Werkstatt

Projekt #Porschewerkstatt (5) – Zu spät zum abreißen

Written by hansbahnhof

Es war einmal eine winzige Autolackierei – so erzählen es die Nachbarn. Die lackierte fleißig Opels und Käferautos bis der Gestank so unerträglich wurde, dass das Amt einschritt und den Laden zumachte.
40 Jahre später will ich dort meinen Porsche 911 S Targa restaurieren – und restauriere erstmal das Gebäude.


Eigentlich hätte ich meine kleine Porschewerkstatt besser abgerissen und neu aufgebaut. Das meine ich übrigens ernst. Abreißen und neu bauen wäre billiger gewesen, als die Aktionen, die notwendig waren, um das Werkstattgebäude aus den Sechzigern auf einen brauchbaren Stand zu bringen. Zu spät: Es ist einiges passiert. Auch wenn ich meine utopischen Planungen aus Teil 1 dieser ewigen Serie (Projekt #Porschewerkstatt 1 – Ein Traum wird Wirklichkeit) an vielen Stellen eindampfen musste. Aus Budgetgründen oder einfach deswegen, weil im Moment zum Verrecken keine Handwerker zu kriegen sind. Was gibt es also Neues zu berichten?

Risse weg, Farbe drauf und Fenster

Die Werkstatt ist nun von außen stabilisiert, verputzt und gestrichen. Das war nötig, weil zahlreiche Risse die Optik und auch die Statik beeinträchtigt haben. Kurzum: Optisch macht der kleine Schraubertraum von Außen erstmal einen guten Eindruck – kein Vergleich zum Urzustand.

Schön ist anders. Risse und teils zugemauerte Fenster nach Kauf.

Ich wollte die alten Holzfenster aus Pitchpine behalten. Doch leider waren die Dinger an einigen Stellen so durch, dass der Fensterbauer meinte, man könne sie nur noch wegschmeißen. Ich habe die Rahmen zersägt und das brauchbare Holz behalten (Pitchpine riecht so schön, wenn man es sägt). Dann habe ich langweilige Kunstofffenster einbauen lassen. Fehler.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich über die Dinger schon geärgert, als sie geliefert wurden. Kunstofffenster sind ja nie besonders schön. Dann hat sich der Fensterbauer auch noch leicht vermessen. Was soll ich sagen: Ich hätte schöne Industriefenster aus Metall mit schwarzem Rahmen nehmen können. Hätte mehr gekostet. Hätte aber deutlich besser ausgesehen. Hätte hätte.. Für solche Überlegungen hatte ich wohl seinerzeit zu viel anderen Kram im Kopf.

Schon besser. Mal abgesehen von den Kunststofffenstern: 4 Jahre später

Beton – es kommt darauf an, was man drauf macht

Den 3.5 cm dünnen porösen Betonboden aus den Sechzigern habe ich rausreißen lassen. Dann haben die fleißig Kette rauchenden Handwerker alles 80 cm ausgekoffert und den Boden mit Dämmung, Armierung und einen dicken Schicht WU-Beton für die nächsten 200 Jahre fit gemacht. Hoffentlich. Ziel: Weg mit dem bröseligen Untergrund und natürlich die Grundlage für eine Hebebühne schaffen.

2017 – Beton rein – Boden gut. Jedenfalls hält er seitdem

Nächster Schritt im Dezember 2021: Der Boden wird gefliest. Eigentlich sollten es die klassischen Argelith Vollklinker werden. Das sind diese meist rötlichen Werkstattfliesen, die quasi unzerstörbar sind. Aber auch beim Bodenbelag habe ich einen budgetbedingten Kompromiss gemacht. Der Fliesenleger verlegt in Kürze türkische Bodenfliesen mit den Maßen 40×40 cm in hellgrau. Sieht nicht so klassisch aus, macht die Bude aber heller.

Wände – Sand in Sicht

Bevor die Fliesen reinkönnen müssen noch die Wände gemacht werden. 20 Liter Farbe auf die Rolle und fertig! Dachte ich. Doch der antike Sandputz an den Wänden spielt da nicht mit. Ich habe zu Beginn versucht, mit einem kleinen Plastikspachtel und Moltofill Löcher zuzumachen. Der Effekt: Beim Glattstreichen klammert sich der Sandputz schutzsuchend an den Spachtel und das zu füllende Loch wurde zum klaffenden Krater.
Der Putz muss also in Teilen runter von den Wänden. Das mache ich selbst. Ich habe ja sonst nix zu tun.

Deckendämmung – und Platz für die Bühne

Im Winter brütend heiß. Im Sommer nicht auszuhalten. So ist das halt, wenn unter den Dachziegeln nix ist, als Werkstattluft. Also nahm ich das Schnapperangebot des Dachdeckers um die Ecke an und habe die kahle Decke mit freiem Blick auf die Dachziegel dämmen lassen. Seitdem hat der kalte Winterwind weniger Einfallmöglichkeiten und im Sommer hält sich die Hitze in Grenzen.
Netter Nebeneffekt: Die Jungs vom Dachdecker haben befehlsgemäß die Hälfte der Zwischendecke rausgerissen. Jetzt ist Platz für eine Porsche-Hebebühne! Zur Hebebühne mehr demnächst.

Elektrik – 200 Meter lichtgraues Stangenrohr

Eine Porschewerkstatt ohne Strom ist keine Porschewerkstatt. Nachdem ich das Stromthema fast fünf Jahre lang mit einer Kabeltrommel mehr schlecht als recht improvisiert hatte, war nun endlich der Elektriker da. Zusammen mit einem Auszubildenden im vierten (!) Leerjahr und 200 Meter hässlichen lichtgrauen Stangenrohren hat er eine Woche lang dicke Kabel gezogen. Und Stangenleerrohre in die Wände gedübelt.

Das Resultat ist nicht schön, aber funktional. Ich rede mir das schon wieder schön: Die grauen Rohre, von denen teilweise vier übereinander an den Wänden hängen, gemahnen an das seelige U-96. Ohne ansatzweise schön auszusehen.

Auch da hätte ich vorher länger über Alternativen nachdenken müssen. Zum Glück werden einige der hässlichen Plastikdinger unter Verkleidungen verschwinden. Und wenn Ihr fragt, weshalb ich die Elektrik VOR dem Putzen und Streichen der Wände mache, ist die Antwort ganz einfach: DER ELEKTRIKER HAT EIN ANGEBOT GESCHICKT, DASS NICHT TOTAL UTOPISCH WAR UND ER HATTE ZEIT, KABEL ZU ZIEHEN! In zwei Monaten hätte er keine Zeit mehr gehabt. So isses. Die Logik dahinter versteht Ihr spätestens, wenn Ihr mal ein Haus (um-)baut.

Bleiben wir beim Positiven: Ein großer Unterverteiler speist jetzt fünf (5!) 400 Volt-Dosen und eine ausreichende Menge von 240 Volt Dosen plus Verteiler und Lampen. Meine Lieblingslampen – zwei Bolich-Leuchten vom Manufactum-Grabbeltisch – machen sich richtig toll über der 300 KG Werkbank, die dringend noch Farbe und eine Überarbeitung der Holzoberfläche braucht.

Mir fehlen übrigens noch 4 Industrielampen (30er bis 70er Jahre, Durchmesser minimal 40 cm – Zustand quasi egal). Falls jemand welche herumliegen hat, kontaktiert mich bitte – hansbahnhof(at)teil-der-maschine.de.

Falls Ihr Euch fragt, warum es vier Jahre gedauert hat, bis ich endlich Strom in der Werkstatt hatte: Allein der Kabelgraben außerhalb der Werkstatt ist zwanzig Meter lang und wir mussten fünf Abwasserleitungen umschiffen.

Noch ein Tor

Bleibt als eine der letzten größeren Baustellen ein neues Werkstatttor. Rolltor, Sektionaltor, Schiebetor – was auch immer. Auch das ist projektiert und soll in Kürze rein. Fehlt noch der passende Dienstleister. Aber kriegt mal einen Handwerker, der vor dem nächsten Meteoritenschauer Zeit für sowas hat und bezahlbar ist. Manchmal denke ich, ich sollte umschulen.

Mein „Maschinenpark“ und die Hebebühne für den Porsche 911 S Targa kommt!

In Teil 6 berichte ich in Kürze über die Entwicklung des TDM-Maschinenparks und beantworte die Frage, was passiert, wenn man eine Flott TB10 Tischbohrmaschine aus den Sechzigern vier Jahre lang in den Fahrradschuppen stellt und dann 400 Volt reinjagd. Außerdem in Arbeit: Die Hebebühne für die Porschewerkstatt. Hebebühnen-Vorüberlegungen, was die Hebebühne können sollte, weshalb ich keine chinesische Hebebühne und auch keine gebrauchte Hebebühne gekauft habe und weshalb eine Hebebühne 25 Quadratmeter Platz schafft!

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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