Reisen Schottland 2012

Im Porsche 911 nach Schottland Tag 8 und 9 – Highlands

Written by hansbahnhof

Nachdem wir die 1500 km Marke deutlich überschritten haben, wird es Zeit, etwas zum Auto zu sagen. Der 911 S 2.4 hält sich absolut vortrefflich und macht keine Zicken.

Einzig die kleine laute Lücke im Targadach vorn an der Windschutzscheibe macht mich wahnsinnig. Die Sache ist ok bis man durch einen Kanaldeckel oder ein Schlagloch fährt. Durch die Verwindung der Karosserie macht es kurz „Plopp“ und das Dach schaut auf 10 cm Breite 3 mm über den Scheibenrahmen raus. Das reicht für 30 Phon mehr im Innenraum und macht wahnsinnig.

Ansonsten – keine besonderen Vorkommnisse. Einen Liter Öl werden wir jetzt wohl nachkippen und dann unsere Ruhe haben. Gelobt sei die Ingenieurkunst der Porscheleute in den Siebzigern. Das soll mal einer mit einem Jaguar E-Type probieren. Der Verbrauch ist natürlich exorbitant und muss von uns noch ausgewertet werden. Ich schätze, dass wir auf den Single Tracks mit voller Beladung – also sprichwörtlich „bis unter das Dach“ – auf 16 Liter kommen. Eine richtig teure Aktion also.

Keine Sonnencreme

Wir sind unterwegs in die Highlands und die Straßen sind schön. Kurven, weniger Blitzer und eine abwechslungsreiche Natur aus Schafen, Highland-Cattle und Kühen unterhalten uns ausreichend.

Ganz abgesehen davon, dass wir jetzt seit einer Woche fast hochsommerliche Verhältnisse genießen und ich gerade meinen zweiten leichten Sonnenbrand auskuriere. Aber wer denkt bei „Schottland im September“ bitteschön an Sonnencreme?

Braemar

Wir landen in Braemar, unserer ersten Station in den Highlands. Das Dorf liegt unweit von Balmoral Castle, wo die Queen dem Vernehmen nach gerade weilt, um in Gummistiefeln Landrover zu fahren. Soll sie – hat sie sich verdient. Uns fallen jedenfalls massenweise zivile Beamte auf, die in gut gewaschenen Geländewagen unauffällig jede Bewegung verdächtiger Menschen verfolgen. Als wir an der Einfahrt zur Straße Richtung Balmoral den Wagen fotografieren, haben wir 30 Minuten lang ein interessiertes Polizeifahrzeug um uns herum. Gesehen haben wir sie nicht, die Queen. Vielleicht hätten wir mal tiefer in den Forest reinfahren sollen.

Schafe, Highland Cattle, Kühe und die ReinFalls of Shin

Von Braemar aus erkunden wir die Highlands und fahren viel ohne viel mehr zu sehen, als Schafe, Highland Cattle und Kühe. Aber das ist ok. Wir sind ja auch zum fahren hier und die Sonne knallt.

Cairn Gorm

Um auf gar keinen Fall was zu verpassen, wollen wir noch auf einer der höchsten Berge der Gegend. Der Cairn Gorm ist Namenspatron für die gesamte Gipfelgruppe aus verschiedenen Bergen und er ist zu Fuß und mit einer Art Gipfeleisenbahn zu erreichen.

Nach unseren Erfahrungen mit dem Arthur´s Seat entschließen wir uns für die Eisenbahn, die uns und andere Fußkranke nach oben fährt. Dafür braucht sie nur ein paar Minuten und schon stehen wir auf dem Gipfel und in  Schottlands höchstem Restaurant. Nach einer kurzen Nasenprobe, die vernichtend ausfällt, begeben wir uns auf die Aussichtsplattform und stellen fest, dass die Highlands dann am schönsten sind, wenn man auf Single Tracks durch sie durchfährt. Trotzdem lässt mir die Frau Zeit für die Erstellung einer Zeitrafferaufnahme, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Braemar Logde Restaurant

Das Essen in Braemar enttäuscht nicht. Am ersten Abend haben wir nach einem schottischen Ale, an dessen geringen Kohlensäuregehalt ich mich schon gewöhnt habe, eine ausgezeichnete Hühnerbrust mit Haggis (!), Speck, frischem Gemüse, das den Namen verdient und Kartoffeln UND Mash. So hat die Mutter vom Highlander gekocht und er ist groß und stark davon geworden. Uns schmeckt das gut!

Gathering Place Braemar

Ebenfalls gut mit einem Touch Fusion Cuisine ist das Gathering Place in Braemar. Hier teilt man uns jedoch mit, dass wir zu den letzten Gästen gehören und uns daher ein wenig beeilen sollen mit dem bestellen. Wir tun das, wundern uns aber, dass noch eine Stunde später neue späte Gäste einen Tisch und Essen finden – hallo? Wie gesagt – Essen gut – Service nett, aber ein komischer Nachgeschmack bleibt.

Die Reinfalls of Shin

Weil wir noch nicht genug Schafe, Highland Cattle und Kühe gesehen haben, dringen wir weiter in die Highlands vor. Der Reiseführer verspricht uns ein ganz besonderes Naturschauspiel: Die „Falls of Shin“. Ein legendärer Wasserfall, dem die Schotten sogar ein eigenes Besucherzentrum gewidmet haben.

Nach vier Kilometern Single Track gelangen wir auf einen Parkplatz für mindestens fünfhundert Fahrzeuge. Die Spannung steigt: Hier irgendwo müssen sie sein, die Wasserfälle gegen die der Rheinfall von Schaffhausen und die Niagarafälle wie ein mittelschwerer Klempnerfehler ausschauen. Schon wegen der Lachse, die hier gegen den Strom hinaufspringen. Ein Zitat aus der Website

The water falls at Shin would be spectacular on their own, but the sight of leaping salmon makes them even more special and something not to be missed.

Um es kurz zu machen. An starken Regentagen schafft auch der Rhein-Herne Kanal (im Ruhrgebiet) Wasserfälle ähnlicher Höhe zu erzeugen. Das Rinnsaal mit dem magischen Namen fällt an einer Stelle etwa einen Meter zwanzig nach unten und in jeder bayerischen Klamm sieht man Spektakuläreres selbst im Hochsommer. Lachse Fehlanzeige – aber die paaren sich natürlich zu anderen Jahreszeiten oder haben längst einen spannenderen Wasserfall zum raufspringen gesucht.

Good food in Lairg – nicht wirklich

Der Abend soll dann bei „Good food“ ausklingen. Vielleicht hätten wir besser nicht die Wirtin des B&B danach gefragt, denn wir landen im Highland Hotel in Lairg.

Die Mitarbeiterin checkt die Bookings für das Restaurant und stellt zu ihrem Bedauern fest, dass kein Platz mehr im (leeren) Restaurant frei ist. Wir setzen uns in den Pub-Bereich und bestellen die Steak and Ale Pie, die mehr als mittelmäßig und als Saucensee daherkommt. Nach einer Stunde sind wir mit dem Essen fertig – im Restaurant ist immer noch kein einziger Tisch besetzt. ???

Wir sind gespannt auf die nächsten Tage und hoffen, dass die Highlands kulinarisch noch zum Rest von Schottland aufschließen – denn wir sind ansonsten begeistert von der schottischen Cuisine.

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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