Bekleidung und Accesscoires

Pekari-Schwein, Reh oder Hirsch? Autofahrerhandschuhe im Porsche Oldtimer

Written by hansbahnhof

Ob zum Skifahren oder zum Rodeln: Weihnachtszeit ist Handschuhzeit. Dass man noch vor 40 Jahren Handschuhe auch zum Autofahren benötigte, ist vielen heutzutage gar nicht mehr bewusst. Doch wie sieht es heute aus, wenn man mit dem Porsche Oldtimer unterwegs ist? Teil der Maschine berichtet aus der Welt der Autohandschuhe.

Abarth Sportlenkrad Anzeige ca. 1974

Abarth-Werbung in den Sechzigern. Zu dieser Zeit begannen Momo und andere Hersteller sich auf Sport- und Rallyefahrer einzustellen.

Porsche Oldtimer vom Kaliber eines 356 haben fingerdicke Lenkradkränze. Im schlimmsten Fall greift die nasskalte Hand bei solchen Autos an rutschiges Bakelit. Keine gute Voraussetzung für eine schnelle Runde um den Block.

Doch auch die Originallenkräder der Porsche 911-Modelle zwischen 1964 und 1973 sind aus heutiger Sicht spirrige Dinger. Weder das VDM Mahagoni-Holzlenkrad der frühen SWB-Porsche noch das Lederlenkrad in den F-Modellen der späteren Jahre kann man nach aktuellen Maßstäben als griffig bezeichnen.

Im Zusammenspiel mit dem meist über die Jahre glattgewetzten Leder (oder Mahagoni) ergibt das in Kurven oder beim Einparken einen ungenügenden Kraftschluss zwischen nackter Hand und Lenkrad.

Glückliche Eigentümer eines Momo Prototypo oder anderer porsche-typischer Sportlenkräder haben es ein wenig besser. Sie freuen sich über deutlich voluminöserer Lenkradkränze und besseren Grip am Porsche-Steuer. Doch mal abgesehen vom Thema „TüV“ gilt  auch hier: Sportliches Fahren und Einparken mit dem Klassiker fällt mit Autofahrerhandschuh deutlich leichter.

Die Lösung sind „Autofahrerhandschuhe“. Ich habe meine und die der Frau mal aus den Autos geholt.

Welcher Handschuh ist der Richtige?

Autofahrerhandschuhe gibt es in zeitgemäßer 60er-Jahre Optik mittlerweile wieder bei zahlreichen Anbietern. Mein Favorit sind dabei klar Handschuhe aus echtem Leder. Schon, weil sie optisch am besten zum klassischen Auto passen.

Hansbahnhofs Handschuh-Kollektion. Von links nach rechts. Pekari, Hirsch und die Handschuhe der Frau, die möglicherweise von einem Ex-Reh stammen

Hansbahnhofs Handschuh-Kollektion. Von links nach rechts. Pekari, Hirsch und die Handschuhe der Frau, die möglicherweise von einem Ex-Reh stammen

Variante 1: Handschuhe mit „ganzen“ Fingern
Bei meinem ersten Paar Autofahrerhandschuhe habe ich (fast) alles richtig gemacht. Die Mischung aus gehäkeltem Oberteil und weichem (Hirsch-) Leder sorgt für perfekten Griff am Lenkrad. Das gibt Sicherheit in jeder Situation – und es hält beim Offenfahren im Porsche Targa warm.

Ganze Finger sind nur was fürs Offenfahren im Winter. Im Sommer sind sie nicht zu warm, sondern bieten zu wenig Fingerspitzengefühl.

Ganze Finger sind nur was fürs Offenfahren im Winter. Im Sommer sind sie nicht zu warm, sondern bieten zu wenig Fingerspitzengefühl.

Doch die Langfinger haben einen Nachteil. Man verliert mit ihnen das gleichnamige Spitzengefühl. Beim Tanken, beim Zündschlüsselumdrehen, beim FishermansausderTütegrabbeln und beim DieFrauaufdemBeifahrersitzberuhigendtätscheln.

A propos Beifahrer beruhigen: Autofahrerhandschuhe lassen sich ganz in der Regel mit einem Druckknopf verschließen, damit sie in fahraktiven Situationen am Mann / der Frau bleiben. Ich benötige diesen Druckknopf nie. Aber ich schleiche auch meistens.

Druckknopfverschlüsse sind wie hier in der Regel verstellbar. Nutzen tue ich sie nie.

Druckknopfverschlüsse sind wie hier in der Regel verstellbar. Nutzen tue ich sie nie.

Fazit: Angenehme Handschuhe aber eigentlich nur was für Menschen, die ihren Vorkriegsbentley auch mal den Großglockner im Herbst hochscheuchen. Da machen die Langfinger Sinn.

Variante 2: Halbfinger Autofahrerhandschuhe:
Um in jedem Auto ein paar Handschuhe zu haben (Luxury!), habe ich ein zweites paar Autohandschuhe gebraucht und mich ausgerechnet auf einem Berliner Weihnachtsmarkt für ein handgefertigtes Produkt aus dem Osten Deutschlands entschieden.

Gekauft auf dem Weihnachtsmarkt und nach mindestens 8000 km im Porsche Oldtimer leicht patiniert: Pekarileder-Handschuhe.

Gekauft auf dem Weihnachtsmarkt und nach mindestens 8000 km im Porsche Oldtimer leicht patiniert: Pekarileder-Handschuhe.

Mein zweites Paar kommt mit „halben“ Fingern aus und ist perfekt zum Fahren im Porsche Oldtimer. Es besteht vollständig aus Leder – besitzt also kein gehäkeltes Oberteil. Das hat aus meiner Sicht keine negativen Effekte. Im Gegenteil empfinde ich die Tatsache, auch oben auf der Hand weiches Leder statt rauhen Strick zu spüren eher als angenehm.

Angenehm - gerade weil sie ohne Strick auskommen: Pekari-Autofahrerhandschuhe.

Angenehm – gerade weil sie ohne Strick auskommen: Pekari-Autofahrerhandschuhe.

Das wichtigste bei meinen Halbfingern aus dem Osten ist aber weniger das Fehlen der Finger, sondern das Material aus dem sie hergestellt sind.

Autofahrerhandschuhe – Hirsch, Schwein oder Reh?

Die meisten Autofahrer-Handschuhe werden als Leder oder Leder-Strick Kombinationen angeboten. Je weicher das Leder, desto besser der Tragekomfort. Gute Erfahrungen haben wir mit Handschuhen aus Hirsch- oder Rehleder gemacht. Mein absoluter Favorit ist aber das weiche, warme und trotzdem extrem zähe Pekari-Leder (auch: „Peccary“ bei einigen Anbietern). Für Freunde des exotischen BBQs gibt es mehr zum Pekari-Schwein bei Wikipedia unter http://de.wikipedia.org/wiki/Nabelschweine.

Ehemaliges Pekari-Schwein in seiner schönsten Form: Als Auto-Handschuh.

Ehemaliges Pekari-Schwein in seiner schönsten Form: Als Auto-Handschuh.

Mit den Pekaris lässt sich der Porsche Oldtimer sicher und stilsicher um jede Ecke zirkeln. Aber – so ein Schwein findet man in Europa nicht an jeder Ecke und das hat Auswirkungen auf die Preise. Meine Weihnachtsmarkthandschuhe haben mich (Schnapper!) 90,– EUR gekostet. Beim Markenhersteller kann man für das selbe Material aber auch 140,– EUR und mehr loswerden. Ein Haufen Holz, wenn man den Porsche nur mal ab und zu zur Eisdiele fährt.

Auf der anderen Seite sollte man sich darüber im Klaren sein, dass so ein paar gute Handschuhe natürlich auch ein echter Beitrag zu Fahrsicherheit ist. Ein wichtiger Tipp dazu: Die Dame vom Weihnachtsmarkt hat mir damals empfohlen, meine Pekaris in einer Größe zu kaufen, die mir anfangs zu klein schien. Doch das war genau der richtige Tipp, denn das Pekari-Leder hat sich schnell an den belasteten Stellen geweitet und die Handschuhe sitzen jetzt wie eine zweite Haut.

Und was trägt die Frau?

Für die Frau habe ich bei einem Gantier in der Schweiz tief in die Tasche gegriffen. Nicht, um es im Golfclub zu erzählen (ich spiele kein Golf), sondern weil wir auf unserer ersten Tour über die Route des Grandes Alpes erst in Lausanne gemerkt haben, dass sie Handschuhe benötigt, wenn sie zwischendurch die Ölklappe fahren will.

Die Handschuhe der Frau. Wahrscheinlich ein Ex-Reh und aus sehr dünnem aber strapazierfähigen Leder.

Die Handschuhe der Frau. Wahrscheinlich ein Ex-Reh und aus sehr dünnem aber strapazierfähigen Leder.

Die Frau trägt eine charmante „Reh-Strick“-Kombination von „Merola“ (www.merolagloves.it). Ein Unternehmen, das Handschuhe in der vierten Generation in Italien herstellt. Dass ich hier, anders als bei meinen Handschuhen, den Namen der Firma nenne, liegt übrigens einzig und allein daran, dass in meinen Handschuhen keine Herstellerlogos eingenäht sind.

Das Paar der Frau fristet ein Handschuhfachdasein, was ihm jedoch nicht schadet.

Handschuh-Fazit

Soweit meine Erfahrungen zum Thema Autofahrerhandschuhe. Insgesamt gilt – ähnlich wie bei guten Schuhen: Nehmt Euch die Zeit und geht zum Fachhändler, um mehrere Paar auszuprobieren. Lederdicke, Schnitt und Lederart machen einen ganz schönen Unterschied im Tragekomfort. Und wenn man bedenkt, dass so ein Handschuh Euer Leben und den Bestand Eures Porsche-Klassikers sichern kann, solltet zwischen Euch und dem Handschuh Eurer Wahl eine enge Beziehung bestehen. Sonst wird das nichts mit der ambitionierten Fahrweise.

Viel Spaß beim Autofahrerhandschuhkauf wünscht Euch

hansbahnhof

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

10 Comments

  • … auch noch zu empfehlen: pflanzlich gegerbtes Hirschnappaleder. Das verträgt auch die sensible Haut 🙂
    Gekauft, getragen, für sehr gut befunden.
    In Maßanfertigung hergestellt in einer Lederhandschuh-Manufaktur im Erzgebirge.

    Das filigrane Lenkrad eines auch luftgekühlten VW Typ 3 mit Heckmotor lässt sich damit gut händeln 🙂

    Viele Grüße!

    • Na das sieht doch gut aus… – das Link lasse ich hier ausnahmsweise mal stehen. Es müssen ja nicht immer Massenprodukte sein, wenn wir sowas vor Ort haben und einen kleinen Betrieb damit unterstützen können!

  • Hallo Ansgar,

    ich suche schon länger Fahrerhandschuhe mit einer 67 auf dem Druckknopf.
    Gesehen habe ich die Handschuhe in einem Video auf Youtube, wo der
    Fahrer G-Modell hochprügelt….:-(
    Aber als echer 67er muss man die Dinger wahrscheinlich unbedingt haben, oder?

    Grüße
    Andreas

    • Wenn Du sie nicht findest könntest Du mal im Erzgebirge (Link weiter unten in den Kommentaren) nachfragen. Dort wirst Du rund um die 67 auch noch Deinen Namen eingraviert kriegen. Schätze ich…

  • Hallo hansbahnhof,

    das ist ja mal ein interessantes Thema.
    Ich habe seit 15 Jahren die Langfinger mit der Häkeldecke im Einsatz.
    Obwohl immer im Coupé – Betrieb (964, HK500 und Facellia) bin ich eigentlich immer ganz gut damit klar gekommen.
    Nur eines nervt ziemlich….die Dinger färben selbst heute noch, zwar nicht mehr so sehr wie am Anfang, die Handinnenflächen braun….geht das Dir (Euch) auch so?

    Viele Grüße

    Udo

    • Abfärben haben wir noch bei keinem unserer Handschuhpaare gehabt! Vielleicht solltest du doch mal auf was anderes wechseln? Mach mal einen Fühltest mit Pekari. Danach willst du nichts anderes mehr…

  • Hmmmmm, Pekari, Asterix, das arme Schwein….ich will’s mal versuchen, Danke für Deine Antwort.

    Grüße nach Essen aus dem wilden Süden

    Udo

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