Reisen Schottland 2012

Im Porsche 911 nach Schottland Tag 3: Von Clare nach Robin Hood Bay

Written by hansbahnhof

Nach einem ausgiebigen Frühstück benötigen wir einen neuen 230 Volt Adapter – der gerade bei Amazon erworbene hat seinen Geist beim achten Ladegerät aufgegeben. Wir schauen in einen dieser winzigkleinen Läden herein, die in Deutschland schon längst in Dönerbuden oder Mister Minits umgewandelt worden sind. Hier gibt es vom Staubsauger bis zum Radiogerät alles, was ein Kabel hat, auf 10 Quadratmetern. Der Eigentümer beginnt seinen Tag um 9 Uhr ct, erinnert stark an einen dieser Lehrer in Hogwarts und ist die Freundlichkeit in Person. Ein 230 Volt Adapter von UK auf Europa? Just a second. Hat er natürlich. Wer immer in England sowas braucht. Lovely jedenfalls.

Kilometerfressen und der internationale John Deere-Tag

Dann wird es so richtig langweilig. Kilometerfressen auf der englischen Autobahn. Grobe Richtung Edingburgh. Zwischenziel „Robin Hood Bay“. Das liegt in England und wir haben es ausschließlich wegen des Namens ausgesucht und weil dort früher geschmuggelt wurde. Klang nach Abenteurer, Romantik und Piraten. Nach 200 Autobahnkilometern links mit 116 km/h habe ich die Nase voll. Wir stellen das Tomtom auf „Autobahn vermeiden“ und befinden uns keine fünf Minuten später in einem schlaglochübersäten Hohlweg. In sowas haben die Männer vom Sherwood Forest seinerzeit den Entführern von Lady Marian auf die Helme gegeben. Der überladene S fällt von einem Loch ins nächste und die sechs Meter hohen Hecken sorgen für spannende Perspektiven. Ganz besonders dann wenn einem mal wieder ein John Deere entgegenkommt. Die sind wiesengrün getarnt und haben hier in der Ecke die Ausmaße gutgenährter Brontosaurier nach dem Mittagessen. Man ist jedenfalls gut beraten, auch mal fünfzig Meter rückwärts zu fahren, wenn sie einem auf der Single Track Road entgegenkommen. Links Rückwärtsfahren auf Single Tracks kann ich schon nach dreißig Minuten super. Denn die John Deeres haben internationalen John Deere Tag und tauchen alle drei Minuten vor uns auf. Vielleicht ist auch nur Erntezeit.

Hallo Partner klappt in England

Was ich übrigens an England liebe, ist die von mir in Deutschland wehmütig vermisste gute Erziehung im Straßenverkehr. Jeder – und damit meine ich wirklich JEDEN Autofahrer, dem man auf den engen Single Tracks Platz macht, bedankt sich mit einem freundlichen Handzeichen. Geht doch – liebe deutsche Autobahnkampfpiloten. Ginge auch bei uns in Deutschland!

Kostenlos gestrahlte Radhäuser und die Fahrt im Konvoi

Genug Hohlwege. Wir brauchen ein Mittelding zwischen Autobahn und Wildererpfad. Die rothaarige Hauptnavigatöse hat die Lösung und schon sind wir auf einer breiten Landstraße, die hier anders heißt. Wir genießen Schafe links und Wälder rechts. Perfekt. Jedenfalls genau drei Minuten lang. Denn dann entschließen die Engländer sich zu einer ausgiebigen Straßensanierung auf zehn Kilometern. Die Methode ist einfach. Mehrere Tonnen heißen Teer auf die alte Straße kippen und dann eine dicke Lage spitz geschliffenen Schotter obendrauf. „20!“ gemahnen die Schilder und wir schleichen aus Korrosionsschutzgründen mit 15 km/h über die Straße während die Pirellis die Radhäuser langsam von innen strahlen.

Nach mehr als vierzig Minuten sind wir völlig fertig und die Radhäuser von innen blank. Dann entspricht die Straße endlich wieder westeuropäischen Standards. Das finden auch 9000 andere Autofahrer unterschiedlicher Provenienz. Denn eine Autobahn ist gesperrt und alle wollen da fahren, wo wir fahren.

Wir fahren mit einer Geschwindigkeit zwischen fünf und zehn km/h Konvoi. Eine ganze Stunde lang. Nachdem die Öltemperatur des S bedrohlich auf die 100 Grad Marke zuschreitet, entscheidet sich die Frau für einen Umweg. Jetzt endlich wird es schön. Teils geht es am Meer entlang durch Heidelandschaft und grüne Hügel Richtung Robin Hood Bay. Dort empfängt uns Heather, Herrin über Katzen, Kühe und das „Saxon Villa“ B&B. Das passt vom Namen her gut zu Robin Hood und unser Zimmer bietet einen niedlichen Blick auf die Kälbchenweide. Wir sinken in die butterweiche Matratze und sind froh, dass der Tag vorbei ist.

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.