Werkstatt

Projekt Zündanlassschloss Porsche 911 S: Folge 4

Das hatte ich mir so schön einfach vorgestellt. Ich hatte ein funktionierenden Porsche Schließzylinder. Einen funktionierenden Eigenbau-Kabelbaum. Ein neues und funktionierendes Porsche-Zündanlassschloss. Und ich hatte die Schrauben, um alles zusammenzuschrauben. Geschätzter Aufwand: Eineinhalb Stunden inklusive Einbau und dann raus in die Sonne zum 911er-fahren. Denkste.

Seegering im Freiflug
Nachdem der Schließzylinder gesäubert und gefettet war, kam Frickelaufgabe 1: Einbau des Seegeringes, der den Porsche-Schließzylinder in seinem Mantel hält. Rausholen war ja noch relativ einfach. Reindrücken gestaltet sich schwierig. Mit einem hellen „Zingggggg“ schnell der winzige Ring nach oben Richtung Garagendecke. Ich brauche eine Idee. Die Idee kommt in Gestalt einer verrosteten Seegeringzange aus meiner Vespa-Zeit. Die lässt sich nutzen, um den Ring zum Einbau zu weiten. Der Ring hat zwar keine Ösen, aber mit etwas Geduld und einem zusätzlich angesetzen Minischraubenzieher geht es. Aufgabe 1 bewältigt.

Vier mal alles auseinander
Dann schraubte ich zuerst das Zündanlassschloss an. Kein Problem bis hierhin. Nach einem letzten Test des Schließzylinders drückte ich ihn in seinen Sitz. Vorsichtig, unter Einsatz von viel Fett und mit zwei Daumen, damit bloß nichts verkantet. Fertig. Schlüssel rein und umgedreht. Der Schließbolzen verschwindet und der Wagen würde jetzt starten, wenn das Ganze eingebaut wäre. Klappt ja. Denkste. Denn der Schließbolzen lässt sich nicht wieder aus den Tiefen des Schlosses hervorholen. Da kann ich den Schlüssel nach links drehen, wie ich will. Irgendwas muss sich verkantet haben.

Ich baue alles wieder auseinander. Teste noch mal den einwandfreien Lauf des Schließbolzenzs und baue alles noch vorsichtiger wieder zusammen. Vier mal. Dann brauche ich eine Pause. Die Pause nutze ich, um noch mal mit dem Schraubenzieher zu prüfen, ob der Bolzen sich frei hin- und herbewegt. Das tut er. Aber nur, wenn man den Schraubenzieher innen nicht zu tief in die mittlere Vertiefung des Schlosses gedrückt wird. Da ist das Problem. Denn auch der Schlüssel dringt ca. 3-4 mm weit aus dem Schließzylinderende heraus, wenn er eingesteckt wird. Dadurch verhindert er offensichtlich das Zurückschnappen der Feder, die den Schließbolzen herausdrückt. Ok. Es gibt keine Einstellmöglichkeiten um ein zu weites Eindringen des Schlüssels in den Zylinder zu vermeiden. Meine Theorie. Die Schlüssel sind in Italien für die Türschlösser nachgefertigt worden und dabei einfach zu lang geraten. Die pragmatische Lösung: Mit der Kombizange kürze ich einen der Schlüssel um ca. 3 Millimeter. Der Effekt ist frappierend. Das Schloss lässt sich drehen und schließt. Aha.

Zündung Fehlanzeige
Das Lenkzündanlassschloss, so der vollständige Name, könnte jetzt eingebaut werden. Nur zur Sicherheit verkabele ich es ein letztes mal im Fußraum des Wagens. Ein Dreh und der Schießbolzen verschwindet. Zweiter Dreh und die Lämpchen verkünden „Zündung“. Ein dritter Dreh und: Nichts. Das kann ja wohl nicht sein. Doch, kann es. Also alles wieder auseinander. Der Schuldige ist der ca. 4 mm lange Metallstift, der ein Überdrehen des Schlosses beim Anlassvorgang verhindern soll. Auch hier keine Einstellmöglichkeit. Puh. Jetzt erinnere ich mich an meinen E-Bay Erwerb Nr. 1. Bei diesem Schloss war dieser Stift nicht vorhanden bzw. entfernt. Ich entferne ebenfalls und baue alles wieder zusammen. Mit einem ROAR startet der S. Ok – wir verzichten auf den Stift.

IKEA Inbusschlüssel für die Montage
Der Einbau des vollständigen neuen Schlosses gestaltet sich schwieriger, als angenommen. Die dreizehner Mutter, mit der das Ende des Lenkzündanlassschlosses scheinbar an der Lenksäule befestigt wird, ist nicht zu erreichen. Zunächst muss ein vier Zentimeter dicker Kabelstrang zur Seite gedrückt werden. Dann benötigt man einen dreizehner Maulschlüssel, der sich leider gerade in meiner zweiten Garage befindet.

Nach 10 Minuten Überlegung lässt sich die Mutter dann mit einer praktisch geformten Luxusrohrzange von Knipex öffnen. Dabei stelle ich fest, dass die Schraube gar nicht zum fixieren des Schlosses dient. Sie dient der Fixierung einer Inbusschraube, die wiederum das Schloss fixiert. In den dunklen Untiefen hinter dem Armaturenbrett war das nicht zu sehen. Die neu entdeckte Inbusschraube will mit einem Inbusschlüssel bedient werden. Na gut. In meiner umfangreichen Inbusschlüsselsammlung findet sich das ideale Porsche-Werkzeug: Ein Standardsechskant des schwedischen Werkzeugspezialisten IKEA. Der ist schön kompakt und lässt sich super auch dort einsetzen, wo gar kein Raum für einen normalen Inbus ist.

Fertig – na fast
Nach weiteren zehn Minuten Kabelbaum hin- und herschieben findet das massige Schloss seinen richtigen Platz. Der Rest ist wirklich einfach. Inbusschraube zudrehen. Dreizehner Mutter nachziehen und Inbusschraube damit fixieren, Zündschlossabdeckung von außen aufschrauben. Fertig. Jetzt nur noch testen ob alles geht. Dabei stellt sich heraus, dass der Schließbolzen offensichtlich nicht weit genug in die Lenksäule eingreift. Die Lenkradsperre funktioniert nicht einwandfrei. Ich entschließe mich, dass mir das jetzt erstmal egal ist und gehe porschefahren.

Fazit Porsche Lenkzündanlassschlösser selber revidieren
Da muss man schon Spaß an der Uhrmacherei haben. Kein Wunder, dass eine Werkstatt in der Regel nach einem gebrauchten Neuteil fragt. An einem Porsche Lenkzündanlassschloss herumzuschrauben ist eine ziemliche Frickelei. Wenn es dann funktioniert, macht es Spaß – aber bis dahin sollte man sehr langsam und vor Allem in kleinen Schritten arbeiten und immer wieder alles ausprobieren. Im Winter baue ich alles noch einmal auseinander, um den Kabelbaum vollständig zu erneuern. Dann gibt es hier auch mal Fotos.

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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