Reisen Schottland 2012

Im Porsche 911 nach Schottland Tag 6: St. Andrews und das bedrohliche Stativ

Written by hansbahnhof

Nachdem wir wetterbedingt vor zwei Jahren St. Andrews links liegen lassen mussten, wollten wir es in diesem Jahr durchziehen. Castle und Kathedrale standen auf dem Programm.

No parking in St. Andrews

Parken ist in St. Andrews ungefähr so einfach wie mit einer Stretch-Limo auf der Kö in Düsseldorf. Die leeren Parkplätze sind reserviert für handicapped drivers und die vollen Parkplätze sind voll. Nach vollen 30 Minuten erspäht die Frau einen Wegfahrwilligen und wir drängen uns in die einzige an diesem Tag freie Parklücke. Geschafft.

No tripod in St. Andrews Castle

Den Weg zu Kathedrale unterbrechen wir. Regen setzt ein. Damit die Kameras nicht vollaufen, drehen wir ab Richtung Castle und Museum. Mit einem Auge sehen wir noch das Café, in dem Kate William kennengelernt hat. Das Schild mit dem Hinweis darauf ist größer als der Name des Cafés selber. Royals. Alles Rubbish. Wir interessieren uns für richtige Kultur und stehen in der nicht vorhandenen Kassenschlange des Castles. Der Kassenschotte beäugt mißtrauisch mein Video-Equipment und sieht mich mit vernichtendem Highlanderblick an. „Oh Gott“, denke ich, „wir hätten die (englischen) Barbour-Jacken im Auto lassen sollen – die haben uns schon 2010 auf dem Culloden Battlefield fast einen Rausschmiss verschafft.“ (Für alle mit Geschichte „6“: Die Engländer haben die Schotten in den letzten paar hundert Jahren ordentlich bekriegt, große Teile von ihnen ausgerottet und sind daher nicht bei allen Schotten wirklich beliebt.)

McImportant muss mich darauf hinweisen, dass die Verwendung von Stativen (tripods) auf dem Gelände des Castles aus archäologischen Gründen untersagt ist. Ob wir jetzt trotzdem noch das Castle sehen wollen. Häh? Das Castle in St. Andrews ist wahrscheinlich die Nr. 100 der archäologisch bedeutenden schottischen Nationalheiligtümer, die wir uns anschauen. Aber das mit dicken Gummischuhen ausgestattete Stativ hat man mir bislang noch nirgendswo untersagt. Natürlich wollen wir trotzdem rein. Wir wollen ja keinen Film drehen. Jedenfalls habe ich den „St. Andrews Castle“-Teil des Films gerade aus dem nicht vorhandenen Drehbuch gestrichen. Wir bekommen also Tickets. Trotz Barbour Jacken.

Carmen und die Erklärtafel

Auf den Castle Grounds tappen wir zwischen Spaniern und Engländern herum, die ihre angespitzten Regenschirme tief in die archäologisch wertvollen Untergrund rammen und mit derben Schuhen jahrhundertealtes Mauerwerk zerbröseln. Ich bin leicht genervt und positioniere mich im respektvollen Ein-Meter-Abstand vor einer Erklärtafel, um mir was erklären zu lassen. Mein Stativ samt Kamera halte ich fest umklammert, damit es nur ja nicht den archäologisch bedeutenden Betonweg berührt. Doch dann kommt sie. Carmen aus Madrid – so wird sie wohl heißen – nutzt geschickt die Lücke, um ihre 120 Kilogramm Lebendgewicht zwischen die Kultur und mich zu klemmen. Sie liest aber mitnichten die von ihrer Körperfülle so eindrucksvoll abgedeckte Tafel, sondern erklärt auf dem aus irgendeiner Hautfalte hervorgezogenen Mobiltelefon Ihrem Mann das Paellarezept der Familie.

Mir reicht es. Wir gehen. Beschließe ich. Und zwar zu Kathedrale. Da gibt es Grabsteine, Ruhe und weniger Spanier. In der Kathedrale, die genau wie das Schloss nur noch schemenhaft erkennbar ist, fotografieren wir den Grabstein mit dem Golfer, der mit 24 Jahren viel zu früh verschied und kommen nicht auf den Turm rauf, weil wir keinen Coin für das Tor haben. Den Coin – so informiert mich eine freundliche Russin – gibt es an der Kasse am Haupteingang. Wir aber sind durch den Nebeneingang gekommen und ich weiß schon jetzt, dass sie mir an der Kasse deutliche Worte zu meinem die schottische Archäologie bedrohenden Stativ sagen werden. Jetzt mögen wir wirklich nicht mehr. Bye bye St. Andrews.

Same procedure … Anstruther Fish Bar

Wir beschließen, den Kulturteil an dieser Stelle zu unterbrechen und – fast schon Tradition – nach Anstruther zu fahren. In dem unscheinbaren Fischerkaff gibt es die World Famous Anstruther Fish Bar und wir wollen noch einmal Fish and Chips. Auf Kalorien kann man in einem Schottland-Urlaub nämlich echt keine Rücksicht nehmen.

Die Fish Bar hat einen Besucheranteil von etwa 50% Japaner, die aber keinerlei Erklärtafeln versperren und man muss Fast-Food mögen, um mit ihr warmzuwerden. Die Bar verzichtet nämlich auf Teller und serviert in (mittlerweile recylefähigen) Pappschachteln. Die guten alten Zeitungen, die ich noch aus meinem Englischbuch kenne, sind übrigens vor einigen Jahren verboten worden. Getränke gibt es in der Fish Bar aus Pappbechern. Wer´s mag. Der Fish und die Chips sind jedenfalls gut. Saucen etc. sind von unserem amerikanischen Freund Heinz und kommen in kleinen Plastiknäpfen. Wir meinen: Das geht auch schöner oder sogar selbstgemacht, wenn man weiter world famous bleiben will.

Ob es sich für die Fish Bar lohnt, eine Stunde autozufahren? Klares nein – trotz des professionellen und freundlichen Services von Beth und Co. Aber wenn man schon mal in St. Andrews ist, sollte man noch vorbeischauen. Vor Allem weil man ein Kamerastativ problemlos im Schirmständer der Fish Bar parken darf. Keine Einwände aus archäologischer Sicht.

Zum Ausgleich beim Metzger in Edinburgh: McKirdy´s

Nach unserem nicht wirklich perfekten day sind Lydie und David gnädig und reichen unter der Hand einen (Noch-) Geheimtipp für das Abendessen weiter. Wir gehen zum Metzger – beziehungsweise in sein Restaurant.

Bei McKirdy´s in Edingburgh möchte man ganz schnell wieder weg – wenn man Vegetarier ist. Wer ein gutes Steak zu schätzen weiß, wird es hier lieben. Der aufmerksame Service erläutert die Karte und die Preise sind über üblichem Steakhausniveau – doch für die gebotene Qualität des Fleisches ist das mehr als ok. McKirdy´s sind immerhin Metzger seit 1895. Die sollten sich auskennen. Ein Geheimtipp und absolut lohnenswert. Aufhübschen ist übrigens unnötig. McKirdy´s ist einfach und zweckmäßig eingerichtet – keine Abendgarderobe notwendig. Stative erlaubt.

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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