Werkstatt

Chinaroller – Schnäppchen oder Chinaschrott? Rangierroller für den Porsche (Teil 1)

Zwei Stück fertig zusammengebaut. Damit lässt sich bereits arbeiten.
Written by hansbahnhof

Eine eigene Porsche-Werkstatt mit Porsche-Hebebühne vor Porsche-Rennplakaten wäre schön – oder? Doch wer kann sich das leisten? Wer seine Schrauberaktionen am Porsche Oldtimer wie ich in einer Doppelgarage durchführen muss, hat ein Platzproblem. Der Sechszylinder steht nämlich immer da, wo man ihn gerade nicht braucht. Und man braucht immer gerade dort Platz, wo gerade eine Wand, eine Tischtennisplatte oder ein Bobbycar steht. Schöner Mist.

Abhilfe bieten sogenannte Rangierroller. Das sind kleine Wagenheber, die das Auto an den Rädern anheben und jeweils vier kleine Räder haben. Mit vier Rangierrollern an den Rädern lässt sich der Wagen  frei in der Garage bewegen. Da unsere F-Modelle echte Leichtgewichte sind, geht das sogar im Einmannbetrieb. Eine ideale Lösung also auch für Menschen ohne Freunde.

Gojak – Das Original

Erfinder des Rangierrollers ist das amerikanische Unternehmen Zendex (www.zendextool.com), das die praktischen Miniwagenheber unter dem Markennamen „Gojak“ seit mehr als zwanzig Jahren herstellt. Die Gojaks werden mechanisch betrieben und sind für veschiedene Reifendimensionen verfügbar.

Das Original von Zendex: Der Gojak Rangierroller.

Das Original von Zendex: Der Gojak Rangierroller.

Der Grund, weshalb ich bis heute kein Gojak-Eigner geworden bin, ist der Preis der kleinen Dinger. Vier Stück kosten mal eben ab 900,– EUR aufwärts. Ein Preis für den man eine gebrauchte Consul- oder Zippo Hebebühne bekommt. Nur für das Hin- und Herschieben eines Autos in der Garage so tief in die Tasche greifen zu müssen, schmerzt dann doch.

Hilfe aus China?

Preiswerter machen es mal wieder die Chinesen. Und zwar deutlich. Unsere kopierfreudigen asiatischen Freunde haben das Gojak-System fröhlich abgekupfert und bieten Rangierroller für ein Viertel des Preises der Originale an.

Die Chinaroller sind in der Regel nicht mechanisch, wie das Original, sondern hydraulisch betrieben. Innen arbeitet also ein kleiner ölgefüllter Zylinder, der die Arbeit macht. Das hört sich doch erstmal ganz gut an!

Die Roller werden bei eBay oder bei Amazon von deutschen Zwischenhändlern verkauft. Diese Zwischenhändler kaufen direkt ab Werk in China ein. Das kann man übrigens auch als privater Endverbraucher. Jedenfalls, wenn man mutig ist. Das chinesische Rangierroller-Angebot ist riesig und die Preise sind unterirdisch niedrig. Wer Spaß dran hat, schaut mal auf der chinesischen Handelsplattform Alibaba nach Rangierrollern. Garantie, Lieferzeit und Qualität sind natürlich etwas für Glaskugelleser, zumal man bei Alibaba in der Regel größere Mengen kaufen muss, damit man von Schnäppchenpreisen profitiert.

Rangierroller aus China. Bei Alibaba kauft man am günstigsten und direkt aus China. Vorsicht, die günstigen Preise gelten oft nur bei Kauf größerer Mengen. Transportweg, Garantie und Gewährleistung sind Risikien, die beim Direktkauf abzuwägen sind.

Rangierroller aus China. Bei Alibaba kauft man am günstigsten und direkt aus China. Vorsicht, die günstigen Preise gelten oft nur bei Kauf größerer Mengen. Transportweg, Garantie und Gewährleistung sind Risikien, die beim Direktkauf abzuwägen sind.

Chinaroller von Amazon

Treue TDM-Leser wissen, dass ich ein Freund von Qualitätswerkzeug bin. Ich habe mich deshalb erst nach langer langer Überlegung für die chinesische Lösung entschieden. Ich bin außerdem auf Nummer sicher gegangen und habe trotz spannend klingender Angebote nicht direkt in China gekauft.

Meine Gojak-Kopien kommen von Amazon, wo sie über „Baumarkt Plus“ vertrieben werden. Die Lieferung war Amazon-typisch fix. Die hilfreichen Hydrauliker erreichen den Schrauber im schweren Karton und sehr gut verpackt. Zusammenbauen muss man selber. Wer das nicht schafft, sollte sich ein neues Hobby suchen.

Was ist im Paket?

Die Einzelteile der Chinaroller sind überraschend schwer und aus massivem Vierkantstahl zusammengeschweißt. Nach dem Auspacken sind die einzelnen Teile mit Hilfe eines Schraubenschlüssels oder besser eines ordentlichen (nicht-chinesischen) Ratschenkastens schnell zusammengesetzt.

Vorsicht übrigens: Die Rangierroller sind besonders dort, wo sich Teile bewegen, gut eingefettet. Man sollte aufpassen, wo man sie anfasst. Der Zusammenbau dauert inklusive Auspacken pro Roller maximal 15 Minuten. Das ist ok.

Toleranzen und Verarbeitungsqualität der Baumarkt Plus Roller sind überraschend gut. Kein Teil fehlt, die Schrauben passen. Lediglich die Schweißnähte sind an einigen Stellen (ein wenig) sehr chinesisch.

Darüber sollte man nicht zu lange nachdenken, denn die Originale von Gojak sind ausweislich der im Internet verfügbaren Detailfotos nicht besser verarbeitet.

Ob sie den Porsche auch hochkriegen?

In Teil 2 von „Chinaroller – Schnäppchen oder Schrott?“ teste ich die Funktion der Gojak-Kopien und habe dazu auch ein kleines Video „in Aktion“ gemacht.
Mal gucken ob sie den Porsche auch wirklich hochkriegen.

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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