Werkstatt

Mehr Platz in kleinen Garagen. Rangierhilfen für das Porsche F-Modell

Written by hansbahnhof

Wintersaison ist Garagenzeit. Doch in vielen Porschegaragen ist Platz Mangelware. Mit Rangierhilfen lässt sich der geliebte Oldtimer auch auf kleinstem Raum hin- und herschieben. TDM hat vier Rangierhilfen zum Preis von insgesamt 79,– EUR gekauft und getestet. Mutig.

Ich hatte bereits vor längerer Zeit über meine chinesischen GoJak-Kopien berichtet (hier geht es zum Post) und setze die kleinen Wagen- bzw. Räderheber seitdem relativ häufig ein, wenn es darum geht, mal einen Elfer in der Porschewerkstatt von rechts nach links zu schieben. Sie haben sich übrigens gut gemacht in der Zeit. Einziges Manko ist ihr Gewicht. Jedesmal, wenn ich die vier Teile irgendwo hin schleppen muss, hebe ich mir einen Bruch.

Zwei von vier meiner chinesischen Rangierroller. Sie haben sich seit 2016 bewährt, sind aber beim 911 S nicht einsetzbar und wiegen gefühlt eine Tonne.

Neben dem Gewicht der kleinen Chinesen ist ein weiterer Nachteil der Rangierroller, dass sie ausgerechnet mit dem 911 S und seinen Stabis hinten nicht zurechtkommen. Sie lassen sich beim 72er einfach nicht unterschieben.

Doch gerade das ist nun nötig, nachdem die 72er Ölklappe erfolgreich geschweißt und lackiert ist. Es galt also, eine Alternative zu den Rangierrollern zu finden. Die Lösung heißt „Rangierhilfen“. Die unterscheiden sich von Rangierrollern dadurch, dass sie keinen eigenen Hebemechanismus besitzen. Die Räder des zu verschiebenden Fahrzeuges müssen also erst per Wagenheber angehoben werden. Das ist nichts für jeden Tag. Aber gerade bei einem Auto, das über einen längeren Zeitraum restauriert oder zusammengebaut wird, ist die Verschieberei im Einmannbetrieb ziemlich praktisch.

Kauf und Verpackung

Gekauft habe ich nach einiger Recherche bei einem bekannten Onlineauktionshaus. Dort werden die Rangierhilfen in zwei Versionen von unterschiedlichen Händlern angeboten. Beide Versionen kommen wahrscheinlich vom selben chinesischen Hersteller.

So kompakt verpacken nur die Chinesen (um möglichst viel in die Seecontainer zu kriegen). Das war es dann aber auch schon zum Thema Nachhaltigkeit, wenn man sich auf sowas einlässt.

Ich habe mich für eine Version mit Kunststoffrädern entschieden, da ich mir dadurch ein einfacheres Verschieben erhoffte.  Rangierhilfen kamen (übrigens schon einen Tag nach Bestellung) in kleinen, heftig schweren Kartons an. Der Inhalt: Die blauen Grundplatten, Rollen aus weißem Kunststoff sowie das Montagematerial.

Ordentlich Platz. Auch für Breitreifen. Für den klassischen Elfer schon fast zu breit.

Aufbau

Nach Ausleeren der Kartons, gibt es nur noch eins zu tun. Man muss die Räder an die Grundplatten anschrauben. Dazu gib es für jede Rolle vier dicke schwarze Maschinenschrauben einschließlich Muttern und Sprengringen.

Das sieht zunächst ganz locker aus. Doch bei 4 x 4 = 16 Maschinenschrauben plus Sprengringen und Unterlegscheiben pro Rangierhilfe nimmt der Zusammenbau selbst für Werkstattprofis so einige Zeit in Anspruch. Um alle vier Rangierhilfen auf die Rollen zu stellen, habe ich knapp eine Stunde geschraubt.

Schön blau alles. Eine Stunde sollte man für die Montage von vier Rangierhilfen schon einkalkulieren.

 

Mit Bedienungsanleitung in Deutsch (sehr ordentlich) und ausreichend Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben.

 

Schrauben Schrauben Schrauben. Alle schön schwarz. Ich möchte nicht wissen, mit was die Dinger beschichtet sind. Wahrscheinlich aber mit etwas, dass man in der EU nicht verwenden dürfte …

Qualität

Die lackierten blauen Grundplatten sind ordentlich geschweißt und sauber lackiert. Da sie nicht pulverbeschichtet sind, dürfte sich die blaube Pracht aber nach kurzer Zeit im Werkstattbetrieb in Wohlgefallen auflösen. Egal – bei dem Preis – und wen schert die Optik?

Die Qualität ist ordentlich. Für den aufgerufenen Preis ist sie sogar sensationell.

Funktion

Rad (mit dem Wagenheber) 10 cm anheben, Rangierhilfe unterschieben, Rad wieder ablassen. Das war´s. Um einen ganzen Porsche auf vier Rangierhilfen zu heben, benötigt man je nach Talent ca. 10 Minuten. Im Gegensatz zu den hydraulischen Rangierrollern haben die blauen Rangierhilfen den Vorteil, dass sie seitlich kaum über die Räder herausragen. Steht der Wagen also auf den Rollern lässt er sich fast ganz an eine Wand schieben.

 

Wenn das Porsche-Rad so platziert wird, dass es am äußersten Rand der Rangierhilfe steht, lässt sich ein Wagen bis nah an die Wand schieben.

Das Hin- und Herschieben von einer Tonne Porsche in der Garage ist mit den Rangierhilfen auch mit einer  Person möglich. Voraussetzung für kollateralschaden-freies Hin- und Herschieben ist allerdings „Platz drumrum“. Steht der Wagen dicht an einer Wand, empfiehlt es sich, Hilfe zu holen, um keines der dünnen Porschebleche beim Ziehen und Zerren zu ondulieren.

Preis und Fazit

79 EUR für vier (4) Rangierhilfen sind nicht zu unterbieten und die kleinen Blauen machen ihre Arbeit vorerst sehr anständig. Bei so einem Preis  muss man natürlich immer noch mal auf die Situation der Arbeiter und der Umwelt in China hinweisen. Wer bio einkauft und gleichzeitig chinesische Billig-Werkstattausstattung kauft, benötigt (wie ich) ein gewisses Maß an Selbstverleugnung. Zur Gewissensberuhigung: Europäische Alternativen zu den chinesischen Billigheimern scheint es keine zu geben. Vielleicht habe ich sie bei den großen Onlineshoppingplattformen und Auktionshäusern aber auch einfach nicht gefunden.

Eine erfolgreiche Schraubersaison 2018/2019 wünscht Euch Ansgar.

 

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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