Marktsituation

Nicht geplatzt aber Luft raus? „Porsche Only“ Auktion bei Auctionata

Written by hansbahnhof

Am 12.12.2015 fand bei auctionata.de eine „Porsche Only“ Auktion statt, bei der 26 Porsche 911 der Baujahre 1965 bis 1994 versteigert wurden. TDM hat sich die Ergebnisse der Auktion angeschaut.

Die Blase platzt. So prophezeien es Porsche Oldtimer-Experten und solche, die es werden wollen, seit Jahren. Ein Blick auf Händler-Websites und die Angebote in den Autoportalen des Webs zeigt das Gegenteil. Klassische Porsche segeln offensichtlich weiter im preislichen Aufwind. Immer versehen mit dem Hinweis, dass der Erwerb des Zuffenhauseners eine „gute Anlage“ sei und die Preise selbstverständlich weiter steigen. Doch spiegeln die geforderten Preise auch wirklich den Markt wider?

Wie der Markt tickt, lässt sich am besten dort festmachen, wo Angebot und Nachfrage ungefiltert aufeinanderprallen: Bei einer Porsche-Auktion.

Ich war daher gespannt auf die Ergebnisse der Auctionata-Auktion „Porsche Only“, die am gestrigen Abend pünktlich zum Abendessen im Internet startete.

Im Angebot: 26 Porsche 911 der Baujahre 1965 – 1994.  Auctionata hatte einen insgesamt beeindruckenden Querschnitt durchs Zuffenhausener Sportwagen-Programm der letzten fünfzig Jahre zusammengetragen. Vom ältesten Auto, einem ziemlich originalen, patinierten hellelfenbeinfarbenen Urelfer Modelljahr 1965, bis zum Porsche 964 „30 Jahre 911“ mit originalen 43.000 km.

Das Ergebnis gibt es seit heute morgen unter https://auctionata.de/s/430/porsche-only zu sehen und um es vorwegzunehmen: Verkaufte Autos: Ja, aber lange nicht alle. Rekorde und Überraschungen?  Im Gegenteil.

Die Ergebnisse

Nehmen wir uns die Autos mal vor. Ich beschränke mich auf die F-Modelle, wenn Ihr erlaubt. Hier ist die Liste, die ich auf Grundlage der Angaben von Auctionata zusammengestellt habe.

Um auf den Endpreis für den Ersteigerer zu kommen, habe ich dem Zuschlagspreis gemäß den von Auctionata angegebenen Sonderkonditionen für die Auktion 12% Käuferaufgeld hinzugerechnet. Auf das Käuferaufgeld sind weitere 19% Mehrwertsteuer aufgeschlagen. (Liste anklicken zum vergrößern!)

Porsche F-Modelle - Verkaufte, unter Vorbehalt verkaufte und nicht verkaufte Porsche Oldtimer bei der "Porsche Only" Auktion von auctionata.de

Zum Vergrößern bitte draufklicken! Porsche F-Modelle – Verkaufte, unter Vorbehalt verkaufte und nicht verkaufte Porsche Oldtimer bei der „Porsche Only“ Auktion von auctionata.de

Von 10 Porsche Urelfern wurden

  • Verkauft: 3
  • Nicht verkauft: 3
  • Unter Vorbehalt verkauft: 4

Von den angebotenen klassischen Porsches erreichte nur ein einziger den Schätzpreis der Auctionata-Experten. Es handelte sich um ein 911 T Coupé in der schicken Sonderfarbe „Lindgrün 226“, das bei einem Schätzpreis von 120.000 – 140.000 € auf einen Zuschlagspreis von 134.400,– € kam.

Der neue Eigentümer zahlte für den unrestaurierten aber nachlackierten Wagen nach meinen Berechnungen 153.592,32 € inklusive Aufgeld und Steuern. Eine sehr stolze Summe für eine Porsche 911 Ölklappe (Was ist eine „Ölklappe“?) mit der schwächsten Motorisierung. Die ungewöhnliche und seltene Farbe dürfte hier als emotionales Argument mit ausschlaggebend gewesen sein.

Die übrigen Autos gingen (deutlich) unterhalb der Estimates über den Tisch, wobei man sagen muss, dass ich die vorliegenden Estimates der Auctionata-Experten für sehr optimistisch, aber nicht völlig unrealistisch gehalten hatte. Schließlich befanden sich die meisten Autos gemäß Beschreibung und ausweislich der Fotos in unrestauriertem Zustand. Einige wiesen sogar „großteils Erstlack“ auf, was einen erheblichen Preisaufschlag rechtfertigen kann – aber nicht zwangsläufig muss.

Nicht verkauft und „unter Vorbehalt“

Zu den nicht verkauften Autos gehörte der 1965er Rennumbau, der als einziges Auto aus meiner Sicht ein unrealistisch hohes Estimate von über 300.000 € mitbrachte. Es genügt offensichtlich nicht, dass Walther Röhrl ein Auto mal pilotiert hat. Ein optisch attraktiver 911 T in der gefragten Farbe vipergrün schaffte es nicht über ein Maximalgebot von 80.000 EUR. Ein 2.2 Liter Porsche 911 S Targa blieb bei einem Höchstgebot von 130.000 EUR stecken. Gehofft hatte man auf 200.000,– bis 220.000,– EUR.

Vier Verkäufer überlegen noch ob sie ihre Autos für den gebotenen Preis abgeben wollen. Sie sind in der Liste als „Unter Vorbehalt“ markiert. Dazu gehört der Eigentümer eines unrestaurierten 1970er 2.2 E Targa (Gebot: 90.000 €), der Eigener eines unrestauriertern signalgelben ´73er E-Coupés (Zuschlagspreis 110.000,– EUR) sowie der Verkäufer des seltenen Porsche 911 ST, der sich auf 1.3 – 1.5 Millionen Euro gefreut hatte und nun über ein Gebot von „nur“ 950.000 € für das rare Stück nachdenken muss.

Bewertung und Fazit

Die Ergebnisse der Auctionata Auktion lassen die Schaufensterpreise einiger Porsche Oldtimer-Händler in einem anderen Licht erscheinen. Denn eigentlich war das Auctionata-Angebot mit vielen unrestaurierten und relativ originalen Autos durchaus attraktiver, als viele aktuelle Händlerangebote. Wer sich einmal eine „Vollrestauration“ beim Händler kritisch angeschaut hat, weiß, was ich meine.

Dass die Auctionata-Estimates nur in einem Fall erreicht wurden, wird unterschiedliche Gründe haben. Auto-Auktionen haben es in Deutschland schwer, weil es – anders als in den USA oder England – keine Tradition gibt. Dass deutsche Käufer mit dem Kauf von Klassikern bei Auktionen so ihre Probleme haben, haben schon andere deutsche Oldtimerauktionen gezeigt.

Die intransparente Marktsituation für Porsche 911 F-Modelle insgesamt dürfte ein weiterer Grund sein. „Den Preis“ für ein Porsche 911 T Coupé im Erstlack kann man weder ergooglen noch bei Classic Data nachlesen. In Anbetracht der rasanten und in Teilen irrationalen Preisentwicklung auf dem Porsche Oldtimermarkt werden Preise aktuell mehr von Emotionen und panischen Verlustängsten diktiert, als von rationalen Bewertungskriterien. Das Knowhow des Käufers, sein Mut, der Mästungsgrad seines Sparschweins sowie Kleinigkeiten wie die richtige Farbe dürften hier eine erhebliche Rolle spielen.

Fazit: Drei (wirklich) verkaufte Urelfer von zehn angebotenen Exemplaren sind nicht viel angesichts des Aufwandes, den die Profis von Auctionata ohne Zweifel getrieben haben. An Web-Präsentation und Live-Präsentation mit Porsche 911 Experte und Welt-Stellvertretendem-Chefredakteur Ulf Poschardt („911„) hat es jedenfalls genauso wenig gelegen, wie am leider nicht funktionierenden Live-Stream der Veranstaltung.

Ob es an der Qualität der Autos lag, ist aus der Ferne schwer zu sagen. Fakt ist, dass die Estimates angesichts der Qualität des Gebotenenen wohl doch zu optimistisch waren. Anders ist die Zurückhaltung der Käufer kaum zu interpretieren.

Ist die Blase damit geplatzt? Nein. Aber die Luft scheint ein wenig raus  zu sein. Gut so.

Urheberrechte

  • TDM Titelbild: (c) Ausschnitt aus „Der neue Porsche“ in „Hobby“, Ausgabe Nr. 22/63 – Bericht über den Porsche 901
  • Video „Porsche 911 1965“ (c) 2ß15 by auctionata.de

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

2 Comments

  • Danke für die Einschätzung zu den F-Modellen!

    Was mich am meisten verwundert hat, wie beherzt die Leute auf den RSA mit immerhin >70t Meilen geboten haben.
    Sowas habe ich vor knapp 3 Jahren für <40k$ stehen lassen, weil es bessere C2 für 170k € versteigert!?

    Da muss ich ganz ehrlich sagen, war der Jubi das im Vergleich deutlich interessantere Auto und dafür hat keiner mehr als 110 geboten.
    Der 993TT war wohl im Detail nicht so perfekt, aber auch hier war das Höchstgebot im Vergleich zum RSA mehr als harmlos, wenn man bedenkt, dass ähnliche Farb-Einzelstücke mit der Laufleistung zur Zeit locker 200k und mehr aufgerufen werden.
    Auch die Vielschichtigkeit (nämlich gar nicht) der Bieter war ebenfalls beeindruckend.

    Der preiswerteste war wohl der weiße SC und selbst der ging immerhin für 36k netto (in echtem Geld also auch mit einer 4 vorne) nur unter Vorbehalt weg.

  • Die Auktionen laufen in DE immer schlecht, das mag auch daran liegen das bei Auktionen immer offizielles Geld ausgegeben werden muss 😉 und noch ein erhebliches Aufgeld hinzu kommt, dazu kommt noch das die Gebote in viel zu hohen Sprüngen abliefen. Wenn jemand 100 tsd geboten hatte musste er sein nächstes Gebot bei 120 tsd bringen – das kann doch wohl nich wahr sein.
    Der gute Ulf hätte sich auch so manchen Satz verkneifen können; „Ich bin immer wieder erstaunt wie schlecht man in so einem F-Modell sitzt“ ist nicht Verkaufsfördernd.
    Der Auktionator hat auch immer sehr schnell den Hammer fallen lassen, gerade wenn jemand Online mitbieten möchte kann es ja schon mal etwas dauern – vor allem wenn der Stream schlecht ist.

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