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Chinaroller – Schnäppchen oder Chinaschrott? Rangierroller für den Porsche (Teil 2) (Video)

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Written by hansbahnhof

In Teil 1 dieses Testberichtes hatte ich über Kauf und Zusammenbau der chinesischen Gojak Rangierroller-Kopien berichtet. In Teil 2 sollen sie nun den Wagen anheben. Dann will ich versuchen 1076 Kilogramm Porsche Oldtimer in der engen Garage hin- und herzuschieben. Ob das klappt?

Alle, die Teil 1 von „Rangierroller für den Porsche“ verpasst haben, klicken hier.

Zunächst mal müssen die Rangierroller „unter die Reifen“ geschoben werden. Das Schwierigste dabei ist das schiere Gewicht der Dinger. Spätestens, wenn der Wagen eher an der Wand steht und man versucht, einen der kleinen Wagenheber dort hinzuschleppen, ohne den Lack der Porsche-Ikone anzukratzen, wird es hakelig.

Beim Gewicht scheinen die Gojak Originale einen Vorteil zu haben. Sie wirken bei der Installation in den Youtube Videos deutlich handlicher.

Der Wagenheber muss dann soweit auseinander gezogen werden, dass er den Reifen von vorn und hinten umgreift.

Das Auseinanderziehen kostet durchaus etwas Kraft. Dabei muss man auf den gut eingefetteten goldfarbenen Vierkantstahl achten, den man quasi automatisch anfasst. Fett an den Pfoten ist anfangs fast nicht zu vermeiden.

Erst wenn der Rangierroller gerade mit dem Reifen fluchtet, sollte man den Hebevorgang starten.

Erst wenn der Rangierroller gerade mit dem Reifen fluchtet, sollte man den Hebevorgang starten. Hier gut zu sehen: Der goldfarbene Vierkant ist dick mit roter Schmiere eingefettet. Finger weg!

Gute Nachricht für alle Porsche 911 Schrauber: Der Rangierroller (jedenfalls dieses Fabrikat) lässt sich auch bei etwas tieferen Fahrzeugen wie meinem 65er 911 gut unterschrieben und eckt nirgendwo an. Weder an der Hinter- noch an der Vorderachse.

Allerdings benötigt man für die Positionierung des Rollers mehr Platz, als ich angenommen hatte. Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass die Roller bei einem nur zwanzig oder dreißig Zentimeter von der Wand entfernt stehenden Auto noch unterschiebbar sind. 40 – 50 cm Raum sind für Montage und Demontage der Roller notwendig. Danach lässt sich der Wagen aber natürlich ziemlich eng an die Wand oder andere Hindernisse schieben.

Wenn der Rangierroller gerade mit dem Reifen fluchtet, wird die große rote Flügelschraube zugedreht. Das geht sehr leicht. Die Schraube sorgt dafür, dass die Hydraulik beim Pumpen den Wagenheber „zusammenzieht“ und den Reifen nach oben drückt.

Flügelschraube des Rangierrollers. Erst wenn die festgeschraubt ist, wirkt das Pedal auf die Hydraulik.

Danach ist noch das Fußpedal von einem kleinen Befestigungshaken zu befreien. Der Haken sorgt dafür, dass das Pedal beim Platzieren des Rangierrollers nicht die Karosserie beschädigt.  Dann kann man lospumpen.

Das Fußpedal wird von einem Haken gehalten, dessen Hauptfunktion es ist, Beschädigungen der Karosserie zu verhindern.

Das Fußpedal wird von einem Haken unten gehalten, dessen Hauptfunktion es ist, Beschädigungen der Karosserie zu verhindern.

Das Fußpedal wird so lang getreten, bis die Hydraulik das Gerät „komplett zusammengezogen“ hat und der Rangierroller seine Endstellung erreicht hat. Das Pedal ist übrigens das einzige Teil, das deutlich Spiel hat und sich beim Tretvorgang hin- und herbewegt. Die Funktion beeinträchtigt das nicht.

In der Endstellung kann zur Sicherung der Position noch ein Metallstift eingesteckt werden, der den Rangierroller unabhängig von der Funktion der Hydraulikpumpe fixiert. Das hochgeliftete Rad hat sich nun deutlich mehrere Zentimeter vom Garagenboden abgehoben. Sind alle vier Räder versorgt, kann der Porsche in der Garage problemlos hin- und hergschoben werden. Oder?

Schieben und zerren

Ein Tipp für Amateure (wie mich).

Bevor Ihr anfangt, Euren Porsche in der engen Garage hin- und herzuzerren, solltet Ihr nachschauen, ob Karrosserie und Räder nirgendwo anecken. Ich hatte zum Beispiel  bei meinem ersten Versuch mit zwei Rangierrollern an den Hinterreifen einen Gummikeil bei einem der Vorderreifen vergessen. Schön dämlich und peinlicherweise auch noch im Video zu sehen.

Wenn alles freigängig ist, könnt Ihr losrangieren. Vorsicht! Wenn der Wagen auf den Rangierrollern erstmal Fahrt aufgenommen hat, ist gar nicht so einfach zu stoppen. Damit Ihr Euren Oldtimer nicht vor die Tischtennisplatte setzt, müsst Ihr sehr langsam schieben.

Um den Wagen nicht zu beschädigen, solltet Ihr außerdem darauf achten, dass ihr nur schiebt, wo der Porsche auch ausreichend dimensioniert ist. An den Radläufen ziehen (Zerren = Turbolook!) verbietet sich genauso, wie z.B. Druck an den Türen auszuüben. So ein Porsche Oldtimer ist halt in großen Teilen Leichtbau und man hat den Wagen schnell verbreitert, wo man ihn gar nicht verbreitern wollte.

Fazit

Die Rangierroller aus China tun ihre Arbeit und zwar sehr anständig. Das nahezu freie Verschieben eines Autos in einer Garage verschafft ungeahnte Freiräume bei Bastel- und Restaurationsarbeiten jeder Art. Bedenken sollte man aber, dass die Installation (das „UnterdasAutoschieben“) ca. 40 – 50 cm NEBEN dem hochzuliftenden Rad erfordert.

Die Verarbeitungsqualität ist überraschend gut. Da ich die Rangierroller jetzt erst seit einigen Wochen teste, kann ich zu ihren Langzeitqualitäten allerdings nicht viel sagen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Hydraulik am ehesten ihren Geist aufgeben wird. Das bestätigt auch ein Facebook-Kommentar auf https://www.facebook.com/TeilderMaschine. Ich werde auf jeden Fall berichten, wenn es so weit sein sollte. Eine Ersatzteilliste liegt den Rangierrollern übrigens bei, so dass der Exitus eines Bauteiles nicht zwangsläufig das Ende des ganzen Gerätes bedeuten muss.

Die Rangierroller sind eindeutig Schnäppchen, da sie fast 75% günstiger angeboten werden, als die amerikansichen GoJak Originale. Wer über Themen wie Arbeitssicherheit und Umweltstandards in China hinwegsehen kann, ist mit den Rangierroller-Kopien also mehr als gut bedient.

Technische Daten

  • Tragkraft pro Wagenheber: 680 kg
  • Maße aufgebaut L x B x H: 57-85 x 61 x 34 cm
  • Maximale Spreizung: 54 cm bei 11,5 cm Höhe
  • Gewicht: ca. 18 kg (Stück)

Hinweis: Die Rangierroller habe ich beim Anbieter „Baumarktplus“ über Amazon gekauft – sie sind mir nicht kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Aktuell der Anbieter die Roller nicht mehr im Programm. Andere Anbieter bieten vergleichbare Roller bei Amazon oder eBay an.

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

4 Comments

  • Hallo Hansbahnhof

    Hier Walter Böni aus der Schweiz.
    ich habe mich gefreut und amüsiert über deinen Test zum Ur911er-Fahren bei Hitze.
    Ich habe das sehr ähnlich erlebt diesen Sommer in Italien… aber auch genossen!
    Meine neugekauften RECARO-Sitze (original alte, aufgearbeitete Idealsitze aus 69) haben sich bestens bewährt, was den Komfort und den Seitenhalt anbetrifft!! Nur, wie auch du schreibst, ist das Kunstleder schnell nass bei hoher Innentemperatur. Hier hilft nur ein Tuch dazwischen.
    Eine Klimaanlage würde ich nie und nimmer installieren! -Das nimmt mir vielzuviel geliebte PS weg!!
    Eine Frage und evtl. zu deiner Info: kennst du das 911er Standardwerk in Buchform „Porsche 911 – das Original – alle Modelle 1963 – 1993“ von Peter Morgan? Es ist dieser Tage als REPRINT neu erschienen im HEEL-Verlag. Ich habs gekauft und bin begeistert über die Fülle an Informationen.
    Hast du dieses Werk schon mal als Buchkritik beschrieben?
    Nun zum Schluss noch ein Hinweis: kennst du unsere Homepage „Urelfer Club Schweiz“? Sie ist von unserem Präsi ganz neu gestaltet worden und hat viele frische und alte gute Infos.
    Mein dunkelblaues „C-Modell“ ist auch auf der Startseite zu sehen.
    Frohe und luftgekühlte Grüsse Walter

    • Hallo Walter, Danke für Deinen Kommentar! urelfer.ch ist sehr schick geworden. Ich kannte die alte Seite, die neue ist klasse. Sie wird heute auf https://www.facebook.com/TeilderMaschine verlinkt! Das Morgan-Buch hört sich gut an. Rezensiert habe ich es noch nicht. Da sich alle meine Bücher im Moment in Umzugskisten befinden, kann ich nicht genau sagen, ob es sich irgendwo unter meinen Bücherschätzen befindet. Was ich beim Heel-Verlag lese, hört sich gut an. Dir und Deinen Kollegen vom Club einen sonnigen Saisonabschluss und Grüße aus dem „großen Kanton im Norden“!

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