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Porsche und Piëch – Buchkritik

Written by hansbahnhof

Ferdinand Piëch, Manager, Großaktionär bei Porsche und nicht zuletzt Ingenieur, hat am 25.04.2015 sein Aufsichtsratsmandat bei der Volkswagen AG niedergelegt. Damit endet eine beeindruckende Karriere, die der Österreicher 1963 unter seinem Onkel Ferry Porsche bei der Dr. Ing. h.c. F. Porsche KG in Zuffenhausen begonnen hatte.

Höchste Zeit, endlich mal ein Buch zu besprechen, das die Frau mir schon vor längerer Zeit geschenkt hat: „Porsche und Piëch – Die Rennwagen des Ferdinand Piëch von 1963 – 1972“.

Ferdinant Piech by Stuart Mentiply

Ferdinand Piëch – Photo: by Stuart Mentiply

Piëch bei Porsche

Ferdinand Piëch begann seine Tätigkeit bei  der Dr. Ing. h.c. F. Porsche KG am 1. April 1963 als „Sachbearbeiter im Motorenversuch“.

Das klingt nach purer Langeweile, doch das Gegenteil war der Fall. Bereits mit einer seiner ersten Aufgaben, setzte er sich ein Denkmal.  Denn Piëch verantwortete entscheidend die Optimierung des Sechszylinders im damals neuen Porsche 901, der später zum Porsche 911 werden sollte. Die von Piëch entwickelte Sportversion der Porsche 2.0l Maschine mit 160 PS lief stabil, noch bevor die Ingenieure mit der 130 PS Standard-Version des 2.0 Liter Boxers soweit waren.

Der Mann hinter den Weber-Vergasern

Schon 1965 wurde Piëch Leiter der Entwicklungsabteilung bei Porsche. Piëch war es auch, der von Beginn an Weber-Vergaser im Elfer favorisierte. Zu Weber wechselte die Porsche KG, nachdem sich die von Ferry Porsche eingeplanten Solex-Vergaser als wenig praxistauglich erwiesen hatten. Piëch hatte den Motor so entwickelt, dass der Wechsel auf Weber mit ein paar Handgriffen gemacht war.

Doch die Arbeit am Elfer war nur der Anfang. Porsche und Piëch verbindet die Entwicklung zahlreicher Rennwagen beginnend mit dem Porsche Carrera 6 – meinem ersten Porsche. Auch wenn ich nur die 1:24 Version auf der Carrerabahn mein Eigen nannte.

Porsche Carrera 6. Mein erster Porsche auf der Carrerabahn (Carrera 124)

Porsche Carrera 6. Mein erster Porsche auf der Carrerabahn (Carrera 124)

Das Buch

Das Buch „Porsche und Piëch“ von Delius Klasing entspricht in Sperrigkeit und Gewicht (2 kg!) der Bedeutung seines Namensgebers für die deutsche Automobilindustrie.

Autor Eckard Schimpf beschreibt akribisch die Entwicklung von Piëch bei Porsche und seine Verdienste um die Marke. Es geht dabei keineswegs ausschließlich um Piëchs Rennwagenprojekte.

Der aufwändig gestaltete und in üblicher Delius Klasing-Qualität gedruckte, babyblaue Wälzer zeichnet das Bild eines Mannes, dessen Verdienste nicht nur um die Marke Porsche unstreitig sind.

Ich bin nämlich eigentlich ganz anders

Zwischen den Zeilen entsteht für den Leser jedoch auch das Bild des unantastbaren Konzernlenkers und durchaus kalten Strategen, an den man auch dann nicht herankommt. Auch dann nicht,  wenn man ein Buch über ihn schreibt. Piëch für seine Erfolge zu bewundern scheint einfach.

Piëch als humorvollen und unterhaltsamen Mensch zu mögen, war wohl nur wenigen Menschen in seinem engen Umfeld vergönnt. Er ist ein Mann, der „seine Karten stets dicht vor der Brust spielt“, wie Autor Schimpf es ausdrückt.

Ganz schön dicker Wälzer: Delius Klasings "Porsche und Piëch" wiegt gut zwei Kilogramm.

Ganz schön dicker Wälzer: Delius Klasings „Porsche und Piëch“ wiegt gut zwei Kilogramm.

Doch die Geschichte des Mannes ist unendlich spannend. Eine Geschichte, die unmittelbar mit der Zeit verbunden ist, in der unsere Neunelfer entstanden. Und eine, die ohne Piëch vielleicht ganz anders gelaufen wäre.

Fakt ist: Wer Geschichte beeinflusst, ist selten gleichzeitig Jedermanns Liebling. Darüber war Piëch sich wohl klar, als er auf die Einladung zu seinem 75. Geburtstag ein Zitat des österreichischen Schriftstellers Ödön von Horváth schreiben ließ: „Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.“

Fazit von Teil der Maschine

Ein schweres Buch, ein schönes Buch, ein gutes Buch, ein interessantes Buch und eines mit vielen (guten) Fotos. Nur zu schwer. Doch was soll man machen, wenn so viel in einem Leben passiert?

Autor: Eckhard Schimpf
Verlag: Delius Klasing
Titel: Porsche & Piëch  – Die Rennwagen des Ferdinand Piëch von 1963 bis 1972
Sprachen: deutsch
Preis: 49,90 EUR
Eignet sich für:  Porsche 911 Freunde, die sich für die Geschichte des Porsche 911 und einen seiner wichtigsten Geburtshelfer interessieren. Alle, die sich für die Rennwagen von Porsche in den Sechzigern und Siebzigern begeistern könne. Menschen, die gute Fotos mögen und spannende Geschichten über spannende Menschen lesen.  Auch ein schönes Einsteigerbuch für alle, die sich mit dem Mythos Porsche vertraut machen möchten. Eignet sich nicht für die Lektüre im Bett (zu schwer, Gefahr erschlagen zu werden).

Fotonachweis:

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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