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Porschekauf in USA – 1965 Porsche 911 – Teil 9: Frans, Jan und der Kleinwagen

Written by hansbahnhof

Ich kaufe ein Porsche 911 Coupé aus dem Modelljahr 1965.

Und zwar ohne den Wagen gesehen oder gefahren zu haben. Ohne Begutachtung durch einen Experten. Ohne den Eigentümer zu kennen. Ohne Sicherheiten. In den USA. Kurz: Ich bin wahnsinnig. Höchste Zeit, System in den Wahnsinn zu kriegen.

Rotterdam oder Bremen – die Steuerfrage

Das teuerste am Import eines Oldtimers von den USA nach Deutschland ist nicht der Container. Das teuerste sind die Steuern. Und die belaufen sich auf 19% vom Kaufpreis beim Kauf eines alten Autos.

Containerschiffe zwischen New York und Rotterdam. Viel Wasser zwischen den Welten...

Containerschiffe zwischen New York und Rotterdam. Viel Wasser zwischen den Welten…

Eine kurze Rechnung: Sagen wir, das Auto kostet 60.000 EUR. Plus 19% macht einen Gesamtpreis von neckischen 71.400 EUR. (!) Und da kommen noch mal 10% Zoll drauf, wenn ich das richtig kapiert habe.  Hinzu kommen dann noch die Kosten für den Transport und andere Kleinigkeiten. Zum Beispiel die Umrüstung des Autos auf EU-Standards, die Geburtsurkunde von Porsche und so weiter. Alles in Allem also happig viel und man sollte genau überlegen, was man tut, ehe man importiert.

Günstiger läuft der Import steuerlich über Holland. In Rotterdam greift sich die holländische Steuer vergleichsweise schlanke 6% des Kaufpreises für einen mehr als 30 Jahre alten Klassiker. Macht Summa Summarum beim oben beschriebenen Beispiel: 63.600 EUR inkl Steuern. Die Entscheidung ist also relativ schnell getroffen. Der Import läuft über Holland. Ich mag Holländer – mein 911 S kommt aus der Nähe von Hilversum.

Ich habe gar keinen Bugatti

Ich telefoniere mit Frans. Der hat mir meine Recaros verkauft, ist Holländer, Porsche-Experte und Import-Meister. Achso – nett ist er außerdem. (Hey Frans!)

Er weiß natürlich, wen man ansprechen sollte und gibt mir die Kontaktdaten von Jan. Jan importiert für sein Unternehmen alles was Räder hat und stinkt aus den USA.

Jan freut sich über meinen Anruf. Wir sprechen Englisch. Die Sprache der Autoimporteure. Schließlich bin ich Profi in dem Business: „Do you have a Bugatti?“, fragt Jan am Telefon. „No – nicht directly“. Ich muss zugeben, dass es sich bei meinem Importwunsch eher um etwas Niedrigpreisigeres handelt.

Jans Interesse an meinem Auftrag scheint direkt etwas gedämpfter. Aus seiner Sicht verständlich. Denn Bugattis – sagt Jan – würden in der Regel nicht auf dem piefigen Seeweg importiert. Die Käufer seien meist viel zu wild auf die Autos. Daher kommen vierrädrige Molsheimer Raritäten in der Regel mit Air Freight. Das kostet dann mal eben XX.XXX Euro für den Flug von New York nach Dubai – oder Ischgl – oder wohin ever man so einen Bugatti hin verfliegt. Aber man hat den Wagen in zwei Tagen in der heimischen Tiefgarage und kann ihn mit dem Nerzlappen vorsichtig nachpolieren. Sachen gibt´s.

Chicago – Rotterdam aus einer Hand

Ich bitte Jan, mir ein Angebot über den Import meines Niedrigpreisklassikers auf dem langweiligen Seeweg für Arme zu machen und Jan erklärt, wie das geht.

Der holländische Importeur beauftragt einen amerikanischen Spediteur mit der Abholung des Wagens in den USA: Ich kann auswählen, ob ich einen offenen Trailer oder einen geschlossenen Transport haben möchte. Der Unterschied beträgt ein paar hundert Dollar.

Der Spediteur holt den Wagen ab und bekommt vom Verkäufer den Eigentumsnachweis (Title) ausgehändigt. Dann liefert er den Wagen, der übrigens am besten ein „Roller“ ist – also selbst fahren kann – in den Hafen. Zum Beispiel den Hafen von New York.

Zerquetscht vom 600er Mercedes

Dort kommt er in den Container. „Good“, sagt Jan, „that you have such a small call. We can put it into one container with another small car!“ Na hab ich ein Glück, dass ich ein Sammler niedrigpreisiger Kleinwagen bin.

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Man glaubt gar nicht, wie viel Porsche in einen Container reingeht, wenn man sich anstrengt. (Foto: Die Frau, www.schoenerblog.de)

Meine Sorge gilt aber den Horrorstories von Oldtimern, die zum Transport zu viert in einen Container gequetscht werden.

Dazu baut der preisbewusste Importeur eine Art Holzregal in den Container. Über dem Porsche schwebt dann auf dem Seeweg im schlimmsten Fall ein drei Tonnen schwerer Mercedes 600 (ich übertreibe). Nachteil dabei: Wenn das Regal bei einer Welle die Contenance verliert, plättet der 600er den darunterliegenden Wagen wie eine Dampfpresse.

„So etwas machen wir nicht“, beruhigt mich Jan auf Importenglisch und versichert mir das schrifltich. Der Container wird mit maximal zwei Autos unterwegs sein – und die stehen hintereinander.

Dann kann ja nix mehr passieren. Oder? Wir werden sehen…

 

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

4 Comments

  • hallo und herzlichen glückwunsch zum kauf des autos! ich habe alle teile der geschichte mit vergnügen und interesse gelesen, da ich auch hin und wieder mit dem gedanken an einen kauf in den usa spiele.

    ich drücke dir die daumen, dass die geschichte gut ausgeht – manchmal muss man auf sein bauchgefühl vertrauen, bei jerry scheint es ja zu stimmen.

    beste grüsse aus köln!

    • Hallo und Gruß zurück nach Köln,

      noch ist der Drops ja nicht gelutscht – insofern kann ich gedrückte Daumen gut gebrauchen!

      Danke und vielleicht mal bis bald im echten Leben!

      von hansbahnhof

  • Er ist nicht zerquetscht oder zusammengeschoben vom Schiff gekommen, sondern heute in Originalgröße in Holland abgeholt worden !
    Auch die Fahrt von dort nach Essen scheint glücklicherweise ohne Überraschungen verlaufen zu sein ……
    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH und viel Freude am „niedrigpreisigen Kleinwagen“ !!!
    Anne

    • Vielenvielen Dank für die Glückwünsche! Wir hätten uns gewünscht dass Ihr auch dagewesen wäret! Alles in Ordnung – die Frau hat Ruud souverän im Alleingang zurückpilotiert! Alles Liebe von uns beiden!

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