Marktsituation

Durchwachte Nacht: Pebble Beach Auktion von Gooding – Tag 1

Written by hansbahnhof

Drei Uhr irgendwas. Ich starte den Teil der Maschine Zentralcomputer und navigiere mich auf die Website des amerikanischen Auktionshauses Gooding. Doch die Enttäuschung ist groß. Das geht ja gut los.

Drei Uhr irgendwas. Sonntag morgen. Ich starte den Teil der Maschine Zentralcomputer und navigiere mich auf die Website des amerikanischen Auktionshauses Gooding. Doch die Enttäuschung ist groß: Der Livestream funktioniert nicht. Das geht ja gut los. Da bin ich jetzt mitten in der Nacht aufgestanden und die GEMA oder wer auch immer meint, aus dringenden rechtlichen Gründen den Youtube Livestream direkt aus Pebble Beach unterbinden zu müssen. Oder um es anders zu sagen. Die ganze Welt guckt eine Oldtimerauktion und in Deutschland gucken wir in die Röhre. Willkommen 2014.

Weil im Hintergrund der Auktion Musik läuft oder was? In Deutschland war die Pebble Beach Auktion von Gooding nicht live zu sehen.

Weil im Hintergrund der Auktion Musik läuft oder was? In Deutschland war die Pebble Beach Auktion von Gooding nicht live zu sehen. (Quelle: www.goodingco.com)

Da bleibt nur Twitter als Informationsmedium. Unter den Hashtags #goodingcompany sowie #GCoPB (für „Gooding Company Pebble Beach“) tröpfeln Informationen in meine leicht übernächtigten Augen: Ein 74er Ferrari Dino 246 GTS in ungewöhnlichem Blau und einem Estimate von 425.000 – 500.000 US-Dollar bringt 440.000 US-Dollar. Ein 1925er Rolls-Royce Silver Ghost Picadilly Roadster überspringt das Estimate von 500.000 und bringt 550.000 US-Dollar. Ein Ferrari 250 GT Short Wheel-Base California Spider, der laut Ankündigung 13 bis 15 Millionen US-Dollar bringen soll, wird für 15.180.000 Millionen US-Dollar an einen Garagengoldkäufer verkauft, der ganz bestimmt nicht damit fährt.

War´s das mit der Blase?

Aber ich bin ja schließlich nicht für einen Ferrari aufgestanden, für dessen Kauf ich umgerechnet 354 Jahre 24 Stunden am Tag arbeiten müsste. Mich interessieren die Autos aus Zuffenhausen und die Frage: „War´s das mit der Blase?“ Irgendwie erscheint mir Pebble Beach die richtige Auktion für die Beantwortung der Blasentheorie zu sein. Denn wenn die hochpreisigen 911er hier innerhalb oder oberhalb der Estimates weggehen – scheint mir – ist das Ende der Porsche 911 Oldtimer Preisspirale noch nicht in Sicht.

Der 1965er Porsche „Produktion 1964“

Im Fokus meines Interesses steht ein besonderes Auto. Ein sehr frühes 1965er Porsche 911 2.0 Coupé, der in Deutschland wohlbekannt ist. Der anständig restaurierte, wenn auch nicht 100% perfekte Wagen, war auf Techno Classica und Retro Classics dicht umlagert. Auch wegen eines Preisschildes im hohen sechsstelligen Bereich. Das Besondere an diesem Elfer: Der als „Produktion 1964“ angepriesene Wagen ist nicht einer der berühmten 230 Wagen, die bereits 1964 die ersten german autobahns unter die Räder bekamen, sondern ein echter 1965er. Gebaut (?) und ausgeliefert Anfang 1965.

Zwischen 68er Alfa Romeo Giuilia Sprint und 59er AC Aceca Bristol. 1965er Porsche 911 "Produktion 1964" in selten anzutreffendem silber mit seltener anzutreffendem Höchst-Estimate von 550.000 US-Dollar

Zwischen 68er Alfa Romeo Giuilia Sprint und 59er AC Aceca Bristol. 1965er Porsche 911 „Produktion 1964“ in selten anzutreffendem silber mit noch seltener anzutreffendem Höchst-Estimate von 550.000 US-Dollar

Als solcher rechtfertigt er (Stand 2014) in restauriertem Zustand einen Preis irgendwo zwischen 120.000 und 200.000 EUR (Einschätzung von Teil der Maschine). Das Estimate für den Elfer ist auf der Pebble Beach Auktion jedoch deutlich optimistischer. Gesucht: Ein Käufer, der bereit ist, für einen frühen 1965er Porsche 911 450.000 – 550.000 US-Dollar hinzublättern. Plus Auktionsaufgeld natürlich. Das sind also deutlich über 400.000 EUR und damit deutlich mehr als das Doppelte dessen, dass so ein Wagen aktuell eigentlich allerallerhöchstens kosten dürfte. Elfer-Blasen-Bonus und Garagengoldeffekt eingerechnet.

4:16 Uhr am Sonntag morgen: Ein Porsche 911 Carrera 3.0 RS rollt laut Twitter auf die Gooding-Bühne in Pebble Beach. Was er dem Käufer Wert ist, kann man im Livestream wahrscheinlich sehen. Twitter und der Twitter Account von Gooding schweigen sich jedoch aus. Ist die Kiste verkauft worden? Gähn.

4:38 Uhr: Ein wunderschöner grüner 1955er Aston Martin findet einen neuen Käufer. Ich würde ihn auch sofort nehmen – was für ein Auto. 5.500.000 US-Dollar sind eine Ansage, liegen aber deutlich unter den maximal angepeilten 7.000.000 US-Dollar für das Auto. Platzt die Blase bei Aston? Was hätte so ein Auto vor 10 Jahren gebracht? Wahrscheinlich weniger als die Hälfte des hier erzielten Ergebnisses, aber ich kein Aston-Experte. Gelohnt haben dürfte sich die Sache für den Verkäufer jedenfalls.

Porsche 959 für 1.485.000 US-Dollar

4:42 Uhr: Wieder ein Porsche. Der originale 1988er Porsche 959 in der „Komfort“-Version (242 Fahrzeuge gebaut) rollt auf die Bühne. Wird er die anvisierten 1.100.000 US-Dollar bringen? Ich warte auf Twitter. Doch Gooding kündigt schon Lot 36 – einen Toyota – an. Ich brauche Informationen! Ich bin Blogger! Also twittere ich Gooding einfach direkt an (ich mag Twitter echt nicht besonders!).

Hört mich einer da unten in den Staaten? Twitter ist super ....

Hört mich einer da unten in den Staaten?

Der Toyota erreicht die 1.000.000 US-Dollar Grenze. Respekt. Es muss eine Blase geben, denke ich. Aber immerhin ist es ein Toyota 2000 GT – das Auto aus dem James Bond „You only live twice“ in der Coupé-Version. Gähn.

Gooding erinnert per Twitter daran, den Hashtag #GCoPB zu nutzen. Das geht in meine Richtung.  Ich habe mit schlafverklebten Augen den falschen Hashtag #GCoBP verwendet. Ich bin eben immer noch ein digitaler Immigrant. Also löschen und korrigieren. Vielleicht bekomme ich ja jetzt Porsche Ergebnisse.

Der Toyota wird für 1.155.000 US-Dollar verkauft. Da können die Japaner aber stolz sein. Als nächstes ist ein Mazda Cosmo dran. Wer immer da draußen nach Garagengold-Alternativen zum Porsche 911 sucht, sollte sich mal mit raren japanischen Autos beschäftigen. Davon gibt es häufig deutlich weniger Überlebende als von den begehrten Elfern. Der Mazda springt über die 190.000 US-Dollar Marke. Dabei ist er nicht mal so wirklich schön. (Ich entschuldige mich für diese Einschätzung vorsorglich bei allen Mazda Fans!).

Eine Antwort von Gooding! Twitter ist jetzt plötzlich mein Lieblingsguckloch zur Welt! Wer braucht Livestreaming? Der Porsche 959 hat unglaubliche 1.485.000 US-Dollar gebracht. Mehr als deutlich über dem Estimate oder genauer gesagt: Unglaubliche 385.000 US-Dollar über der eh optimistischen Einschätzung von Gooding. Wahnsinn.

Das Internet ist super. Besonders Twitter. Der Porsche 959 hat ein geradezu unglaublich hohes Ergebnis eingefahren.

Das Internet ist super. Besonders Twitter. Der Porsche 959 hat ein geradezu unglaublich hohes Ergebnis eingefahren.

Zeit für Frühstück

5:19 Uhr: Ein McLaren F1 (Lot 44) startet mit einem Anfangsgebot von lächerlichen 9.500.000 US-Dollar. Er soll 14.000.000 US-Dollar bringen, wenn es für Gooding und den Verkäufer gut läuft. Mich hätte der 73er Porsche 911 2.4 S mehr interessiert, der als Lot 41 aber scheinbar nicht aufgerufen wurde. Vielleicht kommt er ja noch.

5:39 Uhr: Ein Buick Caballero Estate Wagon (http://www.goodingco.com/vehicle/1957-buick-caballero-estate-wagon-2/) durchbricht unter Getöse die 300.000 US-Dollar Marke. Ich fasse es nicht. Der Wagen hatte ein (bereits optimistisches) Estimate von maximal 125.000 US-Dollar. Aber er wird auch zugunsten des George W. Bush Institute verkauft. Da sind die Amis eigen.

5:40 Uhr: Kein Porsche in Sicht. Beziehungsweise auf Twitter. Ich schalte die Espressomaschine ein. Zeit für flüssiges Frühstück.

Briggs S. Cunningham und prominenter Vorbesitz

6.00 Uhr: Der Briggs S. Cunningham Mercedes 300 SL Flügeltürer kommt unter den Hammer. Wer war Briggs S. Cunningham? Cunningham ist gleichzeitig eine „Automotive Legend“ (Gooding) und ein weißer Fleck auf meiner rennsportgeschichtlichen Landkarte.

Gerade aus Sicht des potentiellen Garagengoldkäufers ist diese meine Situation aber interessant: Prominenter Vorbesitz wird immer wieder als Grund für höhere Preise angeführt. Ganz selten mag das so sein. Ob es aber auch auf Dauer und in Zukunft so sein wird, stelle ich in Frage. Wird Steve McQueen – Garant für astronomische Gebrauchtfahrzeugpreise in den vergangenen Jahren – in zwanzig Jahren noch eine preistreibende Rolle spielen? Oder werden seine Filme womöglich nur noch einer kleinen Gruppe bekloppter Cineasten und Autofreaks bekannt sein? Dann dürften auch McQueen Preisaufschläge passé sein. Ob der Name Briggs S. Cunningham Einfluss auf den Verkaufspreis des Flügeltürers hat, erfahre ich übrigens nicht. Gooding schweigt sich per Twitter aus und kündigt die nächsten Fahrzeuge an.

Wie jetzt Oldtimerauktion? BMW i8

6.11 Uhr: Wie jetzt? Was hat ein BMW i8 Plug-In Hybrid-All-Wheel-Drive
(http://www.goodingco.com/vehicle/2014-bmw-i8-concours-delegance-edition/) denn bitte auf einer Klassikerauktion zu suchen??? Egal. Interessenten gibt es offensichtlich genug. Denn die Preise rattern schnell über die 650.000 US-Dollar-Marke. Herrschaften, das ist Geldverbrennung. Denn wieviel Restwert wird davon in fünf Jahren geblieben sein. Gut, es ist kein wirklich häßliches Auto – das war es dann aber auch schon. Für alle, die demnächst (wie ich) gern auf ein elektrisches Auto umsteigen möchten, sei ein intensiver Blick in die technischen Daten erlaubt: Elektrische Reichweite: 37 km (!). Das ist jetzt nicht Euer Ernst BMW?

Porsche 911 T/R für ???.000 US-Dollar

6.16 Uhr: Jetzt wird es spannend. Ein Porsche 911 T/R mit illustrem Vorbesitz (Paul Ernst Strähle) und illustren Ex-Fahrern (Herbert Linge) kommt als nächstes Lot! Er soll 400 – 600.000 US-Dollar bringen. Gleich kommt er………….. nicht. Denn die Reihenfolge der Lots ist irgendwie nicht die Reihenfolge der Auktion. Das soll einer verstehen.

Das war es dann für Tag 1. Morgen mehr!

Das war es dann für Tag 1. Morgen mehr!

 

7.10 Uhr: Gooding kündigt auf Twitter einen Fiat Jolly als „Last Lot of the Day“ an. Dolle Sache. Hat sich ja gelohnt, mitten in der Nacht aufzustehen! Kommt der Rest jetzt morgen am Montag? Sieht so aus. Denn in Pebble Beach ist es jetzt laut Internet Samstag, 22.15 Uhr.

Zeit, ins Bett zu gehen. In Pebble Beach und in Essen. Hoffentlich will die Frau jetzt nicht schon Frühstück. Euch einen schönen Sonntag!

 

 

 

 

 

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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