1972 2.4 S Targa - Porschekauf in Holland Werkstatt

„#Auseinanderbautagebuch 911 S 2.4 Targa (8) – Pfui Spinne, Welt-Hölzer und die Tür

Written by hansbahnhof

Letzer Tag bei der Zerlegung meines Porsche 911 S 2.4 Targa. ACHTUNG – in diesem Post gibt es zwei Fotos von einer Spinne!

Tag 10 ist gekommen. Ich habe noch die folgenden Bereiche vor mir:

  • zwei Türen komplett zerlegen
  • Benzintank ausbauen
  • Kunstleder am Scheibenrahmen retten
  • Kunstleder am Targabügel retten
  • Innenraum (Rücksitzbank) von Dämmmatten und porösem Schaumstoff befreien
  • Sicherungskästen abmontieren und vorsichtig alle Kabel Richtung Spritzwand räumen (Kabelbaum bleibt drin)

Dass ich das nicht schaffe ist klar. Also nehme ich mir die Türen vor.  Zur Erinnerung: Die originalen Türen des Targas sind so schlecht, dass eine Wiederverwendung ausgeschlossen ist. Das liegt am Rost und an einem eifrigen Lautsprecherfreak, der die Innenteile der Türen in den Achtzigern großflächig aufgeflext hatte.

Zwei neue alte Türen habe ich daher schon vor Jahren gekauft und ins Regal gestellt. Sie sind vollständig und haben Rost ausschließlich an unproblematischen Stellen.

An die Arbeit. Türzerlegen habe ich nach einigen Jahren Selbstschrauben drauf.

Heute zeige ich Euch mal, wie man professionell eine Porsche F-Modell Tür zerlegt. Na ja fast jedenfalls.

Da die beiden neuen Türen so unheimlich original und unangetastet aussehen, baue ich die Videokamera auf. Ich möchte jetzt auch die kleinste Schraube dokumentieren, damit ich weiß, wie eine echte originale Tür aufgebaut war und was für einen Zustand man nach 45 Jahren von einer Tür erwarten kann.

Pfui Spinne

Der Klappenkasten ist als Erstes dran. Den habe ich mir nach Kauf der Tür vor fünf Jahren noch nie angeguckt. Ich öffne die Pappklappe und schrecke zurück. Auf dem Boden des Kastens lauert eine fünfmarkstückgroße Spinne (das jetzt in Euro umrechnen…), die gerade irgendwelche fiesen weißen Kügelchen ausbrütet.

Mich schüttelt es, obwohl ich gar nicht arachnophop veranlagt bin. Ok, bei uns macht die Frau die Spinnen weg, wenn eine auftaucht. Aber das hat Tierschutzgründe.

Was war das mal bevor es erfroren ist? Vielleicht gibt es ja unter Euch Spinnenexperten.

Mit meinem  längsten Schraubenzieher stupse ich das bedrohliche Vieh an, das daraufhin geräuschlos in tausend Einzelteile zerfällt, wie weiland die Mumie in „Die Mumie“. Brrr.

Jetzt inspiziere ich lieber noch die Kartentasche. Da ist der zweite „Stauraum“ in der F-Modell Porschetür und heißt so, weil man da eine (eine) Straßenkarte (mehr nicht) unterbringen kann, die man später mit Hilfe einer Pinzette wieder rausholen muss, weil nur Vierjährige ihre Hand da reinkriegen. Eine echte Fehlkonstruktion.

Ich leuchte vorsichtig mit der Werkstattlampe in die Untiefen des engen Behältnisses und mir leuchtet es blau entgegen. Ich grabbele vorsichtig mit den Fingern nach dem blauen Ding und halte Sekunden später etwas in der Hand, das ich zuletzt Mitte der Siebziger gesehen habe: „Welt-Hölzer“. Eine ganze Schachtel. Vintage. Demnächst bei eBay! Ich liebe Porscheauseinanderschrauben.

Porsche Tür demontieren

Genug Archäologie. Ich beginne mit der Demontage des Klappenkastens, dem zwar eine Aluzierleiste fehlt, der aber ansonsten in einem tollen originalen Zustand ist. Bei meinen „originalen“ Türen fehlte der Kasten, deshalb fehlt mit die Erfahrung mit dem Klappmechanismus, der sich als superprimitiv herausstellt.

Der Porsche Klappenkasten wird von einem primitiven Gummiband in seine Ursprungsstellung zurückgezogen. Hier bin ich bei der Demontage.

Ein dickes Gummiband sorgt dafür, dass der Kasten immer wieder an die Tür zurückklappt. Eine stabile Feder mit Raste sorgt für die Arretierung des aufgeklappten Kastens. Ich filme fleißig. Vielleicht ist das die letzte originale Porschetür, deren Zerlegung auf Speicherkarte gebannt wird. Der Klappenkasten ist nach einigem Hin- und Her (und dem Ausbohren einer Schraube an den beiden Scharnieren unten) raus.

Türgriff abschrauben gehört beim Porsche F-Modell übrigens zu den leichten Übungen.

Ich ramponiere die Kartentasche

Die Kartentasche ist mit einer dicken Schraube befestigt, die einfach zu lösen ist. Schwieriger ist die zweite Mutter der Kartentasche, für die man eine möglichst kleine Ratsche plus Nuss in der Tür hin und herbewegen muss. Ein Ding der Unmöglichkeit, zumal die Mutter (genau) von innen festkorrodiert ist.

Nach 15 Minuten, einer halben Flasche WD40 und einigen Verrenkungen ist die Mutter raus und die Kartentasche ramponiert. Der Stehbolzen hat sich mitgedreht. Die fragile Blechkonstruktion innerhalb der Kartentasche konnte der Knarre nichts entgegensetzen. Jetzt weiß ich endgültig, warum es so wenige gute gebrauchte Kartentaschen zu kaufen gibt. Mit etwas Mühe und den passenden Klebstoff werde ich die Tasche später bestimmt wieder zusammenbügeln können.

So viele Teile!

Der Rest ist Routine und dauert trotzdem, weil ich jede Kleinigkeit auf Film banne.

Dabei stelle ich fest, dass zwischen dieser Tür im originalen Zustand und „meinen“ originalen Türen Welten liegen. Insgesamt enthält die originale Tür mindestens 20 Schrauben, Schräubchen und Blechteile mehr als meine Türen. Der Grund liegt auf der Hand. Die Originaltüren sind im Laufe ihrer wilden Geschichte wahrscheinlich dreißig mal zerlegt und wieder zusammengebaut worden. Dabei geht – so sehe ich das – von mal zu mal mehr verloren. Selten zum Vorteil der Tür.

Kein Wunder, dass es in meinem Innenraum bei jedem Schlagloch rappelte und klapperte. Mit ein paar Schrauben mehr hätte das anders ausgesehen.

Ausbau der Mechanik des Türöffners innen.

Gelb chromatierte Originalschrauben

Die fast durchgehend in der Originaltür verwendeten 5 mm Innensechskantschrauben fehlten in den originalen Targa-Türen völlig und waren ersetzt durch Schrauben beliebiger Größe, die mal gerade in der Werkstatt rumlagen. Wieder was gelernt.

Die Originalschrauben mit dem porschetypisch niedrigen Innensechskantkopf bewahre ich sorgfältig in einer meiner Schäferkisten auf, damit ich sie wiederverwenden kann. Bei allen gelingt mir das nicht.

Technik-Tipp zum Zerlegen der Tür

Die Schrauben Richtung Innenraum sind bei originalen Türen oft in besserem Zustand als diejenigen, die in der Gegend um Schließmechanismus und Fensterheber verbaut sind. Diese Schrauben sind nach 45 Jahren immer korrodiert und fest.

Diese Mutter ist eine von zweien, die den Türgriff von Innen halten. Sie kriegen bei jedem Regen was ab – wie man sieht. Hier ist Rostlöser Pflicht bevor man was abbricht. Achso: Man sprüht Rostlöser natürlich AUF die Mutter. Aber versucht das mal, wenn Ihr gleichzeitig filmt und mit dem Kopf in einer Porschetür steckt.

Alle Schrauben in und an der Tür wurden von Porsche seinerzeit sehr sehr ordentlich festgezogen. Selbst wenig korrodierte Vertreter sind daher nur schwer loszubekommen. Dazu kommt, dass der porschetypisch niedrige Innensechskant dem Sechskantschlüssel nur wenig Angriffsfläche bietet.

Die Kombination aus niedrigem Schraubenkopf und Korrosion führt dazu, dass sich schlecht greifende Inbusschlüssel schnell in der Schraube verdrehen. Der Schraubenkopf ist dann hin und die Schraube muss im schlimmsten Fall aufwändig ausgebohrt werden.

Verwendet also für Arbeiten in der Tür einen guten Schlüssel und ordentlich Rostlöser und lasst Euch Zeit beim Auseinandernehmen.

Die Plastik-„Scharniere“ der Klappentasche und der Kartentasche sind mit kleinen Kreuzschrauben festgeschraubt. Hier ist es eng und es empfiehlt sich ein guter langer dünner Schraubenzieher oder eine gute 1/4 Zoll-Knarre. Sonst heißt es womöglich „Ausbohren“.

Rost und die Zeit ist um

Nachdem alle Teile entfernt sind, sichte ich die Rostsituation und kriege jetzt doch einen Schreck. Neben den bereits sichtbaren Roststellen hat sich die braune Pest unter anderem unsichtbar im Fensterschacht oben festgesetzt und dort das Blech großflächig aufgegessen. Für den Karosserieexperten (hoffentlich) keine Riesenaktion.

Die Türunterkanten sind dagegen – sehr porsche-untypisch – fast rostfrei bis hin zu den Wasserabläufen. Ich bin überrascht.

Die Kamera signalisiert „volle Speicherkarte“. Ein kurzer Blick auf die Uhr sagt mir, dass meine Zeit für heute um ist. Keine Chance, heute noch mit irgendetwas anderem weiterzumachen. Na super. Da wird wohl morgen ein Anruf in der Werkstatt fällig. Die werden sich bestimmt freuen, dass ich noch Zeit brauche.

Vielleicht schaltet Ihr ja morgen (oder übermorgen) noch einmal ein, wenn ich über den Endspurt im #Auseinanderbautagebuch Porsche 911 S 2.4 Targa berichte. Vielen Dank fürs Mitlesen und Mitfiebern bis hier hin!

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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