1972 2.4 S Targa - Porschekauf in Holland Werkstatt

#Auseinanderbautagebuch 911 S 2.4 Targa (5) – Polizeitarga

Written by hansbahnhof

Heute ist der Karosserieexperte in der #Porschewerkstatt. Ich hatte das Gefühl, dass er sich mal den Zwischenstand angucken sollte. Und das war eine gute Idee.

Um 18.00 Uhr hat sich der Karosserieexperte in der TDM #Porschewerkstatt angemeldet. Ich habe eine halbe Stunde Zeit, um noch probehalber die Fahrertür des 911 S auszubauen und eine der beiden neuen Türen einzubauen, die ich als Ersatz für die völlig fertigen Originaltüren vorgesehen habe.

Die Ersatztüren sind Prachtstücke in „seeblau“ und stammen von einem verblichenen 73er Targa. Ich habe sie vor einigen Jahren für einen damals mörderischen Preis in der Nähe von Stuttgart gekauft, weil sie absolut komplett und so gut wie rostfrei waren. Heute würde man für dieselbe Summe mit viel Glück eine einzige Tür in so einem Zustand bekommen. Die Zeiten ändern sich.

Tür raus

Ich schiebe eine Alukiste unter die geöffnete Fahrertür, unterfüttere sie mit einigen Blechen, damit die Tür nicht einfach herunterfallen kann und beginne mit dem Abschrauben.

Die Schrauben lösen sich eine nach der anderen völlig problemlos und die Tür ist nach nicht einmal 10 Minuten raus.

Jetzt bin ich gespannt ob die seeblaue Fahrertür auch nur ansatzweise in den Targa passt. Man hört ja immer wieder von Spachtel und Aufzinnorgien, die notwendig sind, um eine neue alte Tür an eine andere Karosserie anzupassen. Das war ja damals alles Handarbeit und jede Tür wurde bei Porsche eigens an die Karosse angepasst und blablabla… Wahrheit oder Legende?

Ich habe Spaltmaße!

Mit einiger Mühe wuchte ich das blaue Trumm inklusive Verkleidung, Fenstern und Chromrahmen an den Targa und schaffe es mit einigen yogareifen Verrenkungen, mit vier Testschrauben die Scharniere an der Karosserie zu befestigen. Das mache ich auch nicht noch mal ohne Hilfe. Merke: Porschetür ausbauen geht auch allein. Porschetür ordentlich ohne Kollateralschaden einbauen erfordert mindestens zwei gute Freunde. Ich lerne täglich dazu.

Hat was Künstlerisches: Seeblaue 911 F-Modelltür in hellelfenbeinfarbener Umgebung von oben betrachtet.

So – sieht gut aus. Jetzt mal Tür ganz vorsichtig schließen und – – – ich ahne Böses.

Mit einem satten Porsche-Klack fällt die Tür in das dafür vorgsehene Schloss und schließt absolut akkurat.

Ich trete einen Meter zurück, um mir die wahrscheinlich katastrophalen Spaltmaße anzuschauen. Der Karosseriebauer kriegt bestimmt einen Anfall. Doch die Lücken zwischen Tür und Karosse verlaufen wie gemalt. Sie sind sogar besser, als bei der gerade ausgebauten Originaltür. Ich kann es nicht glauben.

Mit geschlossener blauer Tür sieht der weiße S jetzt aus, wie ein verschollener Polizei-Targa. Sehr kühl.

Kann man nix sagen. Die Spaltmaße der neuen Porschetür sehen beim ersten Probeeinbau top aus!

Was der Experte sagt

Es klopft. Der Karosserieexperte tritt ein und wirft einen despektierlichen Blick auf meine Zerlegechaos. „Ich habe die neue Tür mal testweise eingebaut“, lenke ich ab und der Experte mustert kritisch die provisorische Tür meines Polizeitargas.

Fehlt nur noch das Blaulicht. Polizeitarga in der TDM Porschewerkstatt.

Nach einer kurzen 360-Grad Inspektion hellt sich die Miene des Experten auf. „Hier oben ist sie an einer Stelle durchgerostet. Da setzen wir ein kleines Blech rein, kein Problem“. Ansonsten ist die Tür … perfekt … auch in den Augen des Experten. Kein Spachtel, alles wie neu. Alles super. Doch das sollte sich schnell ändern.

Der S ist 3 Zentimeter zu kurz

Der Experte steht jetzt am Vorderwagen und schüttelt ungläubig den Kopf.

„Was ist denn da passiert?“
Ja, was?
„Das stimmt ja alles nicht. Da haben sie mal was eingeschweißt, aber das müsste hier und hier und hier ganz anders aussehen. Der Falz müsste hier weiterlaufen und das Blech vorn müsste viel weiter rausstehen.“
Wie weit?
„Na, so 3 Zentimeter würde ich sagen.“

Na toll. Dabei hatte der Tag so gut begonnen. Jetzt ist mein S plötzlich ein SWB, weil irgendein Schweißerlehrling aus (hier europäisches Land einsetzen) frei Schnauze Bleche in den Targa gebraten hat.

Hier ist er zu kurz – sagt der Experte.

 

Und hier sollte mehr Blech sein. Da war ein Übeltäter mit der Flex unterwegs.

 

Sowas, meinte der Karosserieexperte, hätte er auch noch nicht gesehen. Doch er beruhigt mich: „Das kann man korrigieren“, brummt es irgenwo aus Richtung Unterboden. Na super. Ob die Kotflügel zu retten sind, kann er noch nicht sagen. Das entscheiden wir später.

Nach einigen wohlmeinenden Worten verabschiedet sich der Experte Richtung Abendessen und ich schnappe mir einen Schraubendreher. Jetzt ist der linke Kotflügel dran.

Der Sieg über den Kotflügel

Dafür muss die S-Schwellerleiste ab, die mit zahlreichen Blechschrauben befestigt ist. Mit etwas WD40 ist das schnell erledigt. Die Schrauben wirken größtenteils original, sind es aber genauso wenig wie die S-Schwellerleiste. Der Aufkleber verrät es. Die Leiste ist ein Einwanderer aus den USA und hat ihre Jugendjahre in den Regalen von Pelicanparts verbracht.

Bevor der Kotflügel entfernt werden kann, muss die S-Schwellerleiste ab.

Von wegen Made in Zuffenhausen. Pelicanparts in den USA vertreibt diese Repros der S-Schwellerleiste. Preis aktuell immerhin etwa 100 USD das Stück. Also gut aufbewahren.

Das ging fix – jetzt noch der Rest des linken Kotflügels. Doch das gestaltet sich trotz originaler Schrauben nicht so einfach, wie ich gehofft hatte. Der Kotflügel ist nämlich mit ordentlich schwarzer Pampe befestigt worden. Daher erfordert es hartnäckiges Ruckeln und Zerren, bis er sich endlich mit einem obszönen Furzgeräusch von der Porsche-Karosserie verabschiedet. Pu.

Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich schon wieder überzogen habe. Ich lasse alles stehen und liegen und verabschiede mich in den Feierabend.

Nur noch fünf Tage – so langsam wird´s eng. Schaltet also auch morgen oder übermorgen wieder ein, wenn es heißt #Auseinanderbautagebuch 911 S 2.4 Targa.

Achso – Polizeitargas (für die, die bei Google nach „polizeitarga“ gesucht hatten)

Porsche 911 Targas wurden von der deutschen Autobahnpolizei und auch der holländischen Autobahnpolizei (Rijkspolitie) eingesetzt.

In Holland traten sie in die Fußstapfen von schicken Porsche 356 Cabriolets, die mit Sirene und Blaulicht ausgestattet für Sicherheit auf holländischen Straßen sorgen sollten. 911 Targas verfolgten Verkehrssünder auf holländischen Straßen seit Mitte der sechziger Jahre. Hier ist ein Foto, das ich 2014 auf dem Porsche Scene Live Treffen (heute „Puur Porsche Treffen) in Eindhoven gemacht habe.

Rijkspolitie Porsche Targa aus den Siebzigern auf dem Porsche Treffen in Eindhoven 2014.

Einen schönen und ausführlichen Artikel zum Thema Porsche Polizeitargas findet Ihr beim Stern unter https://www.stern.de/auto/news/die-groesste-porsche-flotte-der-welt—rijkspolitie-porsche-flotte-weisse-maeuse-7047752.html

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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