1972 2.4 S Targa - Porschekauf in Holland Werkstatt

#Auseinanderbautagebuch 911 S 2.4 Targa (3) – WD40, mein Freund

Written by hansbahnhof

An Tag 3 des Versuches, meinen Porsche 911 S Targa in 10 Tagen zu zerlegen, kämpfe ich gemeinsam mit meinem besten Freund WD40 mit dem ersten serienmäßign Frontspoiler der Welt. Unter anderem.

Ich liege unter dem Vorderwagen des S und frage mich, wie eigentlich diese Sch… Stoßstange beziehungsweise Frontspoiler befestigt ist. Eingeweihte wissen, dass der Porsche 911 S mit 2.4 Liter Motor als erstes Serienautomobil der Welt einen serienmäßigen Frontspoiler trug, der den 190 PS Boliden bei höheren Geschwindigkeiten mit der Nase auf die Autobahn drücken sollte.

Jetzt hypnotisiere ich ebendiesen technologischen Quantenspurng der Fahrzeugaerodynamik und frage mich, wo das Ding festgeschraubt ist.

Ein Foto aus weniger rostigen Zeiten. Der S im Jahr 2008 kurz vor der ersten Ausfahrt. Hier gut zu sehen: Der erste serienmäßige Frontspoiler der Welt.

Hätte ich mal vorher im Werkstatthandbuch nachgeguckt. Oder in der Ersatzteilliste. Aber das ist für Anfänger und beide Publikationen befinden sich natürlich in irgendwelchen Umzugskisten zwischen der Parmesanreibe und dem Kopfhörer, den die Frau jetzt seit 14 Monaten sucht. Also löse ich das Problem auf Männerart.

Tschechischer Ska

Ich echauffiere mich, drehe den Radioempfänger auf volle Lautstärke und höre tschechischen Ska auf Funkhaus Europa. Nach nicht einmal einer Stunde intensiven Brütens finde ich dann allein mit Hilfe der Kraft der Logik heraus, wie das Ding abgeht. So hat Spock das immer gemacht. Nur ohne Ska.

Die Lösung: Vier der Schrauben, die die Stoßstange halten, befinden sich im Kofferraum links und rechts in Fahrtrichtung. Die vier hatte ich bereits in der Annahme abgeschraubt, dass sie irgendwie die Kotflügel halten. Bleiben zwei Muttern, die sich (aha) an den äußeren Spitzen der Stoßstange innerhalb des Radhauses verstecken. Muss ich hinzufügen „und festgerostet sind“?

WD40 – mein bester Freund

Ich greife zu meinem besten Freund, der Dose WD40, und sprühe, was das Zeug hält. Mit der Halbzollknarre, der 13er Nuss und einem meiner schönen neuen alten Dowidat Ring-Maulschlüssel zum Gegenhalten bekomme ich beide Muttern los und die Stoßstange folgt dem Gesetz der Schwerkraft auf den Werkstattboden. GEHT DOCH!

Ich sehe zum ersten Mal in meinem Leben, was sich hinter der Stoßstange befindet und bin erstaunt. Kein Fitzelchen Rost, sondern ein ordentlich mit Rostschutz angestrichener Vorderbau ohne Makel. Wer hätte das gedacht?

Sieht doch gar nicht so schlecht aus hinter dem Kotflügel oder? Um schon mal zu spoilern: Schon sehr bald werdet Ihr mich laut und vernehmlich über genau diesen Teil des S fluchen hören. Dazu mehr in einem der nächsten Tagebucheinträge!

Edelstahlschrauben

Zur Belohnung mache ich Lockerungsübungen und schraube die Gebläseabdeckung aus Presspappe (ORIGINAL!) ab.

Das schwarze pockige Teil das hier im oberen Bildteil über fast die gesamte Breite des Fotos reicht, ist eine originale Gebläseabdeckung fürs Porsche F-Modell. Ist Eure Gebläseabdeckung eher glatt, ist sie ein Repro!

Hier hat jemand wahrhaftig mal Edelstahlschrauben verwendet… . Mmmh – wenn ich genau nachdenke, war ich das vor neun Jahren. Wahrscheinlich waren die originalen angerostet. Weggeworfen habe ich sie jedenfalls nicht. Und die Idee mit dem Edelstahl war nicht so ganz dämlich. Die Schrauben sehen nämlich wie neu aus und sind ruckzuck entfernt. Schon liegt das Gebläse frei.

Zum ersten Mal fällt mir ein kleiner Aufkleber auf. „72“ steht auf dem kleinen Schildchen. Ich habe ein Teil gefunden, dass offensichtlich noch unangetastet die Zeiten überlebt hat und komme mir vor wie Howard Carter.

Ein Originalteil! Oder wie muss ich den gelben Aufkleber mit der Jahreszahl „72“ deuten?

Der Vergleich hinkt ncht, denn schon kurze Zeit später trifft mich die volle Wucht des Fluchs der Porscheschrauber beim Versuch den rechten Kotflügel zu demontieren. Das ist ganz einfach. Man schraubt die großen Blechschrauben (oder wie heißen die Dinger?), die man im Kofferraum findet, raus und der Kotflügel fällt einem entgegen.

Theoretisch.

Wie ich den Kotflügel nicht abbekam

Denn natürlich hatte einer der S-Vorbesitzer Mist gebaut und die Hälfte der originalen Blechschrauben durch Maschinenschrauben ersetzt, die im Radkasten mit Muttern verschraubt sind.

Was hier so einträchtig nebeneinander liegt ist (links) eine originale Kotflügelschraube und rechts die Lösung, die mich zur Weißglut trieb. Die Mutter sitzt (ungeschützt) im vorderen Radkasten.

„Radhaus“ und „Muttern“ – wer hier mitdenkt, weiß, dass diese beiden Porsche F-Modell Komponenten zwangsläufig in einem Atemzug mit dem Wörtchen „festgerostet“ genannt werden müssen.

Jetzt wären festkorrodierte Schrauben mit meinem besten Freund WD40 kein Problem, wenn der S nicht ein S wäre. Doch weil er einer ist, hat er genau da, wo die Muttern im Radhaus sind, die dickefette Ölkühlerschlange des S-Ölkühlers. Gegenhalten mit dem Schraubenschlüssel also Fehlanzeige. Na super.

Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass die Frau mich umbringt, wenn ich nicht bald heimkomme. Morgen geht es weiter. Dann muss ich irgendwie die Kotflügel abkriegen. Schaltet also auch morgen oder übermorgen wieder ein, wenn es heißt #Auseinanderbautagebuch 911 S 2.4 Targa.

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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