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My last tour with the Grand Tour Staffel 2 – Folge 11 – Jetzt reicht´s mal

Written by hansbahnhof

Ich habe heute das letzte Mal Grand Tour geguckt. Das ist schon mal klar.

Ich war immer ein großer Fan von Top Gear mit Clarkson, Hammond und May. Und ich habe mir auch die erste und zweite Staffel der Amazon Serie „Grand Tour“ angeschaut. Ein Top Gear-Klon, der trotz der ewig gleichen Story („drei ältere Herren tun so, als ob sie eine Autosendung machen“) immer noch irgendwie witzig war.

Die letzten beiden Folgen haben die Frau und ich sogar mit steigendem Spaß geguckt, weil es mal wieder um Autos ging, die gefahren und getestet wurden. Meistens jedenfalls.

Mit der ab heute verfügbaren Folge 11 der Staffel 2 haben sich „die Boys“ aber einen echten Bärendienst erwiesen und ein all-time-low ihrer Karriere abgeliefert. Die Kurzbeschreibung von Amazon zur Folge „Brot für die Welt“ lautet wie folgt:

„In einem Mini-Special will die Grand Tour dem Hunger auf der Welt ein Ende bereiten, indem sie Nahrung von den reichen Fischgründen der Küste von Mosambik ins verarmte Landesinnere transportiert und dazu einen Nissan Pick-up, einen Mercedes 200 T und ein TVS Star-Motorrad benutzt. Auf ihrer langen und abenteuerlichen Reise hat sie mit Matsch, Unfällen und Fisch-Konservierungs-Problemen zu kämpfen.“

Mit steigendem Unglauben haben wir uns also angesehen, wie Clarkson, Hammond und May in Mosambik, einem der ärmsten Länder der Welt, mit einem Riesenfilmteam eingefallen sind und dort 55 Minuten so getan haben, als würden sie Fische in ein 200 Meilen vom Meer entferntes Dorf transportieren, um dort den Hunger der Einwohner zu stillen.

Dabei wurden nicht nur die Fische zum Opfer des Drehbuches sondern auch ein gar nicht mehr so häufiger Mercedes 200 T, der am Ende zerstört hinter einem Nissan Pickup hergeschleift wurde. Ebenfalls auf der Strecke blieb heute Abend mein Spaß an den Boys und ihrer irgendwie anarchistischen „Autosendung“.

Wer der Meinung ist, dass es legitim ist, sich in der teuersten First World-Autosendung der Welt über die Third World-Probleme eines der ärmsten Länder der Welt lustig zu machen. Wer der Meinung ist, dass es spaßig ist, sich über Leute zu mokieren, die mit ihrem Geld und ihrem Einfluss versuchen, hungernden Menschen zu helfen, hat meinen Respekt verloren. Und mich als Zuschauer in Zukunft. Take this Amazon. Ich bin raus!

Edit 20.02.2018

Da der hastig runtergeschriebene Post zur Grand Tour 2/11 in den vergangenen Tagen viele Besucher auf TDM gezogen hat, hier noch einmal ein kleiner Nachtrag von mir.

Mit einigen Tagen Abstand habe ich mir heute die Nutzerbewertungen der „Brot für die Welt“-Folge bei Amazon angeschaut. Grund dafür waren Stimmen, die meinten, dass die Folge allgemein gut angekommen sei und ich ein langweiliger Spielverderber und verachtenswerter Gutmensch (da komm´ich mit klar!).

Nach Sichtung der aktuellen Nutzerbewertungen muss man den Erfolg der Folge zumindest beim deutschen Grand Tour / Top Gear-Stammpublikum jedoch anzweifeln.
Viele, wenn nicht die meisten Online-Kommentare bei Amazon Prime bewerten die Folge mit nur einem Stern von fünf möglichen.

Auch wenn diese Bewertungen Wasser auf meine Mühlen sind, so sind die Begründungen für die schlechten Ratings aus meiner Sicht enttäuschend.

Kritisiert wird nämlich im Wesentlichen 1. die fehlende Spannung der Folge 2. der Umgang mit den Fischen.

Weniger im Fokus der Kritiker steht die Tatsache, dass hier in einem Dritte-Welt-Land Nahrungsmittel vor den Augen der Bevölkerung vernichtet werden. Ebenfalls kaum Thema ist die gleich mehrmals geäußerte Kritik an Prominenten wie Angelina Jolie, die sich aktiv für Projekte in diesen Länden einsetzen. Zur Klarstellung: Ich bin kein Fan von irgendeinem Schauspieler. Doch ich habe für meinen Teil Respekt vor Leuten, die sich für soziale Projekte einsetzen, anstatt sich mit ihrer Kohle und einem Schirmchencocktail an den Pool zurückzuziehen. Ebenfalls nicht Thema in den Bewertungen: Die schwarze Bevölkerung wird von Grand Tour zu bloßen Statisten degradiert. Das erinnert an koloniale Zeiten und die Zirkusveranstaltungen eines P.T. Barnum. Zeiten, die wir längst hinter uns haben. Oder nicht.

Und weil der Einwand bestimmt kommt: Grand Tour 2/11 ist NICHT vergleichbar mit der Rallye Paris Dakar. Denn die Boys fahren ja nicht einfach Auto in einem afrikanischen Land. Grand Tour thematisiert explizit den Nahrungsmangel und die Armut der Menschen und schafft es dabei sowohl Helfern als auch Bedürftigen zu zeigen, was sie von den Hilfsaktionen jedweder Couleur halten. Nichts. Ein Armutszeugnis für – das muss man einfach noch mal wiederholen – die weltweit teuerste Autosendung.

So – Deckel drauf auf das Thema! Kennt jemand eine unterhaltsame Autosendung?

 

 

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

11 Comments

  • Den Sinn und Zweck der Sendung, mit feiner Ironie und zum Schluss Sarkasmus, auf die Probleme in dem Land aufmerksam zu machen nicht verstanden.

    Sechs. Setzen.

    Wer diese Folge in der deutschen Version oder den ebenso schlechten deutschen Untertiteln sieht kann es wohl nur falsch verstehen.

    Sich dann öffentlich darüber auszulassen, empfiehlt sich mangels Sprachkenntnisse nicht.

    Herzlichen Glückwunsch! Alles falsch gemacht.

  • Mit typisch britischem Humor: Karrikierung durch Überspitzung und ins extreme Verkehrtem wird sich hier nicht über Promis oder Menschen lustig gemacht die wirklich anpacken und etwas ändern, sondern über jene die Mit dem Helikopter einfliegen ein paar Prozentchen spenden und die Unterstützten als Kulisse in einer Weise missbrauchen, dass sie als Beleg für Großherzigkeit dienen.

    In der letzten Folge wird dieses Verhalten derart offensichtlich zur Schau gelegt und übertrieben, dass niemand von Verstand ernsthaft behaupten kann hier werde sich über jene lustig gemacht die hungern oder tatsächlich ihr Bestes tun um zu helfen.

    Dass Menschen von Verstand Ihnen nicht antworten liegt wohl eher an dem unglaublich schlechten Schreibstil, den Sie in diesem Artikel pflegen, der es beinahe unmöglich macht ihre zur Schau gestellte „moralische Integrität“ zu ertragen.

    Probieren Sie’s doch demnächst mal mit Oxfam TV, vlt finden Sie dort ja qualitative Unterhaltung. Immerhin warten die Menschenretter dieser Tage ja mit tatsächlichem Schlagzeilen und Empörungswert auf.

    • Genau das werter Stumpf,

      Der Schreiber des Artikels zeigt sich jedoch wenig einsichtig. Viel mehr beratungsresitent.

      Herzlichst
      Thomas

  • Ich habs immer mal versucht.
    Aber ich kann all diesen Sendungen inkl. TopGear absolut nichts
    abgewinnen.
    Das jetzt ist dazu in hohem Maße geschmacklos.

    • Hallo Andreas, ich bin ja manchmal beruhigt, dass ich nicht ganz allein auf weiter Flur bin. Auch wenn ich die Top Gear / Grand Tour eigentlich immer mochte, eben weil sie den Zuseher mit britischem Humor und viel Selbstironie an die Grenzen der Belastungsfähigkeit gebracht hat. Ein schönes Wochenende aus dem Pott!

  • Ich sehe das ähnlich wie Hansbahnhof, bin ich doch mal mit einer geführten AMG Tour von Österreich über Slowenien nach Italien gefahren. In Slowenien fuhren wir in Konvoi mit geöffneten Auspuffklappen und voll Gas an Feldern mit Eselskarren vorbei in denen Leute die letzten Kartoffeln mühsam aufklaubten. Für mich war da der Spaß definitiv vorbei weil es an überheblicher Dekadenz kaum noch zu überbieten war.
    Diese Folge bzw eigentlich die ganze Staffel Grand Tour hatte mich zudem noch nicht mal gut unterhalten.

    • Danke für Deinen Kommentar und irgendwie bin ich gerade bei kontroversen Themen wie diesem hier ganz glücklich, dass wir in Deutschland noch unterschiedliche Meinungen zulassen. Das ist ja leider auch nicht (mehr) in allen europäischen Ländern so. Hoffen wir mal, dass sich auch die Diskussionskultur in Blogs und anderen sozialen Medien in Zukunft wieder etwas moderater gestaltet. Ständig laut schreienden Menschen hatten wir ja schon mal in den Dreißigern. Brauchen wir nicht noch mal. Genauso wie dekadente Überheblichkeit. Ich hätte in einer solchen Situation auch keinen Spaß mehr am AMG gehabt…

  • Zu meinem Sohn habe ich wärend der Folge 11 gesagt, dass die drei niemanden dort verarschen möchten. Sie machen mit ihrer Art und Show auf Probleme bei der Bekämpfung von Hunger und Not aufmerksam.

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