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Gerhard Schröder ist der Vater des Porsche 911 (?)

Written by hansbahnhof

F.A hat den Porsche 911 gestaltet? Vielleicht nicht. Denn es gibt Neuigkeiten aus der Vergangenheit: Wolfgang Blaube, Redakteur der „Oldtimer Markt“ und ehrenvoller Verlierer der „Elferwette“, kratzt in Ausgabe 10/2013 der Zeitschrift gehörig am Butzi-Denkmal.

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Karl Ruoff, Richard Hetmann, Leopold Jäntschke, Erich Stotz, Robert Binder, Rudolf Hofmann, Hans Herzog, Hans Hönick, Xaver Reimspieß, Alfred Kühn, Theo Bauer, Heinrich Klie, Edgar Tengler, Walter Payerbach, Erwin Komenda, Wilhelm Albrecht, Gottlob Sturm, Gerhard Schröder, Karl Mozelt, Hans Mezger, Ernst Weyersberg, Kurt Knörzer, Karl Metzger, Hans Martens, Helmuth Bott, Adolf Schneider, Herbert Linge, Schilling, Eberhard Stortz, Helmut Rombold, Hans Tomala, Ferdinand Piech und Ferdinand Alexander Porsche, Ferdinand (“Ferry”) Porsche vor dem brandneuen Porsche 901 im Jahr 1963. Aber wer von ihnen hat den Porsche 901 / 911 gestaltet?

Die Antwort ist glasklar, wenn man einen Blick in die einschlägige Fachliteratur wirft: Ferdinand Alexander Porsche alias „Butzi“ alias „F.A.“ Porsche schuf den 911er im harten innerbetrieblichen Zweikampf mit Porsche-Legende Erwin Kommenda. So lehren es uns Fachbücher und offizielle Porsche-Verlautbarungen.

Doch was die Kreativleistung von F.A. angeht, gibt es Neuigkeiten aus der Vergangenheit: Wolfgang Blaube, Redakteur der „Oldtimer Markt“ und ehrenvoller Verlierer der „Elferwette“, kratzt in Ausgabe 10/2013 der Zeitschrift gehörig am Butzi-Denkmal.

Angekratzt? Laut Wolfgang Blaube war F.A. Beitrag zur Gestaltung des Porsche 901 - sagen wir - übersichtlich

Angekratzt? Laut Wolfgang Blaube war F.A.´s Beitrag zur Gestaltung des Porsche 901 – sagen wir – übersichtlich

„Macht Euern Sch… allein“

So führt er auf Seite 234 aus, dass die Kreativarbeit am Elfer mitnichten von Butzi stammte, sondern eine Teamarbeit unter Ägide von Gerhard Schröder (Konstrukteur bei Porsche) und Modelleur Heinrich Klie war. Butzi habe „immerhin den Kaffee gekocht“, so würde es unter vorgehaltener Hand kolportiert. Außerdem habe F.A. den Tonklotz des 1:10 Modells nach zwei Tagen entnervt hingeworfen und sich dahingehend geäußert, dass man den „Sch… allein machen könne“. Hierzu passt laut Blaube auch die Hochschulkarriere der Porsche-Legende. Die Hochschule für Gestaltung in Ulm habe F.A. nach nur zwei Semestern „wegen mangelnder Begabung“ exmatrikuliert.

Ich bin gespannt, ob es zu den von Blaube plausibel dargelegten Theorien noch offizielle Geschichtskorrekturen von Seiten der Porsche AG geben wird.

Gelernt habe ich jedoch schon jetzt zwei wichtige Dinge: 1. Auch wenn etwas -zig mal in Sachbüchern heruntergeleiert wird, sollte man es zur Sicherheit mal hinterfragen. 2. Wer auch immer der Gestalter des Porsche 911 war, er hat 1a Arbeit geleistet. Dafür noch mal Danke an Gerhard Schröder, Heinrich Klie oder wen-auch-immer. Legenden haben eben fast immer mehrere Väter.

Lesenswert

Die Anmerkungen zur Gestaltung des 911 sind übrigens Teil eines Artikels, der weitere Porsche Urmeter ins Wanken bringt. Über das Porsche 911 Cabrio, das es nicht geben dürfte, das es aber gibt, berichte ich demnächst auch noch einmal.

Quellenangabe: Bildmaterial – © Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG – Pressedatenbank

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

2 Comments

  • Gerhard Schröder ist der Vater des Porsche 911 (?)

    Hat Wolfgang Blaube einseitig recherchiert – insbesondere die Situation der Firma Porsche zur damaligen Zeit nicht näher betrachtet und voreilig falsche Schlüsse gezogen?

    Gerhard Schröder war ein Konstrukteur und arbeitete im Konstruktionsbüro in Erwin Komenda’s Nahbereich. Eine Patentrecherche bei Espace-Net belegt, dass Gerhard Schröder im wesentlichen drei Patente, teilweise auch in anderen Sprachen angemeldet, für Porsche zur Anmeldung gebracht hatte – und zwar ein Cabriolet-Verdeckaufbau und ein Karosserieaufbau des Porsche 904, wobei zu beachten ist, dass die dem Schröder Patent zugrunde liegende Erfindung ein im Jahr zuvor angemeldetes Komenda Patent ist. Erwin Komenda meldete für Porsche über 100 Patente an.

    Für die 911 Vater-Theorie wichig, ist jedoch Schröders Patent „US 3476437A“ – bezeichnet als „TOP FOR MOTOR VEHICLES,ESPECIALLY FOR PASSENGER MOTOR VEHICLES“ – es behandelt die Dachkonstruktion des Porsche 911 TARGA.

    Erwähnenswert ist:

    1.) Das Patent wurde am 18.7.1966 angemeldet. Dieser Tag ist nur dann als auffällig zu betrachten, wenn man die Gesamtsituation der Firma Porsche im Jahr 1966 berücksichtigt.
    Der langjährige Chefkonstrukteur Erwin Komenda lag am 18.7.1966 sterbend im Krankenhaus, viele seiner Ideen ließ Komenda in seinen Schreibtischladen zurück – diese mussten finanziell verwertet und wurden sicherlich von Mitarbeitern, teils auch im Auftrag der Firmenleitung, aufgegriffen und weiterentwickelt . Komenda erkrankte im Juni 1966 an einem Krebsleiden und verstarb nach dreimonatiger Behandlungsdauer im Krankenhaus am 22. August 1966.

    2.) Im Patent Nr. US 3476437A ist neben Schröder der damalige technische Direktor der Firma Porsche, DI Hans Tomala, als Erfinder genannt. Tomala war ein reiner Motorexperte, patentierte mehrere Motorentwicklungsarbeiten. Warum patentierte Tomala einen Karosserie-Aufbau und brachte nur diese eine legendäre – jedoch keine weiteren Entwicklungen im Karosseriebereich hervor?

    3.) Wenn Schröder der Vater des 911 war, warum hat sich seine Erfolgslinie nicht fortgesetzt – in Patenten und kreativen Autoentwicklungen?

    4.) Moderne Designer und Porsche Insider wie Thomas Freeman bezeichnen Komenda als Mentor und Entwickler der Porsche Linie. Im neuen Buch von Karl Ludvigsen „Porsche- Origin of the Spezies“ wird der Einfluss von Komenda’s Design auf alle Porsche Sportwagen hervorgehoben und als Porsche DNA bezeichnet. So wie Ferry Porsche im Video sagt: „The first Porsche built in1948 is still with us, still and clearly inspiration for everything we have done!“.

    Erwin Komenda betonte Angehörigen gegenüber, der 911 Targa Dachkonstruktion war seine Entwicklung – diese Stellungnahme ist seit Jahren auf http://www.komenda.at publiziert.

    http://worldwide.espacenet.com/searchResults?PA=porsche&ST=advanced&compact=false&IN=schr%C3%B6der+gerhard&locale=de_AT&submitted=true&DB=EPODOC

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