1972 2.4 S Targa - Porschekauf in Holland Werkstatt

#Auseinanderbautagebuch 911 S 2.4 Targa (1) – Keine Zeit ist kein Argument

Written by hansbahnhof

Der Autor dieses Blogs muss den Ölklappen-Targa überholen lassen, weil er rostet. Er hat nur 10 Tage Zeit, um ihn auseinanderzubauen. Eine Bestandsaufnahme zu Beginn.

Oldtimer-Porsche sind ein dolles Hobby. Wenn man nicht nebenbei Leben und Arbeiten müsste. Bei uns sieht das im Moment so aus: Das Haus halb fertig, der Ferdi (Mehr dazu hier bei „Ferdinand kommt“) 8 Monate alt und nebenbei noch tausend andere Projekte. Doch „keine Zeit“ ist irgendwann kein Argument mehr, wenn der Zahn der Zeit den Zuffenhausener zernagt.

Der Zuffenhausener ist ein 1972er Porsche 911 S 2.4 Targa in hell-elfenbein, dessen Karosserie nach kundigen Händen schreit. Seine letzte Fahrt zu „Porsche Classics at the Castle“ in Castle Hedingham hat er bravourös mit drei Passagieren absolviert (Hier geht es zu Teil „Das F-Modell, die Frau, Ferdi und die Fahrt zum Rand der Verzweiflung) doch mehr kann ich ihm nicht zumuten. Warum?

Der TDM-Targa – Bestandsaufnahme

Der TDM Porsche 911 S 2.4 Targa ist eine der berühmten „seltenen Ölklappen“  (mehr zur Porsche Ölklappe hier), die ich 2008 in Holland gekauft habe (mehr zur Geschichte des Kaufs).

So stand er 2008 in Holland in der Einfahrt und sein Eigentümer Ruud wollte ihn loswerden. Der 911 S 2.4 war nicht einfach nur ein klassischer Elfer, er war auch der Startschuss für „Teil der Maschine“.

Rost hatte der schicke schnelle Weiße schon beim Kauf und es war schon damals vor über 9 Jahren klar, dass ich da mittelfristig ran muss.

Natürlich habe ich den Verfall mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln verlangsamen können. Doch an einigen targa-typischen Stellen konnte ich den Rost nicht aufhalten. Die Karosserie unterhalb des Targabügels und an der Heckscheibe, die Schlossbleche und auch die Schweller muss sich jetzt dringend ein Profi vornehmen. Wer schon mal einen klassischen Porsche restauriert hat, weiß, dass diese Stellen von außen immer nur 1/10 ihres wirklchen Ausmaßes zeigen. Höchste Zeit also!

Der Rost-Klassiker beim F-Modell Targa: Korrosion unterhalb des Targabügels. Wirkt harmlos aber darunter wird es schlimm aussehen.

Hier hat sich bereits eine dicke Blase gebildet: Rost unterhalb der Targascheibe.

Am einfachsten wäre es, bei einem renommierten Restaurationsbetrieb um einen Termin zu bitten, den Jungs eine sechsstellige Summe in die Pfote zu drücken und einige Monate zu warten. Glücklich die, die das können.

Wir aber müssen uns finanziell zurückhalten, weil Ferdi Unmengen teuren Breis in sich reinstopft und sein Kinderzimmer immer noch im Rohbau ist. Das heißt, dass ich nur das an Experten rausgebe, was ich selbst überhaupt nicht kann: Karosseriearbeiten, Fahrwerk/Bremsen, Lackierung und Motor.

Den Rest mache ich einfach selber in meiner „Freizeit“. Piece of cake, wie man auf der Insel sagt. Was habe ich mir da eingebrockt?

Lack, Spachtel, Spaltmaße und anderer Kram

Die Karosseriearbeiten dürften umfangreicher werden. Also benötigt der Elfer im Anschluss eine Komplettlackierung in hell-elfenbein. Das ist gleichzeitig die Chance, einiges vom Spachtel der vergangenen 45 Jahre in die Tonne zu werfen. Davon hat der Targa nämlich eine durchaus sichtbare Menge. Und wenn man schon dem Spachtel zu Leibe rückt, könnte man auch die Spaltmaße etwas korrigieren? Die hätten es ebenfalls nötig, wenn man kritisch guckt. Merke: Es gibt kaum ein Porsche F-Modell, das nicht vorn oder hinten mal irgendwann kaltverformt wurde. Darunter leiden die an sich guten Werks-Spaltmaße der Karosserie.

Die Türen im TDM-Offenporsche sind übrigens noch ein Spezialfall. Hier hatte ein musikbegeisterter Italiener mal versucht, große Lautsprecher einzubauen und dazu mit der Flex große Teile der inneren Bleche herausgeschnitten. Sie sind deswegen und aus anderen Gründen nicht mehr reparabel. Ich habe beizeiten für (teuren) originalen Ersatz gesorgt und hoffe, dass zwei meiner vier Ebay-Türen gut genug sind, um im S zum Einsatz zu kommen.

Radio im Targa – raus damit

Na ja – nicht ganz. Das wunderschöne Becker Europa bleibt natürlich drin. Was rausfliegt ist die Hifi-Anlage, die ich nach dem Kauf des Targas mit großem Aufwand eingebaut habe. Als sie drin war und funktionierte, habe ich Radio nur noch gehört, wenn ich in der Garage am S geschraubt habe.

Porsche 911-Neulinge sollten sich eines merken: Den Sound macht im Porsche der Motor, nicht das Radio.

Verstärkeraufbau (Testaufbau) im TDM Targa 2009: Was habe ich mir für eine Arbeit gemacht, weil ich dachte, nicht ohne Musik im Porsche auszukommen!

 

Das Endergebnis. Selbstgebautes Aluminium-Bladesystem zur Aufnahem von Verstärker, Frequenzweichen und anderem HIFI-Kram 2009. Maßarbeit für das Schmugglerfach des 911 S.

Bleibt drin. Komme was wolle. Das Becker „Europa“ konnte damals schon Stereo.

Schon fertig und die Sitzefrage

Teile der Innenausstattung habe ich direkt nach dem Kauf des S von einem szenebekannten Sattler überarbeiten lassen. Targadach und Recaro-Vordersitze sind ihm auch gut gelungen. Fragt mich bitte nicht nach dem Rest und was ich von szenebekannten Sattlern halte. Ein Teil der damals teuer gemachten Teile, zum Beispiel die Garnierleisten der Türen, fliegen jetzt raus. Ich kann mir den Luxus leisten, weil ich in den letzten Jahren gute originale Teile er-ebayed habe, die dem 911 S wieder einiges an Originalität zurückgeben werden.

Dann habe ich noch ein echtes Luxusproblem: Baue ich die originalen F-Modell Sofas (Recaro Komfortsitze) wieder ein oder verwende ich das Pärchen restaurierter Recaro S Sportsitze, die mir Frans vor Jahren verkauft hat?

Rein oder rein in den 911 S? Meine S-Sitze – mit schwarz-weißem Pepita. Außen Kunstleder.

„Natürlich die S-Sitze!“ werdet Ihr sagen. Aber das ist einfacher gesagt, als umgesetz. Ich bin gute 1.86 Meter hoch und die Frau ist nicht viel kleiner. Die S-Recaros sind auf ihren Klappkonsolen so hoch, dass ich nach Einbau mit dem Kopf das teure Targadach durchstoßen würde. Oder was sagt Ihr als Experten? Die Alternative heißt „tiefer legen“ – also die Konsolen, nicht den Porsche. Mit dem Thema werde ich mich beschäftigen. Ich bin ja auch kein Sofa-Fan. Die originalen Porsche F-Modell Sitze sind einfach zu weich, um damit ein 190 PS Auto zu bewegen. Stichwort „Popometer“.

Und sonst?

Den Riss in der Armaturentafel gehe ich NICHT an. Ich sehe einfach nicht ein, warum ich ein an sich gutes Originalteil durch ein Neuteil ersetzen sollte. Der Riss gehört für mich zur Patina. Basta.

Wenn noch Restgeld im Schwein ist, lasse ich die Fuchs-Felgen machen. Bei Fuchs in Meinerzhagen oder woanders? Keine Ahnung. Vielleicht habt Ihr Tipps. Auch das Fahrwerk soll nach der Überarbeitung des Targas endlich mal wieder in gutem Zustand sein. Ob Dämpfer und Co neu müssen, werden wir noch sehen.

Fuchsfelgen im 45 Jahre alten Fast-Originalzustand. Übergepinselt sind sie und von ehemaligen Klebegewichten verunziert. Wenn Geld übrig ist, werden sie überarbeitet.

Eine Kleinigkeit, die mich schon immer genervt hat, werde ich ebenfalls machen. Auf der Motorklappe wird endlich das „2.4“ Zeichen angebracht. Außerdem wird der „PORSCHE“ Schriftzug, der aktuell noch verchromt ist, in schwarz eloxiert montiert. Auch diese Teile habe ich zum Glück schon.

Kleinkram aber wichtig: Der P O R S C H E Schriftzug auf dem Motordeckel muss beim 72er mattschwarz eloxiert sein, nicht verchromt. Das „911S“ ist übrigens mattschwarz exloxiert, auch wenn es nicht so aussieht. Mit der Zeit ist die schwarzgraue Eloxatschicht beim Putzen weggeschmirgelt worden. Das bleibt so!

Was ich nicht aus- und abbauen werde, ist ebenfalls bereits klar. Armaturenbrett und Armaturentafel.  Motorausbau und Targa-Heckscheibe überlasse ich ebenfalls den Profis. Die Chance, das Ding beim Ausbau zu zerbröseln, ist einfach zu groß.

War´s das? Natürlich nicht. Es werden schon noch genug Baustellen auftauchen, die mich den letzten Nerv kosten werden. So viel Erfahrung habe ich nach 9 Jahren Porsche Oldtimer dann doch.

Sie haben 10 Tage Zeit

So – und jetzt kommt die Herausforderung. Ich habe für den ganzen Auseinanderbau nur 10 Tage Zeit (zehn). In der zweiten Januarwoche muss der Weiße so entbeint wie möglich in der Werkstatt stehen. Sonst geht mein Termin flöten.

Da ich ja hauptberuflich arbeite, muss der Auseinanderbau in der noch überhaupt gar nicht fertigen TDM Porschewerkstatt (mehr zur TDM Porschewerkstatt) stattfinden. Im Januar, abends zwischen 19 und 23 Uhr bei miesen Außen- und Innentemperaturen und mit „geliehenem“ Strom, damit ich wenigstens anständig Licht habe.

Ich weiß genau, dass dieser Zeitplan eng ist und jede festkorrodierte Schraube mich wertvolle Stunden kostet. Ob ich das schaffe? Ihr werdet es lesen.

Schaltet also wieder ein, wenn es heißt #AuseinanderbauTagebuch – Teil 2 – online am Dienstag, 09.01.2018 ab 6.00 Uhr morgens!

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

9 Comments

  • „Good Luck“ lieber Ansagar … Sie schaffen das!
    Ich wünsche Ihnen, Ihrer Frau und dem kleinen Ferdi ein glückliches und gesundes neues Jahr. Mögen alle Ihre Projekte einen positiven Abschuss finden.
    Es lohnt sich auf jeden Fall.

    Ich freue mich auf Ihre weiteren Berichte zur Restaurierung des schönen Targa.
    Viel Erfolg, gute Nerven und ein positives Gelingen!

    MIt herzlichen Grüßen in den Ruhrpott

    Joachim

  • Servus TDM,

    Habe mir meinen 73er vor Jahren vom Rogi/ Gt Classic restaurieren lassen : sehr gute Arbeit zum fairen Preis. Wenn Sie noch nen Rat suchen , er hilft sicher gerne.
    Beste Gruesse und gutes Gelingen
    Frank Heberger

    • Hallo Frank, Danke für den Tipp. Bei uns muss es aber ins Budget passen, daher mache ich viel selbst und den Rest macht meine aktuelle Stammwerkstatt, bei der ich weiß, dass sie wissen, was sie tun… – Viel Spaß mit dem 73er und eine unfallfreie Saison 2018!

  • Hallo Ansgar,

    Ich hatte mich schon lange gewundert, dass Deine 2 911er ohne groessere Restaurationsarbeiten durchhalten und wollte Dir schon lange mal schreibn
    Ich habe meinen 72’er vor 3 Jahren in Suedafrika gekauft und dachte, dass er mit eine paar Wochen Arbeit gut fahrbar sein wuerde.
    Nach drei Wochen lief er dann auch so gut dass ich Ihn durch den MOT (Ja, lebe in England) bekommen habe. Ich bin ihn danach schon ab und zu gefahren, aber ein „Porsche“ Erlebniss war das nie. So habe ich dann vorletztes Jahr im Januar angefagen ihn zu zerlegen- alles Abbaubare gestrahlt, Karosserie entlackt, das gesamte Fahrwerk gestrahlt, ueberholt, pulverbeschichted- hunderte von Teilen gelbchromatiert, verzinkt und so weiter. Ich bin gerade dabei zusammenzubauen- warte noch auf die Hauben und Stosstangen vom Lackierer. Viel Spass beim Auseinederreissen!
    Tips:
    Heckscheibe und Frontscheibe am Gummi rausschneiden, dann bekommst Du das Armaturenbrett raus- darunter ist meist ein oder mehrere Rostnester! Bei mir war es ein 5 cm grosses Loch links neben den Armaturen
    Guck‘ Dir den Bereich unter den Rucksitzen super genau an- das Wuerth SKS ist da so dick aufgetragen, dass man Durchrostungen nicht immer wahrnimmt.
    Wir fuhren uebrigens nach Hedingham 2015 hinter Dir- 1970 MGB Roadster in bronze yellow.
    Gruss, Christian

    • Hallo Christian, die Welt ist klein und die Probleme immer die Gleichen. Das Armaturenbrett soll (inklusive Riss) drinbleiben. Ich bin mir relativ sicher, dass da nix zu finden ist, genauso wie unter der Rückbank, wo zum Glück noch die original werksseitig verleimten Schaumstoffmatten völlig pulverisiert draufkleben. Die Bereiche, die ich testweise von der „Dämmung“ befreit habe waren alle top. Ich hoffe das bleibt so. Schweller und andere Stellen sind ein Fall für den Blechkünstler. Die werden großflächig ersetzt. Insgesamt werde (muss) ich weniger Arbeit und Aufwand in den Targa investieren, als Du, weil es sonst vom Budget her nicht passt. Mein Ziel ist kein 1er oder 2er Zustand, sondern ein Fahrauto mit möglichst vielen Originalteilen. Die meisten habe ich zum Glück schon und ein paar werde ich noch dazukaufen. Dir viel Spaß beim Zusammenbauen und hoffentlich sehen wir uns 2019 bei Classics at the Castle! Ansgar

  • Hallo Ansgar,
    bzgl. Sitze „tieferlegen“ nimm doch mal mit Gregor (Domfahrer im Elferteam) auf.
    bzgl. Fuchsfelgen gibt es im Elferteam ebenfalls einen Spezialisten ST Harry.
    Viele Grüße
    Dirk

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