Reisen Schottland 2012

Im Porsche 911 nach Schottland Tag 10 – Im Schlafzimmer der QM

Written by hansbahnhof

Nach einem ausgezeichneten und riesigen Highland-Frühstück und massenweise Tipps von June und Clive vom Highland House B&B fahren wir bei bleigrauem Himmel wieder Single Track. Es geht von Lairg bis Tongue und dann am Meer entlang bis Castle Mey.

Im Schlafzimmer der Queen Mother

Castle Mey – ein winziges Castle aus dem 15. Jahrhundert wurde von der Queen Mother Anfang der Fünfziger gekauft. In dieser Zeit wurden in England und Schottland hunderte alter Castles dem Erdboden gleichgemacht, da sie von ihren Eigentümern nicht mehr unterhalten werden konnten. Castle Mey mit seinem wunderschönen Blick über das Meer auf die Orkney Inseln befand sich damals in einem ganz anständigen Zustand und war bereits komplett leergeräumt worden, damit die Bagger kommen konnten. Unglaublich eigentlich.

Die Anfahrt zu den Castle Grounds beginnt über eine kleine Allee und heimtückische Speed Bumps, die ihren Schrecken ein wenig dadurch verlieren, dass noch vor wenigen Tagen der Prinz of Wales (Charles) über eben diese Speed Bumps gefahren ist. Die Erhaltung von Castle Mey gehört zu seinen Lieblingsaufgaben.

Wir kaufen ein Ticket für 10 Pfund im Besucherzentrum. Hier bekommt man nicht nur Scones, sondern auch die Lieblingskuchen der Queen Mother – wahrscheinlich kann man noch weiter nördlich nicht besser einen guten Tea und ein Stück Kuchen zu sich nehmen – Empfehlung! Von den Holzbalken, über die Einrichtung bis zu den stylischen Uniformen der Mitarbeiter sieht man an, dass hier ordentlich Geld hineingesteckt wird. Das gilt auch für die sanitären Einrichtungen – vielen Dank Prince Charles!

Wir sind die Jüngsten

Die Führung beginnt und wir schleudern den Altersdurschnitt gehörig durcheinander. Die übrigen Teilnehmer sind Briten und zwischen 65 und 90. Die Führung ist ungewöhnlich, denn die sie wird nicht nur von einer ungewöhnlich allwissenden Dame geleitet, die zu jedem Kissen der Queen Mother eine Geschichte kennt.

Auch das Castle selber ist innen so eingerichtet, wie es von der seeligen QM verlassen wurde. Die Einrichtung hat die noch recht junge Königinnenmutter in den Fünfzigern und später „gebraucht“ zusammengekauft. In Antiquitätenläden in den Highlands und in London. So manches Teil kommt auch aus anderen Castlen der könglichen Familie. Das führt dazu, dass alles etwas durcheinander aussieht aber insgesamt sehr menschelt. Man sieht außerdem Aquarelle, die Prince Charles gemalt hat (er kann das wirklich gut), private Postkarten an Großmutter und den (gemieteten) Fernseher der Königinmutter.

Das Ganze hinterlässt einen eigenwillig persönlichen Eindruck von einer offensichtlich großen Frau mit einem großen Herzen. Ich bin wirklich kein „Das goldene Blatt“ Leser – aber Castle Mey macht Spaß, weil man danach das Gefühl hat, die große alte Dame persönlich kennengelernt zu haben.

Meer Blick

Zurück am Meer entlang geht es über die A9 – und die lohnt sich mit ihrem schönen Meerblick wirklich. Kaum Verkehr, viel zu gucken – hier fährt man zwar nicht Single Track aber mit extrem hohem Unterhaltungswert.

Achtung! Allzuviele Tankstellen gibt es in den Highlands nicht! Wir sind mehr als einmal auf dem letzten Tropfen an der Tanke gelandet. Ein aktuelles Navi mit aktuellem Tankstellennetz ist hier Gold wert. Liegen bleiben möchte man im Nirgendwo nicht wirklich.

Dornoch: Wo Madonna geheiratet hat und Claudia Schiffer ihren Sohn getauft hat oder andersrum

Den Tag wollen wir in Dornorch abschließen, einem malerischen Kaff, das es nicht nur wegen seines Golfplatzes („best in the world“ sagt Clive, Herr über unser B&B) zu Ruhm gebracht hat. Hier tauchen auch in regelmäßigen Abständen Hollywoodgrößen auf, um sich zu heiraten oder jemanden taufen zu lassen. Wen es interessiert.

Der schottische Big Kahuna Burger

Wir landen jedenfalls im Eagle Hotel, das eine nette Pub-Karte sein Eigen nennt. Hier ist man auf internationale Gäste eingerichtet und ich lasse mich zu einem Big Kahuna Burger hinreißen obwohl ich Quentin Tarantino Filme meist zum Gähnen finde. Mein Burger und der der Frau ist richtig gut und mit Liebe auf einer Schieferplatte angerichtet. Dazu gibt es eine nette Bedienung. Kann man gut hingehen!

Die Rückfahrt von Dornoch nach Lairg ist dann noch einmal so richtig lohnenswert. Auf der Single Track Road streiten sich Ziegen, die Sonne und der Gegenverkehr um den malerischsten Anblick und ich fühle mich so richtig in den Highlands.

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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