1965 2.0 Coupé - Porschekauf in USA TdM Blog News

Porschekauf in USA – 1965 Porsche 911 – Teil 10: Waiting waiting waiting

Written by hansbahnhof

Ich gucke Casablanca – eine meiner Lieblingskomödien. Zeit zum Filmegucken habe ich, denn jetzt kommt der langwierigste Part des Importprozesses. Der Import.

Was bisher passiert ist

In den vorangegangenen Folgen dieser Serie habe ich geschildert, wie ich begann, mich für einen ganz frühen Porsche 911 zu interessieren. Ihr habt dann erfahren, wie ich über zahlreiche Umwege einen Wagen gefunden habe. Das Objekt meiner Begierde? Ein Porsche 911 Coupé mit 2 Liter Maschine aus dem Modelljahr 1965. Einen der ersten paar hundert Neunelfer überhaupt.

Den musste ich haben und habe daher sämtliche Vorsichtsmaßnahmen in den Wind geschossen.
Das heißt, ich habe weder einen Gutachter in den USA zur Besichtigung hinzugezogen, noch bin ich selbst nach Übersee geflogen, um das Objekt meiner irrationalen Begierde selbst anzuschauen.
Hauptgrund für dieses lässliche und irrationale Kaufverhalten war Jerry, der Eigentümer des Autos. Ich hatte nach einem intensiven Mailverkehr mit ihm einfach eine gutes Gefühl bei der Sache…

 

I´ll die in Casablanca

Waiting, waiting, waiting.
I’ll never get out of here.
I’ll die in Casablanca.
Ich gucke Casablanca – eine meiner Lieblingskomödien. Zeit zum Filmegucken habe ich, denn jetzt kommt der langwierigste Part des Importprozesses. Der Import.

 

Kommunikationsstopp

Jan ist der Experte, der das übernimmt. Er ist seines Zeichens Holländer und als Angehöriger einer Seefahrernation prädestiniert für den Import eines Oldtimers auf dem Seeweg. Sein Unternehmen – so teilte er mir mit – importiert jährlich mehrere tausend Autos von den USA nach Rotterdam.
Es ist immer gut, auf der anderen Seite einen Profi zu haben. Daher beauftrage ich Jans Unternehmen mit dem Handling, schließe eine Transportversicherung bei einem von ihm empfohlenen Unternehmen ab und … höre keinen Ton mehr aus Holland.

 

Erst zahlen dann abholen!

Dass Jan nicht untätig ist, erfahre ich erst von Jerry, dem Verkäufer.

„Jemand hat angerufen und wollte den Wagen mit dem Trailer abholen. Aber das Geld ist doch noch gar nicht auf meinem Konto!“ Herrjeh – das ist ja peinlich. Ich weiß nämlich gar nichts davon, dass Jans amerikanische Kumpels schon heiß darauf sind, „mein“ Auto aus der Nähe von Chicago abzuholen.

Ich schreibe ein Mail an den übereifrigen Jan und bitte, die direkte Kommunikation mit dem Verkäufer in einem solchen Fall doch bitte mit mir abzustimmen. Das macht ja wirklich keinen guten Eindruck.

Es geht los

Zwei Tage später hat Jerry sein Geld und Jans Transporter rückt vor Jerrys eingeschneitem Haus in der Nähe von Chicago an. Noch schnell ein paar Fotos – ich hatte Jerry drum gebeten, damit ich Fotofutter für Teil der Maschine habe – und der weiße Porsche verschwindet in einem sauber verschlossenen Trailer. Byebye USA!

Wenn der Amerikaner "Truck" sagt, meint er es ernst...

Wenn der Amerikaner „Truck“ sagt, meint er es ernst…

 

Dass ich von all dem nichts mitkriege muss ich nicht erwähnen? Der holländische Kommunikationsstopp geht nämlich weiter.

Auch jetzt erfahre ich Kleinigkeiten wie „der Wagen ist gerade abgeholt worden und unterwegs nach New-York“ vom Verkäufer. Der Wagen ist also unterwegs Richtung New York – gut zu wissen.

Passt, wackelt nicht und hat Luft. 1965er Porsche 911 im Trailer Richtung Hafen von New-York.

Passt, wackelt nicht und hat Luft. 1965er Porsche 911 im Trailer Richtung Hafen von New-York.

Der holländische Status

Ich schreibe an Jan, bedanke mich fürs Abholen und weise noch mal darauf hin, dass es irgendwie schön wäre, wenn ich irgendeinen Hinweis auf den jeweils aktuellen Status bekommen könnte.

Jan verspricht Besserung und teil mir mit, dass der Ankunftszeitpunkt in Rotterdam ungewiss sei. Erst müssten die Zollformalitäten erledigt werden und ein passender Container da sein.

Ich bitte um eine Statusaktualisierung in einer Woche. Jan verspricht, sich Anfang der kommenden Woche zu melden.

Am vereinbarten Termin passiert nichts.

Fünf Tage (5 Tage) nach dem versprochenen Termin „Anfang nächster Woche“ habe ich die Nase ziemlich voll. Ich transportiere schließlich keine Holzlatten für Dreimarkfuffzig. Ich lasse Kulturgut transportieren. Und zwar in eine der kriminellsten Städte der Welt. Dafür zahlre ich übrigens mehr als anständig – und dazu gehört auch, dass ich so ungefähr weiß, was eigentlich los ist. WO…..IST…..MEIN…..AUTO???

Calling Holland

Ich rufe in Holland an. „Welches Auto“ fragt ein offensichtlich leicht überlasteter Jan.

Einen aktuellen Status habe er gerade nicht – die Papiere seien beim Zoll. Er würde mal nachfragen und sich per Mail melden, um mir mitzuteilen, wo der Wagen ist. Und natürlich, wann er verschifft wird.

24 dutch hours later

24 Stunden später gibt es immer noch kein Mail aus Holland.
Mir würde es ja ganz offen reichen, zu erfahren, dass der Wagen
a) explodiert ist
b) geklaut wurde oder
c) noch im Zollhafen steht und der Termin für die Verschiffung sich in einem Zeitraum X klären könnte.
Aber nix passiert.
Dann meldet sich Jan doch noch. Von seinem iPhone. Am Samstag.
Man warte noch auf einen zweiten Wagen, mit dem man den Porsche in einen Container stecken können. Bis Ende der kommenden Woche verspricht er ein Statusupdate – alles in Ordnung.

 

Eight days later. Updates anyone?

Das Ende der Woche kommt plangemäß.
Das Statusmail von Jan nicht.

 

Janz ruhig

Jetzt werde ich nervös. Man könnte auch alternativ sagen

 

a) „Jetzt werde ich sauer“ oder
b) „Jetzt bekomme ich langsam Angst“.

 

Da hilft nur eins. Ich rufe einen verlässlichen Holländer an. Frans weiß bestimmt Hilfe. Von Frans hatte ich den Tipp, den kommunikationsschwachen Jan mit dem Transport zu beauftragen.
Frans schafft es, mich zu beruhigen. Ich solle mir keine Sorgen machen. Das wäre manchmal halt so, dass es kein passendes Auto gibt, das mit in den Container reingeht. Und dann müsse man halt warten.
Hab meinen Wagen vollgeladen, voll mit seltenen Teilen. Mal schauen, was davon ankommt nach ein paar Wochen in einem New-Yorker Lagerhaus...

Hab meinen Wagen vollgeladen, voll mit seltenen Teilen. Mal schauen, was davon ankommt nach ein paar Wochen in einem New-Yorker Lagerhaus…

Ich warte gern. Ich werde aber auch gern auf dem aktuellen Stand darüber gehalten, warum das so ist, und wie lange. Und ich bekomme gern in dem Zeitraum eine Info, für den man sie ankündigt. Hatte ich das weiter oben schon erwähnt? In Holland sieht man das anders.
Vielleicht muss ich einfach mehr meditieren, um alles lockerer zu sehen. Doch angesichts eines alten Autos, das bis an den Rand mit seltenen Ersatzteilen vollgestopft ist und irgendwo in einem Warehouse in New York herumsteht, fällt mir das Lockersehen aber schwer. Verständlich?

 

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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