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Porsche 911 – Mysterium Ölklappe

„Porsche 911 F-Modell, Baujahr 1972 – seltene Ölklappenversion!“ So, oder so ähnlich marktschreierisch lauten die einschlägigen Anzeigen für klassische Porsche 911 mit 2.4 Liter Maschine bei mobile.de und Konsorten. Aber was hat es denn nun mit der „seltenen“ Porsche 911 Ölklappenversion auf sich? Was ist die ominöse Ölklappe überhaupt und wie wirkt sich eine Ölklappe auf den Wert eines Porsche 911 Oldtimers aus?

Porsche 911 S 2.4l Targa, Baujahr 1972 (Modelljahr 1972) - gut zu erkennen direkt unter dem Targabügel: Die tankdeckelähnliche Ölklappe.

Porsche 911 S 2.4l Targa, Baujahr 1972 (Modelljahr 1972) – gut zu erkennen direkt unter dem Targabügel: Die tankdeckelähnliche Ölklappe.

Mysterium Ölklappe

Porsche F-Modelle sind nicht luftgekühlt. Sie sind ölkgekühlt. So hat es mir zu Beginn meiner kurzen Oldtimer-Porsche Laufbahn mal ein Experte erklärt. Natürlich war das mit der Ölklühlung mehr scherzhaft gemeint. Aber es steckt Einiges an Wahrheit drin.

Um diese „Ölkühlung“ noch effizienter zu gestalten, verlegten die Porsche Ingenieure im Modelljahr 1972 den Einfüllstutzen für das Öl nach außen. Dazu erhielt das 2,4 Liter E-Modell (Porsche 911 T, E und S des Modelljahres 1972) eine Art „zweite Tankklappe“ hinten rechts vor dem Hinterrad. Der Effekt war – so will es die Porsche 911 Folklore – schlagend. Denn sowohl Porsche-Eigner als auch Tankwarte füllten fleißig Benzin in den vermeintlichen Tankeinfüllstutzen. Es gab (angeblich) massenweise Motorschäden. Die Ölklappe verschwand daher bereits zum Modelljahr 1973 wieder.

Der Öleinfüllstutzen wanderte zurück in den Motorraum.

Selten = teuer? Die Ölklappe als wertbildendes Konstruktionsmerkmal

Die Ölklappe ist etwas Seltenes. Jedenfalls in Relation zur Gesamtproduktion der klassischen 911er zwischen 1964 und 1973.

Aber so selten nun auch wieder nicht. Knapp 10.000 Porsche 911 Targa und Coupé Ölklappenmodelle produzierte Porsche in den Jahren 1971 und 1972*. Im direkten Vergleich mit dem nachfolgenden Modelljahr 1973 wirkt sich die Ölklappe auf den Preis dieser Fahrzeuge aus meiner Sicht jedoch nicht aus.

Sowohl die Porsche 911 E-Serie des Modelljahres 1972 (gebaut ab 1971 nach den Werksferien!), als auch die F-Serie des Modelljahres 1973, die ab Mitte 1972 gebaut wurde, besitzen den ausgereiften 2,4 Liter Motor und das überarbeitete neue 915er Getriebe, dessen erster Gang erstmals nicht hinten links, sondern vorn links einzulegen war. Sie sind damit die ausgereiftesten Urelfer und per se die begehrtesten Porsche klassischer Form.

Ein Modelljahr 1972 (Ölklappe) wird daher bei vergleichbarem Zustand kaum teurer angeboten, als ein 1973er mit Öleinfüllung im Motorraum. Auch ein guter 2,2 Liter Porsche des Modelljahres davor wird kaum niedriger gehandelt – schon deswegen, weil auch der 2,2er Motor eine große Fangemeinde hat. Angeblich, weil er so „kreischt“. Ein wertbildendes Konstruktionsmerkmal ist die Ölklappe daher aus meiner Sicht  und nach meinen Beobachtungen in den vergangenen Jahren kaum.

Gefahr Ölklappe?

Der Grund für das schnelle Verschwinden der Ölklappe (Einfüllen von Benzin) erhält mit der Rückkehr der Tankwarte an deutschen Tankstellen theoretisch neue Brisanz. Sollte man wirklich einmal an eine der seltenen Tankstellen mit beflissenem Servicepersonal gelangen, kann man mit 100%iger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sich der Wart auf die Ölklappe stürzt. Das ist uns insbesondere in Italien mehrfach passiert.

Hier gehört der Sprit rein! Tankklappe einer Porsche 911 Ölklappe. Alles anfangs etwas verwirrend. Aber nur anfangs.

Hier gehört der Sprit rein! Tankklappe einer Porsche 911 Ölklappe im Kotflügel links. Alles anfangs etwas verwirrend. Aber nur anfangs.

Wer da nicht schnell aus dem Wagen hechtet, läuft theoretisch Gefahr, den 2,4er zu meucheln. Das setzt natürlich voraus, dass ein grenzdebiler Beifahrer im Halbschlaf die Entriegelung der Klappe in der Schlossleite der Beifahrerseite betätigt. Wahrscheinlichkeit? Gering…

Eine echte Gefahr für Motorschäden dürfte also heutzutage nicht mehr bestehen. Schließlich werden die Porsche Ölklappen nicht mehr im hektischen Alltagsbetrieb von mehreren unbedarften Outsidern bewegt, sondern eher von Liebhabern. Die wissen, was sie da haben. Eine „seltene Ölklappenausführung“ nämlich. Aufpassen sollte man, wenn man das geliebte Stück mal seinem besten Freund fürs Wochenende leiht. Benzin im Öltank wäre dann das Ende einer wundervollen Freundschaft.

Fazit: Porsche 911 Öklappenmodelle

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es irgendwie toll ist, eine „Ölklappe“ zu besitzen. Den Wert eines klassischen Porsche 911 beeinflusst die außenliegende Schmierstoffeinfüllung jedoch deutlich weniger als Merkmale wie Gesamtzustand, Motorisierung oder Originalität.

*Quelle: „Porsche 911. Die technische Dokumentation von 1963 – 2001“, Motorbuch Verlag

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