1972 2.4 S Targa - Porschekauf in Holland Werkstatt

#Auseinanderbautagebuch 911 S 2.4 Targa (9) – Explosionsgefahr

Written by hansbahnhof

An Tag 10 des Auseinanderbaus hatte ich von sieben übrigen Gewerken gerade mal eine einziges geschafft – das Zerlegen der Fahrertür. Ich melde ein Telefongespräch nach Canossa an.

„Ich schaffs nicht rechtzeitig“. Am anderen Ende der Leitung höre ich wildes Hämmern und die erleichterte Stimme des Karosserieexperten. „Wir haben eh ordentlich zu tun – kein Stress, wir verschieben.“

Ein Glück, die Werkstatt hätte mir ja jetzt auch sagen können, dass sich mein Zeitfenster damit geschlossen hat. Jetzt habe ich eine Woche brutto mehr und kann mich in Ruhe mit den Restarbeiten beschäftigen.

Die paar Restarbeiten …

Benzintank ist für Anfänger

Starten werde ich mit dem Benzintank, den ich wohlweißlich vor Beginn der Auseinanderbauaktion ordentlich leergefahren hatte. Benzintank ist einfach. Nicht, dass ich damit Erfahrung hätte. Aber sämtliche Komponenten sind leicht zugänglich im Kofferraum zu finden: Zuleitung vom Tankeinfüllstützen entfernen, noch so ein Rohr beseitigen, das werweißwofür ist und den Stecker des Tankgebers abstöpseln. Dann drei Schrauben losmachen, die den Tank festhalten und  …. Mist. Der Tank ist ja zwangsläufig unter dem Wagen mit den Benzinleitungen Richtung Motor verbunden. Die müssen ab. Dafür muss ich unter das Auto auf den eisekalten Werkstattboden.

Laut quietschend und unwillig poltert der Rangierwagenheber hinter mir her. Ich  pumpe den Wagen auf der linken Seite hoch und sichere mit zwei Unterstellböcken. Mit der Werkstattleuchte in der Hand gehe ich auf  Tauchstation. Es ist eng hier unter dem Porsche obwohl mein Rangierwagenheber keiner von den ganz niedrigen ist.

Technik-Tipp:  IMMER zusätzlich Unterstellböcke verwenden, bevor man unter den mit dem Wagenheber hochgepumpten Elfer kriecht. Ihr wärt nicht der Erste, der von seinem Hobby zerquetscht wird, wie ein Mistkäfer. Kein schöner Tod.

Benzin, überall Benzin

Die Benzinleitungen vom Tank zum Motor (es sind zwei) sind mit Schlauchschellen befestigt. Die zu lösen wäre kein Problem, wenn man nicht eingeklemmt zwischen Garagenboden und Porsche-Unterboden liegen würde. Nach einigem Gefummel und kritischen Blicken auf die Stablität von Wagenheber und Böcken geben die Schlauchstellen auf. Überschüssiges Benzin fängt erst meine Werkstattjacke und dann eine alte Schäferkiste auf.

Wir haben ja hier im Ruhrgebiet Erfahrung mit dunklen engen Arbeitsbedingungen. Spaß macht das aber nicht. Ich will eine Hebebühne!

Die Schläuche lasse ich am Tank und drehe jeweils eine dicke Schraube ins Schlauchende, damit kein Sprit mehr ausläuft. Ich rieche jetzt sehr männlich und bin schwarz im Gesicht. Aber der Weg ist frei, den Tank zu entfernen. Ich werde doch noch Porschemechaniker!

Der Trick mit dem Wagenheber

Da ich ahne, dass mein Vor-„Restaurator“ den Tank mit schwarzer Karosseriedichtmasse festbetoniert hat (siehe Kotflügel) nutze ich einen Trick, den mein brillianter Porschemechaniker-Technikverstand in der 4 Grad kalten Werkstatt spontan entwickelt: Ich lege ein Brett auf den Wagenheber, darauf ein dickes Polster. Dann rangiere ich den Heber unter den Vorderwagen und beginne entspannt zu pumpen. Einmal, zweimal, dreimal. Mit einem schmatzenden Geräusch löst sich der 65-Liter Tank des S aus der Karosseriepampe. Ich bin genial. Look at me!

Breit in die Videokamera grinsend pumpe ich lässig noch einmal, als ein unerwartetes Geräusch ertönt:

„PLOPP“

Einer der beiden Benzinschläuche hat sich vom Tank gelöst. Ein plätscherndes Geräusch ertönt aus Richtung Werkstattboden während sich der Duft nach 98-oktanigem Sprit in der Luft breitmacht. Akute Explosionsgefahr in der #Porschewerkstatt.

Sprit für mindestestens 10 Euro war weg, ehe ich die Kiste drunterschieben konnte!

Ich hechte zu meinem Vorrat von Schäferkästen, greife mir drei leere und kicke sie unter den Wagen. Jetzt läuft der Sprit in die Kisten, was den Gestank nicht besser macht. Mit einigen Verrenkungen und viel Zerrerei bekomme ich den Tank aus dem Kofferraum und stelle ihn hochkant, damit nicht noch mehr ausläuft. Soweit zum Thema geniale Ideen. Ich Semiprofi ich.

Wie damals 14/18. Benzin aus den Schäferkisten in den Kanister füllen. Das stinkt.

Der Tank ist raus. Mit kleineren Kollateralschäden.

 

Und jetzt das Heißluftgebläse – nicht

Nachdem der Tank gerettet ist und die gröbste Sauerei beseitigt, schaue ich auf die Restarbeiten. So ein Mist. Alle ausstehenden Arbeiten erfordern das Heißluftgebläse dessen Luft von glühenden Heizdrähten erhitzt wird. Wenn ich das jetzt einschalte passiert wahrscheinlich nix. Oder vielleicht ein Unglück. Ich entscheide mich dafür, die Dämpfe über Nacht verfliegen zu lassen und schließe die Werkstatt ab. Irgendwann werde ich hier noch mal fertig.

Rest-Tage und noch mehr Lautsprecherlöcher

Die restlichen Tage verbringe ich mit dem Entfernen von Kunstleder an Scheibenrahmen und Targabügel sowie mit den letzten Dämmmatten auf der Rückbank. Das Heißluftgebläse leistet mir dabei wichtige Unterstützung. Denn nur nur mit viel (nicht zu viel!) heißer Luft lässt sich der Kleber unter dem Kunstleder soweit aufweichen, dass sich das originale alte Kunstleder halbwegs zerstörungsfrei ablösen lässt.

Das originale Kunstleder am Schreibenrahmen ist an zwei Stellen zusammengenäht. Das wird noch eine Aktion mit dem Selbernachfertigen beim Zusammenbau. Gut, dass die Frau eine Nähmaschine hat.

Meine Hoffnung, etwas davon wiederverwenden zu können, muss ich allerdings auf Eis legen. Das originale Kunstleder lässt sich maximal noch als Vorlage für eine Nachfertigung verwenden. Das ist besonders am Schreibenrahmen ärgerlich, weil der innere Bezug dort an zwei Stellen werksseitig zusammengenäht ist. Gut, dass die Frau eine Nähmaschine hat. Ob die Kunstleder kann?

In der Rücksitzmulde entdecke ich nach Entfernen der letzten Dämmmatten zwei handtellergroße Löcher. Was zum Teufel ist das? Ein Onboard-WC für die Porsche Rücksitz-Passagiere? Wohl eher der letzte Gruß des Lautsprecher-Fanatikers, der schon schon das Innere meiner Türen auf dem Gewissen hat. Kreisrunde Löcher in dern Sitzmulden! Sachen gibt´s!

Disco! Ein (wahrscheinlich Italienischer) Partyfan hat in beide Sitzmulden kreisrunde Löcher gesägt. Ich nehme mal an das hier Lautsprecher montiert waren. Pfui.

Abholtag

Dann ist auch schon Abholtag. Der Karosserieexperte bringt einen Hänger und helfende Hände mit. Gemeinsam schieben wir den S auf den Hänger und zurren ihn mit Spanngurten fest.

911 S-Teile im Gras warten auf den Karosserieexperten.

Ein letzter Eindruck aus der TDM #Porschewerkstatt. Fertig – jedenfalls, fast alles, was ich mir vorgenommen hatte.

Mein Targa sieht verloren und ziemlich zerfleddert aus auf dem Transporter. Jedenfalls bleibt mir irgendwie das Herz stehen. Wo noch vor nicht mal einem Monat ein ganzer Porsche Targa stand, steht jetzt ein Wrack. Ich hoffe inständig, dass sich jetzt in der Karosseriewerkstatt keine Katastrophen finden und ich das Ding später wieder zusammengeschraubt kriege.

War´s das?

Ist das #Auseinanderbautagebuch damit beendet? Fast. Ich muss Euch unbedingt noch zusammenschreiben, welches Werkzeug ich fürs Zerlegen gebraucht habe und ein ein kleines Fazit wird es auch noch geben.

Das Filmmaterial muss ich ebenfalls noch sichten und zusammenschneiden. Jan hat schon danach gefragt. Das könnte was Abendfüllendes werden. Schaltet also auch in Kürze wieder hier ein, wenn ich Sachen machen, von denen ich eigentlich keine Ahnung habe. Euch und Euren fahrenden Elfern von hier aus schon mal einen guten und unfallfreien Saisonstart!

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

12 Comments

  • Finde ihre Aussage die kreisrunden Löcher in den Sitzmulden seien für Lautsprecher schon etwas bedänklich!
    Dann sind die im hinten Fußbodenblech für das zweite paar Lautsprecher?
    Quadro Sound sozusagen?
    Oh man, an ihrer Stelle würde ich mir lieber ein anderes Hobby suchen.

    • Mensch Rolf. Ein Hobby hat man, wenn man Dinge tut, an denen man einen Höllenspaß hat. Das heißt nicht, dass man davon zwangsläufig auch viel Ahnung haben muss. So schraube ich ohne Schrauberkenntnisse an klasisschen Elfern rum und versuche anderen damit zu helfen, dass ich meine Erfahrungen aufschreibe. Du auf der anderen Seite schreibst ohne Rechtschreibkenntnisse Kommentare in Blogs, weil Du samstagabends partout nichts anderes zu tun hast. Das ist nicht „bedänklich“, sondern es sind halt unsere Hobbys. Lass mir meins. Ich lass Dir Deins.

  • Na der Rolf ist ja ein ganz schlauer. Bedauerlicherweise nölt er aber nur rum, anstatt sein Wissen zu teilen wofür die Löcher denn nun wirklich sind um so für eine bessere Welt einzutreten.

    Um zu versuchen die Welt doch noch ein bißchen besser zu machen, lasse ich meiner Spekulierwut mal freien Lauf. Ich vermute, dass die Löcher der Trockenlegung der Sitzmulden dienten.

    Im Blech sieht man eine u-förmige Stantzung. Die dient beim Tauchgrundieren von Rohkarossen dazu, überschüssige Farbe ablaufen zu lassen. Davon gibt es in einer Karosserie einige. Später werden die wieder abgedichtet, damit kein Wasser eindringt.

    Da Targas dazu neigen sich in ein Feuchtbiotop zu verwandeln, kann man die Öffnungen zum entwässern der jeweiligen Bereiche nutzen. Wenn man drankommt. Im Sitzmuldenbereich, mit der dicken Dämmmatte drüber, ist das aber schwierig. Ich vermute, dass ein – in dem Fall findiger – Vorbesitzer die Löcher in die Matte geschnitten hat, um genau das zu tun. Außerdem entsteht so die Chance, dass die Sitzmulden auch irgendwann austrocknen können. Mit Dämmatte ist das eher unwahrscheinlich.

    • Hallo Michael, Danke für Deine Meinung und Deine Spekulationen – vor Allem weil sie konstruktiv sind und uns allen weiterhelfen…. Nach meinen Recherchen in den letzten Tagen gab es (bei einigen späten Porsche 911) diese Löcher, aber natürlich nicht „mit Dämmmatte abgedichtet“ sondern zugeschweißt. Meine Löcher hat also definitiv jemand (wieder) reingeflext und sie gehören so nicht in den Targa. Ich werde mich noch mal bei Experten zu dem Thema umhören. Vielleicht hat ja sogar Rolf dann noch was davon.

  • Hallo Ansgar,

    Die Loecher sind nicht „orischnaal“.

    An der Stelle hat das originale Blech allerdings eine kreisrunde Praegung mit dem beschriebenen Ablauf in der Mitte- ich kann Dir gerne ein Bild schicken.
    Ich stimme hier mit Michael ueberein- wahrscheinlich sind das zur Drainangezwecken geschnittene Loecher. Vieleicht ein bisschen uebertrieben gross, aber die haben Dir wahrscheinlich die Sitzmulden gerettet. Ich hebe meine rechte ersetzen muessen- ein 400 Euro Reparaturblech und 8 Stunden Arbeit.
    Gut, dass Dein Sohn auf der letzten Reise nicht durch die Loecher gerutscht ist!
    Gruss,
    Christian

    • Hallo Christian, das bestätigt meine Vermutung. Wenn Du noch ein Bild der Sitzmulde haben solltest bei dem die Prägung erkennbar ist, wäre das hilfreich an hansbahnhof@teil-der-maschine.de. Ich will das ja nach Möglichkeit wieder halbwegs original haben, auch wenn Dämmung und Rücksitz drüberkleben. Durchgerutscht wäre übrigens die Frau. Ferdi fuhr vorn 😉 …

    • Ist bereits erledigt. Trotzdem Danke für den Hinweis! Die Werkstatt hat das erledigt, weil ich keine Riesensauerei in der TDM #Porschewerkstatt haben wollte. So macht einem die „seltene Ölklappe“ an unerwarteten Stellen Arbeit… 😉

  • Lieber hansbahnhof

    Ich zieh’ meinen Hut in ehrfurcht. Bewundernswert, wie du dich an diese Sachen heranmachst. Ich habe selber zwei 911er, einen 1970 E, und einen 73’ 2.4S Targa. Zwischendurch stehe ich mit blutigen Knöcheln, zähneknischend in meiner winzigen Garage … manchmal mag ich die Wagen über Wochen nicht anschauen … manchmal treibt mir die Furcht vor anstehenden Rechnungen Schweissperlen auf die Stirn. Da tut es gut, zu lesen, dass es anderen auch mal so gehen kann. Man sich aber durchbeissen kann. Lohnt sich ja auf jeden Fall. Deine Blogs sind also nicht nur unterhaltend, sie sind auch noch ferntherapeutisch. Thanks. Das hilft dir jetzt nicht unmittelbar weiter. Aber vielleicht machte es den nächsten Frustmoment eine hundertstel Sekunde kürzer.

    Dein Targa hat ja auch ein wenig italienische Vergangenheit – in diesem Sinne: Forza e coraggio!

    Gruss, Marcus

    • Hallo Marcus, das mit der Ferntherapie habe ich noch nie so gesehen, aber Du wirst damit Recht haben. Wer immer sich also noch von TDM ferntherapiert fühlt – ich freue mich auf Eure Therapieergebnisse hier in den Kommentaren! Vielen Dank auch für Deinen Kommentar und fürs Lob. Das ist für mich ebenfalls immer Ferntherapie, weil man ja als Blogger selten viel mehr als den Applaus des Publikums (=Kommentare) bekommt. In diesem Sinne – einen guten Saisonanfang mit Deinem E und dem S-Targa. Das ist eine sehr schöne kleine Sammlung und meiner kleinen Sammlung ja ziemlich ähnlich …

  • Ist denn in einer Sechzigerjahrewerkstatt nicht vielleicht eine Grube stilechter als eine Hebebühne? Nur mal so als unschuldige Ideenfrage …

    • Da könntest Du Recht haben. Aber es gab natürlich in den Sechzigern schon Hebebühnen und angesichts meines Alters werde ich mich noch früh genug mit rechteckigen Löchern im Boden beschäftigen müssen. Ich bin faul und für die Hebebühne 😉

Leave a Comment