Marktsituation

Porsche Betrug Reloaded – Die Ölklappe des Dr. Sarenka (3)

Written by hansbahnhof

Um Teil 3 besser zu verstehen, empfehle ich dringend die Lektüre von Porsche Betrug Reloaded – Die Ölklappe des Dr. Sarenka (1) sowie Porsche Betrug Reloaded – Die Ölklappe des Dr. Sarenka (2).

Hinweis: Auch in diesem Blogpost finden sich Dokumente, die den Tatbestand der Urkundenfälschung erfüllen. Sie sind von mir zur Verhinderung weiterer Straftaten bearbeitet worden und stehen nur in geringer Auflösung zur Verfügung.
Sollten Sie Eigentümer der Fotos sein oder weitergehende Informationen zu den in diesem Beitrag publizierten Orten und Personen haben, freue ich mich über ein E-Mail unter hansbahnhof(at)teil-der-maschine.de!

Sarenkas Turbo Cabriolet

Während ich noch recherchiere, was Porsche-Freund und Berufsbetrüger „Dr. Nuuk Sarenka“ noch so alles im Internet treibt, bekomme ich erneut Nachricht aus Darmstadt.

Christoph informiert mich darüber, dass unser geldgieriger finnischer Freund in der Mittwochsausgabe des „Darmstädter Echo“ den nächsten Porsche inseriert hat. Und er hat sich wieder was ganz Seltenes ausgesucht.

Sehr gepflegtes Porsche Turbo Cabriolet direkt vom Betrüger Sarenka. Nicht, dass er einen der seltenen Turbos besäße.

„Sehr gepflegtes klassisches Porsche 911 930 Turbo Cabriolet, Schwarz-Schwarz,
deutsches Fahrzeug, 221 kW (300 PS), 63.120 km, EZ 02/1988, TOP ZUSTAND,
absolute Vollausstattung, kein Rost, VB 34.400 €, für Rückfragen melden Sie
sich bitte unter: austrupberthold@gmail.com.“

Ich kontaktiere das Darmstädter Echo per Mail und bekomme postwendend einen Rückruf von Frau Biedert, Bereichsleitung Auftragsmanagement VRM Media.

Das Problem sei bekannt und der Verlag versuche, schon vor Publizierung einer Anzeige faule Eier zu identifizieren: „Wir sondieren die Anzeigen soweit möglich auf Schlüssigkeit, vergleichen auch mal Marktpreise und lehnen viele Anzeigen komplett ab. Der orangene Porsche ist uns durchgerutscht. Das schlechte Deutsch und der unrealistische Preis würden normalerweise bei uns auffallen.“

Die Anzeigen würden in der Regel mit gestohlenen oder erfundenen Identitäten aufgegeben. „Da fällt es dann erst dann auf, wenn der Kunde fragt, warum wir denn Kosten für eine Anzeige vom Konto abgebucht haben. Das erstatten wir natürlich sofort zurück.“

Da die Schäden in der Regel minimal sind, wird von Seiten des Verlages nur selten die Polizei informiert: „Das rechnet sich angesichts der geringen Schadenssumme kaum – eine Anzeige kostet so um die 10 Euro und die Betrüger verstecken sich hinter anonymen GMX- oder Google-Mailkonten, die ohne Identitätsprüfung zu tausenden eröffnet werden. Die Hintermänner sind kaum zu ermitteln.“

Die TDM-Anfrage hat aber einen positiven Effekt: Sarenka hatte „seinen“ Porsche Turbo auch für folgende Ausgaben des Darmstädter Echos gebucht. „Die Anzeige wird natürlich jetzt nicht mehr erscheinen“, versichert Frau Biedert.

Und noch ein Turbo Cabrio

Sarenka kann das relativ egal sein. Er schaltet derweil weiter Anzeigen. Auch in Finnland – diesmal bescheiden als „Nuuk Sarenka“ und ohne Doktortitel. Wieder spielt ein Hochpreisklassiker von Porsche den Köder.

Sarenkas seltenes Porsche Turbo Cabriolet zum Schnapperpreis bei findit.fi – eine Anzeige von Ende Juli 2019

Die aufgerufenen 37.200 Euro sind natürlich ein absoluter Schnapperpreis für einen der wenigen gebauten offenen Turbos. Auch hier dürfte so mancher Garagengoldinvestor panisch zuschlagen und alle Vorsicht über Bord werfen.

Noch ein paar Fotos vom schicken Turbo gefällig? Hier sind sie – und so ein Auto kostet immer sechsstellige Eurobeträge, wenn es denn überhaupt verkauft wird.

 

Sarenka aka Heino aka Ensio aka Leirvik aka Kraani …

Für Sarenka lohnt sich die Arbeit mit den Kleinanzeigen – sonst würde er es nicht machen. Um nicht ganz so schnell aufzufliegen, agiert er unter anderem unter folgenden Pseudonymen:

  • Aleksi Heino (Quelle: https://www.signal-arnaques.com/de/scam/view/143995)
  • Henrik Ensio (Quelle: https://www.signal-arnaques.com/de/scam/view/143995)
  • Christian Leirvik (Quelle: (https://www.motor-talk.de/forum/betrugsversuch-privater-verkauf-aus-norwegen-t6402984.html?page=2)
  • Aren Kraani Narkens (Quelle: https://www.motor-talk.de/forum/betrugsversuch-privater-verkauf-aus-norwegen-t6402984.html?page=3)
  • Hannu Tapiu Ripatti (Quelle: https://www.motor-talk.de/forum/betrugsversuch-privater-verkauf-aus-norwegen-t6402984.html?page=3)

Natürlich hat Sarenka dafür auch sein Photoshop bemüht. Die Fakes sind schauerlich, wirken aber offensichtlich bei einigen Betrugsopfern.

Der Doktor unter einem seiner Pseudonyme „Aren Kraani Narkens“

 

Hannu Tapio Ripatti hat ebenfalls eine auffallende Ähnlichkeit mit Sarenka – Hannu verkauft seinen Wohnwagen

 

Sarenka aka Aleksi Heino – guck an.

Zu den Dingen, die verkauft und vermietet werden sollen, zählen neben dem Porsche 911 S und dem Turbo Cabriolet in unterschiedlichen Farben …

  • Kia Sportage
  • Skoda Superb 2009
  • VW Bus T2 (aus Norwegen)
  • Wohnanhänger
  • ein Appartment in Spanien

Und das ist mir sehr großer Wahrscheinlichkeit nur die Spitze des Eisbergs.

Sarenkas Spedition: Manfreight Cargo

Um noch authentischer zu wirken hat Sarenka übrigens direkt mehrere „Speditionen“ an der Angel. Davon einige sogar mit eigener Website

  • cora-logistics.com (Quelle: https://www.signal-arnaques.com/de/scam/view/143995) und gerade aktuell und aufwändig gestaltet
  • manfreight-cargo.com (Quelle: https://www.signal-arnaques.com/de/scam/view/143995)

Spannend sind übrigens die AGBs der Spedition „Manfreight Cargo“ (manfreight-cargo.com), die sich lesen, wie die umfangreichen Transaktionsbeschreibungen von „Sarenka“ in der E-Mail Kommunikation. Sie dienen ausschließlich dazu, potentielle Kunden von der Seriosität der Transaktion und der Sicherheit ihres Geldes zu überzeugen.

„Manfreight Cargo“ ist gar keine Spedition: Die Website dient ausschließlich betrügerischen Projekten des sauberen Herrn Sarenka: Screenshot aus https://www.manfreight-cargo.com/de/agb.html

Dass „Manfreight Cargo“ nur zu Betrugszwecken eingerichtet wurde, ahne nicht nur ich. Ein paar Links gefällig?

  • https://scamwarners.com/forum/viewtopic.php?f=10&p=392286
  • https://apility.io/search/manfreight-cargo.com

Fazit

Man könnte wochenlang weiterrecherchieren und würde immer neue Sarenka-Betrugsversuche finden.

Das Ausmaß der  Aktivitäten lässt darauf schließen, dass meine ursprüngliche Theorie des Einzeltäters nicht stimmen kann. Eher handelt es sich wohl um eine Gruppe von osteuropäischen Betrügern, die mit der Sache ganz anständig verdienen.

Erleuchtend ist dazu die Betrugsdatenbank signal-arnaques.com. Die dort genannten Schadenssummen von Opfern, die der Sarenka-Bande auf den Leim gegangen sind, liegen allesamt im vierstelligen Eurobereich. Keine Peanuts also.

Und jetzt? Ich gebe die Sache nach Abschluss dieser Artikelserie an die Polizei und erstatte Anzeige. Ob es hilft?

Nein natürlich nicht: Denn so lange sich Betrüger wie die Sarenka-Bande hinter anonymen E-Mail-Adressen, anonym gekauften Pre-Paid Handykarten und anonymen Finanztransaktionen verstecken können, werden sie im Internet aktiv und erfolgreich sein. Hier müssen Gesetze her, die eine zügige Verfolgung von Internetaktitäten auch bei kleineren Betrügereien sicherstellen ohne die Polizei zu überlasten. Sinnvoll wäre eine europäische oder sogar weltweit agierende Behörde, denn die Drahtzieher von Internetbetrug sitzen natürlich nie „um die Ecke“, was die Sache verkompliziert. Wir alle werden und sollten dafür etwas Datenschutz opfern. Sonst trifft die nächste noch schlauer geplante Betrugsaktion uns, unsere Eltern oder unsere Kinder. Meine Meinung.

 

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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