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Porschekauf in USA – 1965 Porsche 911 – Teil 16: Siamesische Blinker und Zylinderjagd

Written by hansbahnhof

Ihr hattet gedacht, die Geschichte zum Import eines Porsche 2.0 Coupés von 1965 ist bereits vorbei? Weit gefehlt. Es kommt noch was nach… – viel Spaß!

Ihr hattet gedacht, die Geschichte zum Import eines Porsche 2.0 Coupés von 1965 ist bereits vorbei? Weit gefehlt. Es kommt noch was nach… – viel Spaß!

Noch ein Tag bis zum Werkstatttermin. Vorher mache ich kurz die Sachen selber, die ich in der kurzen Zeit selber machen kann. Hintergrund: Der deutsche TÜV mag keine amerikanischen Blinker. Und keine amerikanischen Scheinwerfer.

Blinkergläser wechseln beim Porsche 911 Coupé von 1965

Schraubenzieher nehmen, ansetzen, alte Blinkergläser runter, neue Blinkergläser drauf. So kenne ich das vom 72er Porsche 911 S.

Hier sah das noch ganz einfach aus: Neue Blinker und Rücklichtgläser für den Porsche 911 von 1965

Hier sah das noch ganz einfach aus: Neue Blinker und Rücklichtgläser für den Porsche 911 von 1965

 

Beim 1965er 2.0 Coupé und seinen direkten Nachfahren war Porsche noch nicht so weit. Die beiden Schrauben halten nämlich nicht die Gläser im Blinkergehäuse, sie halten den kompletten Blinker im Elfer. Gehäuse und Gläser sind nicht verschraubt, wie bei den späteren Porsche 911. Sie sind vernietet und verschweißt und bilden bei originalen Exemplaren eine Einheit. Und die ist nahezu untrennbar miteinander verbunden.

Porsche Blinker und Rückleuchten beim Porsche 911 2.0 Coupé von 1965 - die rostige Niete in der MItte hält Glas und Gehäuse zusammen. Davon gibt es eine links und eine rechts. Ebenfalls gut zu sehen: Mit den länglichen roten Wülsten wird das Glas zusätzlich im Gehäuse festbetoniert. Hier ist größte Vorsicht geboten, wenn man das originale Glas retten will!.

Porsche Blinker und Rückleuchten beim Porsche 911 2.0 Coupé von 1965 – die rostige Niete in der MItte hält Glas und Gehäuse zusammen. Davon gibt es eine links und eine rechts. Ebenfalls gut zu sehen: Mit den länglichen roten Wülsten wird das Glas zusätzlich im Gehäuse festbetoniert. Hier ist größte Vorsicht geboten, wenn man das originale Glas retten will!.

Fakt ist – Glas und Gehäuse zerstörungsfrei voneinander zu trennen, ist eine Wissenschaft für sich. Ich werde unter „Blinkergläser beim Porsche 911 / SWB zerstörungsfrei tauschen“ noch beschreiben, wie es aus meiner Sicht am besten funktioniert.

Nach nicht einmal drei Stunden herumfuhrwerken mit den Urelfer Blinkereinheiten mache ich mich entnervt auf, um das gute Wetter zu nutzen und den 1965er Porsche auszufahren. Es geht nach Solingen.

Vier!

„Vier“, konstatiert Stefan.
„Hä?“, frage ich verständnislos.
„Zylinder“, sagt Stefan. „Vier Zylinder!“
„Nee … sechs Zylinder“, sage ich. „Ist doch kein 912er!“.
„Das höre ich sofort – mach mal Klappe auf“, sagt Stefan und ich mache die Klappe auf.

Ich bin ohne Probleme in Solingen angekommen und lasse mich von Stefan und Marc bewundern. Das klappt nur fast. Denn jetzt stecken Stefan und Marc ihre Köpfe dahin, wo es nach Öl riecht und laut ist.

„Ich höre nix.“, brülle ich. „Klingt doch sportlich oder?“, denke ich nur leicht beunruhigt.

„Vier“, sagt jetzt auch Marc.
„Höchstens“, sagt er außerdem und bringt mein Vertrauen in den schönen Nearly-Matching Numbers Motor ordentlich ins Wanken.

Marc und Stefan ziehen jetzt nacheinander die Kerzenstecker. Der Verdacht bewahrheitet sich. Mindestens zwei Kolben rotieren nur mit. Daher auch der starke Harleysound meines kleinen Vierzylinders. Na super. Hätte ich ja direkt einen 912er kaufen können. Und jetzt?

„Neue Kerzen“ sagt Marc. Und die besorgen wir mal eben im Baumarkt. Samstags um 16.30 Uhr hat nämlich kein anderer Autozebehörspezialist mehr auf.

Sechs!

Im Baumarkt bietet sich ein enttäuschendes Bild. Große Mengen von Zündkerzen. Aber leider nur für aktuelle Autos. Also improvisieren.

Zündkerzensuche am Samstag Spätnachmittag: Im Bauhaus gibt es Pflanzen - keine Kerzen für einen Porsche Klassiker.

Zündkerzensuche am Samstag Spätnachmittag: Im Bauhaus gibt es Pflanzen – keine Kerzen für einen Porsche Klassiker.

Marc schraubt Kerzen raus und Improvisationskerzen aus seinem Fundus rein. „Lass mal an“, sagt er. Ich drehe den Schlüssel: „Wrooaaaah“ sagt der 65er und läuft dann plötzlich ganz zivilisiert. „Sechs“ sagt Marc, und grinst.

Marc – oder „Motorgott“ wie ihn jetzt nenne – entlässt mich Richtung Heimat. Aber nicht ohne einen guten Rat. „Begib Dich direkt in die Garage! Begib Dich direkt dorthin! Und lass die Werkstatt da am Montag anständige neue Kerzen reinmachen.“ Marcs Wunsch ist mir Befehl – ich bin ja nicht bescheuert und riskiere meinen Motor.

Doch nach zwanzig sechszylindrigen Minuten überlege ich es mir anders. Die Sonne scheint noch so schön und da vorn ist die Ausfahrt Richtung Essen-Kettwig. Ich setze den Blinker Richtung „Route mit Kurven“. Der Motor läuft wie ein Uhrwerk. Wird schon nix passieren.

Blauer Rauch im Sonnenuntergang

Ich nehme meine Hausstrecke unter die nun sechszylinderbefeuerten Räder und der 65er Porsche röhrt so porschig wie noch nie. Ein tolles Gefühl. Ich werde mutiger. Mal ein bißchen höher drehen schadet bestimmt nicht. Und noch mal. Was für ein Sound.

Doch plötzlich beginnt der Motor zu stocken und nimmt nur noch schlecht Gas an. Eine Fahne bläulichen Rauches zieht hinter mir in den Sonnenuntergang. Verbranntes Öl. Achdumeinegüte. Hätte ich mal auf Marc gehört. Ich nehme mich zurück und fahre im gefühlten Schritttempo weiter. Der Wagen klingt so, als hätte er schon wieder zwei Zylinder verloren. Ich habe meinen Motor ruiniert!

 

 

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

6 Comments

    • Es ist ja noch nicht zu Ende… Alles wird gut… Aber Danke und vielleicht mal bis bald zum „richtig alte Autos fahren“

  • Moin Essen,
    Sag mal hast du eigentlich den SWB Blinkerwechsel Beitrag noch gebracht oder ist der noch in der Entstehungsgeschichte, weil du die zusammengenietete Einheit immer noch nicht getrennt hast und dann doch gleich zu den NOS Einheiten für sparfuchsige 2000€ gegriffen hast?
    Viele Grüße aus Bremen,
    Mark

    • Mega culpa. Ist noch in der Mache. Zusammen mit 103 anderen Entwürfen bei TDM. Eigentlich hatte ich sogar ausreichend Filmmaterial… ich priosiere das mal!

    • Ist ja schon einige Zeit her: Danke für Deine Anteilnahme! Es ist damals nix passiert, wahrscheinlich einfach ein letztes Freiblasen des Motors nach -zig Startversuchen durch die Spedition in New-York und Holland. Nachdem dann „richtige“ neue Kerzen drinwaren, war alles gut. Seitdem ein paar tausend Kilometer gefahren… Grüße aus Essen!

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