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Porsche Carrera RS – Das Buch (Buchkritik) (Interview)

Written by hansbahnhof

Wer sich stets geweigert hat, 1.500 EUR für eine gebrauchtes Exemplar des Porschebuch-Klassikers „Carrera RS“ auszugeben, sieht nun Licht am Ende des Autobahntunnels. Konradsheim und Gruber haben das Buch überarbeitet. Lohnt sich der Kauf des Hochpreis-Buches über den Hochpreisklassiker?

Porsche Carrera RS. Eine legendäre und unerreichbare Ikone unter den Porsche Oldtimern. Der erste Serienporsche mit mehr als 200 PS. Leicht, sportlich, alltagstauglich und leider nicht mehr bezahlbar, findet sich der RS 2.7 heute deutlich häufiger in Museen als auf der Straße wieder.

Grund genug, ein dickes Überporsche-Buch zu schreiben. Dr. Thomas Gruber und Dr. Georg Konradsheim haben das bereits vor mehr als 20 Jahren getan und damit das Standardwerk zum RS auf den Markt gebracht. Die erste limitierte Auflage ist seit vielen Jahren vergriffen. Für gute Exemplare werden auf eBay und Co schon mal bis zu 3000,– EUR verlangt. Höchste Zeit also für eine Überarbeitung des kiloschweren Klassikers über den Klassiker.

Fast 3000,-- EUR für ein gebrauchtes Buch??? Dann besser das neue "Carrera RS" von Gruber und Konradsheim kaufen.

Fast 3000,– EUR für ein gebrauchtes Buch??? (Quelle: eurobuch.com) – dann vielleicht doch besser das nun neu erschienene und überarbeitete „Carrera RS“ von Gruber und Konradsheim kaufen.

Konradsheim und Gruber haben sich dafür drei Jahre Zeit genommen und versprechen für das neue RS-Buch noch mehr neu recherchierte Fakten und viel neues Fotomaterial.

Ich habe mich auf der Techno Classica mit Christoph Mäder unterhalten, der für Grafik und Layout des aktualisierten Porsche RS-Wälzers zuständig war. Hier ist das Interview.

4 Kilogramm Porsche Carrera RS

„Carrera RS“ ziert das schwerlastfähige Bücherregal des Porsche Fanatikers in den Farben signalgelb (Schuber) und sepiabraun (Einband). Damit greift das Team des T.A.G. Verlages wie schon bei der ersten Ausgabe auf Farben der damaligen Porsche-Farbpalette zurück. Die Farbgebung gilt übrigens nur für die deutsche Version des RS-Buches. Bei der englischen Variante ist das Buch gelb und der Schuber braun!

Innen findet sich Porsche-Lesestoff für mehrere Tage und Nächte. 434 Seiten haben die Autoren mit akribisch recherchierten Informationen zum RS gefüllt. Das sind 178 Seiten mehr, als beim Vorgänger, wobei es durch das Wegfallen zahlreicher Seiten der ersten Ausgabe – z.B. über RS Modellautos – sogar noch mehr neues Material zu lesen und zu sehen gibt.

Alles drin

Das Buch beginnt mit der „Carrera Panamericana“ als Namensgeber des RS und streift dann die vierrädrigen Vorgänger des RS einschließlich des raren Porsche 916.

Im Folgenden erfährt man dann alles über Entwicklung, Produktion, Technik, Modelle und Ausstattungen sowie Sondermodelle, Presse & Marketing und den RS im Sport. Eine Liste sämtlicher gebauter Carrera RS einschließlich Ausstattungsoptionen sowie eine Übersicht über Bedienungsanleitungen, Homologationspapiere, Kundendienstinformationen etc. runden das Buch ab.

Last but not least: Eine Übersicht über sämtliche Farben und Sonderfarben auf einer Ausklappseite erleichtert die Farbwahl für diejenigen, die 500.000 bis 1.000.000 EUR für einen RS übrig haben und sich nicht entscheiden können. Meine Lieblingsfarbe ist ja nach wie vor weiß mit blauen Carrera-Schriftzügen.

Kein Schiebedach für Japan

Der Detaillierungsgrad der Informationen ist dabei enorm. So erfahrt Ihr auf Seite 378, dass die Japaner 13 RS kauften. Keines der Autos hatte ein Schiebedach. Die Portugiesen hingegen gingen steil auf Frischluft-RS: 100% der 12 in Portugal verkauften RS konnten bei gutem Wetter geöffnet werden. Mehr Details gehen nicht – und das Buch ist gespickt mit Informationen, deren Recherche Tage und Nächte gedauert haben dürfte. So listen die Autoren zum Beispiel sämtliche Modelländerungen auf, die während der Produktion zur Optimierung der Fahrzeuge vorgenommen wurden. „12.12.1972 – Schalthebelunterteil wird jetzt karbonnitriert“.

Neue alte Fotos

Doch was wäre die blanke Information ohne Fotos und Illustrationen? Das Buch ist voll damit. Bekanntes, aber auch sehr viel unbekanntes Material. Gruber und Konradsheim haben hunderte neue alte Fotos von offiziellen Fotografen und anderen Zeitzeugen der Entstehung des RS aufgetrieben.

Das war, so Christoph Mäder im Interview, gar nicht so einfach. So finden sich neben den offiziellen Fotos, Fotos von der Produktion, der Lackierung und Auslieferungsfotos aus Familienalben stolzer RS-Käufer. Darunter Fritz Wepper, Uli Hoeneß und Herbert von Karajan.

Fazit von Teil der Maschine

Ein schwergewichtiges Porsche-Buch zum einem der leichtgewichtigsten Elfer ever. Handwerklich perfekt gemacht, toll gestaltet, vollgepackt mit raren Infos, akribisch recherchiert und ausgestattet mit zahlreichen, großteils nicht veröffentlichten Fotos. „Carrera RS“ ist kein Kaffetischbuch mit bunten Porsche-Bildchen zum schnellen Durchblättern. Es ist eine ernstzunehmende und detaillierte Dokumentation über den RS und seine Entstehungsgeschichte. Seltene und schöne Fotos inklusive. Was braucht man mehr? Wer einen RS hat, einen kaufen möchte oder davon träumt, kommt um das sepiabraune Mammutwerk nicht herum.

Wermutstropfen: Der Preis für eines der auf 3.000 Stück limitierten Exemplare ist eine Ansage. Andererseits: Verglichen mit den oft dürftigen Informationen in so manch anderen dicken Porschewälzer halte ich ihn für absolut gerechtfertigt. Wer „Carrera RS“ hat, wird nie wieder ein anderes Carrera RS-Buch brauchen. Falls sich überhaupt jemals jemand trauen sollte, ein weiteres Buch zum Thema zu schreiben.

Wie üblich bei TDM noch die Einschätzung zur Badewannentauglichkeit: Aufgrund des Gewichtes und des hohen Kaufpreises ist das Buch nicht für das Lesen in der Badewanne geeignet! Man kann nicht alles haben.

Bleibt eine Bitte an die Autoren: Wenn die Herren sich die Mühe machen würden, ein vergleichbares Buch über die übrigen Porsche F-Modelle und ihre Ausstattungsvarianten zu schreiben, schlage ich zu. Und ich wäre sicher nicht der Einzige.

Hinweis: Das Buch wurde mir vom T.A.G Verlag zur Verfügung gestellt. Meine Meinung über das Buch wurde dadurch nicht beeinflusst.

  • Autor: Dr. Thomas Gruber / Dr. Georg Konradsheim
  • Grafik / Layout: Christoph Mäder
  • Gebundene Ausgabe: 434 Seiten, Leinenbezogener Schuber, über 1.000 Bilder und Illustrationen
  • Limitiert auf: 3.000 Exemplare
  • Verlag: T.A.G. Verlag GmbH, Kohlmarkt 5, 1010 Wien, Österreich – https://www.tag-books.com
  • Sprache: Deutsch oder Englisch erhältlich
  • ISBN: –
  • Größe:  25,7 x 29,9 cm
  • Gewicht: 4 kg (inkl. Schuber)
  • Preis: 438,– EUR

 

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

2 Comments

  • Ein paar Präzisierungen von meiner Seite als Interviewgast:
    _ es waren 55 RSRs (und nicht 56)
    _ seltener als die RSRs ist das Homologationsmodell mit den schmalen 165er Reifen (17 Stück)
    _ der Porsche-Fotograf und -Grafikdesigner ist natürlich Erich Strenger (und nicht Ernst)
    Viele Grüße,
    Christoph Mäder

    • Hallo Christoph, das war mir jetzt nicht aufgefallen, aber die Experten merken ja alles. Dir noch mal Danke fürs Interview und bis zum nächsten Buch (über Porsche F-Modelle 1963 – 1973 und ihre Ausstattungsvarianten??)

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