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Porschekauf in USA – 1965 Porsche 911 – Teil 12: Im Bereich Türkis

Written by hansbahnhof

KFZ-Zulassungsstelle. Dem riesigen Raum hat man vor einigen Jahren viel Tageslicht von oben verpasst. Wahrscheinlich, damit sich die wartenden Antragsteller nicht dauernd stressbedingt „auf die Mappe hauen“.

Ich sitze im Warteraum der KFZ-Zulassungsstelle. Dem riesigen Raum hat man vor einigen Jahren ein ganz ordentliches Feng-Shui und viel Tageslicht von oben verpasst. Wahrscheinlich, damit sich die wartenden Antragsteller nicht dauernd stressbedingt „auf die Mappe hauen“, wie man hier im Pott sagt.

Auch mich entspannt das Tageslicht und nach 20 Minuten erscheint meine Nummer auf dem Display.

Ich werde in den „Bereich Türkis“* beordert (*Name geändert).

Herr Meier ist keine Führungspersönlichkeit

Meine Sachbearbeiterin sitzt an einem winzigen Schreibtisch, an dem ich nicht mal Papier tackern möchte. Sie sitzt hinter einem ergonomisch bedenklichen 15 Zoll Röhrenmonitor. Und sie sollte ihren Friseur verklagen, bevor er insolvent ist.

Ich flöte

„Guten Morgen“.

Frau Markus (Name geändert) schaut nicht einmal auf. Doch jetzt! Sie blickt nach links und informiert die Kollegin vom Nachbartisch über eine wichtige innerbetriebliche Begebenheit:

„Da hat der Herr Meier* (*Name geändert!) doch wahrhaftig den Damen vom Schalter Z gesagt, dass sie nicht so viel quatschen sollen.“

Vom Nachbartisch kommt eine spitze Bemerkung à la „Ausgerechnet der…“.
Ich emfpinde große Sympathie für Herrn Meier ohne ihn näher zu kennen. Denn er hat natürlich Recht. Aber er ist wahrscheinlich eine schwache Führungspersönlichkeit und kann sich das nur leisten, weil er verbeamtet ist.

In ganz seltenen Fällen beneide ich solche Leute. … Scherz.

Usbekistan

Frau Markus wendet sich an mich.

„Wo ist denn die Fahrgestellnummer?“

Das ist die kurze Zahl auf dem Zettel hinter der „Fgstnr. ok“ steht.

„Aha“

Frau Markus schaut besorgt auf ihren Monitor. Ihre Stirn legt sich in sharpeiesque Falten.
Man könnte eine Büroklammer fallen hören. Bin ich hier der einzige Antragssteller? Ich schaue mich vorsichtig um.

Frau Markus schaut sehr lange auf ihre Strahlenkanone. Ich muss mich zurückhalten, um den „Windows 3.1 kompatibel“ Sticker nicht aus Langeweile und Sentimalität abzuknibbeln.

Frau Markus klickt derweil in Abständen von gefühlt fünf Minuten auf ihrer Maus herum.
Ich überlege ob ich sie wecken sollte oder ob sie jetzt heimlich auf bunte.de die Fotos vom Königinnentag guckt. Vielleicht disst sie auch Herrn Meier auf Facebook. Aber Internet dürfen die hier bestimmt nicht. Ich warte.

„Unter dieser Fahrgestellnummer sind noch zahlreiche andere Fahzreuge registiriert.“

Frau Markus schaut jetzt sehr ernst und ich fühle mich in die Enge getrieben.

„Porsches??!?“,

frage ich? Frau Markus konsultiert den Bildschrim.

„Ne – Vespas und so“.

Aha.
Da bin ich ja beruhigt.

Ich war nett

Die Befragung geht weiter. Frau Markus hat noch ihre Zweifel an meiner Integrität.

„Auf welcher Grundlage hat die Kollegin denn die Fahrgestellnummer bestätigt“

Ich grinse.

„Ich war nett zu ihr“,

sage ich ganz ehrlich.
Frau Markus ginst (endlich) auch und nickt verständnisvoll. Das Eis scheint gebrochen.

„Achso – na dann. Sie müssen das verstehen.
Mit diesen Kurzkennzeichen wird sehr viel Schindluder getrieben.
Die fahren damit sogar bis Usbekistan.“

Ich beruhige Frau Markus:

„Keine Angst – ich nicht, das hier ist mein erster Kennzeichenbetrug.“

Frau Markus lacht – und ich frage mich, warum ich mein Geld nicht einfach als Autodieb, Versicherungsbetrüger oder Heiratsschwindler verdiene. Ich könnte das.

„Die Versicherungsnummer ist aber nicht für Kurzzeitkennzeichen“.

Ich sterbe schon wieder.

„Die ist explizit dafür zugeschickt worden – schauen Sie hier“.

Ich zeige mein iPhone mit dem Mail des Versicherers.

„Achso – da hatte ich die falsche erwischt. Die hier ist die richtige.
Dann kriegt der ja jetzt ein H-Kennzeichen – was?“

Frau Markus lacht.
Ich mache innerlich „Puh“.

„Ja natürlich, sobald ich ihn abgeholt habe“.

„Na dann besorgen Sie sich mal Ihre Kurzzeitkennzeichen beim Schildermacher und dann wollen wir noch Geld von Ihnen!“.

Ich habe nicht daran gezweifelt.

Ich bin entlassen und habe keine zwei Stunden nach Betreten des Amtes meine Kurzzeitkennzeichen.
Das ging gerade noch mal gut.

Und morgen geht es nach Holland!

 

 

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

4 Comments

  • Das ist der Grund, warum ich das IMMER einem kleinen aber feinen privaten Zulassungsdienst übergebe: Volker, ich brauche bitte:

    Dann holst das einfach ab und sparst Dir den ganzen Stress.

    Aber die Vespa bringst doch immer wieder unter..Sehr schön!

    • Das sage ich mir jedes mal, wenn ich da bin. Diesmal habe ich das nur gemacht, weil ich drüber schreiben wollte. Straßenverkehrsamt bedeutet schließlich „instant story“ – in diesem Fall sogar zwei Teile. Und das mit der Vespa habe ich mir nicht ausgedacht. Das war real und ich musste auch drüber schmunzeln, dass von tausenden von möglichen Marken ausgerechnet eine Vespa als Erstes genannnt wurde. Ein schönes Wochenende mit Agathe und Olga! von hansbahnhof und der Frau!

  • So ein Wahnsinn !!!

    Langzeit – Beantragung für ein Kurzzeit-Nummernschild !
    Jetzt verstehe ich auch, warum die Autohäuser da immer Männer hinschicken, mit einer Frau als Antragsstellerin würde der Charme auch nicht wirken ……..

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