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Porsche 911 S Werkstattausrüstung – Folge 1: Werkzeug

Erste Arbeiten am Porsche 911 S sind schon mit einem gut ausgestatteten Werkzeugkasten möglich. Aber welches Werkzeug benötigt man für die ersten Schraubversuche am klassischen Porsche 911 wirklich?

In den nächsten Blogeinträgen wird es um Werkzeug, Elektrogeräte und sonstige Werkstattausrüstung gehen, die sich in meiner Garage beim Schrauben am 911 S als unentbehrlich herausgestellt haben. Wie immer natürlich aus der Anfängerperspektive!

Billiges Werkzeug ist schlechtes Werkzeug.  Für mich ist dabei eins entscheidend: Wer chinesischen Billigkram kauft, bekommt oft schlechtere Qualität, vergiftet einen chinesischen Fluss (!) und sichert einen chinesischen Billigarbeitsplatz.

Kaufe ich etwas vom deutschen Hersteller, sichere ich auch einen deutschen Arbeitsplatz und habe Spaß mit einem qualitativ hervorragenden Produkt. Soweit mein Eindruck von political correctness beim Werkzeugkauf. Meine Vorliebe für Werkzeug des Remscheider Traditionsherstellers HAZET ist übrigens rein subjektiv. Wer Werkzeug kauft, kann auch Gedore oder andere Qualitätshersteller wählen.

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Im Folgenden meine Grundausstattung.

Knarrenkästen
Kein Rumschrauben ohne eine „Knarre“ mit entsprechenden Einsätzen. Im klassischen Porsche ist ein kleiner Knarrenkasten (1/4 Zoll) als Einstieg am sinnvollsten, denn die Arbeiten, die man selbst machen kann, sind häufig Arbeiten an unzugänglichen Stellen. So ist eine 1/4 Zoll-Knarre in Türen oder unter dem Armaturenbrett deutlich besser einsetzbar, als eine verhältnismäßig sperrige 1/2 Zoll Knarre. Im Einsatz bei mir:

  • Kleiner Knarrenkasten: Hazet 1/4 Zoll Knarrenkasten mit Schraubendreher-Einsätzen. Was für ein großartiges Werkzeug – den habe ich schon 12 Jahre und öffne ihn immer noch wie einen Schmuckkasten. Auch wegen der Schraubendreher-Einsätze und der Imbuseinsätze sehr praktisch – z.B. um unter dem Porsche 911 Armaturenbrett herumzuschrauben. Mit Verlängerungen und Gelenk ist er ideal dafür. Preis zur Zeit: ca. € 200,–.
  • Großer Knarrenkasten: Hier kommt bei mir noch Baumarkt-Müll zum Einsatz, den ich in meiner Jugend zusammengekauft hatte. Wenn ich zusammenrechne, was ich dafür zusammen bezahlt habe, hätte ich mir auch einen guten Kasten von Hazet, Gedore oder sonstiges Qualitätswerkzeug leisten können. Wird demnächst ersetzt durch einen Hazet-Kasten. Preis für einen 1/2 Zoll Kasten bei Hazet: ca. € 380,–.

Unerfahrene Schrauber müssen berücksichtigen, dass gerade eine feinverzahnte 1/4 Zoll Knarre kein Instrument zum „Festknallen“ von Schrauben und Muttern ist. Die Werkzeuge sind empfindlich und nehmen Schaden bei zu hohen Drehmomenten. Wenn also wirklich mal eine Schraube „richtig“ festgezogen werden muss, sollte man immer die Knarre gegen einen festen Antrieb (sog. „Vierkant Quergriff“) vertauschen. So ein Quergriff liegt fast jedem Knarrenkasten bei und hält mehr aus, als die Knarre. Zu hohe Drehmomente sollte man jedoch aus meiner Sicht bei allen Arbeiten am Auto vermeiden. Bei sicherheitsrelevanten Schraubverbindungen muss der Drehmomentschlüssel die Arbeit „mit Gefühl“ ersetzen.

Drehmomentschlüssel
Der Drehmomentschlüssel erlaubt das Festziehen von Schrauben und Muttern mit einem vorgegebenen Drehmoment. Gerade bei Porsche ist das wichtig, weil es viele geschraubte Verbindungen gibt, die brutales „Festknallen“ nicht vertragen. Auch hier kommt bei mir HAZET zum Einsatz. Ich habe mich für einen der günstigen Drehmomentschlüssel des Systems 5000 entschieden. Das Anzugsmoment beträgt 20 – 120 nM. Damit kann bis hin zur Aluradmutter der Fuchsfelge so ziemlich alles am klassischen Porsche festziehen. Wichtig übrigens für alle Anfänger wie mich: Der Schlüssel muss nach Benutzung wieder sofort auf Null zurückgestellt werden, da er sich sonst mit der Zeit verstellt. Bei Nichtbenutzung gut weglegen oder weghängen, damit der Schlüssel nicht auf den harten Werkstattboden fällt.

Maulschlüssel und Ringschlüssel bzw. „Knarren-Ring-Maulschlüssel“
Ein Satz Ring-/Maulschlüssel ist Standard. Weiter aufgerüstet habe ich mit  einem Satz „Knarren-Ring-Maulschlüsseln“ (so die Bezeichnung bei HAZET) bzw. „Schlüsselknarren“ (Gedore). Das ist ein Werkzeug, das es vor Kurzem noch gar nicht gab, das aber gerade für Arbeiten in unzugänglichen Bereichen genial ist. Die Schlüsselknarren sind Ringschlüssel mit einem Maulschlüssel auf der einen Seite und einem Ringschlüssel auf der anderen Seite. Der Ringschlüsselteil enthält eine integrierte Knarrenfunktion, die umschaltbar ist. So lassen sich Muttern und Maschinenschrauben ratschend lösen. Und zwar in Bereichen, in denen die Arbeit mit einer normalen Knarre aus Platzgründen nicht funktioniert. Wer schon mal am klassischen Elfer geschraubt hat, wird sowas zu schätzen wissen. Der Preis für einen Satz Schlüsselknarren (8 – 19) liegt bei ca. € 210,–. HAZET ist ca. 20% teurer als Gedore.

Schraubendreher
Ein möglichst breites Spektrum an Kreuz- und Schlitzdrehern erleichtert die Arbeit am Porsche 911 deutlich. Weil man bei Arbeiten am Oldtimer-Porsche auch mal eine festgegammelte Schraube herausdrehen muss, ist bei den Schraubendrehern die Qualität von Spitzen und Klingen besonders wichtig. Dazu kommt, dass sich der Dreher angenehm benutzen lässt – insbesondere wenn man viel Kraft aufwenden muss.  Der Schraubendreher-Satz, den ich einsetze, ist ein HAZET trinamic. Das sind qualitativ gute Schraubendreher. Leider mit einer für mich unbefriedigenden Haptik und Ergonomie. Die trinamic-Serie hat einen Griff aus recht hartem Kunststoff. Das führt insbesondere bei schweren Schraubarbeiten schnell zu Blasen (wir reden hier natürlich von Bürohocker-Händen!). Da sie nicht besonders teuer sind, werde ich in Kürze auf die etwas anders aufgebauten Hexanamic Schraubendreher von Hazet umsteigen. Offizieller Preis für einen Satz mit zehn Hexanamic Drehern: ca. 80,– Euro – der Straßenpreis liegt etwas drunter.

Inbusschlüssel
Inbusschlüssel – übrigens nicht „Imbusschlüssel“ – braucht man ebenfalls ab und an. Ich habe eine unüberschaubare Sammlung davon. Hersteller unbekannt und auch egal. Exot in der Sammlung ist der IKEA-Schlüssel, der man bei Billy-Regal und Co mitgeliefert bekommt. Nicht wegwerfen. Man kann ihn zum Beispiel beim Ausbau des Porsche Zündanlassschlosses gut gebrauchen!

Feilen

  • kleine Rundfeile – Hersteller unbekannt, gekauft im Baumarkt – insbesondere für Kleinkram an der Karrosserie ein praktischer Helfer
  • mittelgroße Flachfeile – Hersteller siehe oben – zum Entgraten und Beifeilen
  • große Flachfeile – Hersteller siehe oben – kam bei mir insbesondere bei der Reparatur des Türschließmechanismus zum Einsatz – s. dazu den entsprechenden Beitrag bei teil-der-maschine.de

Zangen und Seitenschneider

  • eine Kombizange habe ich – aber leider ein Billigteil, das mittlerweile extrem schwergängig ist. Ein Qualitätsteil von Knipex brauche ich noch – ohne gute Kombizange ist man aufgeschmissen – unabhängig vom Porsche-Schrauben
  • Rohrzange – ein Luxusteil von Knipex – möchte ich nicht entbehren
  • kleiner Seitenschneider – von Knipex – nach 15 Jahren im Einsatz nicht mehr wirklich scharf, trotzdem im täglichen Einsatz für alles mögliche
  • Mechanikerzange mit gewinkelten Backen (den Begriff musste ich nachgucken) – ebenfalls von Knipex – ein unentbehrliches Werkzeug, gerade bei Arbeiten in unzugänglichen Bereichen – man kann toll Dinge damit festhalten, während man etwas fest- oder abschraubt

Metallsäge
Eine gute Metallsäge habe ich immer als hilfreich empfunden – man braucht sie immer dann, wenn man sich kurz vorher ganz sicher war, dass sowas Quatsch ist. Zum Beispiel um eine festgegammelte Schraube abzusägen.

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

3 Comments

  • Da stimme ich dir zu. Wer bilig kauft, kauft halt doch teuer. Ich denke dass man zumindest bei den Werkzeugen die man regelmäßig im Gebrauch hat etwas mehr Geld in die Hand nehmen sollte, um damit auch lange Freude zu haben.

  • Richtig. Beim Schrauben an alten Karren mit oft widerspenstigen Schrauben gilt das bekannte „Wer billig kauft, kauft zweimal“ ganz besonders. In meinem erstem Porsche-Schrauberjahr ist mir das übliche Baumarktwerkzeug quasi in der Hand zerbröselt – nicht selten ohne mich dabei auch noch zu verletzten.

    • Man lernt nie aus. Interessant finde ich im Moment aber die Entwicklung, dass „deutsche“ Marken vermehrt ihr Markenwerkzeug im europäischen Ausland oder China herstellen lassen, weil sie sich dem Preisdruck nicht gewachsen fühlen. Das wird kurzfristig dazu führen, dass in diesen Ländern immer mehr Knowhow aufgebaut wird und immer besseres Werkzeug aus Billiglohnländern kommt. Unsere Marken werden dann irgendwann ganz verschwinden oder nach China verkauft. Die Mär von der schlechten Chinaqualität stimmt eh nicht mehr überall. Ich habe (anderer Bereich) letztes Jahr ein Carbon-Videostativ eines chinesischen Herstellers gekauft dessen Qualität überragend ist und keinen Vergleich mit den Top-Herstellern in Europa scheuen muss.

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