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Dashcams unzulässig? Warum das Urteil des VG Ansbach leider egal ist.

Auf Youtube haben Dashcamvideos aus russischen Kraftfahrzeugen seit Jahren Hochkonjunktur. Nichts ist fürs preussisch korrekt eingenordete deutsche Verkehrsteilnehmer erfrischender, als Cockpitaufnahmen aus dem herrlich chaotischen russischen Straßenverkehr.

Gewürzt mit einer Prise Sibirien und im Idealfall unter Einfluss hochprozentiger geistiger Getränke bei Schneesturm auf den Speicherchip gebannt, zeigen die Aufnahmen aus russischen Dashcams, wie sich Autos über Lastwagen türmen, wie Panzer ungebremst über rote Ampeln brettern und wie „Fußgänger“ auf allen Vieren die Straße überqueren. Na sdorowje.

Jeder russische Verkehrsteilnehmer besitzt eine Dashcam, um im Fall eines Falles vor Gericht beweisen zu können, dass der Panzer ihm die Vorfahrt genommen hat oder der rechts überholende Laster lichterloh brannte. In Deutschland ist die Entwicklung noch recht neu.

Die Dashcam im Oldtimer-Porsche?

Auch ich habe seit Längerem die einschlägigem Dashcams im Blick und hatte immer mal wieder den Abzugfinger am Mausknopf über dem „kaufen“-Button meines Elektroversandes. Allein der deutsche Elektronerd-Großversender „Conrad“ bietet zurzeit 50 unterschiedliche Dashcams aller Preisklassen zwischen 30 und 300 Euro an. Warum als nicht? Denn was gäbe es Praktischeres, als ein Video vom Unfall, wenn sich denn wirklich mal der Golf V eines schläfrigen deutschen Sonntagsfahrers in die Seite des geliebten 911 S bohrt?

Das VG Ansbach und Datenschützer sehen Probleme

Ob das Aufnehmen des Vordermannes und des rückwärtigen Verkehrs (manche Dashcams haben zwei Kameralinsen dafür) auch in Deutschland zulässig ist, entscheidet heute erstmals das Verwaltungsgericht Ansbach. Wie der Bayerische Rundfunk Mittelfranken gerade berichtet*, vertrat das Gericht in der mündlichen Verhandlung, die Ansicht, dass der Datenschutz durch die Nutzung einer Dashcam verletzt sei.

Damit vertritt es eine ähnliche Auffassung wie viele Datenschützer, die im massenhaften Einsatz der Kameras eine unzulässige Vorratsdatenspeicherung sehen. Hintergrund des Verfahrens: Ein Anwalt aus Mittelfranken (sic!) hatte sich eine Dashcam installiert und sich einen Rüffel des Bayerische Landesamtes für Datenschutzaufsicht eingefangen. Das war der Meinung, das eine derartige privat-verkehrstechnische Vorratsdatenhaltung nicht zulässig sei.

Das Urteil ist zu begrüßen, aber (leider) egal

Ob klar contra oder leicht pro Dashcam. Das heutige Urteil wird egal sein. Denn die massenhafte Berichterstattung über den Fall hat die Aufmerksamkeit der vierradgetriebenen deutschen Blockwarte erst auf die neue Technik gelenkt. Dashcams dürften jetzt erst so richtig populär werden. Conrad und Co werden sich also eher über eine Zunahme der Bestellungen freuen können und wir alle müssen uns ins Zukunft fragen: Wo landet der Film, den der Typ macht, den ich gerade rechts überhole, heute abend? Bei der Polizei, auf Youtube oder gleich bei beiden?

Auch wenn ich selbst mit dem Porsche Oldtimer eher defensiv fahre, ist die Dashcam ein weiterer Baustein, der mir den Spaß am Autofahren tendenziell verleiden wird. Als ob die Überwachung von offizieller Seite nicht schon ausreicht.

*Quelle: http://www.br.de/nachrichten/mittelfranken/inhalt/dashcam-datenschutz-ansbach-100.html

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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