Werkstatt

Projekt Zündanlassschloss Porsche 911 S: Folge 2

Nach langer Überlegung habe ich mich entschlossen, das vor sich hinsiechende Schloss auszubauen. Es wird durch ein neues Schloss ersetzt, das aus zwei kaputten eBay Schlössern entstehen soll. Muss sein. Auch wenn ich Gefahr laufe, am Wochenende bei der NextG KultTour im Mercedes statt im Porsche fahren zu müssen. Unter Zuhilfename einer ordentlichen Rohrzange war der Ausbau des Fiat 500 Schlosses keine Aktion. Der Grund für die Zündprobleme des 911 S ist jetzt auch klar. Neben kreativ zurechtgefrickelten Kabeln (drei unterschiedliche Farben auf 10 cm sind Rekord – Grazie!) war der Anschluss für die Kabel zum geschalteten Plus ausgebrochen. Puh. Dass wir damit durch halb Schottland fahren konnten ohne abzufackeln, ist wirklich Glück gewesen. Oder Vorsehung.

Porsche Zündanlassschloss sezieren
Zu Hause mutierte dann der geräumige Esszimmertisch zum Seziertisch für Porsche Zündanlassschlösser. Schloss Nr. 1 hatte laut ebay-Verkäufer einen funktionierenden Schließzylinder. Der ist einzeln nicht zu neu zu bekommen. Er musste also raus, um in Schloss Nr. 2 implantiert zu werden. Schloss Nr. 2 hatte nämlich keine Schlüssel. Da Schloss Nr. 1 sich im Zustand 6 minus befand, entschloss ich mich dafür, die Trennschreiben des Dremel zu testen. Anders hätte ich den Schließzylinder aus dem völlig vernudelten Schloss auch nicht herausbekommen. Offensichtlich hatte sich in der Vergangenheit schon einmal ein Experte am Entfernen des Zylinders versucht und dabei das Feingewinde komplett ruiniert. Nachdem ich den Stift ausgebohrt hatte, der den Schließzylinder hält (das ist ein winziges Ding von ca. 2 mm Durchmesser, sehr versteckt außen am Schloss) musste ich große Teile des umgebenden Ex-Gewindes per Trennscheibe entfernen. Für sowas ist der Dremel wirklich super. Außerdem ist es für solche Arbeiten super, wenn man schon gegessen hat, die Frau nicht da ist und die Putzfrau bald kommt um den Esszimmertisch von Aluminiumstaub zu befreien.

Eine halbe Trennscheibe später konnte ich den Schließzylinder herausklopfen. Ernüchterung. Die Schlüssel lassen sich zwar einstecken, aber nicht drehen! Bei genauem Hinsehen kein Wunder. Denn der Schlüsselbart des bei eBay erworbenen Schlosses Nr. 1 ist 911 untypisch nur auf einer Seite des Schlüssels. Wahrscheinlich hat der Verkäufer einen Satz alte Porsche 356-Schlüssel beigelegt. Super.

Porsche Schließzylinder auf bestehenden Schlüssel anpassen (Version ohne Schließzylinderreparaturset)
Machen wir also den Schließzylinder auf und passen ihn direkt an meinen Türschlüssel an. Ich höre mich so an, als würde ich das seit Jahren machen, musste aber wie meistens bei meinem Porsche Erfahrung durch logisches Denken ersetzen.

Normalerweise nutzt man ein Schließzylinderreparaturset, wenn man ein neues (altes) Schloss an einen bestehenden Schlüssel anpassen möchte. Das ist im „911er Schrauberhandbuch“ von Wayne R. Dempsey ganz nett erklärt. Leider hatte ich gerade kein Reparaturset. Und ich bin mir auch fast sicher, dass man sowas in Deutschland nicht bekommt.

Schließzylinder öffnen und Innenteil herausnehmen
Also Plan B: Wir bringen uns bei, wie der Schließzylinder zu öffnen ist und wie man ihn ohne Reparaturset mit Haushaltsmitteln an einen anderen Schlüssel anpasst. Nach Entfernen von Fett und Dreck, wird klar, dass der Schließzylinder auf der Rückseite mit einem Segering gesichert wird. Mit einem kleinen Schraubenzieher (zweiter Minischraubenzieher zum Gegenhalten ist sinnvoll) lässt sich der Ring vorsichtig herausholen während man mit der Frau telefoniert. Die muss Verständnis für Multitasking mitbringen. Schließlich strickt sie, während wir telefonieren. Dann zur Sicherheit Schlüssel einsetzen, damit die Einzelteile nicht durch die Gegend fliegen und Innenteil des Schließzylinders herausholen. Fertig.

Wie ein Porsche Schließzylinder funktioniert und weshalb man im Notfall auf zwei Messingplättchen verzichten kann
Jetzt sieht man gut, wie so ein Porsche-Schloss funktioniert. Der Schlüssel schiebt kleine Messingplättchen im Porsche-Schloss herum. Beim richtigen Schlüssel fallen die Messingplättchen in die „0“-Stellung zurück, wenn der Schlüssel ganz eingesteckt ist. Beim falschen Schlüssel blockieren „herausstehende“ Plättchen den Zylinder: er lässt sich nicht drehen. Ich hatte natürlich den „falschen“ Schlüssel, nämlich den von meinem Wagen. Die Lösung war einfach. Von 12 Plättchen (?) blockieren in meinem Fall nur zwei bei eingestecktem Schlüssel das Schloss. Diese zwei entferne ich mit einem kleinen Schraubenzieher. Sie sind nämlich nur gesteckt. Und schon lässt sich der Zylinder drehen. Bingo. Eine absolut praktikable Interimslösung.

Ob ich es auch noch schaffe, den Kabelbaum bis Sonntag fertigzubekommen, erfahrt Ihr in den nächsten Tagen…

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

2 Comments

  • ich sitze hier bei strahlendstem Sonnenschein im Garten, schlürfe eine leckere Melange und griemele über beide Backen ob Deiner Beschreibung !

    SO gross sind die Unterschiede gar nicht, ob Du an einer alten vespa, einem alten Waerburg oder einem alten Porsche schraubst. Es mangelt immer an den selben Dingen !

    Bitte weiter mehr davon

    Marcel

  • … so isses. Und das ist alles keine Raketentechnik wenn man mal ganz ehrlich ist. Jedenfalls große Teile davon – Dir viel Spaß mit dem Wartburg und bis bald!

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