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SCFR 2012 – Spontaneous Cheese Fondue Rallye – Report

Written by hansbahnhof

So viele Dinge in der Welt haben mit einer bekloppten Idee angefangen. Man denke nur an Christoph K. und die Entdeckung von Amerika. Ok. Kein guter Vergleich. Hier geht es um Porsche 911 und Käsefondue (in der Reihenfolge).

So viele Dinge in der Welt haben mit einer bekloppten Idee angefangen. Man denke nur an Christoph K. und die Entdeckung von Amerika. Ok. Kein guter Vergleich.

Die Geburtsstunde der SCFR

Die SCFR hat Ihre Geburtsstunde irgendwann im Frühjahr 2011. Ich hatte Michael in Lausanne gesagt, dass ich Ende des Jahres noch einmal an den Lac Leman möchte, um ein Käsefondue zu essen. Als er mich daran erinnert, ist das Jahr schon fast um und die Oldtimersaison quasi beendet.

Da ich aber das Gefühl habe, dass der Porsche noch einmal dringend warm gefahren werden muss, entschließe ich mich, die 2000 km Tour hin und zurück auszuprobieren.

Alle kommen mit – na ja fast

Da „Sachen machen“ im Porsche 911 gemeinsam viel mehr Spaß macht, wollte ich andere zum Mitkommen bewegen. Und das geht ja bekanntermaßen am besten mit einem Motto wie „Make Love not War“.

„Spontaneous Cheese Fondue Rallye“ hatte ich in Sekunden aufgeschrieben und für das Logo brauchte ich in OpenOffice 10 Minuten. Fertig war die SCFR. Und die Massen strömten. Na ja. Nicht wirklich. Um ganz ehrlich zu sein – kein Mensch hatte Lust, eine so lange Strecke in so kurzer Zeit in einem so alten Auto zu fahren. Alle außer André. Der Exilberliner war verrückt genug, um mitzukommen. Alle anderen waren der Meinung, dass man an einem Wochenende nicht 2000 km mit einem alten Porsche fährt. Und dass man dafür um die Zeit Schneeketten braucht.

SCFR 2011: Und jetzt kommt ein Tunnel

Wir hatten jedenfalls massenweise Spaß auch ohne Riesenteilnehmerfeld und ich konnte mir einen kleinen Videotrailer nicht verkneifen.

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Schon kurz nachdem der Spontaneous Cheese Fondue Rallye Trailer auf Youtube hochgeladen ist, erreichen mich erste Mails: „Ich komme mit im nächsten Jahr!“ „Ne klar“, denke ich, „und dann sagen ja doch kurz vorher wieder alle ab.“ Aber weit gefehlt. Von denen, die sich Monate vorher als potentielle Teilnehmer melden, kommen 2012 bis auf zwei alle mit!

SCFR 2012: Reifen platt bei der Hinfahrt

750 km sind es von Essen nach Lausanne. Also heißt es „früh losfahren“ am Freitag. Ich mache mich pünktlich um 8.00 Uhr auf den Weg Richtung Köln. Auf dem Weg noch schnell Marc am Rastplatz Ohligser Heide abholen und dann nach Königsforst, wo Stefan und Stefan mit zwei Porsche SC warten wollen.

Kleine Enttäuschung. Bei Stefan 2 (oder „Madame“, wie er seit der 2012er SCFR heißt ;-)), haben die umgeschweißten Felgen zu einem Platten geführt. Madame ist zum Beifahrer degradiert und fügt sich in sein Schicksal. Sein Vorteil – er kann die Liegesitze im SC testen. Bei strömendem Regen geht es dann mit drei Elfern – dem Teil-der-Maschine 2.4 S Targa, Marcs 86er Turbo und Stefans SC  – Richtung Schweiz.

Wer sagt, dass ein Porsche 911 keine anständigen Liegesitze hat! (Foto: Marc)

Zwischenfälle Fehlanzeige

Dass man mit drei Autos der Baujahre 1972 bis 1986 ohne Zwischenfall mehr als 700 km fährt, ist unwahrscheinlich. Aber: Die Elfer machten sich gut. Ok –  Stefans Heckflügel verliert irgendwo zwischendrin eine  Befestigungsschraube und Marcs Turbo braucht eine Ersatzsicherung. Aber das sind auch die einzigen Problemchen. Dass Madame seinen Personalausweis zu Hause liegen lässt, spielt dann kaum noch eine Rolle.

Ankunft und Pizza in Lausanne

Pünktlich um 18.00 Uhr erreichten wir dann unseren Zielort und schwärmen erst einmal zum Frischmachen aus. Treffpunkt ist 20.00 Uhr zur Pizza und – siehe da – es sind alle gekommen. Vollständig. Dreizehn gutgelaunte Verrückte haben ein gemeinsames Thema und freuen sich auf eine sonnige Tour am nächsten Tag.

Die Tour: Wenn der Namensgeber zu spät kommt

Am nächsten Morgen wache ich völlig gerädert auf. Das liegt weniger an der Hinfahrt als vielmehr an der Tatsache, dass wir unser „Hotel“ in Frankreich bei Florian aufgeschlagen haben. Deswegen mussten wir im Anschluss an Pizza und Doppio am Vorabend noch einmal 45 Minuten um den See herum, während alle anderen bereits die Kissen knuddelten.

Nach einem Croissant und einem Touristenbaguette für Marc machen wir uns auf die Rückreise Richtung Lausanne. Da die Autobahnauffahrt gesperrt ist verlieren wir wichtige Zeit und kommen viel zu spät. Michael guckt schon genervt – und er hat ja Recht. Also – keine Zeit verlieren und ab zum Hafen in Ouchy. Denn hier ist Platz für ein Gruppenfoto unserer Transportmittel.

Sofort sind wir und die Porsches umringt von Touristen. Ein Japaner mit dicker Spiegelreflex hat richtig Spaß und die anderen Zaungäste ebenfalls. Die Sonne scheint, der See gluckert. Perfekt.

Alle Autos am Hafen in Ouchy – die Tour kann starten (Foto: Steven)

Die SCFR startet fast schon traditionell in Richtung Montreux. Den Umweg über die Weinberge hat Michael schon beim letzten Mal genommen und er fordert eifriges Herunterschalten, denn hier sind die Steigungen enorm. Und schnell fahren ist auch nicht. Denn merke: Wo es in der Schweiz keine Radarfallen gibt, gibt es Straßeneinbauten. Und die sind nicht gesund für einen tiefliegenden Porsche mit harter Federung.

Ab in die Weinberge: Gesehen aus Stefans SC (Foto: Stefan oder Stefan)

Danach geht es weiter Richtung in Richtung Vallais und dann herüber nach Frankreich, wo wir kleine Straßen und schicke Serpentinen unter die Räder nehmen. Die Fahrweise ist engagiert aber im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen. Stopps sind im engen Zeitplan nicht eingeplant. So kommen wir nur zwei mal kurz zum Halten. Einmal, um Platz für einen Almabtrieb zu machen.

Almabtrieb mit Porsche. Ausnahmsweise mal Stillstand im Pulk der Elfer (Foto: Stefan)

Die zwei- und vierbeinige einheimische Bevölkerung ist freundlich und für die SCFR geschmückt. (Foto: Michael)

Zweiter Gang – und nicht trödeln

Die Tour wird wie im letzten Jahr eine „zweiter Gang“-Tour. Denn das ist der am meisten beanspruchte des Fünfganggetriebes. Vor Allem beim Beschleunigen zeigen sich die Unterschiede zwischen meinem 2.4er und den hubraumstärkeren oder getunten Mitfahrern. Ich war selten so froh, die S-Version mit 190 PS zu fahren und nicht einen T oder einen 2.2er. Damit hätte ich die rote Laterne abonniert.

Yvoire – touristisch aber niedlich. Die SCFR Mittagspause. (Foto: Manfred)

Nach einer kurzen Mittagspause im schönen Ivoire geht es weiter über Berge und Serpentinen. Grobe Richtung „Bergrennstrecke“.

Bergrennstrecke

Aus terminlichen Gründen fahren wir nur einmal unsere Bergrennstrecke. Einige sind etwas traurig drüber – beim nächsten Mal müssen wir halt pünktlich los (meine Schuld).

Trotzdem haben wir auf dem Abschlussstück noch viel Spaß und schaffen sogar noch den traditionellen Stopp am Chateau de Vufflens, wo wir im letzten Jahr den Teil der Maschine 911 S für den Elferteam-Kalender im Abendlicht fotografieren konnten. In diesem Jahr sind wir etwas zu spät, trotzdem wird eifrig fotografiert und natürlich gefilmt.

Chateau de Vufflens. Leider ohne Sonnenuntergangsatmo in diesem Jahr. Trotzdem sehr fotogen. Wo ist mein Schwert? (Foto: Stefan)

Es geht weiter in Richtung Morges, wo wir einen Parkplatz finden und das sich auflösende Klassikerfestival für englische Autos besuchen. Zeit für einen kleinen und entspannenden Spaziergang, Benzingespräche und ein kaltes Getränk.

Zum Abschlusskaltgetränk in ein ehemaliges Casino in Morges. (Foto: Manfred)

Fondue Finale

Nach knapp einer Stunde in Morges dann der wichtigste Teil: Auf zum „Tour de Gourze“, einem Restaurant, das eigentlich keines ist und in dem man hauptsächlich Käse in verschiedenen Aggregatzuständen bekommt.

Doch vor dem Abendessen müssen wir noch durch einen unbeleuchteten Wald. Endzeitstimmung herrscht, während sich acht Porsches laut röhrend im Schritttempo durch die völlig lichtlose  Waldlandschaft schleppen.

Abendstimmung am Genfer See in Lausanne (Foto: Stefan)

Der Trampelpfad auf dem wir fahren, ist gerade breit genugt für einen Urelfer und besteht fast ausschließlich aus Kurven. Nach einer Viertelstunde klart der Himmel auf und wir stehen auf einem Berg. Ganz oben drauf. Unter uns liegt der Genfer See. Und zwar der ganze Genfer See. Wir haben unbeschreibliches Glück und einen Blick von Montreux bis Annecy bei sternklarem Himmer. Kalt ist es hier – aber dagegen gibt es ein klassisches schweizer Rezept. „Fondue au Fromage“ – bereitet aus genau der richtigen Mischung aus Gruyère (Greyerzer) und Emmentaler Käse sowie geheimen Zutaten wie Knoblauch, Kirschwasser und Weißwein. Dazu einen „Epesses“, wie ihn die Leute aus der Gegend gern trinken. So sollte ein Abend ausklingen und das lassen wir uns nicht zwei mal sagen.

Gut gefüllt mit flüssigem Käse treten wir die Heimreise in die Hotels an und trennen uns. Bis nächstes Jahr? Wer weiß? Jedenfalls hatten wir alle einen Riesenspaß.

Zurück nach Hause

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Marc und Florian (noch mal Danke fürs Asyl) machen wir uns auf den Heimweg. Den See lassen wir im wahrsten Sinne des Wortes „links liegen“ und winden uns hinauf in die schweizer Berge Richtung Basel. Pünktlich zur Rückfahrt setzt wieder Regen ein. Das kann uns jetzt mal sowas von egal sein!

Die fast 800 km bis Essen ziehen sich unendlich und in Deutschland herrscht mal wieder Straßenkampf. Die Fahrerin eines Renault Migraine tritt kräftig auf die Bremse. Sie fährt – wohlgemerkt – auf der Überholspur. Die mittlere und die rechte Spur sind ihr nicht fein genug, obwohl sie völlig frei sind.

Ich bremse von 195 auf 120 in zwei Sekunden. Natürlich ohne ABS und bekomme fast einen Herzinfarkt. Die Renaultfahrerin kapiert es nicht – sie ist Biolehrerin und studiert wahrscheinlich die Flora auf dem Mittelstreifen, während sie dahingleitet. Ich überhole rechts warte, bis sie sich zwei Kilometer später entscheidet, die mittlere Spur zu nehmen. Warum haben solche Leute einen Führerschein.

SCFR 2013

Was wird 2013? Wird es wieder eine SCFR geben? Irgendwie hätte ich Lust drauf und liebe die Tour als Saisonabschluss. Ob der unabkömmliche Michael noch mal Lust auf Orga hat? Ob André als Mann der ersten Stunde wieder dabei ist? Und Martin mit dem schönen ST? Und Manfred, Conny, Marc und die anderen? So viele Fragen. Wer kommt mit? Anfragen an hansbahnhof(ät)teil-der-maschine.de.

Danke

An alle, die so wahnsinnig waren, mitzukommen, aber ganz besonders Michael, ohne den das gar nicht organisierbar wäre.

 

 

 

 

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

11 Comments

    • Lieber Michael,

      nächstes nicht verplantes Wochenende im Januar – noch Fragen? Ich bin aber trotzdem schon dran, mache Euch aber lieber keine Hoffnungen. Ich sage mal „in diesem Jahr“ ist nicht unwahrscheinlich… Beste Grüße an den See (ich habe die Schneefotos gesehen und habe mich fast totgelacht – das war zwei Wochen nach der SCFR oder?)

  • Ansgar:
    schon das darauffolgende Wochenende brachte eine Puderzuckersicht fuer die Berge auf der anderen Seite des Sees in geringerer Hoehe.

    Wir hatten Glueck 🙂

    Ich warte dan mal ungeduldig auf Dein Zweitlings- SCFR-werk…

    Gruss,
    Michael

  • Tolle Sache, Respekt!
    Ich traue mich allerdings nicht eine so weite Fahrt mit dem Porschi
    auf mich zu nehmen und erfreue mich an den tollen Bildern.
    Ist 2014 wieder was geplant….?

    Grüsse
    Andreas

    • Eine Frage, die ich im Moment noch nicht beantworten kann. Wenn, wird das 2014 wirklich spontan und ich gebe es kurz vorher bekannt. Dem Porsche tut das übrigens gut mal wieder richtig warm gefahren zu werden! Schönes Wochenende!

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