Marktsituation

Elektromobilität Teil 2: Wenn Thomsen Recht hat. Der Porsche Elektro-Oldtimer

Written by hansbahnhof

Wenn Lars Thomsen Recht hat und der elektrische Antreb sich durchsetzt, dann wird man auch bei Oldtimern darüber nachdenken müssen. Und das wird erhebliche Auswirkungen auf die Branche haben.

Wenn Lars Thomsen Recht hat (s. Teil 1 zum Thema Elektromobilität) und der elektrische Antreb sich durchsetzt, dann wird man auch bei Oldtimern darüber nachdenken müssen. Und das wird erhebliche Auswirkungen auf die Branche haben.

1. E-Bugatti

Zunächst wird es die Eisernen und Reichen geben. Leute, die zum Beispiel originale Vorkriegs-Bugattis pilotieren und verständlicherweise nie auf die Idee kommen würden, Ettores Werk mit einem schnöden Elektromotor zu verschandeln. Denen wird Elektro aus grundsätzlichen Erwägungen und aufgrund der meist geringen Fahrleistungen egal sein. Und wir alle werden auch in 40 Jahren noch laut röhrende schlumpfblaue Molsheimer Ikonen auf Schloss Dyck und in Goodwood bewundern können. Ein Glück. Ich würde es vermissen.

E-Bugatti? Kein Weg. Wenn der nicht stinkt und qualmt, ist irgendwas nicht mehr in Ordnung.

E-Bugatti? Kein Weg. Wenn der nicht stinkt und qualmt, ist irgendwas nicht mehr in Ordnung.

Was für Bugatti, Mercedes SSK und andere Vorkriegsklassiker gilt, gilt meiner Ansicht nach auch für Vierrad-Ikonen wie den 300 SL Flügeltürer, den Lamborghini Miura sowie andere übliche Verdächtige der gehobenen Garagengoldklasse. Kein Eigentümer wird hier zum E-Antrieb greifen, nur weil er billiger und ökologischer ist. Einige wenige werden es tun und man wird über sie nasrümpfen.

2. E-Omega

Brot und Butter-Autos der 70er und 80er werden es in Zeiten des Elektroantriebs schwer haben. Oder vielleicht auch nicht?

Es ist mehr als wahrscheinlich, dass selbst für solche Fahrzeuge günstige E-Alternativen existieren werden. Einen Bedarf wird es geben. Egal, wie wenig oldtimeraffin die heutige Jugend unserer Ansicht nach ist. Denn irgendwann wird es wieder „in“ sein, ein altes Auto zu fahren, weil es so schön retro ist und weil es gar nicht mehr so viele Opel Omega im Originalzustand geben wird. Wer das für unwahrscheinlich hält, sollte sich mal zurückerinnern an die Siebziger, in denen man Allerweltsautos der 50er und 60er Jahre gequadert hat, die heute nahezu ausgerottet und hochbegehrt sind. Es wird ihn also geben, den E-Omega und den E-Ascona. Und den E-Käfer gibt es E-bereits. Gut, dass es E-motionen gibt.

Keine Frage. Der Käfer gehört zu den ersten e-motional e-elektrifizierten Oldtimern weltweit. Das wird ein E-Massenmarkt.

Keine Frage. Der Käfer wird zu den ersten in Massen e-motional e-elektrifizierten Oldtimern weltweit.

3. E-911 (F-Modell)

Beim Porsche erwarte ich unterschiedliche Tendenzen. Zunächst wird es die reichen Traditionalisten geben, die aus purer Liebe ihren 911 T, E oder S auch weiterhin mit teurem Sprit betreiben werden. Doch das – so mein Eindruck – sind eh die Leute, die ihre Autos nur wenig bewegen. Die laufenden Kosten (Sprit und Wartung) werden dieser Zielgruppe wenig ausmachen.

F-Modell mit E-Antrieb. Die Am-Wochenende-zur-Eisdiele-Fahrer werden noch einige Zeit Sprit tanken. So lange bis ihre Stehzeuge überholungsbedürftig sind. Danach wird aus F-Modell E-Fahrzeug. Da bin ich mir sicher.

F-Modell mit E-Antrieb? Die Am-Wochenende-zur-Eisdiele-Fahrer werden noch einige Zeit Sprit tanken. So lange bis die Motoren ihrer Stehzeuge überholungsbedürftig sind. Spätestens dann wird aus F-Modell E-Fahrzeug. Da bin ich mir sicher.

Dann wird es diejenigen geben, die vor einer Entscheidung stehen. Nämlich zum Beispiel der Entscheidung, den Benzinnotor ihres frühen Elfers überholen zu lassen. Und diese Elfereigner werden sich angesichts von Kosten zwischen 10.000 und 20.000 EUR für die Überholung natürlich Gedanken über die Sinnhaftigkeit der Sache machen. Besonders, wenn die Elektro-Alternative für deutlich weniger Geld zu haben ist.

Diese Leute werden keine Exoten sein. Denn sie werden eine ökonomisch und ökologisch schlaue Entscheidung treffen, die es ihnen auch noch erlaubt, ihren Urelfer bei erheblich reduzierten Betriebskosten zu genießen. Unabhängig davon ob in seinem Heck noch etwas boxt oder nicht.

Leute, die sowas überholen können, gibt es schon heute nicht mehr so viele (hier bei Marc de Siebenthal in der Schweiz). In zehn oder fünfzehn Jahren wird man sie an den Fingern einer Hand abzählen können. Weltweit.

Leute, die sowas überholen können, gibt es schon heute nicht mehr so viele (hier bei Porsche Spezialist Marc de Siebenthal in der Schweiz). In zehn oder fünfzehn Jahren wird man sie an den Fingern einer Hand abzählen können. Weltweit.

4. E-911 (G-Modell und später)

Auch bei diesen Autos erwarte ich Elektro auf dem Markt zu sehen. Die große Masse der G-Modelle und der späteren Autos sowie ihre legendäre verzinkte Haltbarkeit prädestinieren die Autos geradezu dafür, von einer Armada innovativer Elektrifizierer umgebaut zu werden. Und einen Markt wird es für DIE Sportwagenikone der Deutschen natürlich geben. Und so wird man eben nicht nur die G-Modelle sondern auch die heute noch unattraktiven 996 vermehrt mit Elektromotoren ausstatten, um sie nicht wegwerfen zu müssen.

G-Modell mit E-Motor? Keine Frage.

G-Modell mit E-Motor? Keine Frage. Dann kann man auch direkt zum Strand durchfahren.

5. E-Sonderausstattungen

Soundgeneratoren werden verboten sein. Daher werden sie sich blendend verkaufen und sie werden den Sound des „richtigen“ Porsche-Sechszylinders authentisch wiedergeben können. Auf Knopfdruck. Und wenn es nur für den 1. Porsche-Mai in Dinslaken ist. Wer das für Unsinn hält, sollte einige Jahre zurückdenken (!). Der erste jemals in Bottrop von Brabus „getunte“ Elektrowagen war ein Tesla. Und Brabus hatte nichts Besseres zu tun, als einen Soundgenerator einzubauen. Brumm.

Tuning wird übrigens noch ein Thema sein. Denn ein Motor mit 400 PS wird dann nicht viel mehr kosten, als ein 200 PS Elektromotor für den Elfer. Warum also nicht gleich 400 PS. Dann lässt sich mit ordentlich Drehmoment die Beschleunigung bis zum dann geltenden Tempolimit von 120 auf Autobahnen auskosten. Bremsen- und Fahrwerkspezialisten werden also im Zuge der Elektrifizierung von automobilem Alteisen weiter gut zu tun haben. Und sei es nur, um einen 300 PS 911 S (Ölklappe) mit Keramikbremsen nachzurüsten. Und – ja – ich werde es „positively shocking“ finden.

6. Gewinner und Verlierer der Oldtimer-Elektrifizierung

Die Oldtimer-Branche ist riesig. Und auch sie wird sich umstellen müssen, wenn es soweit ist. Zylinderschleifereien, Getriebespezialisten, Motorinstandsetzer und Experten für antiquierte Benzineinspritzungen wird die Elektrifizierung Jobs kosten. Genauso wie Kleinserienhersteller von Auspuffanlagen (sorry Dieter!). Oder auch nicht, denn viele dieser Experten sind mittlerweile im Rentenalter und finden kaum einen interessierten oder kompetenten Nachfolger. Meine Theorie daher: In zehn oder fünfzehn Jahren noch einen jungen und erfahrenen Mechaniker zu finden, der einen 911 S Einspritzerboxer auf hohem Niveau zum Leben erweckt, wird schwierig werden. Und teuer übrigens. Wieder ein Grund mehr für die Elektrifizierung. Schon heute zeichnen sich diese Entwicklungen ab, wenn es um eher spezielle Anforderungen wie Einspritzanlagen früher F-Modelle geht. Wer kann sowas? Ein zwei bekannte Firmen, ein paar Hinterhofschrauber und das wars dann schon.

7. Matching Numbers adieu?

Welche Auswirkungen wird der elektrifizierte Oldtimer-Porsche auf die Marktwerte haben? Wird eine Ölklappe mit Matching Numbers 911 S Maschine mehr wert sein, als ein professionell elektrifizierter Porsche 911 T mit „Authentic Sound Generator“ zum Sofortlosfahren? Werden Getriebe und Motor dann als Couchtischfuß enden und dem Käufer des Oldtimer Elfers verschämt in einer Umzugskiste mitgegeben, wie aktuell noch das Päärchen Original-Solex beim 1965er Porsche 911?

So ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Denn, wie wichtig ist dem 911 S-Treiber in 20 Jahren noch die Originalmaschine, die eh nur in der Garage rumsteht? Schnurz? Oder mehr als Schnurz? Eine interessante Überlegung und vielleicht doch ein Argument „pro 911 T“ oder „pro Porsche 911 L“.

8. Und was ist mit Hybriden und Wasserstoff?

Welcher Karnevalist glaubt ernsthaft daran, dass ein Hybrid in 10 Jahren noch eine gangbare Alternative ist? Gründe? Die Vereinfachung ist der natürliche Feind des Komplizierten. Und ein Hybrid ist die Hohe Schule der Komplexität und damit unnötig, wenn die Entwicklung im Batteriebereich so weitergeht, wie im Moment.

Reden wir von Wasserstoff? Wo sind sie denn, die fahrfertigen Wasserstoffautos? Nicht da. Oder noch nicht da? Ich hänge mich mal raus: Es wird sie nicht geben. Nicht als Alltagsautos und nicht als Oldtimerantrieb.

Ich werde elektrisch. Wa Rum auch nicht?

Alles wird elektrisch. Meine Alt-Porsches auch. Mit Strom aus meiner Photovoltaikanlage. Den Boxersound werde ich vermissen und vorher natürlich noch mal ordentlich auf Band aufnehmen. Und dann werde ich umbauen (lassen) und mit dem Batterieporsche genau so viel Spaß haben, wie mit dem Benziner.

Hin und wieder werde ich den Geruch von Öl und Benzin vermissen. Und die bekloppte drehzahlabhängige Heizung. Und manchmal werde ich Leute treffen, die nicht umgerüstet haben. Und ich werde über dem Motor hängen, die warme Luft einatmen und an früher denken, währen ich 8 Euro pro Liter Auspuffgase schnüffele. Doch dann werde ich E-Gas geben. Und das 65er Coupé wird mit Elektro genauso schnell sein, wie mit dem betagten 130 PS Benziner. Außerdem wird es deutlich besser beschleunigen. Es wird mich im Unterhalt kaum was kosten. Und es wird nie wieder eine Getriebeüberholung für 5000 EUR oder einen neuen Motor für 25.000 EUR benötigen. Und doch wird es ein klassischer Posche sein. Mit Porsche Instrumenten, Porsche Innenraumgeruch und Porsche Urelfer-Aussehen. Eine Ikone des Sportwagenbaus mit einer sinnvollen, umweltfreundlichen, kostensparenden und damit zeitgemäßen Optimierung. Ich werde elektrisch.

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

7 Comments

  • Ich habe mal einen Artikel in der Markt gelesen. Hier in Köln gibt es einen, der rüstet die alten Elfer auf Elektro um.
    Ich bin letzte Woche auf der CEbit mit dem VW eUP gefahren. (bzw. ich wäre fast mehrfach überfahren worden, da man gar nichts mehr hört!). Für die Einkaufstüten nach Hause zu tragen ein tolles Auto.
    Ich denke die Automarken bauen nicht umsonst Classic Abteilungen und bieten immer mehr Services. Solange es einen Markt mit finanzstarken Teilnehmer gibt wird der Markt auch bedient. Es sei denn der Gesetzgeber beschneidet auch diesen Spaß wie Rauchen und Anderes.

    Grüße aus LEV

    • Und es wird heißen „seltene Ölklappe“ mit praktischem Schnellladestecker. Aber was füllst Du dann am Benzintank ein? Fahrbier?

  • Eins ist sicher: Ich werde zu denen gehören, die den alten 11er-Motor hegen und pflegen und weiterhin mit Benzin fahren 😉 . Einen e-Motor brauche ich nicht, weil der 11er weder jetzt noch in Zukunft täglich bewegt wird und somit ist es auch kein Gebrauchsgegenstand oder „Nutzfahrzeug“. Anders wird es mit dem zweckmäßigen Altagswagen sein, da kann ich es mir sehr gut vorstellen schon bald auf einen e-Antrieb umzusteigen 🙂 .
    Herzliche Grüße aus dem Norden

    • 😉 – verständlich – absolut. Aber bei fünf Euro der Liter stellt sich natürlich die Frage: 1. sind längere Strecken dann noch drin 2. Wenn keine längeren Strecken drin sind: Wie lange macht die Kiste die Herumsteherei mit? Bei den Strecken, die die Frau und ich (aktuell) fahren, stellt sich die Frage nicht. Die werde ich mir nicht mehr leisten können, wenn eine Tankfüllung für den S oder den 65er über 300,– EUR kostet. Und das wäre schade… Ich bin hochgespannt, wie das weitergeht…

  • Keine Sorge, bei entsprechender Pflege und entsprechenden Verhaltensregeln macht der 911er das fast ewig mit 🙂 . Aber da gehen die Meinungen halt etwas auseinander. Ansonsten bin ich ebenso hoch gespannt, wie es weiter geht … 😉

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