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Retro E-Bikes aus drei Ländern – Mit Stil zur Porsche-Garage

Written by hansbahnhof

Abgasskandale, Rohstoffverknappung, Walfang in Japan, Pegida. Wir leben in einer Zeit der Katastrophen. Da sind auch kleine Schritte wichtig, um die Welt zu retten. Wenn man das auch noch mit Stil machen kann – umso besser! Michael von http://michisoldtimer.com ist da schon weiter, als die meisten von uns. Er fährt neben einem sehr kühlen französischen Amilcar (YEAH!) seit Kurzem ein holländisches Retro-E-Bike von Meijs.

Da ich ebenfalls seit Jahren um elektrische Fahr- und Motorräder herumlaufe, möchte ich Euch passend vor Weihnachten drei elektrische Bikes aus verschiedenen Ländern vorstellen, die Euch den Weg zur Porsche-Garage leichter machen, die Gegend nicht vollstinken und schöne Conversation-Pieces sind.

Kleines Schwarzes aus Holland: Meijs Motorman

Michisoldtimer-Michael hat sich für ein Meijs Motorman Elektro-Moped entschieden. Das optisch an ein kleines Motorrad der dreißiger bis fünfziger Jahre erinnernde Elektrobike kostet knapp unter 5000,– EUR plus Mehrwertsteuer, wenn man es in Ford T-Modell Schwarz bestellt. Andere Farben kosten Aufpreis. Auch Individualisierungen sind möglich – Gulf-Blau zum Beispiel. Obwohl das vielleicht nicht so ganz zur Optik passt.

 

Der Motorman ist bis zu 45 km/h schnell und verfügt über eine 30 Ah/48V LiPo Batterie. Die Reichweite, die ja bei Elektrofahrzeugen immer das Erste ist, nach dem man fragt, beträgt für die 25 km/h Version 70 – 100 km. Die schnellere 45 km/h Version kommt mit einer Batterieladung 50 – 70 km weit (Herstellerangaben).

Die Ladung des nicht entnehmbaren Akkus an der Haushaltssteckdose dauert vier bis sechs Stunden. Eine Garage mit Stromanschluss ist also nötig.

Wer Motorman fahren möchte, braucht dann noch einen Helm und ein Mofa-Versicherungskennzeichen. Zum TüV muss das kleine Schwarze nicht. Und wenn mal was kaputt geht, ist sind die Wege kurz. Der (sehr sympathische) deutsche Vertrieb in Düsseldorf empfiehlt für Wartungen den Gang zum Elektrofahrradhändler. Die Komponenten stammen von bekannten Herstellern wie Shimano und Schwalbe. Das Bike selber wird nicht in China sondern in Maastricht zusammengeschraubt. Das dürfte der Qualität guttun.

Vorteil des Motorman für die Verwendung auf deutschen Straßen ist aus meiner Sicht die vollständige Ausstattung mit Schutzblechen. Wer das E-Bike für den Weg zur Arbeit nutzen will, ist damit auch gegen schlechteres Wetter geschützt. Nachteil ist sicherlich die fest verbaute Batterie, die man nicht mal eben in der heimischen Küche aufladen kann. Den Motorman mal eben unter den Arm zu klemmen und in den ersten Stock zu schleppen, dürfte bei einem Gewicht von 45 kg schweißtreibend werden.

Mehr über den Motorman im Internet auf den Seiten des Herstellers:
http://www.meijsmotorman.com

Board-Tracker aus den USA: Vintage Electric Tracker

Vintage Electric ist eine typische amerikanische „Schüler baut Unternehmen auf „-Geschichte. Der Gründer Andrew Davidge hat das Unternehmen vor einigen Jahren direkt im Anschluss an die Schule gegründet, nachdem er ein Retro E-Bike für sich selbst gebaut hatte.

Die Optik der Vintage Electric Bikes orientiert sich liebevoll an den „Board Trackern“ der zwanziger Jahre. Das waren Motorräder, die auf Holzrennbahnen bewegt wurden. Das sehr stimmig ausschauende Bike ist in den Grundfarben Indian-Red, Excelsior Blue, Racing Green und Slate Grey (Schiefergrau wie beim klassischen Porsche!)  erhältlich. Custom Colours gibt es gegen Aufpreis.

 

Der 2016er „Tracker“ von Vintage Electric wird in Santa Clara (Kalifonien) aus hochwertigen Bike-Teilen gebaut. Die „Fat Frank“-Reifen kommen von Schwalbe, die Bremsen von Shimano und die Radnaben stammen vom amerikansichen Hersteller Phil Wood.

Der Rahmen ist eine Eigenkonstruktion aus Alu und laut Vintage Electric sehr leicht. Das Rahmendreieck ziert die Batteriebox aus Aluminium, die auch der Wärmeabführung dienen soll. Wesentlicher Vorteil dieser Anordnung scheint mir der niedrigere Schwerpunkt im Vergleich zu Batterieboxen am Oberrohr.

Der Tracker verfügt über einen 3000 Watt Radnabenmotor und eine Lithium Batterie mit 52 Volt. Diese Kombination beschleunigt das Bike im Racing Mode auf irrsinnige 60 km/h. Da wird es mit der deutschen Zulassung möglicherweise schwierig.

e-tracker-2-phil

Hochwertige Komponenten: Hier die Radnabe von Phil Woods.

Die Reichweite beträgt abhängig vom Gasfuß (Gashand) des Fahrers ca. 24 – 30 Meilen. Das sind zwischen 40 und 50 km. Für den Weg zur Arbeit und zurück oder den Weg zur Porsche-Garage und zurück ist das absolut ausreichend. Als kleines und sinnvolles elektrisches Gimmick verfügt der Tracker über Rekuperation. Das bedeutet, dass beim Bremsen Energie in den Akku zurückgeführt wird. Dazu gibt es am Lenker einen roten kleinen Knopf für Weltretter. Ganz großartig.

Schon nach zwei Stunden ist der Vintage Electric Tracker wieder aufgeladen. Andrew verspricht bei der Auslieferung nach Deutschland ein Euro-Netzteil fürs Laden. Wie beim holländischen Motorman muss das Bike komplett zur Steckdose. Das Herausnehmen des Akkus zum Laden ist nicht möglich.

Und was sagt die Haushaltskasse zum Tracker? Wer zusätzlich zum Bike (4.995,– US$) noch eine Custom-Lackierung möchte (599.– US$) oder den Gepäckträger mit zwei Satteltaschen (799,– US$) sieht schnell in die rot unterlaufenen Augen seines Sparschweins.  Deutsche Käufer müssen noch den Container auf den Kontinent hinzurechnen (490,– US$) sowie deutsche Steuern. Wer viel außerhalb von Kalifornien trackert wird sich außerdem Schutzbleche für beide Räder zulegen, was der schönen Optik etwas abträglich sein dürfte.

Summa Summarum ist der Tracker damit kein ganz günstiges Angebot, aber auch nicht viel teurer, als ein Paar Recaro S-Sitze für Euer F-Modell.

Die Amerikaner sind übrigens begeistert vom Vintage Electric. Sogar Ex-Late-Night Ikone und Über-Petrolhead Jay Leno hatte seinen Spaß – hier im Film.

Mehr über Tracker (und Cruz) findet Ihr auf der Website von Vintage Electric Bikes unter
http://vintageelectricbikes.com.

Böse Macchina. Italjet Mantra

45 km/h. 60 km/h. Alles Firlefanz. Die Italiener planen mit dem Italjet Mantra (oder Bulldozer je nach Quelle) ein Bike, das deutlich mehr Wumms haben soll.

Der Mantra ist ein ausgewachsenes E-Bike und bricht mit sämtlichen Urwerten des italienischen Motorradbaus. Benzinmotor? Modisches Design? Chromteile? Fehlanzeige. Der Prototyp besitzt nicht mal einen Spiegel (!).

Dem Mantra genügen böse Räder, ein böser Scheinwerfer und ein etwas böser (Elektro-) Motor. Das alles haben die Italjets mit mattschwarzer Farbe übergossen, die irgendwo rumstand. Das Wörtchen „Bella“ passt auf den mattschwarzen Boliden ungefähr so gut wie ein Diddelmausaufkleber. „Brutale“ hätte als Name besser gepasst – war aber leider schon weg.

Italjet hat einen Prototypen (?) mit dem Namen Mantra vorgestellt, der optisch auch für den nächsten MadMax taugt.

Italjet hat einen Prototypen (?) mit dem Namen Mantra vorgestellt, der optisch auch für den nächsten MadMax taugt.

Der Steampunk unter den E-Bikes soll  „125 km/h“ schnell werden. Viel mehr ist in den einschlägigen Publikationen nicht über die technischen Daten zu lesen. Zum Mitcruisen in der Stadt und auf der Landstraße wäre das völlig ausreichend. Besonders, wenn man weiß, wie ein Elektromotor aus dem Drehzalkeller anzieht.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Italjet die böse Macchina auf den Markt wirft, ist zwar gering. Doch die Italiener haben bereits in den Neunzigern mit dem „Velocifero“ einen der ersten echten Retro-Roller auf den Markt gebracht und ihn blendend verkauft. Wahnsinnig genug für den Mantra sind sie also.

Fakt ist. Wenn sie das tun sollten und der Mantra akzeptabel bepreist ist, steht die böse italienische E-Maschine in meiner Garage neben dem Elfer. Wegen der Umwelt. Klar.

Herzlichen Dank / Thank you

  • Ingrid Ortgies (Meijs Motorman Deutschland)
  • Andrew Davidge, Eddie Johnson  (Vintage Electric Bikes)

(c) Bildnachweis:

 

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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