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Nur gucken! Das Oldtimertreffen – der natürliche Feind eines Oldtimers

Written by hansbahnhof

Kann man sich mit einem restaurierten Porsche Oldtimer heute noch auf ein Oldtimertreffen trauen? Ich meine: Nur noch dann, wenn man mit einem fachkundigen Publikum rechnen kann – so wie Jay Kay hier bei Classics at the Castle.

NEIN!!! NEIN!!! HALT!!! STOPP!!! … Es folgt das Geräusch von zersplitterndem Brabusplastik auf amerikanischem Dodge Charger Heckblech. Der Fahrer des brabusgetunten Mercedes, der gerade versucht hat, seinen verspoilerten Youngtimer rückwärts in eine komfortable acht Meter breite Parklücke auf dem Oldtimertreffen zu rangieren, steigt mit durchtranspiriertem „La Maritima“-Hemd aus den Schalensitzen und blickt entgeistert auf sein zerbröseltes Heck: „SCHEISSE!!!!“ tönt es zu uns herüber. Von wegen Frauen können nicht einparken. Der Charger hat Glück – alles ist relativ – und kommt mit einigen Kratzern davon.

„Komm wir fahren“, sagt die Frau schaudernd eingedenk unserer Erfahrungen mit dem „Prockler von Hagen“ vor drei Wochen. Ich kann Sie überzeugen, dass eine Wurst im Brötchen noch drin sein muss, bevor wir in den S einsteigen und es zurück nach Hause geht.

Restaurieren und was dann?

Auf dem Rückweg habe ich Zeit darüber nachzudenken, was eigentlich passiert, wenn der 911 S frisch restauriert im neuem Elfenbeinlack in der heimischen Garage steht. Fahren wir dann überhaupt noch auf Oldtimertreffen? Oder bleiben wir aus Angst vor Schäden zu Hause? Wird der S dann eine „Garage Queen“, die nur noch 200 km im Jahr zurücklegt – zur Werkstatt und dann zum TÜV?

Echter Porsche 356 Speedster mit seltenem Rallyezubehör bei Classics at the Castle 2012 - Respektvoller Abstand Ehrensache - willkommen in England!

Respektvoller Abstand Ehrensache – willkommen in England: Echter Porsche 356 Speedster mit seltenem Rallyezubehör bei Classics at the Castle 2012.

Ich habe an dem Gedanken keinen Spaß. Ferdinand Porsche hat dem Auto schließlich Räder gegeben, damit es fährt – nicht damit es rumsteht. Die Erfahrungen der letzten Wochen geben mir aber zu denken.

Nur gucken-Schild, Elektrozaun oder Abstinenz

Die Frau sieht, dass ich sinniere: „Dann fahren wir halt nicht mehr mit dem S  zu Treffen – nur noch in Urlaub. Ich würde den Wagen eher in Schottland an die Straße stellen, als in Deutschland auf ein Oldtimertreffen.“

Irgendwie hat sie ja Recht – aber schade wäre das schon. Ich würde es vermissen, den 911 S auf Treffen auszuführen, ohne direkt einen Elektrozaun drumrumzubauen. Doch die zahlreichen „Nur gucken, nicht anfassen“-Schilder, die wir auch heute wieder gesehen haben, sprechen eine deutliche Sprache.

Denn wenn man mal genau drüber nachdenkt, pappt sich niemand den Wagen mit „Nur gucken“-Schildern zu, nur weil er mal ein paar fettige Fingerabdrücke auf dem Lack hatte. Ich bin ganz offensichtlich nicht der einzige Alteisentreiber, der der Meinung ist, dass zwei Stunden auf einem Oldtimertreffen gefährlicher sind, als 1000 km über die Alpen fahren.

Die Konsequenz? Wir werden uns in Zukunft die Treffen, auf die wir fahren, noch genauer anschauen. Am sichersten haben wir uns eigentlich bei „Classics at the Castle“ in England gefühlt. Dort ging die porschekundige Besuchermeute begeistert aber respektvoll mit den anwesenden Porsche Oldtimern um. Schade, dass man dafür extra nach England fahren muss.

Fotos: (c) 2012 by Die Frau – http://www.schoenerblog.de

 

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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