911 kuppeln, lenken, warmfahren

Die Kupplung des Urelfers ist schwergängig. Hier tritt der Fahrer noch selbst. Völlig ohne Unterstützung durch hydraulische Helferlein. Die aufrechtstehenden Pedale sind für heutige Maßstäbe ungewohnt. Der Kupplungsfuß muss erst die richtige Position finden, damit ein 43er Normaltreter nicht dauernd auf den Radkasten statt auf das Pedal tritt. Die Position des Kupplungspedals befindet sich geschätzte 10 cm weiter rechts, als bei einem modernen Auto. Erster Gang. Bitte nie direkt einlegen. Immer den „Umweg“ über einen angedeuteten Schaltvorgang in den Zweiten nehmen. Sonst kracht es im Getriebe. Auch hier verleugnet der Elfer nicht sein Alter.

Der Wagen setzt sich in Bewegung und irritiert dabei den Neuling mit seinen beiden Scheinwerferwölbungen. Sie lassen den Urelfer aus der Fahrerperspektive schmal erscheinen. Der Lenkradkranz ist ebenfalls schmal. Nicht dicker als ein Daumen. Das Original-Lenkrad ist eines der wenigen Porsche-Teile, das man mit Fug und Recht als hässlich bezeichnen kann – darauf kann man sich auch als großer Fan einigen. Dazu kommt, dass es ungewöhnlich groß ist. Beim Lenken ist das hilfreich. Denn natürlich arbeitet auch die Lenkung ohne Servounterstützung. Einparken „mit einem Finger“ ist aber nur noch nach speziellem Training drin. „Beim Rangieren den Wagen immer rollen lassen“ – so hatte es mir mein Vater mir nach bestandenem Führerschein beigebracht. Im S erinnere ich mich wieder dran – schon weil es anders gar nicht geht.

50 Grad. Das ist die Starttemperatur des S. So signalisiert es jedenfalls die Öltemperaturanzeige. Jetzt das Gaspedal zu treten, würde das Triebwerk nach kurzer Zeit mit einem kapitalen Motorschaden der Zwanzigtausendscheine-Klasse quittieren. Daher heißt es im klassischen 911er: Geduld bewahren und langsam warmfahren. So lange, bis die Maschine bei 85 – 90 Grad ihre Betriebstemperatur erreicht hat. Je nach Außentemperatur sind das schon mal 20 Minuten in denen man hämisch grinsende Vorstadtgolffahrer sowie ambitionierte A3-Treiber einfach ignorieren muss. Ganz ehrlich. Man gewöhnt sich nie wirklich dran.

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