Offen fahren im 911 S

Während ein früher Engländer hart, zugig und undicht zu sein hat, sind moderne Cabrios auch offen schön kuschelig. Jedenfalls solange man die Unterstützung von Windschotts, AirScarfs und Baseballmützen zum Schutz midlifebedingter Kahlschlagsbereiche in Anspruch nimmt.

Dass zugfreies Frischluftfahren auch ohne technische Mätzchen geht, beweist der Ur-Targa bravourös. Er ist das ideale Cabrio. Ohne Targadach fährt es sich selbst mit 1,88 m Körpergröße noch nahezu zugfrei. Die relativ aufrecht stehende Scheibe und der als Windschott agierende Targabügel mit anschließender Heckscheibe sorgen für Ruhe im offenen Elfer. Im direkten Vergleich braust es im Targa sogar weniger als in einem Golf Cabrio der letzten Generation. Wer also kälteempfindlich ist oder schon mal fröstelnde Beifahrer dabeihat, findet im Urelfer Targa eine ideale Frischluftlösung – selbst im Vergleich mit aktuellen Cabrios.

The Art of Noise
Der Targa ist lauter als heutige Cabrios. Dabei überrascht, dass der Motor sich kaum in den Vordergrund spielt. Vielmehr sind es Luftgeräusche, die vornehmlich aus Richtung Targadach für Unruhe sorgen. Hauptgrund dafür ist die knappe Dämmung des Daches sowie – im Falle meines S – die Vorderkante des Targadaches, die aerodynamisch ungünstig im Wind steht. Der 911er ist damit wohl das weltweit einzige Cabrio, das offen einen ruhigeren Eindruck hinterlässt, als geschlossen. Die „hohe“ Kante ist übrigens ebenfalls Ergebnis schlampiger Arbeit. Die einzig noch lieferbare Frontscheibendichtung passt eigentlich nur auf spätere Targa-Modelle. Sie ist etwas höher, als die im Werk verbaute Originaldichtung. Das Ergebnis sind zwei bis drei Millimeter „Kante“ auf der der Fahrtwind virtuose Konzerte gibt. Die zu hohe Dichtung kann (und sollte) vor Einbau abgeschliffen werden.

Leave a Comment