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Rettungsgasse – Wie das Miniatur Wunderland in Hamburg für Verkehrssicherheit sorgt

Written by hansbahnhof

Als Fahrer eines 50 Jahre alten Porsche 911 mit airbaglosem Mahagoni-Holzlenkrad sind die Frau und ich hochgefährdete potentielle Unfallopfer. Unsere Bremsen sind schwach. Aktive und passive Sicherheit sind nicht vorhanden und der Urelfer ist so niedrig, dass er locker unter einem modernen Lifestyle SUV einparken kann. I see dead people.

Gut, wenn sich da wer um die Verkehrssicherheit kümmert. Zum Beispiel der „Deutsche Verkehrssicherheitsrat“ (DVR). Noch nie gehört? Das sind die Jungs, die für mehr Verkehrssicherheit in Deutschland sorgen sollen. Sie tun das mit rasant-spaßigen Plakatkampagnen an unseren Autobahnen. Kampagnen, die sich durch ihren herrlichen Fünfziger-Jahre Charme und ihre total zielgruppenaffine Namensgebung ins Autofahrergedächtnis brennen.  Zum Beispiel der Klassiker „Runter vom Gas“ (Brüller!) oder  „Zusammen ans Ziel“ (ja genau, eine Kampagne für junge Menschen von heute) oder „Echte Männer rasen nicht“. Wo war ich?? Genau. Eingeschlafen.

Verkehrserziehung in Zeiten sozialer Medien

Dass es in Zeiten von Social-Media und viralen Videos auch anders geht, zeigt ausgerechnet ein Unternehmen, das mit Verkehrssicherheit so was von rein gar nichts am Hut hat: Das Miniatur Wunderland in Hamburg (www.miniatur-wunderland.de). Für Laien: Die Betreiber einer sehr sehr sehr großen Modelleisenbahn in der Speicherstadt Hamburg. Wie jetzt?

Offensichtlich arbeiten im Miniatur Wunderland eine Menge Leute, die regelmäßig auf deutschen Autobahnen unterwegs sind. Dabei ist unter anderem Eines aufgefallen: Die Deutschen können nicht autofahren  wissen nicht, was eine „Rettungsgasse“ ist. Das ist schlimm. Denn Rettungsgassen bildet man, um Rettungswagen durchzulassen, die schnell zum Unfallort kommen müssen. Die Miniaturwunderländer haben daher ein wunderschönes Stop-Motion Video produziert, in das sie nach eigener Aussage 1000 Stunden Arbeit gesteckt haben (glaube ich!).

Das Video zeigt nicht nur, wie man eine Rettungsgasse bildet, sondern auch die Hindernisse, mit denen die Leute zu kämpfen haben, die Euch bei einem Unfall retten sollen. Das Ganze ist lustig, bunt und vor Allem viral. Kurz, es ist das, was der Deutsche Verkehrssicherheitsrat sich dringend mal beim Nachsitzen und NeueKampagnenSchmieden anschauen sollte. Fünf mal. Und dann bitte noch draus lernen, wie man es 2016 richtig macht mit dem Werben für die Verkehrssicherheit.

Hier ist das Video!

So, hoffentlich haben es jetzt alle begriffen. Ganz ehrlich – ich wusste nicht, wie man eine Rettungsgasse bildet, bis ich im vergangenen Jahr in Bayern auf der Autobahn sehr hilfreiche elektrische Leuchtschilder zum Thema gesehen habe. Jetzt habe ich das mit der Rettungsgasse intus und stehe (hoffentlich) niemand mehr im Weg.

Meine Empfehlung: Film gucken, beim nächsten Mal richtig eine Gasse bilden und Leben retten. Vielleicht sitzen ja die Frau und ich in der Kiste, die da vor die Leitplanke gefahren ist.

Bleibt ein Wunsch: Mehr davon. Zum Beispiel zum Thema „Gaffen“ bei Unfällen. Oder zum „In der Mitte 85 fahren auf dreispurigen Autobahnen“. Wer dann hinter den Filmchen steckt ist mir relativ egal. Es sollte halt jemand machen, der es so gut  macht, wie das Miniatur Wunderland. Danke dafür nach Hamburg im Namen aller Betroffenen!

Noch ein Hinweis: Das Miniatur Wunderland ist in Hamburg ganz in der Nähe des „Prototyp“ Museums. So lassen sich gerade an regenerischen Tagen zwei Hamburg-Highlights verbinden!

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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