Eine Menge Geld, aber auch ein Auto, das auf keinem Porschetreffen zwei mal vorfährt.

TDM: Ich drücke die Daumen für den Verkauf und Danke für Deine Zeit!

Kontakt

Wer sich für Frans S Sportomatic interessiert, kann ihn auf Englisch oder Holländisch per E-Mail kontaktieren: frank1401s@outlook.com.

 

 

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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