Werkstatt

Ignoranz bei 34 Grad

Das lokale PZ und ich. Eine Geschichte, mit der ich mittlerweile ein Buch füllen könnte. An einem Samstag vor dem Deutschlandspiel bei 34 Grad Außentemperatur ein Ersatzteil kaufen zu wollen, könnte man daher schon als gemeinen Hinterhalt von mir bezeichnen.

Samstag. Noch fünf Stunden bis zum Deutschlandspiel. Ich entschließe mich, außergerechnet heute noch das Aluteil für den Scheibenrahmen zu kaufen, das mir schon ewig schmerzhaft fehlt. Außerdem benötige ich noch den Nachdruck der 911 S Betriebsanleitung.

Außentemperatur: 34 Grad im Schatten. Ich parke ein Porsche F-Modell der Seltenheitsklasse „A“ direkt und gut sichtbar vor dem Haupteingang des lokalen PZ. Der Sechszylinder versetzt mit einem letzten Hochdrehen die großzügige Glasfront in Vibration. Alle wissen jetzt: Aha – ein potentieller Kunde. Oder?

Ich steuere gezielt auf die Ersatzteiltheke zu, die ich bereits von früheren Besuchen kenne. Motivierte Mitarbeiter kleben im Schweiße Ihres Angesichts auf den Eames Alus der benachbarten Schreibtische. Sie starren auf ihre Bildschirme. Wahrscheinlich sind schwierige Rechenaufgaben zu lösen. An der Ersatzteiltheke sitzt niemand. Muss ja auch nicht an einem Samstag. „Bitte klingeln“ steht auf einem großen Schild. Ich klingele und beginne mit dem Warten. Einige wenige Kunden streicheln Neuwagen und träumen vom Traum Porsche 911. Ich sondiere die Lage. Fünf Minuten lang. Niemand kommt. Ich klingele ich noch einmal. Diesmal drücke ich fester. Ich warte. 10 Meter entfernt sitzt Frau Information und überlegt, was sie heute nachmittag zum Deutschlandspiel anzieht. Sie schaut durch mich hindurch.

Ein letzter Klingelversuch. Nichts. Draußen steht der 911 S und knackt in der Sonne vor sich hin. Warum bin ich hier? Ich könnte jetzt am See entlang fahren. Die selbe Frage stellen sich die Mitarbeiter des PZ. Aber ich habe einen arbeitsrechtlichen Vorteil: Ich kann gehen. Und das tue ich. Niemand beachtet mich beim hinausgehen. Heute nachmittag ist Fußball. Ein Kunde mehr oder weniger ist egal.

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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