Marktsituation

Porsche 911 S – Alternativen zum schnellsten Elfer – Folge 1: Sportwagen der sechziger und siebziger Jahre

Bei genauer Marktbeobachtung kann man schnell zu der Erkenntnis kommen, dass ein Porsche 911 S zu teuer ist. Sowohl in Relation zu anderen klassischen Porsche-Modellen als auch in Relation zu vergleichbaren Oldtimern anderer Marken. Über 45.000 € für einen Porsche 911 S 2.4 oder 911 S 2.2 Liter im Zustand „3“ sind viel Geld. Wenn dann noch mal zwischen 20.000,– und 40.000,–  € an Restaurierungskosten fließen, muss man schon schauen, wie man man nebenbei was noch für andere Hobbies übrigbleibt.

Ich habe mir daher die Frage gestellt, welche Alternativen es zum begehrten Klassiker Porsche 911 S gibt. Dabei habe ich natürlich zunächst bei Porsche selbst geschaut. Aber auch andere Hersteller haben in den sechziger und siebziger Jahren tolle Autos gebaut. Im folgenden meine natürlich subjektive Liste von Porsche 911 S Alternativen.

Porsche 911 T oder Porsche 911 E als Alternative zum Porsche 911 S
Sie sehen (fast) genauso aus wie ein S. Das einzige Manko auf den ersten Blick: Sie haben einen schwächeren Motor. Die nominell schwächeren 911er F-Modelle sind in Wirklichkeit besser als ihre Papierform. Insbesondere der 911 E steht dem S nach Meinung vieler Experten in der Leistung in nichts nach. Dafür kann er nach augenblicklicher Preislage mal locker 10.000,– bis  – 20.000,– billiger sein, als ein S in vergleichbarem Zustand. So jedenfalls mein Marktpreis-Eindruck, der immer ein wenig von den offiziellen Classic-Data Notierungen abweicht.

Der Porsche 911 T steht S und E im Fahrspaß ebenfalls in nichts nach. Insbesondere die Versionen  mit 2.4 Liter Maschine ziehen mit ihren 140 PS ordentlich was weg. Trotzdem bleibt beim T ein Manko: Die Preise werden immer den begehrteren E und S-Modellen hinterherhinken. Eine Vollrestauration „rechnet“ sich beim T noch nicht. Aber auch diese Zeiten werden kommen. Irgendwann. Und bis dahin hat man herrlich unvernünftigen Spaß. Kaufempfehlung!

Porsche 914 und 914/6
Der „Volksporsche“ ist noch immer Geschmackssache. Doch er hat sich längst zum sehr ernstzunehmenden Klassiker gemausert. Die praktische Toasterform mit Targa-Henkel findet zu Recht ihre Liebhaber. Und die Zeit der Schnäppchen ist vorbei. Wer es bunt liebt: Auch den 914 gibt es in geschmacksneutralen siebzigerjahre Schockfarben – bereit zur Ford Capri-Jagd auf der nächsten Crème 21 Rallye.

Aber – sind die 90 PS des Mittelmotorwägelchens überhaupt ernstzunehmen? Die Antwort lautet wohl ja – jedenfalls wenn man Insider fragt. Der 914 ist leicht und ein echtes Kurvenbiest. Nicht umsonst hat sich Porsche in den Siebzigern mit der Installation noch stärkerer Motoren im 914 zurückgehalten. Der Elfer hätte nicht nur im sportlichen Wettbewerb ganz schön dumm ausgesehen. Einmal haben die Zuffenhausener es allerdings getan und mit dem Porsche 914/6 den „RS unter den 914“ Modellen gebaut. Angetrieben vom Sechszylinder des Porsche 911 T. Eine echte Rakete. Leider haben das viele Enthusiasten bemerkt und die Autos sind nicht mehr zu bezahlen.

Fazit: Kaufempfehlung. Wer den Mythos Porsche fahren möchte und dabei auf die klassischen Formen des Elfers verzichten kann, kann sich ruhig einmal nach einem 914er Porsche umsehen. Auch beim 914 gilt: Das Angebot wirklich guter Fahrzeuge ist klein. Kein Kauf ohne Experten. Denn bei Mittelmotor-Autos wird schon mal an der regelmäßigen Pflege des Triebwerks gespart, weil man so schwer drankommt! Und rosten tut der 914 nicht weniger als ein Porsche 911.

Alternativen zum Porsche 911 S bei anderen Marken

Ferrari Dino
Ich gebe offen zu, dass der Dino mein Traum ist und in der Liste der günstigen Alternativen zum 911 S eigentlich nichts zu  suchen hat. Und ich gestehe, dass er das einzige Auto ist, für das ich an einem sehr schwachen Tag den Porsche eintauschen würde. Theoretisch. Was macht den Reiz der roten Flunder aus Maranello aus? Der Dino ist mit seinen 190 Sechszylinder PS ähnlich motorisiert wie ein Porsche 911 S 2.4. Damit hat es sich aber auch schon mit den Ähnlichkeiten. Den Rest muss man gesehen und vor Allem gehört haben. Wer gerade niemanden kennt, der seinen Dino für eine Runde um den See verleiht, dem empfehle ich das folgende Video. Ein toll gefilmter französischer Vergleichstest – Porsche 911 S 2.4 gegen Ferrari Dino.

Leider ist der Dino Stand 2011 in Preisregionen abgedriftet, für die man sich fast einen 911 2.7 RS leisten könnte. Schade. Aber ich musste ihn einfach mal erwähnen.

Fazit: Kaufempfehlung. Und wer einen hat – BITTE – ich würde gern mal mitfahren und biete dafür eine Ausfahrt im 911 S!

Renault Alpine A110
Mir fällt gerade auf, dass die Alternative, die ich im Kopf hatte, jedenfalls preislich gar keine sind. Denn auch der von Jean Rédélé so anbetungswürdig in schlumpfblaues Plastik gegossene Renault Alpine A110 kostet mittlerweile häufig so viel wie ein 911 S. Dafür gibt es kleine und kleinste Motörchen mit Nähmaschinencharakter aus der Renault Großserie gepaart mit ganz wenig Metall und noch weniger des oben erwähnten – meist blauen – Kunststoffes.

Der Clou des A110 ist das Gewicht. Das Auto wiegt mit 600 – 700 kg fast 400 kg (!) weniger als ein Porsche 911 F-Modell. Meine Güte. Dafür gibt es aber auch keinen Platz für Gepäck, keine Dämmung und keine Federwege, die der Rede wert wären. Aber was für ein tolles Auto. Der A110 hat nicht umsonst über Jahre hinweg den 911ern das Leben wirklich schwer gemacht. Zum Beispiel auf der Rally Monte-Carlo.

Fazit: Kaufempfehlung. Wer ernsthaft über den kleinen Renault nachdenkt, muss lange suchen und sollte auch hier in keinem Fall ohne Experten losgehen. Die Kunststoffkarosse hat der Franzose nämlich auf dem Rahmen festgeklebt. Viel Spaß bei der Restaurierung!

BMW 3.0 CSi
Ich bin noch „echte“ Alternativen schuldig. Zum Beispiel die BMWs der E9 Baureihe. Eigenständige und aggressive Optik, potente Motoren, geräumige Innenräume und brauchbare Kofferräume machen den 3.0 CSi und seine Kollegen zur „echten“ 911 S-Alternative. Insbesondere für solche Zeitgenossen, die den Klassiker auch einmal für die Urlaubsreise verwenden und sich nicht mit der Kulturtasche begnügen wollen. Die E9 sind bildschöne Gran Turismos und sehen – je nach Ausstattung innen deutlich wohnlicher aus, als ein 911 S. Natürlich sind die bis 1975 gebauten Wagen zeittypische Roster und Säufer. Aber darauf sollte man sich ohnehin einstellen, wenn man ein vierzig Jahre altes Auto erwirbt. Preislich liegen die schicken Coupés grob im Bereich erschwinglicher F-Modelle. Ausnahmen wie das „Batmobil“ bestätigen die Regel.

Fazit: Kaufempfehlung. Auch BMW hat seine Hochpreisklassiker.

Maserati Merak 3.0
Jetzt wird es exotisch. Der Merak wartet – wie Dino und 911 S – in der 3 Liter Version mit 190 Pferden auf. Er bietet ein sportliches, nicht zu extrovertiertes Äußeres sowie filigrane italienische Motorentechnik. Wermutstropfen: Rost macht auch vor großen Namen nicht halt. Und – große Namen sorgen für gesalzene Werkstatt- und Ersatzteilpreise. Noch dazu gilt es erst einmal jemanden zu finden, der sich mit einem 70er Jahre Maserati und seiner filigranen Technik auskennt. Da hat Porsche mit dem deutlich größeren Werkstattangebot – auch bei den freien Werkstätten – ganz klar die Nase vorn. Wie beim Porsche 911 S gilt natürlich auch beim Merak: Das beste Auto kaufen, das man für sein Budget bekommt.

Fazit: Bella Macchina! Kaufempfehlung. Beim Lieblingsitaliener gibt es außerdem garantiert einen Parkplatz direkt vor der Tür.

Weitere Alternativen? Mitfahrgelegenheit gesucht!
Die ist ein Blog 😉 – ich freue mich auf Kommentare und weitere Porsche 911 Alternativen aus den Sechzigern und Siebzigern!

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

4 Comments

  • Guten Tag,

    bei der Recherche zum Thema Ur-911er bin ich zwangsläufig auch auf Ihrer Seite gelandet.

    An dieser Stelle muss ich Ihnen unbedingt ein Kompliment für den tollen Aufbau und die gelungene Mischung aus emotionalen Beiträgen und Fakten machen. Vielen Dank hierfür!!

    Also, bitte weiter so…

    Seit kurzem bin ich Besitzer eines 911E Coupé, Modelljahr 1972, hellelfenbein. Europäische Auslieferung. Er befindet sich jetzt zum Durchchecken bei classic911 und ich hoffe auf eine günstige Prognose bzgl. anstehender Maßnahmen.

    Viele Grüße
    Christoph Haake

    • Hallo Herr Haake,
      vielen Dank fürs Lob – so macht die Arbeit gleich doppelt so viel Spaß! Glückwunsch zum Wagen – die 72er Ölklappe als Coupé wäre auch mein (Zweit-) Traumauto. Wenn Sie mit dem Wagen mal im Ruhrgebiet unterwegs sind, geben Sie einfach mal Bescheid. Den würde ich mir gern anschauen! Beste Grüße aus Essen!

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