Reisen Schottland 2012

Im Porsche nach Schottland Tag 11: Zellen im Nowhere

Written by hansbahnhof

Wir fahren wieder Single Track. Diesmal Richtung Loch Assynt wo die McLeods („es kann nur einen geben!“) im 15. Jahrhundert Castle Ardvreck auf eine malerische Halbinsel in den Loch gesetzt haben. Die Ruine (Ihr habt es geahnt) ist umtost von Wind und Wellen als wir ankommen. Zum Schutz vor den Naturgewalten müssen wir uns erst einmal im Auto verbarrikadieren.

 

Adrvreck Castle am Lake Assynt - Lohnt sich schon wegen der tollen Strecke dahin - vor Allem bei miesem Wetter sehr highländisch

Doch keine 10 Minuten später, schaltet McPetrus den Regen ab und wir stürmen die Festung mit Kameras und Stativen. Während der Himmel dramatische Wolken am Fließband produziert, lassen wir die Kameras heißlaufen. Obwohl das bei Windstärken um die 8 Beaufort eigentlich nicht geht. Ich bin jedenfalls froh, dass die Aufnahmen nicht verwackeln und die Kamera trotz der immer wieder heranpeitschenden Regengüsse durchhält. Die Highlands sind schon was Besonderes. Man muss das mögen. Ich liebe es.

Kein kopfloser Org im Kampf gegen einen Hobbit: hansbahnhof im Kampf gegen die schottischen Naturgewalten und das Videostativ am Ardvreck Castle

Zellen im Nowhere

Wer die Highlands erkundet, wird feststellen, das neben den Standard-Protagonisten „Schaf“, „Heide“ und „Berg“ die rote englische Telefonzelle in den Highlands eine wichtige Rolle spielt.

Die roten Zellen, die wir alle aus unseren Englischbüchern kennen, stehen oft im absoluten nirgendwo und sorgen für rote Farbtupfer vor grünen Wiesen. Warum wissen nur die englischen Behörden. Jedenfalls kann es sich nicht um einen Zufall halten, dafür gibt es zu viele Zellen im Nichts.

1973er BMW Touring im Nowhere

Als wir gerade für fünf Minuten eine Pause einlegen, taucht ein Auto auf, das wir kennen. Schon gestern war uns am Castle Mey ein seltener BMW Touring aus den Siebzigern aufgefallen. Plötzlich steht er wieder neben uns. Ein gut gelaunter graumelierter Herr entsteigt dem Oldtimer und grinst über das ganz Gesicht.

Yes – der Porsche wäre ihm gestern auch schon aufgefallen. Ob ich der Erstbesitzer sei. Ich bin beleidigt und informiere ihn darüber, dass ich zum Zeitpunkt der Auslieferung des 911 S gerade in die Schule gekommen sei. Der Graumelierte zeigt stolz auf den roten BMW Touring. Er sei der Erstbesitzer des seltenen Rechtslenkers. Die Polizei in Deutschland hätte auch solche Modelle gehabt. Und im übrigen würde er ihn nur im Urlaub benutzen. Er wohne nämlich in Kalifornien und hätte nur ein „Flat“ in Glasgow. Was sonst. Lovely. Der Touring jedenfalls zeigt BMW Erstauslieferungsrost schottischer Qualität und das macht ihn mir so richtig sympathisch. Schnell noch ein Foto und die Kalifornier aus Glasgow verschwinden in Richtung Küste.

Schottland, Oldtimer und das debile Porsche-Lächeln

Wir haben in zwei Wochen Schottland trotz besten Wetters übrigens nur wenige Klassiker gesehen. Achtzig Prozent davon natürlich aus englischer Produktion. Triumphs und MGs ganz vorn. Porsche? Fehlanzeige.

Luftgekühlt ist man in den Highlands eher selten unterwegs: T2 Camper an den Falls of Shin

Doch jeder hier erkennt den 911 S als seltenes Auto und hat ganz großen Spaß, wenn wir vorbeifahren. Insbesondere Männer zwischen 40 und 60 haben dann ein nahezu debiles Lächeln auf den Lippen. Vergleichbar ist das nur mit dem Blick, den ein Italiener einer 1,80 großen zwanzigjährigen Blondine zuwirft. Und das macht auch uns Spaß.

Crannag Bistro, Bonar Bridge

Den perfekten Highland-Tag wollen wir uns nicht durch ein mittelmäßiges Abendessen kaputtmachen. Die Frau recherchiert daher und findet das „Highland Restaurant des Jahres 2010“.

Das Crannag Bistro im völlig verschlafenen Örtchen „Bonar Bridge“ gehört Ian. Und der kennt sich aus. Ob das ein 73er S sei, ist seine erste Frage noch bevor wir uns überhaupt an die Bar setzen können. Nein – antworte ich – es sei eine 911 Ölklappe von 72. Aha. Er hatte nämlich mal einen 73er RS – great car – er musste ihn leider verkaufen, wegen der children. Wir berichten von Hedingham und der RS Parade und verstehen uns natürlich blendend.

Die Auswahl des richtigen Essens überlassen wir dann gleich ganz ihm. Die Frau bekommt Pfifferlinge auf Knoblauchtoast – ich Jacobsmuscheln vom Grill mit frischem Salat als „Starter“. Alles perfekt. Nur, dass wir gar nicht richtig zum Essen kommen, weil zwischenzeitlich zwei ältere Herren in Tattersal Hemden aufgelaufen sind, die mit einem kleinen Whisky den Abschluss ihres Angeltages beginnen.

Onglet Steak im Crannag Bistro - Bonar Bridge

Sie stellen fest, dass es Deutsche mit Humor gibt und wir quatschen uns an der Bar fest, bis die Hauptgänge kommen. Wir haben Onglet Steak und Lamm mit indisch gewürzten Kartoffeln und Spinat. Alles perfekt. Die Highlands können also kulinarisch doch mit Restschottland mithalten. Dank Ian aus Wick und dem Crannag Bistro in Bonar Bridge. Und nett ist der Kerl auch noch. Da fahren wir noch mal hin.

 

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

Leave a Comment