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Kameras am Oldtimer Porsche 911 – Fahreindrücke auf Video festhalten – Folge 3: Digitale Spiegelreflex und Saugnapfstative

Digitale Spiegelreflexkameras bieten im Vergleich zu den kompakten Action- oder Onboardkameras eine deutlich bessere Qualität. Das gilt sowohl für Fotos als auch für Videos. Denn seit ungefähr zwei Jahren filmen die sogenannten DSLRs in HD-Qualität oder sogar in Full-HD. Die Filmqualität ist so gut, dass z.B. aktuelle Folgen von „Dr. House“ mit einer solchen Kamera (Canon 5D MKII) auf Speicherkarte gebannt werden.

Vorteile beim fotografieren und Vorteile beim filmen
Welche Vorteile bieten die digitalen Spiegelreflexkameras bei der Filmarbeit im und am Porsche 911?

  • die Videoqualität digitaler Spiegelreflexkameras ist filmreif im wahrsten Sinne – Videokameras, die auf diesem Niveau filmen, kosten das Vielfache einer DSLR
  • Objektive und Filter, die auf die DSLR passen, lassen sich auch für die Videoaufnahmen nutzen. Das kreative Spektrum wird nur vom Budget begrenzt
  • manuelle Einstellungen: sämtliche Einstellungen, die eine Spiegelreflexkamera mit sich bringt, sind manuell beeinflussbar: Schärfentiefe, Blende, ISO etc.
  • DSLRs sind die einzigen Kamerasysteme unter den hier vorgestellten, mit denen man auch im Porsche Innenraum anständig filmen kann – sowohl Actioncams als auch Inboardsysteme schaffen das nicht ideal, weil ihre Schärfe immer auf „unendlich“ gestellt ist. Auch mit einer normalen Videokamera ist man übrigens im Innenraum aufgrund des fehlenden Weitwinkels ziemlich aufgeschmissen. Meist bekommt man damit nur das unmittelbare Motiv in den Kasten und nicht das „Drumherum“
  • eine digitale Spiegelreflex kann auch bei wenig Licht noch fantastische Aufnahmen zaubern. Wo eine digitale Videokamera schon mehr rauscht als filmt, erzeugt eine DSLR mit den richtigen Einstellungen noch fantastisch rauscharmes Material
  • die Ausgabe für die DSLR lohnt sich schon deswegen, weil die Verwendungsmöglichkeiten der Kamera deutlich über reine Fahraufnahmen am Porsche hinausgehen

Hier eines meiner ersten Videos mit der Canon 550D, dem Saugnapfstativ von Manfrotto und einem Rode Stereo Videomic aus verschiedenen Perspektiven. Die Qualität ist natürlich reduziert und viele Gedanken über Bildqualität oder Soundqualität habe ich mir ebenfalls noch nicht gemacht.

Nachteile bei der Arbeit mit DSLRs
Bei aller Begeisterung, die ich für die Arbeit mit meiner digitalen Spiegelreflex empfinde, haben die videofähigen Spiegelreflexkameras auch entscheidende Nachteile. Ob sich der Kauf wirklich lohnt, sollte man also im Vorfeld sehr gut überlegen. Nachteile aus meiner Sicht sind:

  • Fahraufnahmen mit einer DSLR sind umständlich und kosten sicherlich doppelt so viel Zeit, wie Aufnahmen mit Onboardsystemen oder Actioncams. Mit „Knopf drücken und es geht los“ ist es bei DSLRs nicht getan.
  • bei Außenaufnahmen besteht grundsätzlich immer die Gefahr, dass das teure Equipment abfällt, weil man womöglich das Stativ nicht sachgerecht befestigt hat. Mir ist das bislang zum Glück nicht passiert, da mein Manfrotto-Saugnapfstativ wirklich gute Arbeit leistet. Mehr dazu weiter unten im Blogbeitrag
  • auch wenn das Stativ hält, besteht die Gefahr, dass die teure DSLR außen am Auto von Steinchen so unglücklich getroffen wird, dass z.B. das Objektiv beschädigt wird. Daher immer mit einem vorgesetzten Filter (z.B. Polfilter) filmen, der einen gewissen Schutz für das Objektiv bietet
  • Videoaufnahmen lassen sich ausschließlich an der Kamera starten – die weitverbreiteten Funkfernauslöser funktionieren ausschließlich für Fotoaufnahmen (!) und haben keinerlei Möglichkeit, die Videoaufnahme zu starten oder zu stoppen. Das muss man wissen und einkalkulieren, denn zum Start und Stopp einer Aufnahme muss in der Regel angehalten werden. Das ist zeitraubend und nervig!
  • der Vorteil, Einstellungen manuell vornehmen zu können, ist gleichzeitig ein Nachteil. Manuelle Einstellungen vorzunehmen dauert natürlich und ist ein echter Zeitfaktor bei Filmarbeiten. Meistens weicht man dann ohnehin auf die Automatik aus
  • Autofokus: Videokameras haben einen lautlos und ständig nachstellenden Autofokus. DSLRs sind noch lange nicht so weit – und das ist wirklich ein ganz wesentlicher Nachteil. Denn damit sind die Digitalen gerade für spontane Aufnahmesituationen nur sehr beschränkt geeignet. Die Kamerahersteller arbeiten aber zur Zeit wohl an neuen Autofokussystemen für DSLRs
  • Sound: Nutzt man das Mikro der Kamera außen am Wagen bekommt man bei Fahraufnahmen nichts anderes als Windgeräusche in den Kasten. Nutzt man ein externes Mikrofon mit „toter Katze“ („Fell“, das über das Mikro gestülpt wird) kann man bei Geschwindigkeiten bis ca. 20 km/h noch Sound aufnehmen. Darüber versagt dann auch die tote Katze. Für den Sound ist daher immer ein externes Mikro zu verwenden, dass IM Fahrzeug platziert werden muss – auch das ist ein zusätzlicher Installations- und Verkabelungsaufwand
  • Kameragewicht: selbst wenn man nur die Kamera ohne Zusatzakkus, Mikros, Stativ etc. berücksichtigt, schleppt man eine DSLR mehr, als man sie bequem trägt. Zum Kameragewicht hinzu kommt für Außenaufnahmen natürlich noch das Stativ, das Saugnapfstativ, das Mikro und anderer Kleinkram.

DSLR-Befestigung am Porsche: Saugnapfstative
Wer zum ersten mal Fotoequipment für 1500,– Euro außen an einem Fahrzeug befestigt, muss sich darauf verlassen, dass die Kamera nicht in der ersten Kurve abfällt.

Billige Lösungen fallen hier aus meiner Sicht von vornherein raus. Professionelle Kamerastative, wie sie auch von Kamerateams bei Drehs am Fahrzeug genutzt werden, werden entweder am Wagen verschraubt, was natürlich viel zu umständlich ist, oder sie arbeiten mit mehreren Saugfüßen. Das macht sie sperrig und teuer.

Nach langer Recherche habe ich mich für ein Manfrotto Powergrip Saugnapfstativ entschieden, das man bei ebay für etwa 150,– Euro erwerben kann. Das Stativ kommt mit einem einzigen Saugnapf in Minipizzagröße aus. Es ist aus massivem Aludruckguss (?) und ist ordentlich verarbeitet. Das Manfrotto ist nicht zu schwer und es hat eine Art Warnsystem, mit dem nachlassendes Vakuum signalisiert wird. Die Anbringung am Wagen ist extrem schnell möglich, da das Vakuum mit einem kleinen Knopf erzeugt wird, der durch mehrmaliges schnelles Drücken die Luft aus dem Saugnapf heraussaugt. Das Saugnapfstativ trägt sowohl die Canon 550D also auch das relativ schwere Rode Stereomic völlig problemlos. Auch bei unebener Strecke, höheren Geschwindigkeiten und längeren Drehzeiten. Die Justierung der Kamera geschieht über zwei bequem mit der Hand zu arretierende große Drehschrauben. Insgesamt eine gute Lösung wenn die DSLR am Porsche zum Einsatz kommen soll.

Befestigungsmöglichkeiten für Saugnapfstative am Porsche
Im Gegensatz zu den professionellen dreibeinigen Stativen, bei denen die Kamera relativ weit entfernt vom Wagen befestigt werden kann, ist man beim Manfrotto bauartbedingt immer recht nah mit der Kamera an der Karosserie. Das hat den Nachteil, dass die Perspektiven nicht ganz so spannend sind, aber auch den Vorteil, dass man sein Kamerasystem nicht plötzlich im linken Scheinwerfer eines entgegenkommenden Autos wiederfindet.

Spannende Orte zur Befestigung sind die Fahrertür mit Blick nach vorn oder hinten, die Motorhaube mit Blick auf den Fahrer sowie der hintere Kotflügel mit Blick nach vorn. Beim Porsche gilt es zu experimentieren, da die Karosserie des 911 aus vielen Kurven besteht, an denen sich das Manfrotto nur schlecht befestigen lässt.

Beim Targa gibt es zudem die Möglichkeit der Befestigung oben auf dem Targabügel – das ist insbesondere für erste Versuche mit dem Stativ einer der beruhigendsten Bestestigungsstellen, weil man die Kamera stets im Blick hat.

Der richtige Sound für die DSLR: Externe Mikros verwenden
Den richtigen Sound erhält man mit einer DSLR ausschließlich über externe Mikros. Vorteil: Hier lassen sich bei vielen Kameras sogar Stereomikros verwenden. Ich nutze ein Rode StereoMic, das direkt mit „toter Katze“ geliefert wird und eine stabile und bezahlbare Lösung darstellt. Mit leichten Mängeln kann ich leben. So ist der Ein- Ausschalter so konstruiert, dass das Mikrofon sich in der Kameratasche selbst anschaltet und seinen 9V-Block leersaugt. Die ideale Befestigung im Wagen selber habe ich noch nicht gefunden. Hierzu ggf. später Erleuchtendes an dieser Stelle.

Worauf man achten sollte

  • große Speicherkarte mit ausreichender Geschwindigkeit (!)  ins Budget einplanen
  • zweites (oder drittes) Akku ins Budget einplanen – übrigens auch für die Peripherie wie z.B. das Mikro (!)
  • Kameratasche oder Kamerarucksack im Budget mit einplanen – die braucht man ohnehin – und man sollte direkt eine kaufen, die doppelt so groß ist – ein paar Monate später braucht man sie sowieso nachdem man beim Euipment noch einmal nachgelegt hat
  • das Schneiden von HD Filmen auf PC oder Mac erfordert erhebliche Systemressourcen. Wer sich ernsthaft an den digitalen Schneidetisch begeben möchte, sollte ein maximal 12 Monate altes System mit guter Grafikkarte, minimal 6 GB Arbeitsspeicher und aktuellem Prozessor sein eigen nennen. Wer denkt, dass die Hardware-Minimalanforderungen auf der Schachtel des Schnittprogrammes genügen, wird keinen Spaß an der Schneiderei haben

Fazit
Ob man sich für eine Actioncam, ein teureres Onboard-System oder die digitale Spiegelreflex entscheidet, hängt vom Einsatzbereich ab. Den besten Kompromiss zwischen Preis und Leistung bieten Actioncams. Mit einer GoPro Hero HD bekommt man z.B. für knapp 300,– Euro ein sofort einsetzbares, leichtes und wasserdichtes Kamerasystem, das kaum Wünsche offen lässt und sich auch am Strand oder im Skiurlaub noch einsetzen lässt.

Eine Fingerkamera / Onboard Kamera ist mehr etwas für ambitionierte Spezialisten, die auch mal den eigenen Fahrstil auf dem Ring checken möchten. Da die kleinen Fingerkameras extrem leicht sind, sind sie auch bei hohen Geschwindigkeiten und starken G-Kräften noch brauchbar. Zusätzlich lassen sich auch diese Kameras natürlich gut für die Skiabfahrt oder den Bungeesprung nutzen. Ob sich die im Vergleich zur Actioncam höhere Ausgabe für ein solches System mit stark eingeschränktem Einsatzbereich lohnt, muss jeder selbst für sich entscheiden.

Die DSLR ist ein Spezialfall und je nach Modell die teuerste hier vorgestellte Lösung. Sie bietet den Vorteil enormer Qualität, hat aber deutliche Nachteile im Handling. Sie ist nichts für „Knipser“, mehr etwas für Menschen mit Zeit und einen etwas höheren Anspruch an das Ergebnis der Filmarbeit. Der hohe Preis für Equipment und sonstige nötige Hardware wie das Saugnapfstativ relativiert sich übrigens dadurch, dass eine DSLR sich auch für den Urlaub, die Hochzeit oder die Einschulung der Kinder fantastisch eignet. Die Qualität dieser Kameras ist dabei einfach klasse.

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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