Marktsituation

Porsche 911 R die Zweite – 500 PS im Leichtbau-Elfer

Written by hansbahnhof

TDM ist kein Porsche Blog sondern einer über Porsche Oldtimer. Deswegen findet Ihr hier zu den neuen Modellen nur in den seltensten Fällen aktuelle Meldungen.

Die Ausnahme von der Regel sind Elfer, die einen Bezug zu den sechziger und siebziger Jahren haben. Und solche, die beim ersten Angucken so ein Kribbeln in der Magengegend hinterlassen. Der neue 911 R erfüllt beide Kriterien. Sein Vorbild ist der 1967er Porsche 911 R, der unter der Ägide des jungen Ferdinand Piëch entstand und mit 800 kg der leichteste jemals gebaute Elfer war.

Und hier ist die Neuinterpretation der Ikone.

Das wichtigste zu Beginn: Die technischen Eckdaten.

  • 500 PS
  • 1,370 Kilogramm (vollgetankt)

An dieser Stelle könnte man aufhören zu lesen und direkt zum Porschehändler rennen. Aber lest erstmal weiter.

Der 911 R ist 50 Kilogramm leichter als der Porsche 911 GT3 RS. Oder aus Porsche F-Modell Perspektive: Fast 300 kg schwerer als ein Porsche 911 S Ölklappe von 1972 (!). Die Motorleistung relativiert das Mehrgewicht in Vergleich zum F-Modell. Der R schafft den Sprint auf 100 in sagenhaften 3.8 Sekunden und erreicht eine theoretische Spitze von 323 km/h. Plant schon mal einen Termin beim Ohrenarzt ein, wenn Ihr das ernsthaft vorhabt.

Man möchte die ganze Zeit mit dem Hubschrauber drüberfliegen, so schön ist der von oben: Porsche 911 R.

Man möchte die ganze Zeit mit dem Hubschrauber drüberfliegen, so schön ist der von oben: Porsche 911 R.

Porsche erreicht das Traumgewicht durch Leichtbau und das berühmte „Porscheteileweglassen“ an allen möglichen Stellen.

Carbon-Fronthaube. Carbon-Kotflügel. Dach aus … Magnesium (!). Die Fahrzeugscheiben vorn und hinten sind aus Kunststoff. Die Dämmung wurde reduziert – wahrscheinlich auch, damit man das Motorgeräusch besser hört.

Die Rückbank hat man gleich ganz rausgeworfen. Porsche 911 R-Fahrer sollen gar nicht erst in Versuchung kommen, hinten einen Kindersitz einzubauen. Die vorderen Sitze sind natürlich aus Carbon und haben als Reminiszenz an die guten alten F-Modell-Zeiten eine Stoffmittelbahn aus Pepita-Stoff. Wo würde das besser passen, als im ersten 911 R seit den Sechzigern.

Musikhören fällt übrigens flach. Eine Anlage gibt es nicht. Und wer Kühlung braucht, öffnet bitte die Fenster. Klima ist ebenfalls nicht drin. Dazu kommt als dröhnender Abschluss eine Sportauspuffanlage aus Titan. What else? Manchmal wünscht man sich, Ingenieur bei Porsche zu sein. Aber dazu bin ich jetzt zu alt.

 

Pepita-Sitze im Porsche 911 R. Was sonst???

Pepita-Sitze im Porsche 911 R. Was sonst???

Gebremst wird der schicke Tiefflieger natürlich mit Keramik. Das ist aber nur dann nötig, wenn die Hinterachslenkung (!) die Kurve nicht mehr ganz schafft. Auch angesichts von Reifen mit 245 mm Breite (vorn) und 305 mm (hinten) wird das nicht häufig nötig sein.

Was so aussieht und so wenig wiegt, schafft auch die nächste Kurve ohne den Einsatz der Keramik-Bremse.

Was so aussieht und so wenig wiegt, schafft auch die nächste Kurve ohne den Einsatz der Keramik-Bremse.

Kleiner Wermutstropfen.

Der zukünftige 911 R-Fahrer muss ein halbes Einfamilienhaus in das auf 991 Exemplare limitierte Auto investieren. 189.544 EUR sind für so viel weggelassene Teile ein ganzer Haufen Holz.

Das schlimmste dabei: Angesichts des Preises dürfte die verkauften 911 R ihr Revier nicht auf den Passstraßen dieser Welt finden, wo sie hingehören. Sie werden leise vor sich hinschluchzend in Sammlergaragen stehen und darauf warten, in 10 Jahren das Doppelte wert zu sein.

Schade. Aber was für ein Auto!

Nachtrag, 9.3.2016

Wie Ihr schon den Kommentaren zu diesem Post entnehmen könnt, gibt es noch zwei wichtige Fakten zu ergänzen.

1. der 911 R wird zwar dick beworben, ist aber lange „vergriffen“. Das heißt, dass Ihr auch mit einem fettenfetten Sparschwein beim offiziellen Porsche-Händler nichts erreichen werdet. Der Wagen ist weg und steht demnächst in Spekulantengaragen.

2. einige offizielle Händler verweisen wohl bereits jetzt auf den entstehenden „Graumarkt“ für den Porsche 911 R. Und den habe ich kürzlich bei eBay entdeckt. Der bei eBay Kleinanzeigen verlangte Preis liegt nahezu beim Vierfachen der unverbindlichen Preisempfehlung von Porsche. Holla! Hier der Fotobeweis!

Porsche 911 R bei eBay Kleinanzeigen... 745.000 EUR - dafür bekäme man 4 Porsche 911 R, wenn man sie denn bekäme.

Porsche 911 R bei eBay Kleinanzeigen… 745.000 EUR – dafür bekäme man 4 Porsche 911 R, wenn man sie denn bekäme. (Quelle: eBay Kleinanzeigen https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anzeige/porsche-911r-991r-weiss-rot-2016/434226277-216-4304)

Alle Fotos: © 2016 Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

11 Comments

  • Als Porsche Liebhaber ärgere ich mich immer wieder über das „sehr spezielle Produktmarketing “ : es werden bei limitierten Modellen durch Pressekampagnen, Messepräsentationen, Porsche Webside und Konfigurator der Eindruck erweckt ich könnte als Normalo Kunde ein solches Fahrzeug kaufen – weit gefehlt: mein PZ konnte mir schon im November 2015 keine Reservierung eines R zusagen, da zu dem Zeitpunkt das Werk schon alle 911 Exemplare zugeteilt hatte! Dem Geschäftsführer bleibt lediglich der Hinweis , dass ich auf den „Graumarkt“ ausweichen und den Spekulationsaufschlag zahlen soll.
    Sehr ärgerlich , wenn man sich schon entschlossen hat so viel Geld zu investieren in wassergekühlten High Tech Fahrspass. Gleiches gilt für den GT 3 RS: Garagengold/ Spekulationsobjekt!
    Da lob ich mir mein F Modell : Wagen restauriert , wird gefahren und weiterverbessert – wenn er nicht weniger wert wird ist dies ein netter Nebeneffekt.

    Alles in allem nervt mich der Spekulationshype beim 11 er zunehmend- am deutlichsten sieht man das beim 993 turbo- Marktpreise von 150-300T€ sind einfach abartig!!!

    Nu denn – weitersuchen … und fahren

    Enjoy driving tastefully

    FH

    • Oh – ich wusste nicht, dass das so läuft auch wenn sich das ja mit etwas Nachdenken selbst zusammenreimen kann. Bei Ferrari war/ist es ja nichts anderes. Schade – wenn ich das Geld hätte, würde mich das auch sehr ärgern. Schließlich wird der Eindruck erweckt, man könne einen R mal eben noch so kaufen… Vielleicht klappt es beim nächsten mal! Und dann nimmst Du mich mal eine Runde mit bitte!

    • Na das ging ja fix : mehr als 300% Aufschlag im ersten Monat- das ist ja jetzt schon absurd. Artgerecht fahren wird man das Wägelchen dann wohl kaum mehr, da jeder km am Wertzuwachs knappert.
      Und eben deswegen bin ich auf eine Alternative ausgewichen – gerne bist Du zu einer soulful Ausfahrt hier bei uns in der Pfalz mit einem Abschlussweinchen eingeladen. Frei mi drauf…..

  • Frank hat leider völlig Recht.
    Der Blasenhype macht sehr viel kaputt…
    In freier Wildbahn sieht man diese schönen Fahrzeuge nie und ich glaube,
    dafür werden sie auch gar nicht mehr gebaut.

  • Für mich leider finanziell nicht drin, aber da bin ich wohl nicht der Einzige. Dennoch blutet einem doch da das Herz – solche edlen Geschosse gehören auf die Straßen und nicht in ‚Spekulantengaragen‘!!

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