1972 2.4 S Targa - Porschekauf in Holland

Porsche 911 S 2.4 Targa – Folge 10: Bestandsaufnahme

Die folgene Plus-Minus Liste ergab sich nach Besichtigung:

Positiv

  • Matching Numbers – siehe dazu aber weiter unten!
  • Geburtsurkunde von Porsche
  • kein sichtbarer Rost bis auf die zwei angekündigten Stellen
  • Spaltmaße nicht blendend aber ok
  • dicker Ordner mit Rechnungen – einschließlich Rechnung über eine Motorrevision für mehr als 5000,– € vor knapp zwei Jahren
  • neue Bremsen
  • Edelstahlwärmetauscher (!)
  • brauchbare und fast neue Reifen von Pirelli
  • neue Targadachdichtungen (kosten neu einen vierstelligen Betrag!)
  • gesamter Vorderwagen komplett neu eingeschweißt vor drei bis vier Jahren (Rückrüstung von G-Modell-Optik)
  • Tank innen entrostet und neu beschichtet
  • Originalaufkleber des italienischen Händlers auf der Heckscheibe
  • Wagen verliert kein Öl
  • Eigentümer fährt den Wagen behutsam warm bevor er mit viel Spaß Gas gibt. Ganz offensichtlich möchte er ihn eigentlich auch nicht wirklich abgeben. Der S hängt am Gas wie ein Jahreswagen. Pure Kraft – und dieser Sound!

Die Minuspunkte, die wir beim Kauf bereits bemerkt hatten

1. Allgemein

  • Anzahl der Vorbesitzer unbekannt
  • keine Historie des Wagens (wurde über holländischen Importeur aus Italien geholt)
  • Laufleistung nicht bekannt – ich gehe aber nach zwei Jahren mit dem Wagen von einer Laufleistung von mehr als 200.000 km aus

2. Karosserie

  • teils nicht originale und/oder überlackierte Schrauben
  • Lack an einigen Stellen nicht perfekt (Lacknasen/Läufer)
  • unter dem Lack blühender Rost an: Tür rechts vorn, Kofferraumkante, B-Säule rechts unterhalb des Targabügels
  • Ölklappe – Scharnier gebrochen

3. Mechanik und Verschleißteile

  • Kofferraumhaube – Dämpfer müssen erneuert werden
  • Türschloss Beifahrerseite ohne Funktion. Nicht mit dem Schlüssel zu öffnen
  • Motorhaube – Dämpfer müssen erneuert werden
  • Schaltung etwas unpräzise aber im Toleranzbereich
  • Stoßdämpfer sind nicht mehr gut und sollten ersetzt werden

4. Innenausstattung und Targadach

  • blaues Targadach und blaue Innenausstattung – nicht schlecht – aber halt nicht original – (unter uns: Kunstledersitze sind in egal welcher Farbe eine Pest), blaue Teppiche und Fußmatten
  • billige Filzteppiche im Kofferraum – nicht original
  • keine Recaros (dass ein Paar Recaros zur Zeit für ca. 5000,– Euro gehandelt werden, wusste ich zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht) – die originalen Sitze mit den blauen Bezügen sahen gut aus, waren aber ziemlich durchgesessen
  • kein Radio
  • Fahrersitz nicht nach vorn klappbar (wegen holländischer Gesetzgebung musste der Klappmechanismus modifiziert werden
  • nur eine Kopfstütze – aber eine originale – und zwar das seltenere Modell

5. Elektrik und Anzeigen

  • Öldruck-Anzeige niedrig – laut Experte aufgrund der hydraulischen Kettenspanner
  • nachträglich eingebaute elektronische Alarmanlage mit fieser LED Anzeige neben dem Zündschloss
  • Warnblinkschalter fehlt – dort war die LED für die Alarmanlage eingebaut
  • Zündschloss nicht original, der Wagen wird mit einem Minischlüssel gestartet, wie ich ihn von der Zündung meiner Vespas kenne. Wahrscheinlich stammt es aus einem Fiat. Lenkradschloss daher nicht vorhanden.
  • Masseschluss / Elektrikproblem beim Blinken – Blinkanzeigen blinken beide gleichzeitig, wenn es feucht ist

6. Zierteile

  • Scheibeneinfassungen in Chrom für Frontscheibe fehlt (für die Windschutzscheibe liegt ein Original originalverpackt dabei)
  • 2.4 Emblem auf Motorhaubengrill fehlt

Minuspunkte, die erst nach dem Kauf klar wurden
Bei den folgenden Punkten ist ganz gut ersichtlich, wie viele versteckte Mängel ein Elfer haben kann. Da sich die Beseitigung dieser Mängel nicht im Schnäppchenbereich realisieren lässt, kann man ungefähr erahnen, was den geneigten Käufer eines Oldtimerporsches erwartet.

Gravierende Mängel, die erst nach dem Kauf klar wurden

  • Getriebe an der Verschleissgrenze: Das war wahrscheinlich auch vom Experten nicht erkennbar, aber nur wenige hundert Kilometer nach Kauf machte das Getriebe schlapp und musste teilrevidiert werden. Dabei stellte sich heraus, dass das Magnesiumgehäuse des Getriebes ebenfalls unrettbar verbastelt war. Gesamtkosten der Aktion: Mehr als € 5000,–
  • keine matching numbers – dies war vom eigens mitgenommenen Experten bei der Besichtigung nicht bemerkt worden (!)
  • kein originaler Motor – die Motornummer ist herausgeschliffen, eine Phantasienummer ist per Hand eingeschlagen – auch hier versagte der Experte bei der Besichtigung

Weitere Mängel

  • Targadach mit schlechter Passung – zwar optisch gut in Schuss aber beim Beziehen wurden Fehler gemacht, unter anderem wurden Teile der Führungsstifte nachträglich „eingebraten“. Das Dach lässt sich nicht ausreichend tief in den Scheibenrahmen einrasten. Das führt dazu, dass über den Rahmen der Ausstellfenster ca. 0,5 bis 1 cm Luft bleiben. Grund dafür: Die vordere Targadichtung aus einem späteren Modell. Der Kurbelmechanismus wurde von einem der Vorbesitzer so modifiziert, dass sich die Scheiben höher kurbeln lassen, um den Spalt zu schließen
  • Gitter auf der Motorhaube links mit Bohrlöchern für ein nicht bekanntes Emblem versehen
  • Türtaschen (Klapptaschen) nicht montiert (liegen in gebrauchtem aber schlechtem und nicht komplettem Zustand ohne Chromverzierungen bei)
  • Zusatzschalter ohne sichtbare Funktion (Kippschalter) unterhalb des Rückstellers für den Tageskilometerzähler
  • Heckscheibenheizung funktioniert nur teilweise
  • Überlaufschlauch Benzin ist in den Kofferraum verlegt
  • „Schmugglerfach“ ist innen rostig – aber in vertretbarem Umfang
  • Unterfahrschutz / Abdeckung der Aufhängung (vorn) nicht vorhanden
  • Blinkerschalter: Plastikteil porös und zwei Wochen nach Kauf zerbröselt
  • Zündschloss (wie oben bereits beschrieben wahrscheinlich von Fiat) unterdimensioniert, die verwendeten Kabeldurchschnitte zu klein und der Anschluss zum geschalteten Plus wahrscheinlich bereits beim Kauf anagebrochen. Zwei Jahre später führte das zu erheblichen Anlassproblemen.
  • Scheibenwischerschalter: ebenfalls porös – muss kurzfristig ersetzt werden
  • Kofferraumleuchte nicht vorhanden (nicht klar ist mir, ob die Leuchte Standard war oder womöglich Sonderausstattung)
  • rechter Außenspiegel: Bohrung in der Tür vorhanden, Spiegel nicht
  • Dreipunktgurte (ab Werk waren wahrscheinlich REPA-Gurte als Sonderausstattung eingebaut) nicht mehr original
  • Sitzschiene auf der Beifahrerseite nicht mehr original und mit nur drei Schrauben in neugebohrten Löchern befestigt
  • Kleiderhaken in Fahrtrichtung links – Plastikteil über dem Haken fehlt
  • Porsche Schriftzug auf Motorklappe in Chrom statt in schwarz
  • 911 S Schriftzug original, aber schwarze Farbe abgeschmirgelt
  • Scheibenwischer: Äußere (und innere) Dichtungen auf den Wischerwellen fehlen. Dadurch quietschende Geräusche beim Wischen, linker Wischerarm verbogen, insgesamt scheint das Wischergestänge stark ausgeschlagen
  • Scheinwerferdichtungen sind nicht montiert – liegen aber im Handschuhfach
  • Scheinwerferaufnahme links offensichtlich durch Unfall leicht eingedrückt oder Lampentopf falsch eingeschweißt – Scheinwerferdichtung daher nicht montierbar, Lack im oberen Bereich der Lampenaufnahme gerissen (zu starker Zug durch Festschrauben des Scheinwerfers)
  • Scheibenrahmen oben links. Lack auf ca. 10cm gerissen (Spachtel??)
  • Lautsprecheraussparungen in beiden Türen mit brutalsten Mitteln (vielleicht mit Dynamit) um ca. 1/3 vergrößert – scharfkantige Grate hinter den Türverkleidungen
  • Kotflügel rechts zwar erneuert, aber offensichtlich innen nicht gegen Rost behandelt (nur grundiert und oberflächlich lackiert
  • rechte Tür im Bodenbereich: Unfachmännisch eingebratene Bleche, Rost durch schwarzen Unterbodenschutz und dauerelastische Dichtung verdeckt
  • Stehblech links hinten: Unter der Seitenverkleidung befindet sich ein ca. 30 cm langer, halbmondförmiger Schnitt – wahrscheinlich der untaugliche Versuch einer Lautsprechermontage
  • Türschloss Fahrerseite: Stift zum Entriegeln unfachmännisch repariert, das führte nach ca. zwei Jahren dazu, dass die Tür sich nicht mehr außen öffnen ließ

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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