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Porsche Modell 901 / 911 von TSM im Maßstab 1:12 (Video)

Written by hansbahnhof

Das letzte Modellauto, das ich gekauft habe war ein roter Alfa 8C Monza von Bburago. Den muss ich irgendwann in den Achtzigern erworben haben. Warum weiß ich nicht mehr. Mehr als 25 Jahre später habe ich einen zweiten unsinnigen Staubfänger erworben. Einen Porsche 901 im Maßstab 1:12.

Die Achtziger waren eine Zeit, in der Spielzeughersteller erstmals Erwachsene als Kunden für Modellautos ausgemacht hatten. Das war schlau. Denn Erwachsene sind eine zahlungskräftige Klientel, die einerseits Statement Pieces für Schreibtisch oder Vitrine suchte und andererseits auch für eine dezent gesteuerte Verknappung des Angebotes zu begeistern waren. So sammelte man damals „seltene“ Bburago Modelle genauso wie limitierte Swatch Uhren oder Ü-Eier Figuren. Je nach Intelligenzgrad.

25 Jahre später bekomme ich fast täglich eine „seltene“ Modellautosammlung angeboten. Oft sind es besagte Bburagos oder vergleichbare Modelle unterschiedlichster Provenienz im Maßstab 1:18 oder 1:24. Und meist ist die Passion für die langweiligen Stehrümchen den Sammlern offensichtlich über den Kopf gewachsen. Der erwartete Wertzuwachs ist beim Gros der Minis übrigens ausgeblieben. Ach.

Wie ich zu lange um den Porsche 901 von CMC herumrannte

Meine Begeisterung für die unsinnigen vierrädrigen Staubfänger hält sich – Ihr ahnt es jetzt – in Grenzen.

Das änderte sich vor einigen Jahren, als der deutsche Hersteller CMC (www.cmc-modelcars.de) das Modell des Porsche 901 im Maßstab 1:18 herausbrachte. Die CMC-Version des Porsche 901 in elfenbeinweiß entsprach fast exakt meinem 1965er Porsche 911 (hier ist seine Geschichte für die unter Euch, die sie noch nicht kennen) und mich reizte es schon, eine 100-Prozent Kopie von „Jerry“ auf den Schreibtisch zu stellen.

Das CMC-Modell des frühen Porsche 911 begeistert insbesondere durch seinen hohen Detaillierungsgrad. Eine Begeisterung, die von der Modellauto-Szene geteilt wird. Den nachstehenden Film möchte ich Euch daher nicht vorenthalten. Niemand kann ein Modellauto mit so viel Verve feiern, wie ein Amerikaner – hier Joe Kelly jr. von „Heavy Metal Models“. Sehenswert.

Der CMC 901 spukte mir lange im Kopf herum. Obwohl ich sonst Bauchentscheider bin, konnte ich mich aber nicht dazu durchringen, einen sinnlosen Staubfänger für deutlich über 200,– EUR zu kaufen. Detailgetreu oder nicht. Als ich dann soweit war, die Summe zu investieren, kam der Schreck: Der Wagen war in elfenbeinweiß nicht mehr zu kriegen. Und die wenigen Angebote lagen plötzlich deutlich über dem vom Hersteller vorgegebenen Verkaufspreis. Fast 400,– EUR sollte der elfenbeinweiße nun kosten. Geht´s noch?

Eine Nachfrage auf der Techno Classica vor zwei Jahren ergab dann, dass CMC nicht vorhatte, den Wagen noch einmal neu aufzulegen. Es war also zu spät und für 400,– EUR kaufe ich lieber ein paar gute Schuhe oder etwas anderes Sinnvolles.

Der TSM Porsche 901

Im November 2014 bekam ich dann Wind von einer Ankündigung, die spannend klang. Der Hersteller TSM (http://www.tsm-models.com) plante ein Modell des Porsche 901 im Maßstab 1:12.

TSM Porsche 901 / 911 in voller Größe: Imposant

TSM Porsche 901 / 911 in voller Größe: Imposant und detailgetreu von Außen

Das bedeutet, dass das Porsche-Modell fast 40 cm lang ist. Der angekündigte Preis von 350 Dollar war jedoch happig. Der 901 war für „2015“ angekündigt. Wann genau, war nicht zu erfahren. Auch nicht vom Hersteller, der auf meine Mailanfrage nicht reagierte.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als zu warten.

Vor einigen Tagen war es dann soweit. Das limitierte Porsche 901-Modell tauchte bei „Kleine Klassiker“ in München (http://www.kleine-klassiker.de) als verfügbar im Shop auf. Der Preis: 324,– EUR. Puh. Doch aus verschiedenen Gründen war mir das jetzt mal egal.

Die kleinen Viking-Modelle kennt Ihr noch von Eurer Eisenbahn. Hier mal im Vergleich mit dem riesigen TSM.

Die kleinen Viking-Modelle kennt Ihr noch von Eurer Eisenbahn. Hier mal im Vergleich mit dem riesigen TSM.

Da die Jungs von „Kleine Klassiker“ mich bereits einmal freundlich am Telefon beraten hatten, ging die Bestellung raus. Ich mag Beratung. Einige Tage später kam der Modell-Porsche-901 an. Gut verpackt mit der Post. Zeit für einen Mini-Auto-Test.

Der TSM Porsche 911 / Porsche 901 im TDM Video-Test (Unboxing)

Damit Ihr einen noch besseren Eindruck des Modells bekommt, habe ich Euch ein detailliertes Unboxing zusammengefilmt. Viel Spaß!

Ein Zuffenhausener aus China

Der TSM Porsche 901 wird in China hergestellt. Der Unternehmen selbst ist in Hong-Kong ansässig und agiert über nationale Vertriebspartner in den einzelnen Ländern. Die Illusion, dass so ein aufwändiges Modell zu einem vertretbaren Preis in Europa hergestellt werden kann, macht sich ja nun auch ernsthaft niemand mehr. Für alle Rechtsanwälte und andere nervöse Zeitgenossen zur Beruhigung: Der TSM wird in Lizenz der Porsche AG hergestellt. Man muss sich also keine Sorgen machen, dass plötzlich ein Anwalt vor der Vitrine steht und das Modell einsackt.

Ob der Kauf eines Automodells aus China angesichts der in China üblichen Umwelt- und Produktionsstandards politisch opportun ist, muss jeder mit sich selbst ausmachen. Ich habe in diesem Fall mal auf Political Correctness gepfiffen und mangels Alternative darüber hinweggesehen, unter welchen Bedingungen in China normalerweise produziert wird. Wer sich mit dem Thema noch nie beschäftigt hat, dem möchte ich den folgenden Beitrag über die Jeansproduktion in China – https://youtu.be/eiND1b1CtVQ ans Herz legen. Lohnenswert!

Die Box

Der TSM Porsche 911 befindet sich in einer imposant großen Box aus dünnem grauen Karton. Der Karton umschließt eine Styropor-Verpackung, die aussieht, wie ein Iglu-Baustein. Das ist nicht schön, dient aber dem Schutz des kleinen Zuffenhauseners. Ich kann gut damit leben.

In der Box  befindet sich das Auto – gut eingewickelt in Folie und anderes schützendes Zeugs. Außerdem hat die Box eine kleine Aussparung, in der sich ein winziges durchsichtiges Tütchen befindet. Im Tütchen ist – nein kein weißes Pulver – es enthält kleine Porsche Aufkleber. Keine Ahnung wofür. Aber Porsche Aufkleber im Format 3×4 Millimeter nehmen ja jetzt auch keinen Platz weg. Man könnte sie mal spaßeshalber auf die Schneidezähne kleben. Spaß beseite.

Pluspunkte außen

Das Ding hat Gewicht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Küchenwaage der Frau zeigt imposante 1,7 Kilogramm an. Das ist dem Material Resine geschuldet und natürlich den Ausmaßen des Modells. Was für ein Riesending. Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, gab es noch nie ein Modell des Porsche 901 in dieser Größe. Der Wagen ist fast 40 cm lang.

Schön detailgetreu. Die Rücklichter des 901 / 911 gefallen mir gut.

Schön detailgetreu. Die Rücklichter des 901 / 911 gefallen mir gut.

Wichtigster Aspekt beim Porsche 911 / 901 sind die Proportionen. Der Elfer besteht nunmal hauptsächlich aus sanften Kurven, an denen Butzi und sein Team lange herumgefeilt haben. Versagt hier der Formenbauer auch nur in kleinen Details, gibt es ein Desaster. Die Herausforderung hat TSM perfekt gelöst. Für die Gesamtoptik und die Linien gibt es eine glatte „1“.

Und weil´s so schön ist hier das Modell von hinten.

Und weil´s so schön ist hier das Modell von hinten.

Bei den Details im Außenbereich gefallen mir besonders Blinker, Nebelscheinwerfer und Rückleuchteneinheiten. Hier stimmt die Optik. Anders übrigens als beim CMC, der sich gerade in diesen Bereichen überraschend klobig gibt. Schön detailliert sind auch die Türgriffe mit ihren schwarzen Dichtungen und die Dachentlüftung (!). Das ist nah am Original. Klasse.

Türgriffe. Nah am Porsche-Original.

Türgriffe. Nah am Porsche-Original.

Minuspunkte außen – Kritik auf hohem Niveau

Andere Details im Außenbereich sind weniger stimmig. Das Haubenemblem klebt etwas schief auf seinem Platz. Die Spritzwasserdüsen sind nicht besonders detailliert, die Scheibenwischer vorn und hinten (!) schreien „Plastik“. Das Nummernschild mit dem „911“ Logo verdient den Namen „Kuchenblech“. Es ist viel zu groß. Die Lemmerz/KPZ Felgen entsprechen nur vordergründig den Originalen. Die Lochung ist deutlich zu rund. Bei KPZ oder Lemmerz-Felgen sind die Löcher viel länglicher.

Lemmerz oder Kronprinz (KPZ) Felgen sahen anders aus: Kritik auf hohem Niveau ist bei dem Preis angebracht.

Lemmerz oder Kronprinz (KPZ) Felgen sahen anders aus: Kritik auf hohem Niveau ist bei dem Preis angebracht.

Sind all diese Details Kritik auf hohem Niveau, so ist doch ein wesentlicher Minuspunkt zu nennen: Bei der Farbe der elfenbeinweißen Version haben sich die chinesischen Lackierer nämlich leider vergriffen. Die Schattierung geht deutlich zu sehr ins beige- bzw. gelbe. Ich war jedoch darauf gefasst, dass das so kommen würde, weil der TSM Porsche 901 auf den offiziellen Fotos bereits sehr gelblich herüberkommt. Zum Trost für Originalitätsfanatiker: So gelb, wie er auf den Herstellerfotos daherkommt, ist er dann doch nicht. Mir war die genaue Farbe relativ egal, weil ich (insgeheim) überlege, den Wagen nach seinem Vorbild Jerry (meinem 65er 911) in der seltenen Porschefarbe „Togobraun“ umzulackieren. Ein Frevel bei einem limitierten Modell. Ich weiß.

Sehen nach Plastik aus. Porsche 911 Scheibenwischer.

Sehen nach Plastik aus. Porsche 911 Scheibenwischer.

Der TSM Porsche 901 ist ein sogenanntes „Resinemodell“. Es besteht aus einem Kunstharz, das sich insbesondere für Kleinserien immer mehr durchsetzt. Lesenswert zum Thema: http://www.sueddeutsche.de/auto/modellautos-aus-kunstharz-resine-das-grosse-muss-ins-kleine-1.1847474

Automodelle aus Resine haben gegenüber Metallmodellen wie dem CMC-Porsche 901 den Nachteil, dass es nur wenige bewegliche Teile gibt.

Lassen sich beim CMC die Türen öffnen, der Motor anschauen und Details im Kofferraum inspizieren, so ist das beim TSM nicht möglich. Ok – die Räder drehen unwillig auf ihrer Starrachse und man kann den Wagen (leise quietschend) geradeaus über den Schreibtisch schieben. Das war´s. Der CMC 901 macht da deutlich mehr Spaß, weil er bis hin zu Motordetails oder der Fahrgestellnummer kleinste Details authentisch abbildet.

Pluspunkte innen – überschaubar

Der Detaillierungsgrad im Porsche-Innenraum ist deutlich geringer, als der Außen. An die Details des CMC kommt TSM nicht ansatzweise heran. Trotzdem sind Details wie das „911“ Zeichen auf dem Handschuhfach, die Chrombeschläge der Sitze und das Radio erkennbar und ausgearbeitet. Da sich die Türen des TSM nicht öffnen lassen, war viel mehr aber auch nicht wirklich nötig.

"Pepita"-Sitze mit Karomuster. Das müsste für den Preis näher am Original sein!

„Pepita“-Sitze mit Karomuster. Das müsste für den Preis näher am Original sein!

Minuspunkte innen – noch ein Faux-Pas

Ein gravierender Faux-Pas ist das Pepitamuster der Sitze. Das war wohl zu schwierig zu reproduzieren. TSM hat sich daher entschlossen, die Sitze mit einem Karomuster zu verkleiden, das es so nie im Porsche 901 / 911 gab. Angesichts des extrem hohen Preises sehr schade und ganz sicher eine Konzession an die Herstellungskosten. Der chinesische 901 besitzt zudem nicht korrekte Rücksitze in „Karo-Pepita“. Das gab es so nicht. Man hätte hier beim originalen schwarz bleiben können. Insgesamt kein Vergleich mit den aufwändig gearbeiteten Innenausstattungen der CMC-Modelle.

 

Minuspunkte Unterboden

Der Unterboden ist nur in wenigen Details ausgearbeitet. Das ist gar kein Vergleich mit den sehr aufwändigen CMC-Modellen und fast schon enttäuschend. Also besser nicht umdrehen.

Verarbeitungsqualität

Die Verarbeitungsqualität ist bis auf das schief aufgeklebte Porsche-Logo, eine Ausstellscheibe hinten (Spiel, nicht richtig festgeklebt) und das für den Preis sehr primitive „Fahrwerk“ aus Starrachsen nicht zu bemängeln. Die Lackierung ist ok. Ein paar kleine Klebstofffäden (?) im Innenraum trüben das Bild minimal.

Weitere Farben

TSM bietet den 901 übrigens noch in zwei weiteren Farben an. Rot und Irisch-Grün. Die beiden Alternativfarben sehen auf den Fotos so aus, als hätte der Lackierer seine Arbeit besser gemacht, als beim gelblichen Hellelfenbein.

Fazit: TSM oder doch CMC Porsche?

Gegenüber dem 1:18 CMC Porsche 901 ist der TSM im Maßstab 1:12 deutlich größer und mit fast 40 Zentimetern das wahrscheinlich größte bislang vom Porsche 901 / 911 realisierte Modellauto. Das ist gut – auch für Menschen mit Sehproblemen wie mich. Der Modellautofan erhält für 324,– EUR Straßenverkaufspreis (CMC 200,– – 250,– EUR Straßenverkaufspreis) ein dem Vorbild äußerlich sehr gut entsprechendes Modell, das in der Vitrine oder auf dem Schreibtisch eine ganz schöne Präsenz hat. Super.

Abstriche müsen Originalitätsfanatiker besonders beim elfenbeinfarbenen Modell (ivory white / hellelfenbein) machen. Die Farbe ist am Original vorbeilackiert und zu gelblich. Beim Detaillierungsgrad der Innenausstattung sind gegenüber den herrlich detaillierten CMC-Modellen erhebliche Abstriche zu machen. Der TSM-Porsche ist daher eher etwas zum reinen „In-die-Vitrine“ stellen, während der CMC mit seinen vielen detailliert ausgearbeiteten und beweglichen Teilen durchaus auch ein Spielzeug für detailverliebte erwachsene Porsche-Kinder ist.

TSM hat angekündigt, vom Porsche 901 nur insgesamt 300 Exemplare herzustellen. Ich halte das eher für einen Marketing-Gag, zumal es eh niemand überprüfen kann. Doch ob 300 oder 3000: Angesichts der Aufmerksamkeit die der Porsche 901 und frühe Elfer im Allgemeinen gerade in der Oldtimer-Szene erhält, liegt die Vermutung nahe, dass es den TSM-901 in der Form nicht lange geben wird. Wer ganz wild darauf ist, seinen Traumelfer auf dem Schreibtisch stehen zu haben, sollte also schnell zuschlagen.

Wer auf Details Außen UND Innen abfährt, mal eine Tür oder eine Motorklappe öffnen möchte und mit dem etwas kleineren Maßstab 1:18 leben kann, sollte sich bei CMC umgucken. Den gelungenen CMC-Porsche 901 gibt es nach wie vor in ziemlich vielen Farben außer hellelfenbein zu Preisen ab ca. 200,– EUR im Web oder im spezialisierten Fachhandel.

Hinweis: Ich habe das Modell gekauft und nicht geschenkt bekommen. Es handelt sich also nicht um einen gesponserten Beitrag.

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

2 Comments

    • Sehr kuhle Sache das mit dem Generieren des eigenen Nummernschildes. Probiere ich demnächst mal aus und poste die Fotos mit dem „echten“ Jerry-Nummernschild. Der Preis ist ambitioniert – ja. Aber das Ding ist (von außen) auch echt gut…

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