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Fahrzeugkauf, Fälschungen und F-Modelle (1) – Interview mit Rechtsanwalt Stephan Cleves (Video)

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Written by hansbahnhof

Angesichts enormer Preise für Porsche F-Modelle denkt so mancher Eigner eines Porsche-Klassikers ernsthaft über eine „Aufwertung“ seines Urelfers nach. So wird ein 911 T zum RS. Oder ein 912 SWB zum begehrten 911 S mit kurzem Radstad. Doch – kann ich einfach mal so eben eine neue Fahrgestellnummer einschweißen?

Was ist, wenn ich noch einen alten Fahrzeugbrief herumliegen habe? Und was muss ich beim Kauf beachten, wenn ich das Gefühl bekomme, dass das Objekt der Begierde irgendwann einmal „upgedatet“ wurde? In diesem Blogpost findet Ihr einen kleinen Überblick über die Machenschaften in der Szene und ein Interview mit Rechtsanwalt Stephan Cleves, der aufzeigt, was man darf und wann man aufpassen muss.

Porsche 911 fälschen. Noch nie war das so einfach

Wer seinen Elfer „umlabeln“ möchte, hatte es schon immer einfach. Das hat zwei Hauptgründe: Ein Elfer ist im Vergleich zu einem klassischen Ferrari und anderen Fahrzeugen der Luxusklasse schon fast ein Massenprodukt. Vom F-Modell gab und gibt es einige zehntausend produzierte Einheiten, wenn man alle Baujahre zusammenfasst. Das sorgt für umfangreichen Teilenachschub aus verunfallten oder verrosteten Fahrzeugen.

Elfer waren außerdem über viele Jahre ziemlich baugleich. Bei vielen Baujahren ist der Unterschied zwischen der Basismotorisierung und- Ausstattung und der Top-Variante nur an wenigen Ausstattungsdetails festzumachen. Ein Umbau auf eine Topversion wie S oder RS ist daher verhältnismäßig einfach. Fehlt nur noch die „richtige“ Fahrgestellnummer plus Papiere.

Wie aus einem 912 ein 911 S wird

Aus dem klassischen Porsche 912-Wrack macht ein begabter Schweißer mit einem mittelmäßig begabten Mechaniker innerhalb weniger Stunden einen schöne Porsche 911 S. Preisunterschied nach erfolgtem „Upgrade“: Mindestens 100.000 EUR. Eine Marge für die es sich lohnt, etwas zu riskieren.

Man muss kein Insider der Porsche Oldtimer-Szene sein, um die Sprüche zu kennen, die sich um das Thema „Fälschungen“ ranken. So gibt es angeblich vom Porsche 911 RS 2.7 Carrera etwa drei mal mehr „Originale“, als jemals von Porsche hergestellt wurden.

Jeder, der heute einen der raren Sportler mit Entenbürzel kauft, muss großes Vertrauen in die Integrität des Verkäufers haben. Oder Mut. Oder ein Röntgengerät. Oder zu viel Geld.

Das Blech auf dem sich beim Porsche F-Modell die Fahrgestellnummer befindet, gibt es als Ersatzteil bei einem Online-Auktionshaus zu kaufen. Komisch - dieser Bereich gehört zu den am wenigsten rostanfälligen Karosseriebereichen beim Elfer

Das Blech auf dem sich beim Porsche F-Modell die Fahrgestellnummer befindet, gibt es als Ersatzteil bei einem Online-Auktionshaus zu kaufen. Komisch – dieser Bereich gehört zu den am wenigsten rostanfälligen Karosseriebereichen beim Elfer

Nie war er so wertvoll wie heute

Das Angebot an Reproduktionen und Originalteilen hat sich außerdem in den vergangenen Jahren vervielfacht. So erhält man heute sogar Teile, die es in mehr als fünfzig Jahren Porsche 911 noch nie gegeben hat. Zum Beispiel das Blech, das beim klassischen Porsche 911 die Fahrgestellnummer trägt.

Passionierte Schweißer unter Euch erhalten es aktuell von zwei Anbietern in einem bekannten Onlineauktionshaus als „Reparaturblech“. Die Frage ist nur, warum? Ausgerechnet dieser Bereich im Kofferraum direkt am „Schmugglerfach“ rostet bei alten Elfern nämlich am seltensten – oder vertue ich mich da?

Wer übrigens glaubt, sich mit dem Fahrgestellnummer-Reparaturblech einen Freifahrschein Richtung Garagengold zu kaufen, kann damit gehörig auf die Nase fallen: Auch die Gegenseite (also die „Guten“) hat längst aufgerüstet und kommt solcherart umgelabelten Urelfern mit Röntgen und anderen Methoden ziemlich schnell auf die Spur.

Vorsicht beim Elferkauf – rechtliche Aspekte

Zweifel sollten also stete Begleiter beim Erwerb eines klassischen Elfers sein. Das gilt auch für Händler, die mit einem Riesenangebot seltener und seltenster Porsche F-Modelle protzen. Alles echt? Oder vielleicht auch nur teilweise?

Ich habe mir die Frage gestellt, was es rechtlich zu beachten gibt, wenn man beim Elferkauf an der Echtheit des Kaufobjektes zweifelt. Kann man sich absichern? Im Interview spreche ich mit einem, der sich auskennt. Stephan Cleves aus Gelsenkirchen-Buer ist nicht nur Rechtsanwalt, sondern auch ein ausgewiesener Petrolhead und Abarth-Fan. Hier sind seine Antworten.

Viel Spaß beim Interview!

 

Gefälschte Oldtimer – weiterführende Links

Demnächst: Wie lassen sich Fälschungen enttarnen?

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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